Uncle Ben’s lebt: „Cancel Culture“ reicht nicht einmal bis über die kanadische Grenze

Uncle Ben’s lebt: „Cancel Culture“  reicht nicht einmal bis über die kanadische Grenze

Unter großem kulturlinkem Getöse wurde vor einigen Wochen unter anderem die Marke Uncle Ben‘s begraben. Rassistisch sei die Darstellung eines Schwarzen als Markenzeichen, da das „Uncle“ früher – also ganz früher vor 150 Jahren – als Anrede für männliche Sklaven verwendet wurde. Dass Uncle Ben‘s in Wahrheit auf einem erfolgreichen Reisbauern namens Frank Brown basierte, dessen Nachname auch seiner Hautfarbe entsprach, war dem linken Aufschrei-Mob egal. Weg sollte das Logo, weil Rassismus. Wie das so ist in den Zeiten der „Cancel Culture“ beugte sich das Unternehmen hinter Uncle Ben‘s, und änderte den Namen und tilgte das Gesicht. Eine kurze Recherche allerdings zeigt, dass es keineswegs aus Überzeugung gemacht wurde, sondern aus reiner Taktik erfolgte. Uncle Ben‘s lebt noch immer.

 

Uncle Ben‘s ist und bleibt eine globale Marke

 

Wer in die Adresszeile www.UncleBens.com eintippt, der wird umgehend weitergeleitet zu „Ben‘s Original“. Die Farben und Schriftart der Marke ist noch immer die selbe, lediglich der Onkel fehlt und auch das Gesicht des erfolgreichen Reisbauern Frank Brown ist nicht mehr da.

Aber weder das Unternehmen, noch der Mob interessieren sich wirklich für den vermeintlichen Rassismus hinter dem Gesicht und dem Namen. Das zeigt sich, wenn man anstelle der .com Adresse zum Beispiel .de verwendet. Unter www.UncleBens.de findet sich noch immer der alte Markennamen und auch das Gesicht von Frank Brown lächelt dem Käufer weiterhin entgegen als sei nichts gewesen. Die deutsche Seite ist dabei kein Ausrutscher. Genau das selbe Ergebnis bekommt man nach der Eingabe der Endungen für die Schweiz (.ch) und Österreich (.at).

Vielleicht, könnte man jetzt denken, liegt das am mangelnden Bezug, den der deutschsprachige Raum zur Sklaverei US-amerikanischer Prägung hat, weshalb der Name und das Gesicht weiterhin auf den Packungen abgebildet werden. Im deutschen Kulturraum war der Mann nie ein Sklave, sondern immer nur ein erfolgreicher Reisbauer. Doch weit gefehlt. Auch unter www.UncleBens.fr findet sich der vorgeblich vorbelastete Name mit dem verdächtigen Gesicht noch immer, obwohl Frankreich in seiner Geschichte immer mal wieder weggesehen hat beim Thema der Sklaverei.

Aber war da nicht Mayotte, würden Leser meines Blogs einwenden, als einer Insel, deren Kolonialgeschichte so gar nicht in das übliche Imperialismusschema reinpassen will? Bei Mars Inc., dem Eigentümer von Uncle Ben‘s, scheint das beim Nicht-Canceln der Marke keine Rolle gespielt zu haben, da Mayotte und dessen tragische Geschichte jenseits kleiner Nischen keinerlei Bekanntheit genießt .

Mars ist übrigens britisch und damit in einem Land beheimatet, das sich nicht nur am Opium für China reich gestoßen hat, sondern auch am Sklavenhandel. Dennoch lächelt einem auch unter www.unclebens.co.uk ein Schwarzer namens Uncle Ben entgegen. Selbiges gilt für die ehemaligen Kronkolonien Australien (.au), Neuseeland (.nz) und selbst Kanada (.ca), das doch arg überrascht. Denn zumindest über den englischen Landesteil von Kanada lässt sich sagen, dass er mindestens zu 90% in die US-amerikanische Kultur eingebettet ist. Dennoch lächelt auch in kanadischen Supermärkten nach wie vor der Rassismusverdächtige Frank Brown von der Packung.

 

Kosten für den Neuaufbau der Marke vs die Kosten der Weiterverwendung

 

Die große Frage ist, warum das noch immer sein kann. Die Antwort darauf ist herzlich einfach. Denn nach dessen Sieg ist der linke Mob schon lange weitergezogen. Vermutlich würde es niemandem mehr auffallen, wenn auch in den USA die alten Packungen einfach weiter in den Regalen stünden. Uncle Ben‘s als Markenprodukt ist ohnehin zu teuer für die meisten der „Aktivisten“, die auf dem Boden der „protestierenden“ Tatsachen gerne auch mal den 1-Dollar-Shop plündern und alles, was preislich nahe dran ist.

Effektiv steht die Geschäftsleitung bei Mars Inc. beim weiteren Umgang mit Uncle Ben’s vor der Frage, was günstiger ist: Der Neuaufbau einer altbekannten Marke – einem überaus kostenintensiven Unterfangen – oder die Weiterverwendung des Markennamens unter dem Risiko, dass der Mob aus Langeweile ein zweites Mal zuschlagen könnte.

In Anbetracht der Internetauftritte sieht ganz danach aus, als hätten sie sich für eine Mischstrategie entschieden. Die Gefahr für ein neuerliches Aufflammen des Aufschreitourette ist gering in den meisten der westlichen Länder, in denen Uncle Ben‘s als Marke etabliert ist. Daher sehen wir heute noch immer das Gesicht von Frank Brown und müssen uns über die englische Seite zu den Ankündigungen durchklicken, um etwas über die „Veränderungen“ zu erfahren, die geschehen sollen, nachdem „wir zugehört haben“, wie es dort heißt.

Die Botschaft mit den Veränderungen ist in mehreren Sprachen abrufbar, darunter Deutsc . Unter anderen heißt es dort: „Wir werden unseren Namen in Ben’s Original™ ändern und auch das Bild auf unserer Verpackung entfernen, um eine gleichberechtigtere Darstellung zu schaffen. Mit dieser Änderung kommt unser Anspruch zum Ausdruck, eine integrativere Zukunft zu schaffen und gleichzeitig unser Engagement für die Produktion des besten Reises der Welt aufrechtzuerhalten.“

Dem aufmerksamen Leser werden die Stichworte aus dem Werkzeugkasten der Dekonstruktion aufgefallen sein, wobei es im gesamten und etwas länglichen Text genau so weitergeht. (Man könnte vermuten, dass er nur deswegen so lange ist, damit ihn niemand liest.) Die Seite selbst mit der Botschaft inklusive Sprachwahl existiert laut Archive.org seit dem 1. Oktober 2020, also seit über einem halben Jahr.

Wie der Seitenvergleich zwischen den Länderversionen zeigt, ist die Botschaft in den USA bereits in die Realität umgesetzt worden. Sehr wahrscheinlich wurde das umgehend gemacht, bzw. wurde vom Einzelhandel gefordert, damit der Mob nicht im Walmart zu randalieren beginnt. Aber in den anderen Ländern? Nichts – und ein halbes Jahr ist sehr lange Zeit, wenn das Damoklesschwert linker Ausschreitungen droht.

 

Aus Opportunismus, nicht aus Überzeugung

 

Alles deutet darauf hin, dass sich Mars Inc. keineswegs dazu entschlossen hat, den oben zitierten Mumpitz auch wirklich in die Tat umzusetzen. Vielmehr spult das Unternehmen ganz einfach nur ein Schutzprogramm für seinen ROI ab. In den USA musste es sein, da die Gefahr eines weiteren Aufflammens des gewalttätigen Geschreis einfach zu hoch war.

In den anderen Ländern aber zuckten die Einzelhändler vermutlich von Beginn an mit der Schulter, während die Mobs in Deutschland, Frankreich, England und anderswo sowieso andere Themen heißer finden als den Reis aus den amerikanischen Südstaaten. Eventuell könnte es sogar sein, dass die vergrößerte Markenexposition außerhalb der USA zu höheren Umsätzen geführt hat. Das allerdings würden wir wohl frühestens in 200 Jahren erfahren.

Die aus dieser Beobachtung ableitbare Marken- und Marketingstrategie besteht aus reinem Opportunismus, keinesfalls aus Überzeugung, dass tatsächlich etwas nicht in Ordnung sein könnte mit dem gesetzlichen Umfeld allgemein oder mit der Marke Uncle Ben‘s mit Frank Browns Gesicht im speziellen. Alles, was getan wurde und noch getan werden wird, folgt lediglich dem Skript des minimalen Aufwands, um die negative Aufmerksamkeit von sich weg zu lenken.

 

Extremismus ist immer schlecht fürs Geschäft

 

Einerseits ist das eine gute Nachricht. Denn es zeigt, wie wenig Einfluss die kulturmarxistische Ideologie auf dem Boden monetärer Interessen hat. Andererseits muss man sich jedoch fragen, wie weit dieses oder andere Unternehmen gehen würde, sollte der zeitgeistige Druck noch stärker steigen. Das Beispiel der NBA in den USA oder auch viele deutsche Unternehmen mit Schwerpunkt China zeigen, dass auch in die andere Richtung im Zweifel stets der Weg des geringsten Widerstands genommen wird und bei Bedarf auch ein bleibender Autoritarismus geschluckt wird.

Schließlich bleibt noch die Feststellung, dass extremistische Anwandlungen in Gesellschaften trotz der vermeintlichen Robustheit und Anpassungsfähigkeit von Unternehmen und Marken stets eine negative Wirkung auf die Wirtschaftstätigkeit haben. Dies unabhängig von der Tiefe, die eine Bewegung die Identität einer Gesellschaft berühren kann, wie das Canceln-und-doch-nicht von Uncle Ben’s zeigt. Sobald der Schwall mit Aufschrei als ausreichend heftig erachtet wird, lassen sich etablierte Marken selbst leichten oder auch nur versehentlichen Vergehen gegen das Dogma in kürzester Zeit „dekonstruieren“.

Wäre ich Reisanbieter in einem der Länder, in denen Uncle Ben‘s noch immer von der Packung lächeln darf, ich würde dem örtlichen Antifa/BLM-Mob einen Tipp geben und mich freuen über den neuen Platz im Verkaufsregal. Wir lernen, dass Extremismus als Beiprodukt dem zerstörerischen Aspekt des Wettbewerbs die Tore öffnet. Das kann niemandem gefallen – außer den Extremisten selbst.

Quelle Titelbild 1 ,2 , 3

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