Betreibt die Bundesregierung in den USA über Werbung von T-Mobile eine mediale Einmischungspolitik?

Betreibt die Bundesregierung in den USA über Werbung von T-Mobile eine mediale Einmischungspolitik?

T-Mobile US trennte sich gerade vom konservativen TV-Kommentator Tucker Carlson als Werbeträger. Oberflächlich betrachtet folgt das Unternehmen dabei dem Trend anderer werbetreibender Unternehmen, die ihre Marke vor kontroversen Themen schützen wollen. Bei genauerem Hinsehen jedoch ergibt sich ein potenzielles Nebenmotiv, bei dem die deutsche Bundesregierung aktiv Einfluss nimmt auf das mediale Angebot politischer Ansichten in den USA.

Tucker Carlson in Höchstform

Wer kein Englisch beherrscht, der ist wahrlich nicht zu beneiden in diesen Tagen. Das gilt für die Vielzahl an Neologismen, mit denen wir in hoher Regelmäßigkeit beglückt werden wie etwa „Othering“, auf das ich gerade erst gestoßen bin (nein, es hat nichts mit dem Tier namens Otter zu tun). Aber das gilt auch für die vielen Perlen in englischer Sprache, die man verpasst.

So läuft der Fox News Kommentator Tucker Carlson im Angesicht des gesellschaftlichen Abgrundes in den USA gerade zu einer ungeahnten Höchstform auf, die man nicht verpassen sollte. Genüsslich zerpflückt der lange unterschätzte Moderator täglich mit einer ordentlichen Prise Ironie das in Seattle entstandene CHAZ, einer „temporäre autonome Zone“, in denen Anarchisten und Kriminelle das Zusammenleben neu aushandeln.

Die Einschaltquoten geben ihm dabei recht in seinem Ansatz, die in letzter Zeit so weit durch die Decke gegangen sind, dass er auf das mehrfache an Publikum kommt, als die direkte Konkurrenz zusammen genommen.

Linke Blutgrätschen gegen die Konkurrenz

Einigen gefällt das natürlich gar nicht und so versuchen interessierte Kreise in den USA seit langem schon – wie auch bei uns etwa bei der Achse – Carlson über den Hebel wegfallender Werbeeinnahmen aus dem Programm zu drängen. Noch haben sie es nicht geschafft, aber es sprangen in der Vergangenheit immer wieder Werbepartner ab, weil sie aus Angst vor dem Rufmord an ihrer Marke durch den linksaktivistischen Twitter Mob, lieber dem Rufmord am Werbeträger stattgeben.

Gerade vor zwei Tagen war es wieder so weit. Carlson schwang sich zu einer Kritik auf am gewalttätigen Gebaren von Black Lives Matter in Kooperation mit dem US-Ableger der Antifa, woraufhin in den Marketingabteilungen einiger Großkonzerne die roten Warnlampen angingen. In der hitzigen Situation sollte man sich besser nicht kontaktschuldig machen, so das vermutete Kalkül, auch wenn Carlson seit jeher die wohl klassischst wertkonservativ-liberalen Positionen vertritt, die man auf dem Planeten finden kann. Schwiegermuttergefühl und Familientauglichkeit inklusive.

Dennoch ging man bei Disney und T-Mobile US auf Nummer Sicher und stornierte die Werbeblöcke in Carlsons täglicher Sendung. Über Jahre machte man gute Geschäfte mit dem Frontmann bei Fox News und stand zu ihm. Jetzt aber, da es darauf ankommt mit einer Situation, die für jemanden wie Carlson geradezu geschaffen ist, verzieht man sich besser. 

Angesichts der Umstände könnte man das vielleicht sogar verstehen. Allerdings hätten die beiden Marken schon vorher abspringen können, denn immerhin geht es in der Sendung seit Jahren schon um konservative Kritik am linken Zeitgeist und der damit einhergehenden Politik. Sie hätten es also wissen müssen und erst gar keine Markenbindung mit dem Kopf bei Fox News zulassen können.

Politik treibende Konzerne

Diese Perspektive mit der Oberflächlichkeit des Motivs für den Rückzug de beiden Konzerne eröffnet eine zweite Ebene, in der es um die allzu oft nicht gerade heimlich betriebene Politik durch werbetreibende Großkonzerne geht. Beispiele dafür gibt es zuhauf.

Bei Apple ist man gerne-links. Google ist quasi das globale Hauptquartier der linken digitalen Avantgarde und schmiss gerade kürzlich ZeroHedge aus seinem AdSense Programm aus. Und wer erinnert sich nicht an Joe Kaesers Angebot an die FFF-Grüne Luisa Neubauer, sich im Aufsichtsrat einer Siemens Tochter den Hintern breit zu hocken?
Das ist alles eindeutige und schamlos vorgetragene Anbiederung an eine bestimmte politische Klientel. Aus diesem Grund muss auch beim Unterhaltungsriesen Disney und bei T-Mobile US ein derartiges Zweitmotiv unterstellen, wenn sie – bei näherem Hinsehen völlig grundlos – dem beliebtesten TV-Kommentator des Landes den Stecker ziehen.

Die Verantwortlichkeit für die vorgetragene Konzernpolitik trägt dabei nicht das Spitzenmanagement des Unternehmens, da dieses nur im Alltagsgeschäft das Sagen hat. Bei fundamentalen Richtungsentscheidungen – und das Betreiben von Politik gehört dazu – muss man vielmehr einen Blick auf die Chefs der Spitzenmanager wefen. Das sind all jene Anteilseigner mit ausreichend vielen Anteilen, um mindestens einen Sitz im Aufsichtsrat stellen zu können.

Walt Disney Corporation

Die Aktionärsstruktur der Walt Disney Corporation entspricht dem üblichen. Von Blackrock bis zur Vanguard Group tummeln sich dort die üblichen Kapitalmaschinen im höheren einstelligen Prozentbereich. Beide Konzerne ziehen übrigens auch bei Mastercard die Strippen, das gerne mal Politik betreibt.

Ein mögliches Zweitmotiv wäre damit gefunden für den Rückzug des Werbeblocks bei Tucker Carlson jenseits des – theoretisch möglichen und vermutlich bald weiterziehenden – Shitstorms gegen das Unternehmen. Der Rückzieher erst jetzt und nicht schon lange davor, wie es vor über einem Jahr andere werbetreibende Unternehmen machten, lässt die politische Note hinter Disneys Entscheidung deutlich wahrnehmbar werden.

T-Mobile US

Wie sieht es bei T-Mobile US aus? Das Unternehmen heißt nicht nur so wie die Deutsche Telekom und es sieht nicht nur so aus wie die Deutsche Telekom, sondern es ist auch eine einhundert Prozentige Tochter der Deutschen Telekom. Die Existenz von T-Mobile US geht dabei zurück ins Jahr 1994, ist also noch älter als die Weltmachtsambitionen eines Ron Sommer, der erst ein Jahr danach den Konzernvorsitz übernahm.

Im Hinblick auf eine mögliche Motivation der Telekom, sich von Carlson als Werbeträger zu trennen, liegen ganz ähnliche Motive nahe wie es bei Disney der Fall ist. Es lohnt sich daher ein Blick auf die Aktionärsstruktur. Die Eigentumslage bei T-Mobile US fällt mit über 43% sehr eindeutig aus, es handelt sich dabei um eine Tochter unter voller Kontrolle des deutschen Mutterkonzerns der Deutschen Telekom. Das bedeutet, dass wenn in den USA eine wichtige Entscheidung getroffen wird – und ein derartige Millionenschwerer Werbeblock fällt aller Wahrscheinlichkeit in diese Kategorie – dann läuft diese über Bonn, dem Konzernsitz der Telekom.

Bedeutend für die weitere Motivlage des Rückziehers aus dem Werbeblock von Carlsons Sendung werden daher die Aktionäre der Deutschen Telekom. Entgegen anders lautender Gerüchte befindet sich das Unternehmen noch immer zu 31,9% im Besitz des deutschen Staates. Die Hälfte der Telekom Aktien wird dabei vom Finanzministerium gehalten und die andere Hälfte liegt im Depot der KfW. In beiden Institutionen hat Finanzminister Scholz (SPD) einen unmittelbaren Weisungszugriff und kann bei einem Interesse daran T-Mobile US direkt in das Geschäft hinein regieren.

1,6 Milliarden Dollar zur Beeinflussung von US-Medien

Überträgt man also die Vermutung eines verdeckten Zweitmotivs für den Entzug von Werbegeld von Disney auf die Telekom, dann kommt heraus, dass die Bundesregierung (un-)mittelbar Einfluss nimmt auf die mediale Auseinandersetzung mit den innenpolitischen Verhältnissen in den USA.

Das kann Absicht sein, oder ein Versehen aus Inkompetenz oder auch nur mangelnde Sensibilität gegenüber den größeren Implikationen. Es riecht allerdings sehr danach, als wollte man in Berlin über das auch im Inland gerne angewandte Druckmittel der Werbefinanzierung genehmer Medien und dem Entzug desselben für ungenehme, Einfluss darauf nehmen, was die amerikanischen Medienkonsumenten zu hören bekommen sollen und was nicht.

Dabei ist T-Mobile als einer der großen Mobilfunkanbieter des Landes nicht irgendwer. Der US-Ableger des Unternehmens verfügt mit einem 1,6 Milliarden Dollar großen Werbebudget über so viel Munition, dass es quasi überall Werbung schalten kann. Es wäre daher sicherlich einmal interessant zu analysieren, wo T-Mobile US keine Werbung schaltet. Man könnte dabei eventuell auf ein Muster politischer Präferenzen stoßen, das jenem gleicht, wie wir es auch hierzulande erleben.

Quelle Titelbild

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