Worauf es beim Urlaub im Kriegsgebiet zu achten gilt, heute: Frankreich

Worauf es beim Urlaub im Kriegsgebiet zu achten gilt, heute: Frankreich

Nirgendwo geht dem Volk so schnell die Hutschnur hoch wie in Frankreich. Über die Vor- und Nachteile einer solchen Mentalität lässt sich streiten, sie hat aber eindeutig Auswirkungen auf Touristen aus dem Ausland. Dies gilt generell genauso, wie derzeit auch im speziellen, da es große Proteste gegen eine Impfpasspflicht für öffentliche Einrichtungen gibt, die auch und vor allem von ausländischen Touristen besucht werden. Mit einigen Verhaltensweisen lässt es sich dennoch gut aushalten im vorrevolutionären Frankreich. Man sollte nur hoffen, dass die Lage dort erst nach dem Urlaub endgültig explodieren wird.

The Spectator: Ein Wort der Warnung für Briten, die nach Frankreich strömen

Ab Sonntag sollen Briten also zu „Zehntausenden“ nach Frankreich strömen, wie es heißt. Zumindest stand das heute morgen in den Zeitungen, nachdem die Regierung für zurückkehrende Frankreichtouristen die obligatorische Quarantäne abschaffte, sofern sie zuvor bereits beide Impfdosen erhalten hatten.

Einzig die Daily Mail spielte den Spielverderber und warnte vor einem Mangel an Hotelunterkünften, da „insbesondere im Süden des Landes einen Mangel an Ferienhäusern und Hotelzimmern“ zu erwarten sei.

Da ich in den letzten Wochen die Pyrenäen und den Lac d’Annecy bereist hatte, kann ich tatsächlich bestätigen, dass diese beliebten Reiseziele von Franzosen, Deutschen, Niederländern, Skandinaviern und Belgiern nur so wimmeln. Ich denke, Sie können sich meinen Gefühlszustand ausmalen, als ich mir in der Bar eines französischen Campingplatzes das Finale der Europameisterschaft angesehen habe. Als einsamer Engländer erhielt ich weder Unterstützung beim Anfeuern, noch Sympathie am Ende, als dies nichts gebracht hatte.

Hier noch eine weitere Warnung für alle jene, die mit dem Gedanken spielen, sich zum Urlauben auf in das Land von Käse, Wein und Lebensfreude zu begeben, wobei es genau genommen sogar zwei Warnungen sind. Erstens, nehmen Sie einen Regenschirm und eine Thermoskanne mit, denn Frankreich erlebt gerade den nassesten und kältesten Sommer dieses Jahrhunderts.

Zweitens, werden Sie feststellen, dass die Franzosen derzeit sehr wütend sind. Von Feuerwehrleuten über Mediziner, Restaurantbesitzer, Kinobetreiber bis hin zu Freizeitparkmitarbeitern – sie alle sind wütend über die Einführung von Emmanuel Macrons Corona-Impfpass.

Feuerwehrleute, Krankenschwestern und Bahnangestellte drohen mit Streiks, während immer mehr Restaurants mit der Ankündigung hausieren gehen, die am Montag in Kraft tretenden Regeln, nach denen nur noch Einlass bekommen darf, wer einen gültigen Impfpass vorlegt.

Ihre Befürchtung besteht in einem Ausbleiben der Kundschaft, wie es in einigen jener Restaurants der Fall war, bei denen schon im letzten Monat die Verpflichtung zur Vorlage des Impfpass eingeführt wurde. Ähnlich verhält es sich in Freizeitparks, Kinos und generell überall da, wo die Besucherzahlen ab dem 21. Juli stark zurückgegangen sind, seitdem deren Gäste zur Offenlegung ihres Impfstatus gezwungen werden.

Es war keine Überraschung, dass Frankreichs Staatssekretär für Tourismus Jean-Baptiste Lemoyne nur wenige Minuten, nachdem die britische Regierung die Lockerung der Reisebeschränkungen zwischen Großbritannien und Frankreich bekannt gegeben hatte, bei Twitter folgende Nachricht absetzte: „Ihr NHS-QR-Code ist ab sofort mit TousAntiCovid Verif kompatibel! Sie haben also den #PassSanitaire (Gesundheitspass).“

Für britische Touristen bedeutet es, dass sie Museen, Themenparks, Restaurants und Bars betreten dürfen, sobald sie ihre NHS-Bescheinigung in die französische TousAntiCovid-App hochgeladen haben.

Sie sollten sich das wirklich überlegen, da die meisten Öffentlichen Einrichtungen in den letzten zwei Wochen vierzig bis siebzig Prozent ihrer Besucher einbüßen mussten. Das Anstellen im Freizeitpark für die nächste Fahrt mit der Achterbahn, die langen Schlangen vor der Mona Lisa im Louvre, oder die Reservierung im Sternerestaurant entfällt derzeit, was sehr angenehm ist. Weit weniger angenehm daran sind die vielen wütenden Franzosen, die einem überall begegnen und die im besseren Fall nach „Liberte“ und „Resistance“ verlangen, im schlechteren allerdings in jedem einen „Verräter“ oder „Kollaboratuer“ sehen. So lange man sich jedoch schnell genug als ausländischer Tourist zu erkennen gibt, sollte einem nichts geschehen.

Wer auf dem Weg durch eine Demonstration schneller durchkommen möchte, dem ist zu empfehlen, deren Schlachtruf „ Macron demission“ mitzusingen (Macron, trete zurück). Dafür bekommt man auch einen Klaps auf die Schulter und nicht die Ohrfeige, wie sie einige Apotheker vom radikalen Ende des Protests gegen den Impfpass dafür bekamen, dass sie sich Macrons Anordnung fügten.

Oh, und habe ich schon die Masken erwähnt? In den meisten Küstenorten gilt deren Tragepflicht auch draußen, darunter auch auf Korsika an der Cote d’Azur und an der Atlantikküste. Ich weiß nicht, warum es überall anders ist, aber die in Frankreich dafür zuständigen Präfekte sind ein Mysterium für sich.

Ich hoffe, das hat Sie nicht davon abgehalten, diesen Monat Frankreich zu besuchen. Kommen Sie ruhig vorbei. Das Land ist so schön wie eh und je und seine Menschen sind so beruhigend temperamentvoll, wie sie es immer schon waren. Schließlich wäre Frankreich nicht Frankreich ohne Streiks, Proteste und Schlagstockeinsätze der Polizei.

Quelle Titelbild

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