Ist Deutschland schon klimaneutral? 90 Milliarden Bäume machens möglich.

Ist Deutschland schon klimaneutral? 90 Milliarden Bäume machens möglich.

Immer mal wieder blitzt im Dickicht digitaler Debatten eine neue Idee aus dem fauligen Stroh heraus. Heute morgen war es wieder einmal der Fall und zwar genau hier und einigen der Antworten in dem Kommentarfaden bei Telepolis. Den Artikel dazu kann man sich sparen, irgendein Mittelschichtstussi jammert zum Thema Klimahitzetod herum. Viel interessanter ist der Kommentar des Lesers, der die Frage aufwirft, ob Deutschland angesichts der CO2-Speicherkapazität seiner 90 Milliarden Bäume nicht vielleicht schon klimaneutral sein könnte. Es sieht ganz danach aus, als hätte er recht damit.

90 Milliarden Bäume fürs Weltklima

Das Argument basiert auf der offiziellen Angabe, wonach auf den 11,4 Millionen Hektar Waldfläche in Deutschland insgesamt 90 Milliarden Bäume stehen sollen. Ein Baum, auch das lässt sich auf einschlägigen Seiten nachschlagen, speichert im globalen Durchschnitt jedes Jahr 10kg CO2. In den Tropen sollen es mit 16kg deutlich mehr sein, so dass es bei uns klimatisch deutlich weniger sein muss. Eine genauen Wert für deutsche Bäume konnte ich nicht finden, die bei uns mit 15% aller Bäume ausmachende Buche kann laut Experten aber 12,5kg CO2 speichern, was die Buche zum CO2-Spitzenreiter unter den häufigen Baumarten Deutschlands macht, wie Experten zum Thema urteilen.

Konservativ geschätzt lässt sich daraus ein Durchschnitt pro Baum von mindestens 8kg ableiten. Alle Bäume Deutschlands speichern damit 720 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr, ein imposanter Wert, der in den Kommentaren bis zum jetzigen Zeitpunkt nur insoweit kritisiert wird, als dass die genannte Zahl der Bäume pro Waldfläche offenbar auch Jungbäume beinhalten muss, da errechneten 7.894 Bäume pro Hektar kaum anders möglich wären. Ein weiterer Kommentator relativiert diese Einschränkung allerdings wieder mit dem Verweis auf Parks und Alleen, wo es oftmals ausgewachsene Bäume ganz ohne Waldboden darunter gibt. Hinzuzählen ließen sich überdies noch Obstplantagen und private Gärten, was das Missverhältnis zwischen Bäumen und Waldfläche nur zu einem scheinbaren macht.

83 Millionen deutsche CO2-Pupser

Laut der von Statista zitierten IEA (bei der es sich um eine von mehreren Institutionen handeln könnte) emittiert jeder Deutsche im Jahr durchschnittlich 8,4 Tonnen CO2. Laut dem Kommentator im Telepolisforum, der sich bei seinem Wert ebenfalls auf Statista bezieht, sollen es nur 7,9 Tonnen sein, zur Vermeidung von Manipulationsvorwürfen werde ich aber den höheren Wert verwenden. Da Deutschland derzeit auf mindestens 83,8 Millionen Bewohner kommt, ergibt sich als Gesamt-CO2-Produkt der Wert von 662 Millionen Tonnen CO2.

Das deutsche CO2-Budget wird noch einmal stark von den Menschen im Land in ihrer Funktion als biologische Wesen belastet. Bis zu 2 Tonnen sollen es pro Kopf sein, die wir jährlich ausatmen, wenn es nach der Expertenriege zum Thema geht, wobei der große Durschnitt eher irgendwo bei 1,5 Tonnen liegen dürfte, da die wenigsten Deutschen 2,20m groß und muskelbepackt sind. Wie einer der Antwortkommatoren dazu einwarf, kommen überdies noch alle in Deutschland lebenden Haus-, Nutz- und Wildtiere hinzu, die dieser auf „200 Millionen Menschenäquivalente“ schätzt. Eine so große Zahl wäre einiges, aber sicherlich nicht unmöglich, vor allem wenn man alle Fische hinzuzählt, die sich in deutschen Gewässern und Fischtheken aufhalten. Mit Mensch und Tier als biologische CO2-Reaktoren müssen bei den Gesamtemissionen des Landes noch einmal 426 Millionen Tonnen CO2 oben drauf gepackt werden. Dies resultiert schließlich in totalen 1.088 Millionen Tonnen CO2, mit denen sich Deutschland am Klimahitzetod schuldig macht.

Deutschland noch nicht ganz am hinteren Ende der Sackgasse

Leider, ich habe es nachgerechnet, wird auch das viele Gestrüpp, das überall wuchert, die Rechnung nicht mehr umbiegen können, was ein weiterer Kommentator zum Thema vorschlug. Der „Bodenzähler“ Dr. Schröter meinte am 22. Dezember 2020, dass es in Deutschland lediglich etwas mehr 50.000km² als „Siedlungs- und Verkehrsfläche“ dienen würden. Ich nehme an, die übrigen 349.000km² deutsche Bodenfläche sind mindestens mit Unkraut bedeckt. Da Gras und andere Kräuter erheblich schmächtiger sind als ausgewachsene Bäume, ist dessen CO2-Bindekapazität jedoch entsprechend kleiner. Grob geschätzt würde ich sagen, die übrige Natur schafft beim CO2 1% dessen, was Bäume in der Lage zu leisten sind. Pro Quadratmeter landen wir dadurch bei 100g CO2-Speicherung pro Jahr. Somit helfen uns alle Unkrautwiesen Deutschlands gemeinsam nur mit der Aufnahme von 35 Millionen Tonnen CO2.

Unterm Strich verbleibt ein Nettogesamtdefizit von 333 Millionen Tonnen oder pro Kopf fast 4 Tonnen, entsprechend 320 ausgewachsenen Buchen. Ohne tiefe Einschnitte in unsere energieintensive Lebensweise wird es also nicht gehen und es tut mir sehr leid, diese Mitteilung in die Tasten zu hauen. Sollte die Impfung nicht doch noch jenes Wunder vollbringen, das uns Corona schuldig blieb, wird uns nichts anders übrig bleiben, als kollektiven Wirtschaftssuizid zu begehen, oder aber – je nach Weltanschauung – 40 Millionen Nazis raus werfen oder 40 Millionen Ausländer und inklusive all jener, die sie hergerufen haben.

Die Endlösung lockt

Wem das alles nicht zusagt, für den hat noch ein Kommentator des Fadens eventuell noch eine Notlösung, die sich kostengünstig mit etwas billigem Dynamit durchführen ließe. Es geht um die Fische im Meer, von denen es, wären sie Kühe 10 Milliarden Stück geben soll. Einen Link zur Untermauerung blieb der Kommentator der Welt leider schuldig, weshalb ich mich selbst auf die Suche nach einer belastbaren Zahl begeben musste. Viel genaues konnte ich nicht finden, das beste lieferte mir noch dieser Link, der sich vor mittlerweile einem Jahrzehnt mit einer Studie befasste, laut der die gesamte Biomasse der Ozeane bei zwei Milliarden Tonnen liegen soll.

Man kann schon erahnen, wo die Reise hingeht. Diese Milliarden und Abermilliarden an furzenden Fischen, die im Meer als lebende Biomasse auf das Abfischen durch chinesische Trawler warten, müssen eine schier unglaubliche Menge an CO2-Äquivalenten in die Atmosphäre blasen. Sollte es bei den Fischen nur so wie im Durchschnitt zwischen Hühnern und deren Futter Mehlwürmern zugehen, dann würde das bedeuten, dass jedes Jahr genauso unerlaubt wie unreguliert der Gegenwert von 730 Millionen Tonnen CO2 aus den Weltmeeren empor steigt.

Wollten wir Deutschland und den Rest der Welt vor dem Klimahitzetod retten, da gebe ich dem Kommentator trotz der fehlenden Quellenangabe für seine Zahl recht, dann müssten wir erst einmal sämtliche Meere leer fischen und dafür sorgen, dass die Natur uns nicht das Klima kaputter macht, als wir es reparieren können. Wollte sich Deutschland nach dem Holocaust seiner historischen Verantwortung vor der Welt ernsthaft stellen und seinen moralischen Verpflichtungen wirklich gerecht werden, dann müsste es zuallererst sämtliche alten NVA-Bestände mit Handgranaten und sonstigen Sprengmitteln anbrechen, da deren CO2-Budget ist bereits abgezahlt sind, und damit bewaffnet zur finalen Schlacht antreten gegen das Grundübel der Welt, das im kalten Nass lauert und uns alle zu Tode furzt.

Ist das Gefleuch erst einmal umfassend tot, dann ist unser Budget so positiv, dass wir uns gleich ein Dutzend neuer Kohlemeiler leisten könnten. Tja, wer hätte das je gedacht. Die Vernichtung allen Lebens auf der Erde ist der Schlüssel zur Rettung der Welt. Genau so schwachsinnig ist das Thema. Schwachsinnig und brandgefährlich.Quelle Titelbild

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