Frauenförderung auf Japanisch mit der Serie „Girls und Panzer“

Frauenförderung auf Japanisch mit der Serie „Girls und Panzer“

Das folgende ist etwas für alle, die sich auf der Suche nach einem Mittel zur Verdrängung des spätherbstlichen Hochsommers befinden. Genau genommen sollte sich sogar jeder einmal „Girls und Panzer“ ansehen, im kommenden Klimahitzewinter wird bestimmt noch jede Menge Zeit sein, um Serie einmal auszuprobieren. Girls und Panzer ist eine japanische Animeserie, die es zwar auch auf Deutsch und Englisch synchronisiert gibt, die sich aber erst so richtig mit Untertiteln lohnt. Nein, jetzt bitte nicht abwinken. Ich mag Animes ebenso wenig und auch der Stress mit den Untertiteln ist nicht meins. Vielmehr ist die Serie aber so unglaublich lächerlich, irrwitzig und abgedreht, dass sie das Spektrum am einen Ende der Skala verlässt, um am anderen Ende der Brillianz wieder zurückzukommen. Girls und Panzer ist eine absolut geniale Serie und ein Muss für jeden, der sich etwas aus intelligenter Unterhaltung macht, der man die Intelligenz auf den ersten Blick aber nicht anmerkt.

Panzerfahren als Mädchensport gibt es nur in Japan

Es ist wirklich eine Schande, dass die Serie so unbekannt ist. Erschienen ist sie im Jahr 2012. Produziert wurden drei Staffeln, auf die nachfolgend im Abstand von zwei Jahren je nach Zählung bislang vier bis sechs Filme folgten. Das zeigt, wie sehr die Serie eine treue Fangemeinde aufbauen konnte, obwohl sie laut IMDB (7,5/10) und Rotten Tomatoes (63%; der erste Film) beim Publikum nur mittelmäßig abschneidet.

Ich vermute sehr stark, dass es am Thema und dem Fokus der Serie liegt, der an dem verwöhnten Fanvolk klassischer Animes vorbei geht. Sowohl die Charakterentwicklung als auch die Erzählstruktur ist eher simpel und zweidimensional, so dass die Serie am theoretischen Kernpublikum vorbei entwickelt wurde. Gemessen an den üblichen Standards im harten Qualitätswettbewerb japanischer Zeichentrickproduktionen verwundert es jedenfalls keineswegs, dass die Serie größtenteils durchgefallen ist.

Dennoch hat sich um Girls und Panzer eine treue und wachsende Fangemeinde gebildet (auch in Deutschland), weil die Serie eine andere Ebene enthält, die ich in dieser Form noch nirgends in einer derartigen Vollendung vorfinden konnte: Es sind historische Anleihen, die völlig aus ihrem Kontext herausgerissen teils unmerklich und manchmal in offensichtlicher Weise in die erzählten Geschichten der Serie eingebaut werden. Der Sex-Appeal japanischer Schulmädchen mag zwar auch eine gewisse Rolle spielen, in Anbetracht des Überangebots in diesem Bereich erachte ich das allerdings als einen quasi bedeutungslosen Nebenaspekt.

Die todernste Variante des Sprengens einer Männerdomäne

Man muss sich diese Transformation in etwa so vorstellen, als wäre es eine Serie über den Zweiten Weltkrieg und dessen Vorlauf, nur dass die Länder aus Mädchenschulen bestehen, der Krieg einen unblutigen Schulwettkampf darstellt und das Panzerfahren ein Sport ist, den vor allem Mädchen ausüben. Genau das ist die Serie.

Die Prämisse hinter Girls und Panzer ist so abgefahren jenseits jeder Logik, dass man sie irgendwann einfach akzeptiert und im Zweifel ignoriert und sich auf die zahlreichen eingebauten Anleihen konzentriert. Für die Serie wurde sogar ein Historiker angeheuert, um diese möglichst detailgetreu in die Geschichten einfließen lassen zu können. Die Jatkosota Schulmannschaft beispielsweise entschied sich bei einem Wettbewerb, einfach nur zuzusehen, weswegen die Schwarzwaldschule am Ende trotz überlegener Spieltaktik verloren hat. Wer sich die Serie anschaut, der wird die Stelle mit Sicherheit wiedererkennen und wissen, worum es geht.

Girls und Panzer ist eine absolute Empfehlung für eine Runde surrealen Eskapismus. Mit das beste an der Serie ist dabei der Gedanke, dass es sich um die perfekte Werbung handelt, um Mädchen für den Militärdienst zu begeistern. Sicher bin ich mir nicht, ob das so beabsichtigt war – oder überhaupt, wen sich die Macher als Zielgruppe vorgestellt hatten. Die Wirkung aber ist definitiv vorhanden, so dass hiesige Feministen, wären sie denn ideologisch nicht völlig nach links abgekippt, mit Sicherheit darauf drängen würden, die Serie in Deutschland bekannt zu machen. Mir wäre nicht bekannt, dass jemals eine Unterhaltungsproduktion in dieser Konsequenz mit weiblichen Mitteln eine männliche Domäne eingedrungen wäre.

Viel Vergnügen beim ansehen!

Quelle Titelbild

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