Die Zermürbung beginnt: Wenn Schwimmen ungeimpft zum Luxus wird

Die Zermürbung beginnt: Wenn Schwimmen ungeimpft zum Luxus wird

Ich bin ein Schwimmer. Nachdem ich über die Jahre das Joggen, Fahrradfahren und ein paar exotischere Sportarten durchprobiert hatte, fand ich irgendwann zum Schwimmen und genieße seither die Entspannung bei der ganzkörperlichen Ertüchtigung. In der Vergangenheit, also bis zu den coronabedingten Schließungen, bin ich sehr oft schwimmen gegangen, nach Möglichkeit 3x pro Woche, wobei ich nie lange schwimme, sondern die Übung nach einer halben Stunde wieder beende. Das hat völlig ausgereicht und war die beste Ertüchtigung für meinen Körper überhaupt, wobei es dank einer Jahreskarte nicht einmal teuer war. Dann aber kamen Corona und der Regensommer 2021, was dem regelmäßigen Schwimmen draußen und drinnen einen Riegel vorgeschoben hat. Heute bringe ich 15g zu viel auf die Waage, bin unausgeglichener denn je und verliere täglich weiter an Elan. Die Erlösung wartete in Form der endlich wieder beginnenden Hallenbadsaison. Doch die Behörden wollen es anders.

Nicht einmal ein Hitzesommer

Aus welchen Gründen auch immer gibt es bei mir in der Stadt keine Dauerkarten für die Hallenbäder mehr. Offenbar fielen sie dem neuen Regime zum Opfer, nach dem nur noch bestimmte Zeitfenster voraus gebucht werden können, um eine Überfüllung jenseits der Hustweite zu verhindern. Für das Schwimmbad galt das über den Sommer auch schon, welches im Unterschied zum Hallenbad trotz sonstiger Beschränkungen irgendwann wieder geöffnet wurde, da der Wind offenbar besser im Vernichten der Viren ist, als das in jedem Hallenbad in der Luft stehende Chlor.

Exakt vier Mal habe ich es in diesem Sommer ins Schwimmbad geschafft. Das jedoch lag nicht am Nachfrageüberhang durch lockdowngeplagte Bürger. Genug Tickets waren trotz der coronabedingt eingeschränkten Zurittszahlen immer im Verkauf, wobei die Reservierung im Zweifel einfach am Vortag erfolgen musste. Aber selbst wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätte ich dennoch meinen Sport ausüben können, da ich mir vornahm, einfach im Fluss schwimmen zu gehen. Normalerweise vermeide ich das Schwimmen unterm offenen Himmel, doch meine Verzweiflung war groß genug, dass ich es getan hätte. Was mir und genug anderen den Schwimmspaß am Ende jedoch vermieste, war vielmehr das Scheißwetter ab Mitte Juli, das über Wochen am Stück jegliche Planung für Außenaufenthalte obsolet machte.

Was habe ich mich vor einigen Jahren noch gefreut auf „heiße und trockene Sommer“, die uns der Klimawandel bringen würde. Nichts wars! Dabei hätten wir so einen Hitzesommer gut gebrauchen können. Die Überschwemmungen hätte es in diesem Fall nicht gegeben und den Menschen im Land wäre es eventuell möglich gewesen, genug Sonne zu tanken, um den Marsch in den grauen Herbst mit einer neuen Grippe – Pardon, Corona – Welle besser ertragen zu können. So aber sitzen wir alle zu Hause und fragen uns, wann eigentlich der letzte Tag war, an dem nicht irgendwann eine dichte Wolkendecke am Himmel stand.

Inflationierter Impfzwang

Je nachdem, wo man wohnt, lassen sich mit einer Dauerkarte ungefähr 60% des üblichen Einzeleintritts einsparen. Dank automatisierter Eintrittssysteme erlaubten die meisten Orte bis zu Corona auch ohne Dauerkarte noch eine etwas kleinere Einsparung von etwa 40% vom Einzelpreis, weil niemand am Eingang stand, um zu kontrollieren, ob einem die Ermäßigung auch wirklich zusteht. Dank Corona und der manuellen Eintrittskontrolle sind beide Möglichkeiten heute tot, entweder man zahlt voll, oder man kann sich einen anderen Sport suchen. (Den Bademeister bestechen habe ich noch nicht ausprobiert; möchte es für die Zukunft allerdings explizit nicht ausschließen.)

Bei mir im Ort kostet der Einzeleintritt 4 Euro, in München und Frankfurt sind es 5 Euro, in Hamburg sind es sogar unverschämte 6,60 Euro. Auf diesen Eintrittspreis kommt jetzt noch ein aktueller PCR- oder Antigentest oben drauf. Ersterer kostet ab 75 Cent aufwärts*, ist für sich gesehen also noch relativ tragbar. Ein Problem dabei allerdings ist der Zwang zur verbindlichen Vorbuchung des Schwimmtermins, was wegen der hohen Nachfrage mindestens ein, eher zwei Tage vor dem Schwimmen erledigt sein muss. Sollte der danach durchgeführte Test dann falschpositiv sein – was bekanntlich in einem von 50 oder noch weniger Fällen vorkommen soll – dann hat man zwar voll bezahlt, schaut am Ende aber in die Röhre, weil einem das Eintrittsgeld nicht zurückerstattet wird. (Vor allem für Familien stelle mir das ganz besonders spassig, wenn bei einem der Kinder der Test positiv ist…)

Rechnen wir einmal aus, was mich wöchentlich drei Hallenbadbesuche auf ein Jahr hochgerechnet kosten würden: 3 Besuche x 52 Wochen x (4 Euro Eintritt + 0,75 Euro pro Test) / 98% = 756 Euro. Effektiv wäre es das dreifache dessen, was ich bis vor 18 Monaten bezahlt habe. Ich frage mich, ist das etwa die “vorübergehende” Inflation, von der die Zentralbanker sprechen? Vermutlich wäre es billiger, wenn ich irgendwo ein Stück Land pachte, um mir dort ein eigenes Hallenbad zu errichten. Ach ja, oder ich lasse mich impfen und bekomme zur Thrombose, dem Milzriss oder der spastischen Lähmung noch eine Bratwurst hinzu. Das traurige dabei ist, dass mit Impfung ein Jahr ins Hallenbad dann nur noch doppelt so teuer wäre als vor noch Corona. Immerhin bedeutet es, dass die Impfung auch finanziell quasi nichts entscheidendes ändert. Wir leben wahrlich in einem Schweinesystem!

*Korrektur: Da ich das Thema nur am Rande verfolge und bislang auch um einen Test herumgekommen bin, bringe ich die unterschiedlichen Tests ständig durcheinander. Sollte ein PCR-Test tatsächlich deutlich über 10 Euro kosten und dieser selbst getragen werden, dann wird es natürlich richtig teuer. Ein eigenes Hallenbad bauen wird dann fast schon zur Pflicht. Wobei, vielleicht ist ja in Neuspahnstein ein Hallenbad eingebaut. Vielleicht sollte ich zum Schwimmen einfach dort vorbei gehen.

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