Euro-Momo Kalenderwoche 13: Die Mortalität geht hoch, aber die Zahlen deuten auf einen glimpflichen Verlauf hin

Euro-Momo Kalenderwoche 13: Die Mortalität geht hoch, aber die Zahlen deuten auf einen glimpflichen Verlauf hin

Nachdem ich bereits für die KW 11 und KW 12 jeweils eine Analyse der Euro-Momo Mortalitätsstatistiken verfasst habe, möchte ich nun auch KW 13 unter die Lupe nehmen.

 

Die Mortalität steigt, allerdings nur bei den ab 65-jährigen

 

Da die Grafiken bei Euro-Momo immer eine Woche hinterher hinken, hat es etwas gedauert, bis sich die exponentielle Entwicklung der Coronapandemie auf die Mortalitätsstatistiken ausgewirkt hat. Das erste Land mit einer Spitze bei den wöchentlichen Todeszahlen war Italien, wo das Virus zuerst Fuß fassen konnte, wobei dort lediglich die Altersgruppe der ab 65-jährigen von einer bis dahin nur leicht erhöhten Sterblichkeit betroffen war.

Dieser Trend bestätigt sich, wie die Zahlen der KW 13 zeigen. In Italien starben zwischen dem 23. und dem 29. März laut Statistik insgesamt circa 5.200 Personen am Coronavirus. In Anbetracht von etwa 12.000 erwartbaren Todesfällen ist daher naheliegend, dass die Grafik für das Land eine Spitze nach oben zeigt. Dies ist der Fall, jedoch betraf es fast ausschließlich die älteste Kohorte. Bei allen anderen Altersgruppen bewegte sich der Zeiger nicht nach oben.

 

 

Damit bestätigen die Grafiken für das Land zum einen die Informationen über die Hochrisikogruppen (ältere Personen mit relevanten Vorerkrankungen), während die erwartungsgemäße Mortalität bei den jüngeren eventuell eine Folge der allgemeinen Ausgangssperre sein könnte, da weniger Menschen eine Gelegenheit haben, z.B. beim Fahrradfahren tödlich zu verunglücken. Als Frage bleibt hier und auch bei einigen anderen Ländern jedoch, warum die Mortalität bei den Jüngeren erwartungsgemäß verläuft und aufgrund der verringerten Möglichkeiten das Leben zu verlieren, nicht signifikant nach unten geht.

Weitere Länder, in denen die Mortalität bei den ab 65-jährigen in der KW 13 gestiegen ist umfassen Belgien, wo es bereits vergangene Woche eine leichte Tendenz nach oben gab, Frankreich, die Schweiz und England. Neben Italien am stärksten stieg die Mortalität in Spanien, was sich ebenso auf die Todeszahlen des Landes in der letzten Woche aufgrund des Coronavirus zurückführen lässt.

 

 

Im viel gescholtenen Schweden mit dem bis diese Woche sehr liberalen Vorgehen, sowie in den beiden bei Euro-Momo erfassten deutschen Bundesländern Hessen und Berlin tat sich dagegen rein gar nichts. Sämtliche Werte aller Altersklassen liegen im erwartbaren Bereich.

Mit circa 5.200 Todesfällen lag Spanien gleichauf mit dem vergleichbar bevölkerten Italien, so dass der Ausreißer nach oben in der Grafik für Personen ab 65 Jahren dem italienischen sehr ähnelt. Selbiges gilt für die Grafiken für die darunter liegenden Altersgruppen, die sich kaum jenseits des Erwartbaren bewegen.

 

 

Insgesamt lässt sich über die Auswirkungen des Coronavirus bei der Altersgruppe der ab 65-jährigen im Vergleich mit Grippewellen aus den Jahren zuvor sagen, dass sich die gegenwärtige Situation zwar deutlich in den Statistiken niederschlägt. Allerdings bewegen wir uns aktuell in keinem der bei Euro-Momo erfassten Länder in einem Bereich, der die Mortalitätsspitzen der Winter 2016/2017 und 2017/2018 übersteigt.

 

Welchen Einfluss haben die Notstandsmaßnahmen der Länder?

 

Einen Hinweis darauf, ob der im großen Bild bislang glimpfliche Verlauf der Coronakrise in Europa auf die umgesetzten Notstandsmaßnahmen zurückgeführt werden kann, geben die nach Altersgruppe getrennten Grafiken mit den aggregierten Sterbefällen aller Länder.

 

 

In diesen zeigt sich klar, dass die Mortalität in allen Jahrgängen bis 64 Jahre deutlich zurückging in den letzten beiden Wochen. Bei den 0-4-jährigen lässt sich sogar von einer historisch unüblich niedrigen Mortalität sprechen.

Die Ursache liegt zum größten Teil wahrscheinlich in den oben erwähnten Alltagseinschränkungen, die im Gesamtbild einen deutlichen Unterschied machen, während die Kleinsten gleichzeitig aktuell eng von ihren ebenfalls zu Hause sitzenden Eltern betreut werden, anstatt in die Kita abgeschoben zu werden. Dabei handelt es sich zwar um eine Spekulation, sollte der Trend im Verlauf der Alltagseinschränkungen fortsetzen, dann wäre hier ein interessanter Ansatzpunkt für eine Analyse der genaueren Umstände eines derartigen Rückgangs bei der Sterblichkeit.

Was die Grafiken mit der Summe aller Länder definitiv hergeben ist, dass sich das Coronavirus in erster Linie um einen Problem für Alte handelt. Dennoch bewegen sich die absoluten Sterbezahlen der Kohorte trotz neuerlichem Anstieg in den letzten beiden Wochen noch immer deutlich unter den Vergleichszeiträumen der letzten Jahre.

Damit lässt sich sagen, dass die Maßnahmen gegen die Coronapandemie wirken, sie wirken sich allerdings auf die Mortalität der Gesamtbevölkerung aus, nicht aber speziell auf jene der am meisten betroffenen.

 

Maximale Bandbreiten und die Schlussfolgerung daraus

 

Anhand der Grafik lässt sich ein direkter Vergleich mit dem Winter 2017/2018 ziehen, als es ebenfalls zu einem neuerlichen Anstieg der Todeszahlen kam und in relativer Weise mit dem Winter 2018/2019.
Erstaunlich bleibt angesichts der weltweit tobenden Panik um die Pandemie, dass in allen drei Jahreszeiträumen im Winter insgesamt deutlich mehr alte Menschen an der Grippe starben, als aktuell am Coronavirus. Um beispielsweise den Maximalwert in der KW 1 des Jahres 2017 zu erreichen, müssten in nur einer Woche neben den erwartbaren Sterbefällen darüber hinaus 10.000 Menschen am Coronavirus sterben.

 

 

Das Erreichen dieser Zahl erscheint für Europa oder die EU insgesamt als realistisch, jedoch sind bei Euro-Momo nicht alle Europäer erfasst, sondern lediglich ungefähr zwei Drittel. Insofern lässt sich sagen, dass die getroffenen Maßnahmen definitiv wirken, da sie im Verlauf der letzten beiden Wochen zu einer relativ konstanten Mortalität in den einzelnen Ländern führten. Der Maximalwert bei den ab 65-jährigen vom Jahresbeginn 2017 wird sehr wahrscheinlich nicht erreicht werden.

Da bei der Kohorte der Ältesten noch so viel Raum nach oben besteht zu den Spitzenwerten der letzten Jahre, während gleichzeitig bei den jüngeren Kohorten teils historische Tiefststände bei der Mortalität bestehen, liegt der Schluss nahe, dass eine weitere Verschärfung der Maßnahmen gegen die Pandemie nicht angezeigt ist. In einigen Fällen implizieren die Mortalitätsstatistiken sogar eine Übertreibung bei den Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung als ganzes.

Wie in meinen vorangegangenen Analysen erwähnt wäre daher zu empfehlen, die Schutzmaßnahmen punktuell auf die bekannten Hochrisikogruppen zu beschränken, um dem Rest der Bevölkerung in nur leicht eingeschränkter Weise ein normales Alltagsleben zu ermöglichen. Vor allem im Hinblick auf die drohenden wirtschaftlichen – und damit letztlich auch gesundheitspolitischen – Konsequenzen wäre das für alle vom Coronavirus betroffenen Länder in den kommenden Wochen die beste Lösung.

Quelle Titelbild & Grafiken

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