Smartphones zerstören die Gesellschaft; sie sollten reguliert werden wie Alkohol und Tabak

Smartphones zerstören die Gesellschaft; sie sollten reguliert werden wie Alkohol und Tabak

Irgendetwas ist kaputt gegangen in der Welt. Ich denke, niemand würde das bestreiten, auch wenn die Ansichten darüber sehr wahrscheinlich weit auseinandergehen, was es genau ist, das falsch läuft in der Gegenwart. Für die allermeisten ist es auch mehr ein kaum fassbares Gefühl, das sich nur über die Symptome bemerkbar macht, die uns heute umgeben: Fake News, Lügenpresse, Spaltung, Hass, ideologischen Furor und so weiter. Bei meiner eigenen Suche nach dem konkreten Grund für die Schieflage der Welt bin ich auf mehrere Indizien gestoßen, die für eine einzige Ursache sprechen, mit der unsere Gesellschaft ins Chaos gestürzt wurde: Das Smartphone.

Seifenspenerhumor anno 2009

Nachdem es in den USA vor einiger Zeit zu einem Aufschrei wegen eines vermeintlich rassistischen Seifenspenders kam, da erinnerte ich mich an eine Sitcom, in der genau diese Möglichkeit zum Thema einer Episode gemacht wurde. Das war im Jahr 2009, als noch über die Situationskomik gelacht werden durfte, die von unterschiedlichen Hautpigmentierungen ausgehen kann. Heute dagegen, ziemlich exakt ein Jahrzehnt später, wurde die Angelegenheit für zu viele von uns zum bitteren Ernst.

Sie ticken bei allem aus, das auch nur den Hauch eines Anscheins macht, jemand würde anders behandelt werden als der Rest. Diese zumeist jungen Studenten haben 2009 schon gelebt, waren damals aber eventuell noch zu jung, um den Humor hinter versehentlich rassistischen Seifenspendern zu verstehen. Dennoch muss ihre Sozialisation in der ein oder anderen Weise schief gegangen sein, dass sie in den entscheidenden Jahren ihrer Charakterbildung die Lektion über den Humor durch Überspitzung nicht gelernt haben. Da es einer ganzen Generation so passiert ist, muss das Überspringen oder vielleicht auch Vergessen dieser Lektion sehr zuverlässig funktioniert haben.

Linuxprogrammqualität anno 2008

Jedes Mal, wenn wieder etwas mit meinem Computer ist, dann sehne ich mich zurück in das Jahr 2008 als dem Jahr, in dem sämtliche häufig von mir verwendeten Programme in puncto Zuverlässigkeit, Funktion und Bedienungsfreundlichkeit ihren Höhepunkt erreicht hatten. Das wären vor allem: Linux, Lampp, Opera und OpenOffice. Opera verwende ich mittlerweile gar nicht mehr, während ich bei Linux zähneknirschend von Ubuntu weg gewechselt bin, nachdem man es für notwendig hielt, das reibungslos laufende Gnome 2 durch etwas „besseres“ zu ersetzen.

Bis heute bin ich am herumprobieren und finde einfach keine optimale Konfiguration mehr, bei der nichts weiteres notwendig ist als eine regelmäßige Aktualisierung. Tatsächlich ist es sogar so, dass sämtliche Programme und Anwendungen über die Jahre zusehends umständlicher und schlechter wurden, so dass ich mir heute zwei Mal überlege, bevor ich mir die neueste Version von etwas installiere.

Linux hat mich zwar noch lange nicht an den Punkt gebracht, an dem ich bei meinem persönlichen Nutzungsende von Windows war. Allerdings hätte ich nie gedacht, dass sich der Abstand irgendwann wieder verkleinern würde, so gut war Linux einmal. Leider ist das heute passe, wobei mich noch am meisten ärgert, dass diese Entwicklung keinesweggs notwendig gewesen wäre. Von der Oberfläche über die Shortkeys bis hin zur Funktionalität hätten sie durchaus einfach alles so lassen wie es war, um sich im Gegenzug auf das Feilen an den Details zu konzentrieren.

Das irre an der Sache ist, dass sogar die einschlägigen Nutzerforen schlechter wurden. Früher bekam man ein paar knappe Hinweise, wie man das Problem selbst lösen kann, was mich als reinen Nutzer ohne tieferes Interesse an der Materie regelmäßig zur Weißglut trieb. Ich hätte lieber einen kleinen Betrag bezahlt für die unmittelbare Lösung, als mich alle halbe Jahre durch das Terminal zu wühlen und das Ergebnis zu erraten, wenn ich wieder einmal etwas neues gebraucht habe.

Der Pluspunkt damals war, dass meine Probleme am Ende immer alle gelöst wurden (einmal sogar ein sehr abgefahrenes, bei dem die experimentelle Neuprogrammierung eines Hardwarepins die Lösung brachte; eine Art Operation am offenen Herzen) und ich für zwei weitere Jahre einen perfekt funktionierenden Computer hatte. Heute ist das anders. Alle sind zwar stets total freundlich und geben gerne Tipps. Allerdings war der Gang ins Nutzerforum in den letzten drei oder vier Jahren kein einziges Mal erfolgreich, so dass ich auf der Hälfte der Probleme sitzen blieb oder eine Neuinstallation des Systems vornehmen musste. Wie vermisse ich doch die alten Zeiten!

Klimawandelkritik anno 2007

Ein weiteres Beispiel für die Zeitenwende ist die Debatte um den Klimawandel. Mir kommt es vor, als sei diese von einigen Interessierten gegen jeden Einwand mit aller Gewalt per Stößel in den Entscheidungstrichter geprügelt worden, an dessen unteren Ende der Fleischwolf wartete, um daraus rasch Gewissheitswürste zu pressen. Ich bin fast schon froh über das Hochwasser im Rheinland gewesen und auch über den verregnetsten Sommer meines Lebens, da es dem Panikgaga wenigstens eine Zeitlang einen Riegel vorgeschoben hat.

Sciencefiles brachte vor zwei Wochen einen Artikel zum Thema, in dem sie die Frage aufwerfen, was sich bei dem Thema des Klimawandels seit 2007 geändert hat. Die Wissenschaft sei es nicht, meinen sie, lediglich der Fanatismus habe sich Bahn gebrochen. Da haben sie wohl recht. Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht in der ein oder anderen Weise mit Apokalypsenwarnungen zugeplärrt werden. Ganz so, als seien wir ein nordkoreanischer Arbeitstrupp, dessen Feldarbeit eine kritische Rolle beim Kampf gegen den Kapitalismus zugedacht wurde – nur halt eben mit dem Klima anstelle des Kapitalismus, wobei ich mir auch da nicht mehr ganz sicher bin.

Vor einem Jahrzehnt war das noch anders. 2007 war es, als RTL eine Doku über die Frage des menschengemachten Klimawandels brachte, die man heute irgendwo zwischen Björn Höcke und Adolf Hitler verorten würde. Ich erinnere mich, dass auch das ZDF in dieser Zeit einmal ein Stück im Programm hatte, in der darauf hingewiesen wurde, dass es noch andere Probleme auf der Welt gibt als den deutschen CO2 Ausstoß. Wenn überhaupt, dann wird dieser Clip heute nur noch im Unterholz Sozialer Medienkanäle verbreitet, die vermutlich nur deswegen noch nicht gesperrt wurden, damit sie als Futter für die neue Statistik des DDR-Verfassungsschutz über „staatsgefährdende Kritik“ herhalten können.

Irgendwann zwischen 2007 und 2009 ist es passiert

Man fragt sich unwillkürlich, wie das alles nur so kommen konnte. Denn es gibt noch einige weitere Beispiele für Sachverhalte, die irgendwann zwischen 2007 und 2009 eine Bedeutungsverschiebung erlebt hatten, und die mindestens jedem, der die Zeit vor dem Internet noch in vager Erinnerung hat, so vorkommen, als sei er gerade auf einem LSD-Trip der ganz schlechten Sorte: Die Schwulenverehrung, die Verächtlichmachung der Familie, das Gendergaga, die Verachtung für das eigene und so weiter und so fort. Nichts davon war notwendig, nichts davon hat sich natürlich entwickelt und nichts davon hat etwas besser gemacht. Doch es war plötzlich überall da, wie beispielsweise auch Tätowierungen bei den Kassiererinnen im Supermarkt, wo man sich bei den jüngeren fast schon wundern muss über die Gründe, warum die Unterarme bei einigen darunter noch nicht mit billiger Tinte bekleckert wurden.

Tatsächlich würde ich sogar sagen, dass 2006 das letzte normale Jahr war, das wir erlebt hatten, so weit man denn überhaupt von „normal“ reden kann. Ab 2007 begann die Finanzkrise, Merkel im Chefsessel begann allmählich zu wirken, dann kamen die Bail-Outs und Ermächtigungen, die Atomausstiegspanik schwappte durch das Land, danach schwappten die Migranten über die Kölner Domplatte und heute sitzen wir eingesperrt zu Hause, weil ein vermeintlicher Todesvirus die Welt heimsucht.

Es ist schon irre, was im letzten Jahrzehnt über uns hereingebrochen ist und es mag bei dem ein oder anderen mit noch Pickeln im Gesicht den kritischen Knacks im Gemüt erklären. Dennoch kann ich kaum glauben, dass sie daran ihren Verstand verloren haben, da die Welt auch davor schon ausreichend irre war. Die Veränderungskaskade war lange davor schon in derr Beschleunigung begriffen mit dem Aufkommen des Internets, das ein Jahrzehnt lang ein Wilder Westen war und die Jugend versaute, oder davor das Aufkommen von Spielekonsolen oder davor Satellitenschüsseln und Videorecorder und davor vielleicht einfach nur das Quäntchen zu viel an Wohlstand für eine Generation, die – ich spreche von der alten BRD – von einer Wohlstandsgeneration großgezogen wurde.

Da ich selbst zu diesen gehöre, weiß ich um die charakterlichen Schwächen all jener, die sich nach dem Ende des Kalten Krieges um den Wehrdienst mogeln konnten, nur um dann im Gegenzug nächtelang in den Tiefen digitaler Spielhöllen zu verschwinden und das Modem (und die Telefonrechnung) zum glühen brachten. Trotz allem wussten wir dennoch um unsere Pflichten und noch mehr ahnten wir ein bisschen unsere Ignoranz. Ich denke, das ist dann auch der Unterschied zu jenen, die nach uns kamen und irgendwann um die Jahrtausendwende geboren wurden.

Sie sind in etwas herein geraten, das sie so sehr durch den Wolf gedreht hat, dass ihnen jegliche Robustheit abhanden kam. Sie wurden zu Opfern ihrer eigenen Affekte herangezogen, die einerseits jeder Sofortgratifikation hinterher hecheln, während sie gleichzeitig von der nächsten Sau davon rennen, die gerade durch das Dorf getrieben wird. Sie wissen nicht mehr wichtiges von unwichtigem zu trennen, Fakt von Fiktion, halten Spielfilme für Dokus und fauchen einen aus ihrer traurigen Gegenwartsnische an, wenn man sie auf die Existenz einer Zukunft jenseits der Klimapokalypse hinweist.

Soziale Medienkonzerne die Ursache oder ein Symptom?

Facebooks Welteroberung, die im Jahr 2004 begann, wurde in Deutschland ab dem Jahr 2008 sichtbar, wie sich bei Google Trends ablesen lässt. Auch die Entwicklung des heute mit einer fein ziselierten Zensur daherkommende Soziale Medienkonzerns fällt damit in die kritische Zeitspanne des fundamantalen Mentalitätswandels. Selbiges gilt für Twitter, das ab 2009 in Deutschland zum Sprung ansetzte. Nur YouTube war schneller, das sich ab Mitte 2006 zum Überflieger entwickelte.

Diese Angebote und eine Handvoll weitere wälzten das Internet um und sie müssen alleine schon aufgrund ihrer allgemeinen Bedeutung in die Abrechnung über die kaputte Gesellschaft mit aufgenommen werden. Die Frage allerdings ist, ob sie der Träger der Entwicklung waren, oder ob sie selbst von etwas getragen wurden, das ihre Entwicklung so sehr in das Extreme verzerrt hat, dass vor allem bei jungen Menschen ein geistiger Overkill eintrat. Sie sehen das Problem nicht einmal mehr, weil sie in ihrem digitalen Dasein so sehr davon vereinnahmt wurden, dass sie nie etwas anderes kennengelernt haben.

Ich bin der festen Überzeugung, dass es letzteres ist und Soziale Medien selbst auch nur ein Symptom darstellen. Denn auch vor Facebook gab es bereits Netzwerke mit wilden Chats, in denen Beleidigungen der hässlichen Sorte ausgetauscht wurden und Mems herumgingen, ohne so genannt zu werden. Ebenso gehörten internetbasierte Computerspiele schon zur digitalen Normalität, auch wenn es damals noch CDs brauchte, um beispielsweise Starcraft oder Halflife zu installieren. Mehr lässt sich die Zeit im Internet nicht verschwenden als es vor 20 Jahren schon der Fall war, als die Nächte bei irgendwelchen Onlinespielchen voller Gewalt oder ohne durchgemacht wurden. Auch Pornos ließen die Leitungen glühen, von denen es vor 25 Jahren schon eine exorbitante Auswahl gab, dass man sich fragen muss, warum überhaupt noch neues Material entsteht (tatsächlich scheint 2010 das Maximum erreicht worden zu sein; mehr geht offenbar nicht). Der Input war quasi deckungsgleich und doch unterschied sich gesellschaftliche Ergebnis fundamental von dem, was nach 2007 dabei herauskam.

Der Aufmerksamkeitsäuber iPhone

Wenn ich mir die Entwicklung des Mediums Internet ansehe und mir die Frage stelle, was sich strukturell daran verändert hat, dann muss ich sagen, hat sich für mich nicht wirklich nicht viel geändert. Die Geschwindigkeit hat sich vergrößert, die Lags wurden weniger und die Bewegtbildchen wurden mehr – ach ja, und die Werbung wurde ausgefeilter, und das Onlinebanking wandelte sich von der Exotik zum neuen Standard. Das war es aber auch fast schon, sieht man einmal von den wesentlich leistungsfähigeren Akkus und Drahtlosnetzwerken ab. Vor der Zeitenwende war das anders. Da brauchte man meist noch ein Kabel für das Internet, während die wenigsten Laptops einen umfassenden mobilen Komfort boten, wobei insbesondere die notwendigen Akkus ein schmerzhaftes Loch in der Kasse hinterließen.

Die große Zeitenwende im Internet und letztlich der gesamten Gesellschaft erfolge erst Jahr 2007, als zunächst Mitte des Jahres in den USA und einige Monate danach auch bei uns das iPhone auf den Markt kam. Es markierte das Ende aller nennenswerten Beschränkungen bei mobilen Internetgeräten. An der Grafik lässt sich denn auch gut ablesen, warum die einzelnen Dienste und Inhalte abhoben, die unser Bewusstsein heute steuern.

Insgesamt bis zur dritten Geräteausführung des iPhone dauerte es, bis vor allem Twitter einen großen Sprung nach oben machte. Ich erkläre mir das samit, dass die damals wie heute exorbitant teuren Geräte aus der ersten Serie auf den Gebrauchtmarkt kamen und dort von jenen Jüngern der Marke gekauft wurden, die sich kein neues leisten konnten. Bei Facebook lässt sich ebenso ein Zusammenhang mit der Verbreitung von iPhones erkennen, auch wenn er nicht ganz so stark ist, wie bei der genuinen Mobilanwendung Twitter. Facebook begann hierzulande vor allem ab der weltweit gleichzeitig auf den Markt gebrachten zweiten Serie des iPhones mit dem Abheben, wobei die Kurve mit der dritten Serie noch einmal steiler wurde, bis ungefähr 2011 die Sättigungsgrenze erreicht wurde.

Zum Vergleich habe ich mir noch Xing herausgesucht. Als Berufsnetzwerk steht es nicht in Verbindung mit dem iPhone, sondern wurde parallel zur Verbreitung von Blackberrys groß, die es nie in den Endkonsumentenmarkt geschafft haben. Ganz offenbar stieg in Deutschland parallel zu Blackberrys auch die Nachfrage nach Pornos an, was mir bislang nicht bekannt war. YouTube, dessen mobile Verbreitung vor zehn Jahren noch am Flaschenhals der Bandbreite hängen blieb, weist dagegen keinen Zusammenhang mit dem Blackberry oder auch dem iPhone auf. Vielmehr lässt sich dessen Beliebtheit auf den Sprung bei den DSL-Anschlüssen in Deutschland zurückführen, deren Zahl sich zwischen 2005 und 2007 verdoppelte. Das iPhone als Gerät für Endkonsumenten war ausschließlich der Träger der wichtigsten Sozialen Netzwerke für Endkonsumenten.

IT-Größen schicken ihre Kinder auf Walldorf Schulen

Ich denke, wir hätten den Schuldigen damit gefunden. Das iPhone – oder allgemeiner: Das Smartphone – welches ab 2009 systematisch die Kinder kirre gemacht hat, so dass wir heute pünktlich eine Dekade mit ihrem Eintritt in das Erwachsenenleben jener, die per Smartphone großgezogen wurden, vor den Ruinen unserer Zivilisation stehen. Mit Crystal Meth als Pflichtfach hätten wir das kaum besser hinbekommen. Da die vollständige Durchdringung des Lebens mit Smartphones weiterhin andauert, lässt sich böses ahnen für die kommenden Jahre, wenn plötzlich nicht mehr nur ein Drittel in einer Kohorte damit aufgewachsen ist, sondern ausnahmslos alle.

Die Entscheidung durch Silicon Valley Größen, ihre Kinder ganz ohne Smartphones oder computerisierte Klassenräume großzuziehen, ist daher genauso verständlich, wie es uns eine eindringliche Warnung sein sollte. Den Ergebnissen der üblichen Suchmaschine, wie etwa diesem hier, zu urteilen, scheinen die Verantwortlichen hinter der Technologie in etwa um 2018 herum begriffen zu haben, was sie geschaffen hatten und womit sie ihre Milliarden verdienen. Einige merkten es sogar schon davor und erkoren die (sic!) Walldorf Schule im Silicon Valley zum Schutzhort für ihren Nachwuchs.

Jene darunter, die sich über diese Entscheidung gegen ihre Produkte und Dienstleistungen äußern, klingen dabei ganz und gar nicht in jener Weise neomarxistisch, wie es von ihren Plattformen schreit. Vielmehr sprechen sie über Schlafprobleme, wenn die Kleinen bis spät abends vor dem Bildschirm hocken, und sie eruieren Wege, wie sich der unbedingte Wille zum eigenen Smartphone beim eigenen Nachwuchs – der laut dem neuen Dogma schon mit 3 Jahren wissen soll, welches Geschlecht es haben will – wenigstens so lange dämpfen lässt, bis sie 14 sind. Das passt überhaupt nicht zum Zeitgeist, sondern klingt ein bisschen, als würde da jemand auf Basis der Erkenntnisse des Jahres 2006 argumentieren.

Bill Gates ist Vater, Tim Cook ist es nicht

Niemand geringeres als der Impfweltretter Bill Gates meinte sogar, dass es „Eltern frei entscheiden sollten, wie sie es machen wollen“ mit dem elektronischen Dauerbegleiter beim eigenen Kind. Er selbst entschied sich gemeinsam mit seiner heutigen Ex-Frau dazu, dass die eigenen Kinder besser kein gescheitertes Gerät aus dem eigenen Haus haben sollten, so lange sie noch bei ihm unter dem Dach leben.

Am anderen Ende des Spektrums gibt es natürlich auch jene, die ein Vorteil in der frühkindlichen Sucht nach Eskapismus und vorgespielter Aufmerksamkeit sehen. Der homosexuell lebende Chef von Apple, über den nicht bekannt ist, dass er eigene Kinder großzieht, hält es für einen Vorteil, wenn sich anderer Leute Kinder schon in jungen Jahren an seine Produktpalette gewöhnen. Das habe dann Vorteile im späteren Leben, meint Cook. Vermutlich hat er sich das bei den Zahnärzten abgeschaut, die nebenbei Zuckerwatte verkaufen.

Einen Tick weitblickender war Cooks Vorgänger und Urvater des Smartphones Steve Jobs: „Weiß Gott, was sie im Hirn von Kindern anrichten“, meinte er einmal über seine Erfindung. Jobs ist zu früh verstorben, um die Wahrheit darüber zugeben zu müssen. Andere in seinem Metier jedoch befinden sich mitsamt ihrer Kinder noch unter uns und zogen Konsequenzen aus einigen verstörenden Erkenntnissen, die mit Sicherheit kein gut gehütetes Industriegeheimnis darstellen, aber dennoch von der Allgemeinheit ignoriert werden.

Die Zweiteilung auf dem Programmiermarkt

Der Grund übrigens, warum meine Leiden mit Linux (und dem Vernehmen nach jene zahlreicher anderer) ebenso in das Muster mit dem iPhone passen, ist nicht der Programmierernachwuchs, der von den Smartphones nett, aber dumm gemacht wurde. Smartphones sind durchaus schuld daran. Allerdings vor allem aufgrund der Bequemlichkeit und der Möglichkeiten, die Smartphones am anderen Ende des Produkts auch Programmieren bieten. Denn dadurch wurde die Tätigkeit des Programmierers in dramatischer Weise abgewertet. Heute sitzen zigtausende, wenn nicht Millionen Programmierer (oder eher Designer) in Indien, in China und andernorts auf der Welt und konkurrieren auf dem dank des Internets umfassend globalisierten Markt in einem ruinösen Preiskampf um Aufträge.

Der Siegeszug von Smartphones hat den Markt für Programmierer zutiefst erschüttert und in zwei Teile aufgetrennt, die kaum mehr etwas miteinander zu tun haben. Einmal gibt es heute jenen Markt, auf dem weiterhin sehr gut bezahlt wird und solide und professionelle Arbeit verlangt wird für Projekte, die immer individueller und komplexer werden. Dadurch entfernen sich die Programmierer immer von der Endanwenderseite mit der Folge, dass sie nebenbei keine Probleme mehr für die Allgemeinheit lösen können. Und dann gibt es als zweiten Markt noch jenen, wo schnell-schnell etwas für die anonyme Kundschaft am anderen Ende der Welt zusammengepfuscht wird, das dem Zweck genügt und gerade so hält, dass es das Smartphone nicht in Flammen aufgehen lässt. Letztere sind dann auch jene, die daran schuld sind, dass alles immer hakeliger, strukturloser und mülliger wird. Man bekommt eben, wofür man bezahlt.

Einige Ideen für konkrete Regelungen

Am besten für die Zukunft wäre es wohl, wenn man Smartphones Alkohol und Tabak gleichsetzt und dafür sorgt, dass es normal wird, wenn Kinder ihre Finger nicht daran bekommen. Das heißt, in öffentlichen Gebäuden und Transportmitteln sollten Smartphones generell verboten sein, also auch für Erwachsene, die ihr Gesicht ebenso zu oft in die Geräte hängen.

Eltern sollte es überlassen sein, ob die Kinder zu Hause damit hantieren. Außerhalb davon aber muss es Minderjährigen generell untersagt sein, Smartphones zu bedienen. Dazu passend wäre auch ein Betretungsverbot für Minderjährige für Geschäfte, in denen Smartphones verkauft werden. Analog dazu passend wären auch digitale Verbotsschild für Internetseiten mit entsprechender Produktspezialisierung. Ich denke, mit diesen Maßnahmen könnte die schädliche Wirkung der Geräte zu einem Gutteil neutralisiert werden.

Da Computer und Handys allerdings sehr nützlich sein können ohne gleichzeitig einen vergleichbaren Schaden anzurichten, muss man aufpassen, dass man den brauchbaren Teil der Geräte nicht ebenso aus dem Angebot wegrasiert. Es böte sich daher an, lediglich bestimmte Bildschirmdiagonalen zu verbieten. Verboten wird Kindern und Jugendlichen alles, das sowohl größer ist als das Ziffernblatt einer klassischen Armbanduhr (~1,5 Zoll in der Diagonale), als auch kleiner ist als ein durchschnittlicher Laptop (~12 Zoll). Unabhängig davon müssten auch sämtliche Mobilgeräte mit Touchscreen unter die Regelung fallen, so dass mobile Anwendungen möglichst unangenehm werden.

Insgesamt ginge dadurch kaum etwas verloren. Denn wer unbedingt etwas mitteilen möchte, der kann das noch immer, nur eben nicht in dieser gefährlich beiläufigen Weise, sondern muss die die volle Konzentration aufbringen. Ebenso ließe sich weiterhin problemlos telefonisch kommunizieren, oder im Fall von Sportuhren kleine Informationen aufzeichnen und abrufen.

Was wir damit auf der anderen Seite dagegen zurückgewinnen, wäre immens. Sollte eine Partei diese in meinen Augen unabdingbare Forderung nach einer Regulierung von Smartphones für Kinder in die Öffentlichkeit tragen, ich könnte mir sehr gut vorstellen, diesen Punkt maximal zu gewichten.

Quelle Titelbild, Bildschirmfotos Grafik

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