Hitzeframing mit Lappland, aber ohne Werchojansk

Hitzeframing mit Lappland, aber ohne Werchojansk

Für einen Sommer eher ungewöhnlich herrschte in Deutschland drei Wochen lang Regenwetter mitsamt Raumtemperaturen. Ein Gefühl von April kam auf, nicht jenes, das zu den längsten Tagen des Jahres passt. Zum Glück gibt es aber noch Lappland, wo zur Zeit anhaltend hochsommerliche Temperaturen weit jenseits der 30°C herrschen. Wir wissen das, weil die Klimaaktivistengarde dringend auf eine Ausrede angewiesen war, um die Erzählung einer globalen Erwärmung des Klimas trotz des miesen Wetters hierzulande aufrechterhalten zu können. Doch wie zuverlässig sind die von dort berichteten Extremtemperaturen überhaupt? Historisch war die Region kaum besiedelt und auch die exakte Wetterbeobachtung ist eher ein neues Phänomen. Insbesondere dann, wenn man sich die Temperaturen der russischen Ortschaft Werchojansk vergegenwärtigt, zeigt sich das billige Framing durch die Leitmedien und ihre Wissenschaftler.

Lappen, Samen und Neigschmeckte

Wetterbeobachtung erfordert das Beobachten. Wo aber keine Menschen sind, da ist keine Beobachtung. Früher galt das noch viel mehr als heute. Daher ist es wichtig zu wissen, wie groß die Bevölkerung von Lappland heute ist und wie groß sie vor 50 Jahren war und am besten auch, wie groß sie vor 500 Jahren war. Leider sind historische Bevölkerungsaufzeichnungen fast genauso rar und zuverlässig, wie es alte Wetteraufzeichnungen sind.

Lappland erstreckt sich auf Nord-Norsge in Norwegen, Norrbottens län in Schweden, Lapin Lääni in Finnland und die Hälfte des russischen Oblast Murmansk. Alles in allem hat ganz Lappland eine Fläche von 389.000 km², auf denen 1,31 Millionen Einwohner leben. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 3,37 Menschen pro km². Deutschland zum Vergleich ist 9% kleiner, hat 64x so viele Einwohner und damit eine 69x so hohe Bevölkerungsdichte.

Hinzu kommt, dass die Samen selbst nur noch eine kleine Minderheit sind un etwa 10% der Bevölkerung ausmachen. Bei den allermeisten Menschen in Nordskandinavien handelt es sich um Zugezogene, die zumeist in größeren Orten leben, die um Häfen und Minen oder andere Orte zur Rohstoffgewinnung herum entstanden sind. Lediglich über die Samen selbst lässt sich vermuten, dass sie auch in kleinen, weit verstreuten Dörfern leben. Damit lässt sich feststellen, dass große Teile des Landes komplett verwaist sein müssen.

Historische Aufzeichnungen

Am Oblast Murmank lässt sich ablesen, dass in der Vergangenheit wesentlich mehr Menschen im hohen Norden gelebt haben müssen. Zumindest war das in der UdSSR der Fall, zu deren Zeiten circa 50% mehr Menschen auf der Halbinsel Kola gelebt haben. Erklären lässt sich dies einmal mit der Bedeutung des Weißen Meeres für die russische Marine, aber auch mit der Rohstoffgewinnung, was auch die läppischen Regionen der anderen Länder betrifft.

Beispielhaft steht dafür das schwedische Kiruna, wo es ein großes Erzbergwerk gibt. Laut dem Wikipediaartikel über die Geschichte Kirunas begann deren Geschichte in der Mitte des 18. Jahrhunderts, nachdem dort große Mengen Erze gefunden wurden. Der industrielle Bergbau begann jedoch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wobei der Höhepunkt 1976 erreicht wurde, als Kiruna gut 24.000 Menschen beherbergte. Heute hat die Stadt noch 17.000 Einwohner und es ist nicht zu erwarten, dass es andernorts anders lief.

Mit der Weltbevölkerung nach Land im Jahr 1500 bietet Wikipedia eine kleine Informationsperle, die im Zusammenhang überaus nützlich ist. In Schweden, Norwegen und Finnland lebten damals insgesamt 1,1 Millionen Menschen, heute sind es 21,2 Millionen. Proportional übertragen wären das für das Lappland des Jahres 1500 gerade einmal 69.000 Samen oder 0,17 Menschen pro km².

Auch in den Jahrhunderten danach sah die Sache nicht viel anders aus. Denn Wikipedia kennt tatsächlich auch die Weltbevölkerung nach Land für das Jahr 1800, als in den drei genannten Ländern 5,1 Millionen Menschen lebten, sowie für das Jahr 1900, als die Bevölkerung bereits bei 10,1 Millionen lag. Daraus ergeben sich die Faktoren 2,1 und 4,2 mit dem Ergebnis, dass Lappland im Jahr 1800 von etwa 312.000 Menschen bewohnt wurde und im Jahr 1900 um die 624.000 Einwohner hatte.

Wie langfristig können läppische Beobachtungen sein?

Die Schwelle von einer Person pro km² überschritt Lappland erst irgendwann im 19. Jahrhundert, wobei ich stark vermute, dass dies eher gegen Ende des Jahrhunderts geschah. Tatsächlich könnte es auch später gewesen sein, da ich lediglich eine proportionale Übertragung der Gesamteinwohnerzahl der Länder vorgenommen habe. Realistisch wäre eher der Zeitraum der 1920er Jahre, als sich die Elektrifizierung durchzusetzen begann, da die Region ein halbes Jahr lang dunkel ist. Ohne künstliches Licht aber kann man kaum einer arbeitsteiligen Wirtschaftsweise nachgehen und auch das Ablesen von Thermometern, nicht zu sprechen vom Betrieb automatisierter Wetterstationen, gestaltet sich eher schwierig.

Die große Frage daher ist, ob die „historische Hitzewelle“ in Lappland auf Basis dieser eklatanten Abwesenheit über eine größere Aussagekraft verfügt. Der mögliche Beobachtungszeitraum ist schlichtweg zu kurz, um daraus in stichhaltiger Weise eine klimatisch relevante Aussagen treffen zu können.

Ein Sommer wie dieser mag in Lappland ein Jahrhundertereignis sein, doch mehr wird es vermutlich nicht sein. Eventuell ist es sogar nur ein Ereignis, das einmal alle paar Jahrzehnte vorkommt. Wir wissen es nicht, da die Region zu dünn besiedelt ist, als dass robuste historische Temperaturaufzeichnungen existieren könnten, in denen zuverlässig Temperaturspitzen abgebildet werden.

Ebenso verfügen die indigenen Samen zwar sehr wahrscheinlich über ein ausgeprägtes historisches Gedächtnis, jedoch lassen sich exakte Temperaturen daraus kaum ableiten. Lediglich aus der anekdotischen Erzählung von Großereignissen wie Schnee im Sommer oder das Schmelzen einer üblicherweise eisbedeckten Stelle ließe sich im Rahmen einer Temperaturanalyse robuste Schlussfolgerungen ziehen. Diese aber scheinen nicht zu existieren, so dass eine weitere Lücke besteht, die in anderen Regionen mit Hilfe von Erzählungen oder zeitgenössischen Gemälden gefüllt werden kann.

Werchojansk im nördlichen Polarkreis, aber nicht in Lappland

Abschließend weiß jeder, der schon einmal von sibirischen Sommern gehört hat, wie warm es in der nördlichen Tundra Eurasiens werden kann. Dies, obwohl die Region die meiste Zeit des Jahres von eisiger Kälte geprägt ist. Auch hier findet sich alles relevante bei der politischen Desinformationsklitsche Wikipedia, man muss es nur finden wollen. Über das russische Dorf Werchojansk heißt es dort:

Höchste je gemessene, offiziell bestätigte Temperatur (25. Juli 1988): +37,3 °C

Das besondere an Werchojansk ist, dass es wie auch das läppische Kiruna auf dem 67. Breitengrad liegt, wobei sich Kiruna mit 18 Breitenmminuten gerade einmal 33,3 km näher am Nordpol befindet als das russische Dorf. Die Lufttemperatur Deutschlands im Sommer 1988 war – ebenfalls Wikipedia – mit 15°C im Juni und 17°C im Juli wie in diesem Jahr ebenfalls leicht unterdurchschnittlich.

Im Jahr 1988 war das CO2 noch ein klimatisches Nischenthema. Ebenso musste das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung zu der Zeit noch vier Jahre auf seine Gründung warten. Dessen späterer Chef Hans Joachim Schellnhuber wiederum kehre zu dieser Zeit gerade (per Concorde?) von seiner Gastprofessor in Kalifornien zurück und war auf dem Weg zum ordentlichen Professor in Oldenburg. Sein Fachgebiet war damals keineswegs die Klimaforschung, sondern nichtlineare Systeme mit Spezialbezug zu Phystik und Biologie. Vielleicht haben sie Werchojansk ganz einfach nur deswegen vergessen.

Eventuell war der Temperaturrekord von Werchojansk auch der Grund, weshalb als Bezugsrahmen für die “nie dagewesene Rekordhitze” die nur schwach definierte, aber umso bekanntere Region im Norden Skandinaviens gewählt wurde. Es hätte zwar nicht weniger, sondern eher mehr Sinn ergeben, den gesamten nördlichen Polarkreis als Bezugsgröße zu wählen. Dann allerdings hätte nicht über eine nie dagewesene Rekordhitze berichtet werden können, sondern lediglich über eine Hitzewelle, wie sie alle 30 Jahre einmal vorkommt, die darüber hinaus möglicherweise in Verbindung mit milderen Temperaturen in Mitteleuropa steht. Dem Narrativ der fortschreitenden Erhitzung des Klimas würde das jedoch nicht dienen. Im Gegenteil, es würde einmal mehr die Verlogenheit des gesamten Komplexes unter Beweis stellen.

Quelle Titelbild

Bloggerei.de