Über die Bedeutungslosigkeit der Medizin

Über die Bedeutungslosigkeit der Medizin

Weltweit steigt kontinuierlich die Lebenserwartung. Selbst für afghanische Männer ging dieser Welt bis vor kurzem nach oben, jährlich wurden es circa 3 Monate mehr seit der Besatzung durch die NATO. In Deutschland geht es auf höherem Niveau deutlich weniger schnell voran, der durchschnittsdeutsche Mann muss mit der halben Wachstumsrate länger leben. Gemeinhin wird diese kontinuierliche Steigerung auf verbessere medizinische Methoden zurückgeführt. Bei genauerem Hinsehen jedoch sind es keineswegs verbesserte medizinische Methoden, die dafür verantwortlich sind, sondern alles andere. Dennoch wird die Medizin triumphieren.

Gesundheitsrisiko Rauchen

Nicht nur die Umstände des Menschen tragen immer mehr dazu bei, dass die Überlebensrate bis ins hohe Alter steigt, auch bei den Krankheitsursachen sind wir zunehmend von biologischer Neutralität umgeben. Darunter fällt insbesondere der Tabakkonsum, der bis 2002 konstant blieb und in der Folge deutlich und fortgesetzt abnahm, wobei der Anteil an Rauchern seit 1990 um 40% zurückging. Zwischen 1990 und 2017 sank in Deutschland der Anteil für tabakbedingte Todesfälle von 21,88% auf nur noch 14,94%.

Diese Abnahme um fast 7% stellt den wohl größten Einflussfaktor auf die durchschnittliche Lebenserwartung dar. Eine Tabelle des statistischen Bundesamt zu den Rauchgewohnheiten nach Alter zeigt, wie die Raucher mit etwa 50 Jahren zu sterben beginnen und Raucher spätestens mit 70 an den Folgen ihres Tabakkonsums sterben, oder aber an etwas anderem sterben werden. Ablesen lässt sich dies einmal am steigenden Anteil an lebenslangen Nichtrauchern und den rapide fallenden Prozentwert für regelmäßige Raucher, der zwischen 60 und 75 Jahren eine Klippe herunterfällt.

Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von ungefähr 81 Jahren für allen Deutschen beider Geschlechter und einem Raucheranteil von etwa 25% bedeutet es, dass Raucher in etwa 10 Jahre weniger lang leben als die Nichtraucher. Gäbe es in Deutschland keine Raucher, dann läge die Lebenserwartung bei ungefähr 85 Jahren läge. Rechnet man diesen Anteil zurück auf das Jahr 1990 mit 40% Rauchern, dann ergibt sich eine Lebenserwartung für beide Geschlechter gut 79 Jahren. Tatsächlich lag sie damals bei ungefähr 76 Jahren. Kampagnen gegen das Rauchen sind damit nicht alleinerklärend für die steigende Lebenserwartung, mit circa 50% aber vermutlich der bedeutendste Faktor.

Kindersterblichkeit

Dritter bedeutender Faktor für ein vorzeitiges Ableben und damit von Relevanz beim Niveau der allgemeinen Lebenserwartung ist die Kindersterblichkeit. Im ersten Lebensjahr gibt es auch heute noch eine erhöhte Sterblichkeit, erst in etwa zum fünften Lebensjahr, wenn die Kinder „aus dem Gröbsten raus sind“, wird das Minimum der Sterblichkeit einer Kohorte erreicht. Da sich Todesfälle von Neugeborenen erheblich auf das Durchschnittsalter auswirkt, wirken sich Fortschritte in diesem speziellen Bereich der Kindesbetreuung ganz besonders stark aus. Hierbei handelt es sich vor allem um die medizinische Betreuung. Allerdings sind die Prioritäten und Krankheitsbilder bei Neugeborenen in der Regel andere als beim Rest der Bevölkerung – man denke an die Erfindung der Geburtszange – weshalb eine Trennung vom übrigen medizinischen Sektor gerechtfertigt ist.

Laut dieser Sterbetafel (Variante 1) starben im Jahr 1990 pro 100.000 insgesamt 721 Mädchen und 959 Jungen im Alter von 0 bis 4 Jahren. Absolut gesehen starben 1990 ungefähr 7.100 Kinder (0,855%), bevor sie das fünfte Lebensjahr erreichten. (Nebenbei wäre es interessant herauszufinden, warum auch in diesem Alter deutlich mehr Jungen als Mädchen sterben und inwieweit sich dies auf die Lebenserwartung auswirkt, aber das ist ein anderes Thema (und vermutlich auf dem Index der Gendergerechtigkeit).)

Im Jahr 2015 lag die Sterblichkeit pro 100.000 noch bei 411 für Jungen und bei 370 bei Mädchen. Die Geschlechterdisparität besteht immer noch, aber sie wird kleiner. Erheblich bedeutender ist noch der Fortschritt bei der Sterblichkeit, die sich in dem Zeitraum glatt halbiert hat und unter Berücksichtigung der circa 12% kleineren Kohorte noch immer bei etwa einem Drittel liegt. Absolut gesehen starben 2015 ungefähr 2.750 Kinder vor dem fünften Lebensjahr (0,04%).

Der jeweilige Anteil gestorbener Kinder multipliziert mit der zugehörigen Lebenserwartung ergibt für 1990 den Wert 0,65 Jahre und für 2015 sind es 0,28 Jahre. Um diese Beträge reduziert sich die Lebenserwartung alleine aufgrund der Kindersterblichkeit. Wieder zeigt sich die sehr positive Tendenz, wonach die Kindersterblichkeit eine immer kleinere Bedeutung für die allgemeine Lebenserwartung hat. Die Steigerung der Lebenserwartung zwischen 1990 und 2015 um etwa 5 Jahre kann damit zu 5% mit der sinkenden Kindersterblichkeit erklärt werden.

Immer weniger äußere Risikofaktoren

Sieht man einmal von Morden und Suiziden ab, da es sich dabei um genuin soziale und emotionale Ursachen handelt, dann spielen von Ursachen für vorzeitiges Ableben insbesondere Verkehrsunfälle, Vergiftungen (abzgl. Alkoholvergiftungen) und Stürze eine bedeutende Rolle. Laut WHO (Jahrgang 2018) starben im Europa des Jahres 2015 an diesen drei Todesarten 18 Personen je 100.000 Einwohner. Auf Deutschland bezogen waren dies ungefähr 1.500 Menschen. Im Jahr 2000 – also nur 15 Jahre zuvor – starben noch 2.400 Menschen auf diese Weise.

Im großen Topf der Todesfälle war dies im Jahr 2000 einer von 350 und 2015 schon nur noch einer von 617, der Trend befindet sich auf einem sehr niedrigen Niveau und geht dennoch weiter merklich zurück. Unübersehbar groß ist der Unterschied zum Jahr 1990, als deutschlandweit alleine aufgrund von Verkehrsunfällen 2.000 Menschen starben. Ein nicht unbedeutender Faktor dabei war noch die frisch beendete DDR, wo die untermotorisierten Sicherheitskatastrophen Wartburg und Trabant die Straße beherrschten.

Bei der Altersverteilung der Toten aus den drei Kategorien lässt sich von einer durchschnittlichen Verteilung ausgehen und damit einem Durchschnittsalter von etwa 40 Jahren im das Jahr 2000 und 42 Jahren im Jahr 2015 (alles wie immer Ungefährwerte). Die durchschnittliche verlorene Lebenszeit aufgrund von Unfällen, Stürzen und Vergiftungen belief sich im Jahr 2000 damit auf etwa einen Monat und 2015 noch auf etwas mehr als zwei Wochen. Das bedeutet, dass auch diese Faktoren eine merkliche Wirkung für die Lebenserwartung haben, tendenziell nähern sich auch sie allmählich der Null.

Ist die Medizin ihr Geld wert?

Die Bereiche Kindersterblichkeit, Rauchen und generelle Risikofaktoren sind nur drei von vielen weiteren. Beispielsweise gehört auch die Aufklärung über Sexualkrankheiten dazu, da nicht nur Medikamente gegen Hepatitis und HIV helfen, sondern auch die Erkenntnis, dass man aufpassen sollte, mit wem man wie in die Kiste steigt. Selbiges gilt für den Drogenkonsum, dessen Mechanik dank kostenloser Spritzen und einfacherer Analysewerkzeuge für Dreck im Stoff ebenfalls „sicherer“ wurde.

Schließlich gibt es noch den Faktor mit den Suiziden, der in der Vergangenheit sicherlich eine noch größere Rolle spielte bei traumatisierten Weltkriegs- oder DDR-Überlebenden. Ist ein solcher externer Faktor beendet, dann sind auch irgendwann all jene tot, die deswegen zum Alkoholiker oder allgemein depressiv wurden. Übrig bleiben im gesellschaftlichen Optimalzustand nur noch neurochemische Ungleichgewichte. Dieser konnte zumindest im Deutschland der Jahre bis Merkel gut angenähert werden und wirkte in den Jahren nach 2005 noch längere Zeit relativ gut nach.

Jenseits der Medizin für Kinder trägt es erheblich mehr zur Lebenserwartung bei, das Rauchen aufzugeben, sich generell von Alkohol und Drogen und dem zugehörigen Lebensstil fernzuhalten und auch keine Risikosportarten zu betreiben. Dazu gehört insbesondere das Motorradfahren, aber auch Fahrräder sind als Todesfalle so dramatisch, dass ein Auto mit dem gleichen Wert umgehend stillgelegt würde. Beim Transport ist es noch immer am besten für die Lebenserwartung, ein als sicher geltendes Auto zu kaufen, diesem regelmäßig neue Bremsbeläge und Reifen zu gönnen und sich an die Richtgeschwindigkeit zu halten.

Zieht man alle genuin nicht-medizinischen Faktoren ab, dann bleibt nicht mehr viel übrig, was für die steigende Lebenserwartung verantwortlich gemacht werden kann. Die Medizin für Erwachsene, also Krebstherapien, Dibetikermittel, Statine und was es auf dem Markt für postmoderne Pharmazeutika alles gibt, scheinen einen erheblich geringeren Anteil zu haben, als es gemeinhin hingestellt wird. Tatsache ist, dass die Medizin ihr Geld nicht wert ist und zwar in ziemlich dramatischer Weise. Ihren Einfluss auf die Lebenserwartung würde ich auf unter 20% taxieren.

Die große Frage daraus ist, ob ein derart großer staatlicher Gesundheitssektor medizinisch überhaupt notwendig ist. Wenn die Lebenserwartung vor allem von nicht-medizinischem abhängt, sollte es der privaten Entscheidung überlassen werden, ob man bis ins hohe Alter leben möchte und inwieweit man dann medizinisch versorgt werden möchte. Der Fokus der staatlicher Gesundheitsmaßnahmen sollte zuallererst auf Kindern liegen und dann dem Alter nach abnehmen. Spätestens ab 50 Jahren – wenn die Raucherkrebswelle beginnt und die Kinder anfangen selbstständig zu sein – sollte die Gesundheitsvorsorge zu einer reinen Privatvorsoge werden. Alles andere ist teuer und im Sinne eines sozialen Ausgleichs kontraproduktiv.

Quelle Titelbild

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