Zensurmuster bei Google (3/4): Die Zeit der Veröffentlichung

Zensurmuster bei Google (3/4): Die Zeit der Veröffentlichung

Nachdem mir Bing dieses seltsame Resultat mit Haunebu ausgeworfen hat, bin ich Liste mit den 100 Blogbeiträgen auch mit Bing einmal komplett durchgegangen, konnte dabei jedoch nichts auffälliges ausmachen. Dennoch hat dieses schräge Ergebnis meine Skepsis gegenüber der Integrität der großen Suchmaschinen generell noch einmal verstärkt, vielleicht sollte ich endlich auf DuckDuckGo umsteigen. Die vereinzelten Inkonsistenzen bei Bing ignorierend bin ich danach wieder den bereits konkreten Verdachtsmomenten für Zensurmuster bei Google nachgegangen.

Nächster Schritt: Die Grundgesamtheit muss wachsen

Als nächstes habe ich meinen Blog nach Links zur Daily Mail und zu ZeroHedge durchforstet, zwei weiteren einschlägigen Webseiten, die sicherlich ebenso auf dem Zensurindex stehen müssen, und zu denen ich wesentlich öfters verlinkt habe als zum Spectator. Insgesamt habe ich zehn Artikel mit Link zu ZeroHedge gefunden und 23 mit Link zur Daily Mail, in Zweien davon sind jeweils beide verlinkt. Nach den unterschiedlichen Ergebnistypen habe ich dieses Mal nicht mehr Ausschau gehalten, sondern einfach danach sortiert, ob im Suchergebnis irgendwo der Link zum entsprechenden Beitrag auf meinem Blog vorkam oder nicht.


Anzahl getesteter BeiträgeZensurquote 1. DurchlaufZensurquote 2. DurchlaufZensurquote Ø GoogleZensurquote Test mit Bing
Daily Mail2330%22%26%13%
ZeroHedge850%50%50%0%
zusammen3138%31%35%10%

Das Ergebnis ist auch hier recht eindeutig und folgt den obigen Mustern, was auch für die Gegenprobe mit Bing gilt. Die bei ZeroHedge im Vergleich zur Daily Mail viel stärker ausgeprägte Zensur durch Google folgt der generellen Einstufung von ZeroHedge als eine Fake-News-Schleuder (siehe z.B. Wikipedia), während die Daily Mail aufgrund von ihrer Größe und Bedeutung zähneknirschend als zum Mainstream gehörend akzeptiert werden muss.

Wie rabiat die Zensur bei Google zuschlägt, wenn gleich beide Seiten verlinkt werden, zeigt exemplarisch mein eigentlich wenig kontroverser Beitrag zum Gamestop Squeeze, der schon im Februar erschien und daher nicht Teil der 100 Beiträge ist. Bei diesem habe ich versehentlich die URL und nicht den Beitragstitel in die Suchzeile hineinkopiert und bekam tatsächlich als Antwort, dass „keine übereinstimmenden Dokumente gefunden“ wurden. Ganz so, als würde die Seite in den Tiefen des Internets gar nicht existieren.

Damit erhärtet sich die Vermutung, wonach mindestens zwei Dimensionen existieren, die über eine mögliche Unterdrückung eines Beitrags entscheiden: Einmal das jeweilige Thema und dann noch die darin gesetzten Links.

Die zeitliche Dimension der Zensur

Das Netz an Indizien war inzwischen so engmaschig, dass ich mir sicher war, weitere Muster zu finden, ich müsste nur weitermachen. Mein Problem an diesem Punkt war jedoch die kurze Existenzdauer meines Blogs. Denn für halbwegs aussagekräftige statistische Aussagen braucht es nicht nur mindestens 25 überzeugende Beispiele, sondern sie sollten idealerweise auch aus unterschiedlichen Jahren stammen und thematisch möglichst breit variieren.

Auf der Suche nach anderen alternativen deutschen Medienblogs mit einem derartigen Portfolio bin ich schnell bei Hadmut Danischs Blog gelandet. Seit über 10 Jahren ist er intensiv am bloggen und bietet mit seinem breiten Themenspektrum die optimale Voraussetzungen für den Test, inwieweit Google die Existenz seiner Beiträge (an)erkennt. Dank einer Suchfunktion auf seinem Blog musste ich ihn für meine kleine Analyse nicht einmal nerven und ich konnte mich ohne seine Hilfe durch die Artikel wühlen.

Als größtes Problem erwiesen sich dabei seine meist generischen Beitragstitel (etwas, das auf meinem Blog nur selten passiert). Als Abhilfe habe ich daher nicht den Beitragstitel, sondern jeweils einen Auszug aus dem Blogtext selbst in die Suchmaske hinein kopiert. Im Ergebnis ändert das nichts, zumindest theoretisch müsste es Google egal sein, Bing jedenfalls ist es das.

Zuerst habe ich auch auf dem Blog von Danisch nach Beiträgen gesucht, in denen der Spectator eine Rolle spielt. Leider waren das nur wenige, das Ergebnis ist dennoch eindeutig unter dem Blickwinkel, ob die Internetsuche den zugehörigen Blogbeitrag mitsamt Direktlink auswirft:

Veröffentl. im JahrTitel1. Mal Google2. Mal GoogleTest mit BingKommentar
2015The Stepford StudentsLinkfehltLinkLink im Text
2015Feministische Antirassismus-Veranstaltung der WocheLinkfehltLinkLink im Text
2016Trump und die PsychometriefehltLinkLinkLink im Text
2018Was Journalistinnen können müssenfehltfehltLinkLink im Text
2019Diese beachtliche Methode des SterbensfehltLinkfehltLink im Text
2019Geliefert wie bestelltfehltfehltLinkLink in eingebettem Tweet
2020Brandstifter-Epidemie: Gibt es da sowas wie ein Broken-Window-Syndrom?fehltfehltLinkLink zum australischen Ableger
2020Über Desinformation, Kontinent-Vandalismus und die fucking wombatsLinkLinkLinkLink zum australischen Ableger

Zensurquote insgesamt75%63%20%

Damit wäre mein Verdacht auf Basis meiner eigenen Blogbeiträge bestätigt, wonach der Spectator bei Google auf der Zensurliste steht. Die fehlende Verlinkung zum australischen Ableger des Magazins zeigt nebenbei, dass auch kleine Angebote nicht von dem Suchmaschinengiganten verschont werden. Laut Similarweb kommt der australische Spectator auf nicht einmal 500.000 Zugriffe im Monat. Weit ist es von da aus dann nicht mehr bis zu Blogs wie meinem.

Teil 1: Zensur nach Themen

Teil 2: Zensur nach gesetzten Links

Teil 3: Zensur nach Zeit

Teil 4: Zensur nach politischer Windrichtung

Quelle Titelbild

Bloggerei.de
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