Israels Versagen im Vorlauf der Raketenangriffe durch die Hamas

Israels Versagen im Vorlauf der Raketenangriffe durch die Hamas

Manche meinen, Israel sei das intelligenteste Land der Welt. Dem ist vermutlich auch so, da eine so kleine Nation mit so großen Feinden anders wohl kaum dauerhaft in einer so erfolgreichen Weise überleben könnte. Dennoch ist auch die israelische Führung nicht frei von Fehlern, die teilweise kritische Ausmaße annehmen können. Das letzte Mal war es der Jom-Kippur-Krieg, der das Land aufgrund einer kritischen Fehleinschätzung beinahe ausgelöscht hätte. Heute ist es die Hamas, die trotz Blockade, Ächtung und millirdenteurer Überwachung ein gigantisches Waffenarsenal aufbauen konnte.

The Spectator: Aufgedeckt: Wie Israel die Hamas austrickste

Gestern erhielt ich eine Mitteilung von einem vertrauenswürdigen Kontakt in Israel, der mir mitteilte, dass gar keine Bodenoffensive in Gaza geplant sei. Dabei sah es ganz und gar nicht danach aus, da schwere Panzer und Infanteriereservisten an der Grenze in Stellung gebracht wurden. Ich beschloss, die Geschichte erst einmal zurückzuhalten, um sie erst am Tag danach zu veröffentlichen.

Wenige Stunden nach Erhalt der Mitteilung suggerierte die israelische Armee der Welt bei Twitter, dass Bodentruppen in Aktion getreten seien. „Luft- und Bodentruppen der IDF (Israel Defence Force) greifen derzeit im Gaza-Streifen an“, hieß es.

Niemand bemerkte die darin eingebaute Zweideutigkeit. Innerhalb von Minuten verbreitete sich die Nachricht über die ganze Welt. „Israel greift an“, schrie die MailOnline, die größte Zeitungswebsite der Welt. „Israelische Truppen sind nach Gaza eingedrungen, da der Konflikt mit den Palästinensern eskaliert, sagt das israelische Militär”, twitterte die angesehene Washington Post.

Vor lauter Verzweiflung hätte ich fast die Nummer meiner Quelle aus dem Telefonbuch gelöscht. Am Morgen jedoch kam die Wahrheit ans Licht. Meine Quelle lag goldrichtig. Der sorgsam formulierte Tweet der IDF meinte in Wahrheit, dass Bodentruppen der IDF von Israel aus mit dem Beschuss von Gaza begannen und keineswegs dafür die Grenze überschritten haben. Die Tatsache, dass der Tweet die Schlagzeilen eines Einmarschs produzierte, spielte der israelischen Taktik in die Hände.

Geniales Spiel mit Desinformation

Mit Einbruch der Nacht bereiteten sich die Kämpfer der Hamas auf direkte Kampfhandlungen vor und besetzten ihre Posten in den Tunneln und im Freien. Als alle in Stellung waren, bgann die israelische Luftwaffe mit der Bombardierung und lösche sowohl die oberirdischen Kämpfer als auch die unterirdisch bereitstehenden Kämpfer kurzerhand aus.

Dadurch wurde die Zahl der zivilen Opfer begrenzt, da die Kämpfer mit dem Beziehen ihrer Stellungen von ihren menschlichen Schutzschilden getrennt wurden und bei der Bombardierung nur noch Kämpfer getroffen wurden. Eine Demonstration des biblischen Mossad-Mottos – „durch Täuschung sollst du Krieg führen“ – hätte kaum akkurater ausfallen können.

Es war die für Israel typische Mischung aus Kühnheit und Genialität, könnte man sagen, die diesem Vorgehen zugrunde lag und das ganze untermauert von dem Versuch, unschuldige Menschen zu schützen. Das Zurückschlagen der IDR steht jedoch im starken Kontrast zu dem Versagen, das sich in den Monaten und Jahren vor diesem neuerlichen Konflikt auf der Ebene der Geheimdienste abgespielt haben muss.

Hamas und Islamischer Dschihad haben in dieser Woche bis zu tausend Raketen pro Tag auf israelische Zivilisten abgefeuert. (Hunderte von Raketen verfehlten ihr Ziel und töteten palästinensische Zivilisten, dennoch schafften es genug davon in den israelischen Luftraum, um das Raketenabwehrsystem Iron Dome zu überfordern.)

Bei vielen der Raketen handelte es sich fortschrittliche Langstreckenraketen, die jede Stadt in Israel erreichen können. Gleichzeitig sind Vorräte der Hamas noch nicht erschöpft (obwohl es Gerüchte gibt, dass ihnen demnächst die Langstreckenraketen ausgehen werden).

Geheimdienstliches Versagen?

Das Problem ist, dass der Gazastreifen seit langem schon von einer „Blockade“ umgeben sein soll. Die eigentliche Frage daher ist, wie sie dennoch an diese Waffen gekommen sein sollen.

Die Raketen aus iranischer Produktion oder Teile davon gelangten über Schmugglerltunnel entlang der ägyptischen Grenze und über den Seeweg in den Gazastreifen, da es keine international anerkannte Seeblockade gibt. Die Sicherheitszusammenarbeit zwischen Israel und Ägypten war in den letzten Jahren sehr gut. Dennoch waren beide Routen offensichtlich sehr durchlässig, so dass die momentane Intensität des Raketenbeschusses den Schluss zulässt, dass die Israelis auf dem falschen Fuß erwischt wurden.

In letzter Zeit hatte man in Israel das Gefühl, dass die Hamas die Gewalt zugunsten des Werbens um internationale Legitimität zurückgestellt hatte. Die Absage der palästinensischen Wahlen in diesem Monat – sowie die Notwendigkeit, einem Morgenluft riechenden Iran zu zeigen, dass die Finanzierung des Terrors in Gaza einen Gegenwert für das Geld darstellt – haben diesem Kurs ein Ende gesetzt und die Hamas dazu veranlasst, zu einem verheerenden Plan B zu greifen.

Hart, aber dennoch zu weich

Zu Beginn des Ramadan Mitte April, als ein paar Raketen abgefeuert und einige Terroranschläge verübt wurden, baten die Militärchefs Netanyahu darum, gegen die Hamas zurückschlagen zu dürfen. Netanyahu weigerte sich damals – entgegen seiner internationalen Wahrnehmung ist er bei der Genehmigung militärischer Aktionen oft zurückhaltend – was effektiv bedeutete, dass sich weiterer Druck aufbauen konnte, auf den Israel jetzt mit aller Härte reagieren muss.

Man muss sich fragen, ob nicht mehr hätte getan werden können, um die Hamas am Aufbau eines so großen und bedrohlichen Arsenals hindern zu können. Es ist eine Frage von vielen, die den angeschlagenen Premierminister beschäftigen werden, während er eine unruhige Nach nach der anderen durchlebt. Vielleicht wäre Israel besser gefahren damit, zu einem früheren Zeitpunkt eine größere Täuschung zu fahren, als jetzt und nur auf taktischer Ebene.

Quelle Titelbild

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