Warum kann Google Fake News erkennen, aber keine Betrugsmaschen herausfiltern?

Warum kann Google Fake News erkennen, aber keine Betrugsmaschen herausfiltern?

 

Betrug oder nicht?

 

Eine Telefonnummer wird angegeben, ich könnte also in Spanien anrufen. Allerdings beherrsche ich kein Spanisch. Was sollte ich sie auch fragen. Es wäre peinlich. Im Archiv wiederum gibt es Naranjass.com nicht. Allzu lange kann die Seite also nicht existieren. Da sie bei Google gelistet ist (sogar ganz oben) müsste sie auch regelmäßig von den Crawlern des Archivs erfasst werden. Kein gutes Zeichen.

Auch die Bewertungen wirken umso dubioser, je genauer man hinsieht. Zwar heißt es unten auf der Seite, dass es für die Bewertungen „29 Ansichten“ gab und es wird suggeriert, dass es zu einer externen Quelle geht. Jedoch ist da kein Link und die Anzahl ist statisch, wird also nicht nach jeder neuen Ansicht aktualisiert. Auch das spricht deutlich für einen Betrug.

Auf der anderen Seite kann man seine Clementinen dort aber auch mit verschiedenen Kreditkarten und PayPal bezahlen. Beide Zahlungsarten bieten mindestens einen rudimentären Schutz gegen falsche oder betrügerische Überweisungen. Nicht zuletzt noch einmal das Google Argument: Wenn dort etwas ganz oben erscheint, dann kann es kaum betrügerisch sein.

Ist es also doch kein Betrug?

 

Eine Strategie der maximalen Unsicherheit

 

Ich weiß noch immer nicht, ob Naranjass.de echt ist. Dort zu bestellen habe ich mich noch immer nicht getraut.

Die ganze Posse mit der einen schlechten Erfahrung beim Waschmaschinenkauf hat mich so sehr sensibilisiert, dass ich mich inzwischen fast noch bei den großen Anbietern umschaue und im Zweifel verzichte, wenn ich mir nicht 150% sicher bin.

Noch habe ich mich Amazons Marktmacht zwar nicht gebeugt, doch dessen Äquivalente Real, Lidl und wie sie alle heißen, sind mir seitdem erheblich sympathischer geworden. Selbst wenn ich einmal eine Ausnahme mache – in der Zwischenzeit geschah dies ein Mal – dann schwingt dennoch immer das ungute Gefühl mit, gerade auf Nimmerwiedersehen Geld in den Orkus geworfen zu haben.

Die Konsequenz daraus ist klar. Kleine, ehrliche Anbieter werden gnadenlos aus dem Markt herausgedrückt, weil sich keiner gerne auf solche Spielchen einlässt. Niemand, der nicht mit einem sehr dicken Fell, viel Zeit und den notwendigen Methoden ausgestattet ist, um Betrugsmaschen zu erkennen, würde das lange mitmachen. Je mehr wir dazu gezwungen werden, im Internet unsere Sachen zu bestellen, desto stärker werden wir von Google und Co. in den Konsumtrichter der Großanbieter getrieben.

In meinen Augen ist das pure Absicht. Wie ich oben beschrieben habe, erkennt man das an deren intensiven Bemühungen, das sehr komplexe Feld von Falschnachrichten und inopportunen Meinungsäußerungen beackern zu wollen. Für Google und auch die anderen großen Spieler im Netz wäre es ein leichtes, anhand der genannten Selektoren binnen Minuten nach Beginn einer Betrugsmasche herauszufinden, ob das Angebot echt und vertrauenswürdig ist. Vermutlich bräuchte es nicht einmal ein Zehntel des Aufwandes, um systematisch digitalen Betrugsmaschen den Garaus zu machen und das mit einer erheblich kleineren Falschpositivrate als bei politischen Inhalten.

Doch mit keinem Strich gehen sie gegen solche Betrügereien vor. Die Politik wiederum sitzt mit ihnen im Boot und droht lieber mit exorbitanten Strafen für politische Äußerungen, als dass etwas gegen die stete Erosion des internetbasierten Kundenvertrauens unternommen wird (und nebenbei auch der EU, weil Binnenmarkt).

Dabei wäre die Lösung wäre eine recht simple. Sie müssten einfach nur die selben Strafen in Aussicht stellen für das Verlinken auf eine Betrugsmasche, wie sie Hassrede verfolgen lassen. Aber darauf kommen unsere Politiker natürlich nicht. Oder sie das nicht wollen, nicht dürfen oder zu dumm sind dafür, weiß ich nicht. Es fällt jedenfalls auf.

Quelle Titelbild, Bildschirmfoto

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