Italiens Neuverschuldung ist so hoch, dass es die gesamte Eurozone erpressen kann

Italiens Neuverschuldung ist so hoch, dass es die gesamte Eurozone erpressen kann

Während den Menschen vom politmedialen Komplex weiterhin Sand in die Augen gestreut wird, rollt der Zug der Realität weiter und nimmt nicht nur noch mehr an Fahrt auf, sondern auch an Gewicht. Die Coronakrise ist dabei nur eine Teilstrecke, doch sie könnte dem ganzen so weit zusetzen, dass die Betreiber des Systems die Kontrolle verlieren und die mit Hilfe der Gelddruckmaschine stetig nach hinten verschobene Kernschmelze nun doch absehbar ablaufen wird.

Man hätte es ahnen können und hat es wohl auch. Sonst hätte es die (RIP!) Maastricht Kriterien nie gegeben. Doch waren sie zu labil und zum Scheitern verurteilt, so dass der stete Tropfen sinnbildlich keinen Stein aus Granit aushöhlen musste, sondern lediglich einen aus Pappmaschee, mit dem die Kritiker getäuscht wurden.

Nun, da es zu spät ist, bleibt eigentlich noch eine Frage: Beruhte dieser Fehler im System auf purer Vermessenheit und Ignoranz, oder war es doch eher die volle Absicht der Planer?

 

The Spectator: Italien ist im Begriff, die Eurozone zu kapern

 

Es gibt immer noch eine Debatte darüber, wer das Sprichwort erfunden hat: „Wenn Sie der Bank 100 Dollar schulden, dann haben Sie ein Problem. Wenn Sie der Bank dagegen 1 Million Dollar schulden, dann hat die Bank ein Problem.“ Gewöhnlich wird es dem Öl-Tycoon J. Paul Getty zugeschrieben, was erklären könnte, wie er zum reichsten Mann seiner Ära werden könnte. Gelegentlich und in leicht abgewandelter Form wird es John Maynard Keynes und seinen Ratschlägen an das britische Kabinett nach dem Zweiten Weltkrieg zugeschrieben. Im Prinzip aber hätte es von einem Italiener geprägt werden müssen. Warum? Weil das Land jetzt dem Rest der Eurozone so viel Geld schuldet, dass es im Begriff zu sein scheint, das gesamte System zu kapern.

Da die italienische Neuverschuldung, mit der die finanzillen Auswirkungen von Covid-19 abgemildert werden soll, auf dem Rücken einer der fragilsten Volkswirtschaften der Welt in die Höhe schießt, werden Forderungen nach einem „Erlass“ dieser Schulden laut. Riccardo Fraccaro, der engste Mitarbeiter von Premierminister Giuseppe Conte, hat damit begonnen, den „Erlass von Staatsanleihen zu fordern, die während der Pandemie gekauft wurden, oder dass ihre Laufzeit fortwährend verlängert wird“ (was in etwa dasselbe ist, da eine Schuld mit einer „fortwährend verlängerten Laufzeit“ eine höfliche Ausdrucksweise dafür ist, dass es sich um eine Schuld handelt, die man nicht plant, jemals zurückzuzahlen). Mit anderen Worten, ein großer Teil der ausstehenden Schulden Italiens in Höhe von 2,2 Billionen Euro (1,9 Billionen Pfund) würde einfach weggezaubert werden.

Es überrascht nicht, dass dies bei den anderen Ländern der Eurozone ein gewisses Unbehagen hervorruft. Christine Lagarde als Präsidentin der Europäischen Zentralbank hat bereits gesagt, dass dies nach den Verträgen illegal wäre. Der Gouverneur der Bank von Frankreich, Francois Villeroy de Galhau, bezeichnete die italienischen Absichten heute als einen „sehr gefährlichen Weg“, während sein portugiesischer Amtskollege Fabio Panetta argumentierte, dass er „destabilisierende Folgen“ haben werde. Nun, vielleicht hätten sie das. Doch was genau wird man dagegen unternehmen? In Wahrheit stehen die EZB und die Eurozone kurz davor, in eine sehr schwierige Lage gebracht zu werden.

Italien ist bereits mit riesigen Summen verschuldet, nachdem die weiterhin schrumpfende Volkswirtschaft des Landes über 20 Jahre von einer dysfunktionalen Währungsunion gebeutelt wurde, und so wird bezweifelt, ob das Land weitere Schulden verkraften kann. Von seinen 2,2 Billionen Euro Schulden, die in absoluten Zahlen die dritthöchsten der Welt sind, befindet sich die Mehrheit entweder im Besitz der EZB, die in diesem Jahr praktisch jede Neuemission aufgekauft hat, oder im Besitz italienischer und anderer Banken der Eurozone.

Der Erlass oder die vorgeschobene „ewige Laufzeit“ ist die einzige verbleibende Option. Tatsächlich dreht Italien jetzt den Spieß um gegenüber Deutschland und den anderen „Genügsamen“ innerhalb der Eurozone. Die Schulden müssen entweder in den Büchern der EZB landen, oder aber sie werden nicht zurückgezahlt, was das Bankensystem zusammenbrechen lassen würde.

Die Deutschen werden darüber empört sein, die Niederländer und Finnen ebenso, und vielleicht auch die Franzosen. Andererseits könnte allerdings auch Präsident Macron bald ein vertrauliches Gespräch mit seinem Zentralbankgouverneur führen mit dem Inhalt, dass Frankreichs Schulden in absoluten Zahlen bald die dritthöchsten der Welt sein werden. Frankreich steht Italien in nicht nahe, wenn es um die Verschuldung in Relation zum BIP geht, als größere Volkswirtschaft der beiden wird Frankreich jedoch bald insgesamt mehr Schulden haben als Italien, während die Schulden weltweit wesentlich breiter gestreut sind als die italienischen. Vielleicht ist der Schuldenerlass aus französischer Sicht also doch keine so schreckliche Idee.

Die traurige Wahrheit ist, wenn wer so viel Geld schuldet, der kann das System komplett kapern und dem Gläubiger die Kontrolle entziehen. Wären Keynes oder Getty bei der Gründung der Eurozone dabei gewesen, dann hätten sie wahrscheinlich genau darauf hingewiesen – so aber sieht es jetzt ganz danach aus, als müsste die Eurozone diese Lektion von neuem lernen.

Quelle Titelbild

Bloggerei.de
Consent Management Platform von Real Cookie Banner