Zensurmuster bei Google (2/4): Die gesetzten Links

Zensurmuster bei Google (2/4): Die gesetzten Links

Nachdem ich etablieren konnte, dass bei Googles Suchergebnissen tatsächlich signifikante Unregelmäßigkeiten auftreten und diese den klaren Verdachte einer politisch motivierten Motivation der Suchalgorithmen nahelegen, wollte ich mir nächsten Schritt ein Bild darüber machen, was genau zu einem Flackern bei Google führt.

Frankreich im Schleppnetz der Zensurmuster

Mein Fokus richtete sich auf jene 16 Beiträge unter den 30 mit Variationen, die bei den fünf Durchläufen mindestens einmal komplett in den Suchergebnissen gefehlt haben (14 Stück), sowie alle Beiträge, bei denen mir Google bei fünf Suchrunden nicht öfters als ein Mal den direkten Link lieferte (7 Stück), wobei

Hier die gleiche Tabelle wie im ersten Teil, nur dass diesmal die Schlagworte mit schwachen Variationen beim Suchergebnis verglichen werden mit jenen, bei denen starke Variationen auftraten:


Schlagworte mit starken VariationenAlle Schlagworte mit VariationenVerhältnis (Abw. von der Erwartung)
Klimawandel10101
Corona331
Medienkritik10130,77
China460,67
Staatskritisches14230,61
gesamt681260,54
Ökonomie & Geopolitik8160,5
Kulturkampf7190,37
Eigennamen & Sonstiges11300,37

In der ausschließlichen Betrachtung der Schlagworte mit Variationen werden die Ergebnisse des ersten Vergleichs größtenteils bestätigt. Signifikante Abweichungen bei den Relationen lassen sich bei den Themen Islamismus, Corona und Staatskritisches ausmachen, wobei die Abweichungen der ersten beiden jeweils mit der kleinen Auswahlgröße erklärt werden kann. Lediglich das Thema mit der Staatskritik fällt deutlich aus dem Rahmen und bedarf eines näheren Blicks.

Als ich mir die zur Staatskritik gehörenden Schlagworte angesehen habe, sprangen mir dabei sofort die Begriffe Bürgerkrieg und Putsch ins Auge. Beide kommen kommen bei mir eigentlich nur dann zur Verwendung, wenn ich wieder einmal etwas über die Situation in Frankreich schreibe. Daraufhin habe ich auch mir die Schlagworte unter Eigennamen & Sonstiges angesehen und fand unter den elf aufgeführten Begriffen: Michel Houellebecq (1x), Emmanuel Macron (1x) und Frankreich (4x).

Das war seltsam, wunderte ich mich. Google wäre durchaus zuzutrauen, deutsche Nachrichtenkonsumenten von Informationen über die wirkliche Lage im wohl wichtigsten aller deutschen Nachbarländer abzuschneiden. Doch es wäre eine äußerst selektive Entscheidung, die kaum mit dem Verzicht auf eine rigide Zensur bei anderen Themen zu vereinbaren wäre. Beispielsweise wäre es in diesem Fall naheliegend, auch den Themenkomplex des Kulturkampfes einer schärferen Kontrolle zu unterziehen, da sich dieser zur Schärfung des Freund-Feind-Bildes durch ethnische Europäer eignet, was in Bezug zu einer Frankreichzensur nicht wünschenswert wäre. Allerdings finden sich bei diesem Themenbereich relativ betrachtet nur wenige Auffälligkeiten bei den Suchergebnissen.

Vielleicht, dachte ich mir dann, liegt einfach nur eine statistische Fata Morgana vor und Schlagworte stammen alle vom selben Beitrag. Das war jedoch nicht der Fall, es bestätigte sich vielmehr das Gegenteil. Die fraglichen acht Schlagworte verteilen sich auf insgesamt vier der 16 Beiträge, mit denen Google ganz besonders große Probleme hatte:

Tatsächlich, Google mag Frankreich nicht, stellte ich fest. In allen vier Artikeln kommt Frankreich prominent zur Sprache. So recht glauben wollte es aber immer noch nicht. Daher bin ich die 66 Beiträge ohne Auffälligkeiten beim Suchergebnis durchgegangen und habe mir alle herausgesucht, die ebenfalls mit den Schlagworten Frankreich, sowie Bürgerkrieg oder Putsch versehen waren:

Mit diesem 4:2 Ergebnis wäre die Verwirrung komplett. Einerseits deutet alles auf eine selektive Zensur von Nachrichten aus Frankreich hin, andererseits warf mir Google ohne Murren zwei Beiträge über das Land aus, die es ebenfalls in sich haben. Alles in allem lässt sich aus auf Basis von gerade einmal sechs Beispielen jedoch keine eindeutige Aussage treffen. Es musste also an etwas anderem liegen.

Stehen gezielt englische Publikationen auf Googles Zensurliste?

Mit den unschlüssigen Ergebnissen zur Frankreichfrage bin ich eine Ebene tiefer gegangen und habe mir die sechs Artikel direkt angesehen. Frankreich, den Bürgerkrieg und irgendwelche Putschgerüchte ausblendend fiel schließlich der Groschen bei mir und ich hatte einen bösen Verdacht: Zensiert Google am Ende nicht (oder nicht in erster Linie) nach Themen, sondern nach dem, wohin im Text verlinkt wird?

Passen würde ein derartiges Zensurmuster. Denn immerhin hat sich Google einen Namen als rekursive Suchmaschine gemacht, da das Unternehmen Suchergebnisse erstmalig danach zu bewerten begann, wie viele andere Internetseiten zu einer Zielseite verlinken und welche Qualität diese verlinkenden Seiten haben. Eine Zensur nach dem, wohin man verlinkt wäre zwar das exakte Gegenteil der Idee hinter Google, allerdings steht auch die Zensur von Inhalten diametral gegen das, wozu eine Suchmaschine eigentlich da ist. Zutrauen muss man dem ehemaligen „Don‘t be evil“ Konzern heute leider eine derartige Wendung.

Drei der vier Beiträge über Frankreich, mit denen Google Probleme hatte, waren Übersetzungen des englischen Magazins The Spectator und zwar inklusive Link und namentlicher Nennung des Magazins im Text. Der vierte drehte sich um die Streichung französischer Inlandsflüge zur Besänftigung der CO2-Götter und enthielt weder einen Link zum Spectator, noch wurde das Magazin genannt. Vermutlich endete der Beitrag aufgrund der thematischen Zuordnung zum Klimakomplex auf dem Index von Google.

Wie deren Titel implizieren, geht es in den anderen beiden Frankreichtexten ohne Auffälligkeiten bei der Suche um die politische Lage des Landes, nicht aber um die vier im ersten Teil erkannten Zensurthemen. Ebenso kommt der Spectator darin nicht nicht unmittelbar vor, lediglich die verlinkten Texte enthalten Referenzen und Links dorthin. Es sah alles danach aus, als würde Google tatsächlich die Links beachten und negativ bewerten, wobei der Spectator, eigentlich ein respektables Debattenmagazin, mit einem solchen Malus versehen wurde.

Tatsächlich weckte das vorliegende Muster bei mir nicht nur den Verdacht, dass bestimmte Publikationen mit politisch inopportunen Inhalten von Google aussortiert werden, sondern sogar einzelne Autoren. Der Grund dafür liegt in deren Frankreichkorrespondenten Gavin Mortimer, von dem ich schon einige Texte übernommen habe. Mein Gedanke dazu war, dass Google bei seiner suchalgorithmischen Realitätskonstruktion sicherlich nicht auf halbem Wege stehen bleiben würde. Es wäre sehr konsequent, nicht nur Themen und Publikationen in den Ergebnissen zu tilgen, sondern auch einzelne Publizisten.

Auch Bing hat einen Schuss

Die Befürchtungen in Richtung einer gezielten Zensur einzelner Personen durch Google konnte ich am Ende nicht bestätigen. Drei der fünf von mir übersetzten Artikel von Gavin Mortimer wiesen zwar Auffälligkeiten beim Suchergebnis auf, doch für einen Vergleich und eine Einordnung hatte ich zu wenige Artikel, an denen ich es hätte testen können. Stattdessen ist mir bei der Gegenprobe der Google Suchergebnisse mit Bing etwas ganz anderes aufgefallen.

Es geht um diesen Artikel über Bürgerkrieg und Coronaproteste in Frankreich. Sucht man bei Bing nach dem Titel, dann erhält man als ersten Suchtreffer einen Link zu der Seite Nicht-Linke Blogs, wo mein Artikel freundlicherweise verlinkt wurde. Prinzipiell ist es dabei nicht ungewöhnlich, wenn andere Seiten in den Suchergebnissen vor meinem Blog angeführt werden, obwohl sie nur meine Inhalte weiterverbreiten. Das ist immer dann der Fall, wenn der Titel wörtlich übernommen wird und die Seite über die Zahl der Backlinks dorthin und andere Faktoren wie einem technisch besseren Seitenaufbau höher bewertet wird als mein Blog (was keine Kunst ist). Ebenso ist es zwar selten, aber unverdächtig, dass der Direktlink zu meinem Blog erst auf der fünften Ergebnisseite erscheint. Insbesondere bei Allerweltsthemen kommt das vor, wenn unterschiedliche Veröffentlichungen viele ähnlich lautende Versatzstücke verwenden.

Verdächtig hinsichtlich einer Ergebnismanipulation wird es jedoch dann, wenn auf der vierten Ergebnisseite – also noch vor meinem Blog – ein gewisser Haunebu7 Blog aufgeführt wird, dem ich kaum eine höhere Bewertung zubilligen würde als meinem eigenen Blog. Bing verrät sich in seiner Ergebnismanipulation aber vor allem damit, dass es im verlinkten Beitrag von Haunebu nicht um den gesuchten Artikel von mir geht, sondern um einen anderen Beitrag auf meinem Blog, der aber ebenso einen Bezug zu Frankreich hat.

Eine derart unsinnige Suchrangliste ist in meinen Augen nur noch damit zu erklären, dass jemand in wenig subtiler Weise manuell in die laufende Maschine eingegriffen hat. Ähnlich einer Lobotomie lässt sich bei Suchmaschinen, die auf komplexen und dynamischen Algorithmen basieren, mit einem Eingriff immer nur ungefähr das gewollte erreichen. Das Ziel mag zwar erreicht werden, aber wenn der Patient am Ende seine Schnürsenkel nicht mehr zubinden kann, ist das im Verhältnis zur (vermuteten) Gefährlichkeit der Situation ohne Lobotomie noch immer eine akzeptable Nebenwirkung. Es überrascht mich, dass offenbar auch Bing eine solche Mentalität pflegt. Bislang ist mir dort nur die algorithmische Steuerung von Corona aufgefallen.

Teil 1: Zensur nach Themen

Teil 2: Zensur nach gesetzten Links

Teil 3: Zensur nach Zeit

Teil 4: Zensur nach politischer Windrichtung

Quelle Titelbild, Bildschirmfoto

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