Warum zahlt das Bundesregime nicht allen ü60-jährigen eine Impfprämie?

Warum zahlt das Bundesregime nicht allen ü60-jährigen eine Impfprämie?

Im Grunde genommen ist das Coronathema seit dem 20. Februar 2020 bei mir durch. An dem Tag brachte die Daily Mail einen Artikel über die erste chinesische Studie mit einer statistischen Aufarbeitung der ersten 70.000 Coronapatienten aus Wuhan, die ich übersetzt habe. Ab da war eigentlich klar, was angesagt ist, wobei mir einen Monat danach recht konkret schwante, was uns bevorstehen würde. Nun ist es wieder so weit, ich habe mir wegen einer dieser dümmlichen Diskussionen um das Thema die aktuellen Zahlen wieder einmal angeschaut und musste feststellen, dass die Politik tatsächlich nicht aus inkompetenten Idioten besteht, sondern aus gefährlich inkompetenten Idioten. Hier die Rechnung dazu.

Angenommen, die Impfung schützt vor schweren Krankheitsverläufen…

Ich weiß, dass es aus Israel und auch anderen Ländern seltsame Berichte kommen, laut denen die meisten Coronapatienten in Intensivbehandlung geimpft sind. Ob das so ist, weiß ich nicht, möchte es für den Moment aber ignorieren und ausschließlich die offiziell verlautbarte Version akzeptieren, wonach es für doppelt Geimpfte quasi unmöglich ist, wegen einer Coronainfektion auf der Intensivstation zu landen.

Auf Seite 11 im RKI Lagebericht vom 26.8.2021 gibt es eine schöne Grafik, in der die hospitalisierten Coronapatienten nach Altersgruppen aufgeschlüsselt werden. Leider ist das nicht ganz sauber gemacht, da 35-59-jährige in einem Block dargestellt werden, was eine genauere Analyse mit dem Ziel einer konkreten Handlungsempfehlung verkompliziert. Aber so sind sie nun einmal in der Politik (ich erachte das RKI als politische Behörde, nicht als medizinische Forschungseinrichtung) und so müssen wir nehmen, was an Zahlenwerk vorhanden ist.

Das Ziel der Übung besteht darin, auf Basis dieser Werte Handlungsempfehlungen zu geben, um – der ein oder andere erinnert sich vielleicht noch – eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Wir wollen, dass möglichst wenige Menschen aufgrund eines schweren Coronaverlaufs intensivmedizinisch behandelt werden müssen. Zur Verfügung stehen uns hierbei vier Informationen:

  1. Die Altersstruktur der Intensivpatienten aus dem RKI Lagebericht.
  2. Die Impfquote nach Altersgruppe, die es auf dem Impfdashboard gibt.
  3. Die Anzahl an Menschen in Deutschland nach Alter.
  4. Die Annahme, dass eine Impfung von einem schweren Krankheitsverlauf schützt.

Dabei handelt es sich allesamt um öffentliche Informationen, die auch in politischen Entscheiderkreisen bekannt sein sollten. Wie oben erwähnt weisen sie zwar gewisse statistische Schwächen auf, doch es ist kein Hexenwerk, sich hieraus einen genauso zuverlässigen wie zielführenden Pfad abzuleiten, der eventuell nicht einmal teuer sein muss.

Die impfbedingte Hospitalisierungsquote nach Altersgruppe

Aus den gegebenen Informationen lässt sich nun ermitteln, wie viele Menschen in welcher Altersgruppe noch nicht geimpft sind und wie sich die jeweilige Impfbereitschaft auf die Hospitalisierung auswirkt.

KohorteAnzahlImpfquote
(2 Dosen)
Anzahl UngeimpfteHospitalisierungenRate unter Ungeimpften
0-17 Jahre15,9 Mio19,9%12,7 Mio901 : 141.111
18-59 Jahre44,1 Mio63,9%15,9 Mio7751: 20.516
ab 60 Jahre23,8 Mio83,7%3,9 Mio3901 : 10.000
alle83,8 Mio30,4%25,5 Mio1.2551 : 20.319

Bei den medizinischen Werten handelt es sich jeweils um Schätzungen, da das RKI unbedingt meint, andere Altersgruppen bilden zu müssen. So zählt die Behörde 15-jährige bei den Hospitalisierungen zu den jungen Erwachsenen hinzu, während das Impfdashboard alle Minderjährigen zu einer Gruppe zählt. Die vermutete Absicht hinter diesem Zählweisenschwachsinn ist uns allen bekannt: Es geht um die Schaffung von Unschärfe, die eine exakte Analyse erschweren soll. Wäre das keine Absicht, dann würden sie uns vermutlich die zugehörigen Tabellen zur Verfügung stellen, in denen jeder Jahrgang einzeln aufgeführt wird. Daraus jedoch ließe sich noch einmal weit mehr herauslesen, als aus dem gegebenen Zahlensalat.

In der Tabellenspalte ganz rechts lässt sich ablesen, dass eine Impfkampagne bei Jugendlichen kaum etwas wert wäre. Jeder dort eingesetzte Euro könnte bei Erwachsenen das 7-fache bewirken und bei Rentnern sogar das 14-fache. Letzteren würde ich in Anbetracht der Zahlen sogar eine Impfung empfehlen, obwohl ich keineswegs überzeugt bin von der Preisleistung der am Markt erhältlichen Produkte. Geht man von drei Wochen Intensivbehandlung aus, dann wird auf Basis der aktuellen Zahlen jeder 500. Rentner wegen Corona erhebliche Gesundheitsprobleme bekommen.

Mit Prämien Rentner von einer Impfung überzeugen

Was wäre es, wenn Sie 500 Euro für eine Impfung bekämen? Sehr wahrscheinlich würden sich in diesem Fall viele überlegen, ob es sich lohnt, die Verweigerunghaltung weiterhin aufrecht zu erhalten. Ich meine, die Regierung sollte genau das bei den noch immer 3,9 Millionen Rentnern erwägen. Würden sich alle darauf einlassen, dann stünde am Ende eine Rechnung von knapp zwei Milliarde Euro, auf der anderen Seite allerdings würde sich das Risiko einer Überlastung der Gesundheitssysteme um circa 33% verringern.

Leider mischt das RKI die 30- und 40-jährigen mit den über 50-jährigen, was auf mich alles andere als professionell wirkt. Ich vermute sehr stark, dass sich die Rate der Hospitalisierungen nach Alter linear verläuft und ein Mehrfaches an Personen in ihren 50ern derzeit wegen Corona im Krankenhaus liegen als Leute in ihren 20ern. Sehr wahrscheinlich würde sich die Impfprämie von 250 Euro auch für jeden ab 50 Jahren lohnen. Alle darunter dagegen spielen eine so geringe Rolle bei schweren Krankheitsverläufen, dass jede Bemühung, ihnen eine Impfung aufzuschwätzen überteuerter Mist wäre.

Am Ende einer solchen Prämienkampagne müssten vermutlich etwa 10-15 Milliarden Euro an Prämie gezahlt werden. Finanziert wird dies von all jenen, die zu jung für eine Prämie sind. Im Gegenzug bekommen sie dafür die Freiheit zurück, da mit der vollständigen Durchimpfung der Risikogruppe – zumindest laut Annahme – kein Risiko mehr besteht, dass es im weiteren Verlauf der Pandemie zu einer Überlastung des Gesundheitssystems kommen könnte.

Volkswirtschaftlich gesehen lautet die zentrale Frage letztlich, ob ein Ende aller Maßnahmen in spätestens 8 Wochen nach Durchimpfung aller Risikogruppen für die Jüngeren mindestens 400 Euro wert wäre. Denn so viel würde sie die Impfkampagne pro Kopf kosten, der nicht zur Risikogruppe gehört. Ich meine ja. Daher verstehe ich die Politik genauso wenig wie ich die Privatwirtschaft verstehe, die diesen Zusammenhang eigentlich auch sehen müsste. Im Namen ihres eigenen Überlebens sollte sie ein sehr großes Interesse daran haben, eine solche Impfprämienkampagne mit privaten Mitteln zu finanzieren.

Quelle Titelbild, Grafik

Bloggerei.de
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