Max Keiser bei Tim Pool: Kapitalismus, Krise und Kryptos

Max Keiser bei Tim Pool: Kapitalismus, Krise und Kryptos

Der US-Amerikaner Max Keiser gehört zu den wortstärksten Befürwortern von Bitcoin. Der Finanzmarktspezialist hat früh das Potzenzial des dezentralen Ansatzes für eine digitale Währung erkannt (und sich mit dem frühzeitigen Einstieg eine goldene Nase daran verdient) und macht seitdem auf allen Kanälen Werbung dafür. Gestern trat er gemeinsam mit seiner Frau Stacey Herbert im Podcast Tim Pool auf und durfte gut zwei Stunden lang seine Sicht der Dinge darlegen, die ich im folgenden zusammenfassen möchte.

 

Der Crash von 1987 und die Folgen

 

Zu Beginn seiner Karriere war Max Keiser Börsenhändler in New York, wo er in jungen Jahren den Crash von 1987 erlebte. Der damalige Absturz der Preise war der bis dahin heftigste in der Geschichte, wurde aber schnell wieder aufgefangen. Keiser merkt dazu an, dass es damals war, als die Regierung gemeinsam mit der Federal Reserve zum Schutz der Marktpreise damit begann, bei Kursrutschen Aktien aktiv aufzukaufen. Bekannt ist diese Maßnahme als „Plunge Protection Team“, was von einigen als Mythos bezeichnet wird.

Für Keiser wurde mit den direkten Markteingriffen durch staatliche bzw. die quasistaatliche FED die Idee des Marktes begraben. Das Risiko für Anleger wurde herausgenommen, so dass nur noch gewonnen werden konnte, da jederzeit eine Geldspritze zur Stützung der Preise bereit stand.

 

Die Inflation steht in Wirklichkeit bei 10-15 Prozent

 

Die Manipulation der Marktpreise wurde in den Jahren danach analog zur Vorstellung von Interventionsspiralen immer stärker. Die Märkte werden seitdem immer stärker mit frischem Geld aufgeblasen. Die vermeintlich erfolgreiche Phase der Niedrigzinspolitik in den 1990er Jahre in Verbindung mit der Dot-Com-Blase und der Finanzkrise 2007/2008 etablierte diese Politik als den neuen Standard.

Mit Corona wurde schließlich als „Modern Monetary Theory“ der neue Status Quo eingeführt, die besagt, dass Geld ohne Inflationsgefahr nach Belieben gedruckt werden kann. Keiser ist hier völlig anderer Ansicht und meint, die wahre Inflation des US-Dollar stünde bei 10-15 Prozent pro Jahr.

Er begründet dies mit Taschenspielertricks, mit denen eine gewünschte Zielmarke erreicht werden soll. Verdoppelt sich beispielsweise die am Markt angebotene Internetgeschwindigkeit, dann wird dies als ein 50 Prozent Preisrückgang pro Menge gewertet, auch wenn das nicht den wirklichen Produktivitätsanstieg entspricht.

Eine merkliche Inflation auf den Konsumentenmärkten gab es laut Keiser in den letzten Jahrzehnten nur deswegen nicht, weil China als billige Werkbank diente und alles dorthin ausgelagert wurde. Mit der Entglobalisierung aufgrund des aufziehenden Zweiten Kalten Krieges jedoch wird es neben anderen Faktoren zwangsläufig zu regelmäßigen Preissteigerungen kommen, wie es bei Gütern und Dienstleistungen schon länger der Fall ist, die nicht exportiert werden konnten.

 

Korporatismus des billigen Geldes

 

Eine geradezu irre Folge der politisch gewollten Inflationssteuerung besteht darin, dass Großkonzerne quasi zum Nulltarif andere Unternehmen aufkaufen können. Keiser nennt Amazon, das mit zinslosen Krediten die Einzelhandelskette Whole Foods aufkaufen konnte, sowie LVMH, das dank der Nullzinsen der EZB Tiffany‘s kaufen konnte. Generell würden Unternehmen Kredite aufnehmen, um eigene Aktien zurückzukaufen, um damit eine Wertsteigerung zu signalisieren, die jedoch nur virtuell existiert.

Für Keiser ist dies praktisch gelebter Korporatismus, als einem netten Begriff für Faschismus. Generell hat er als erfahrener Investor kaum ein gutes Wort übrig für die US-Finanzbehörden. Für ihn stellt das gesamte System eine Betrugsmasche dar, die nur deswegen existiert, weil die Behörden ausreichend viel daran verdienen. Die Finanzkonzerne verdienen bei ihren Betrügereien selbst unter Abzug der Strafzahlungen regelmäßig genug, damit sich der Betrug weiterhin lohnt. Gleichzeitig erhalten die Behörden aber immer noch so viel Geld über die Strafen, dass auch sie gut davon leben können.

Grundsätzlich sei dem Staat nicht zu trauen, was seine Ehefrau unterstreicht mit einem Beispiel aus der Stadt Austin in Texas. Dort wurde der Taxidienst Uber verboten, weil es zu einer Reduktion der Strafzettel kam. Die Stadt nahm zu wenig Geld ein und entfernte mit dem Verbot von Uber die Wurzel des fiskalischen Übels. Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch hierzulande Uber genau aus diesem Grund bei den Behörden einen schweren Stand hat.

 

Ab 40% Lebensmittelausgaben drohen Eruptionen

 

Eine ganz besondere Warnung im Zusammenhang mit der von Friktionen und Geldflut getriebenen Inflation spricht Keiser aus, als er auf die Erfahrungen mit Ländern verweist, die krisenhafte Entwicklungen durchgemacht haben. Sobald die Lebensmittelausgaben in einer Gesellschaft 40 Prozent des Einkommens verschlingen, kommt es erfahrungsgemäß zu sozialen Unruhen.

Dies war in Ägypten der Fall, in Libyen und anderen Ländern, die in Aufstände abgeglitten sind, oder eine Revolution erlebt haben. Ganz besonders bedenklich ist, dass die Lebensmittelpreise in mehreren entwickelten Ländern gerade nahe an diese magische Marke heranrücken. Frankreich soll sehr nahe dran sein, aber auch in den USA steigen die Preise für das Lebensnotwendige unaufhörlich.

Sollte die Inflation weitergehen und dabei Curnoteffekte auftreten, so dass weite Teile der Bevölkerung ihr Einkommen nicht analog steigern können, würden auch die noch als reich geltenden Länder unweigerlich in die rote Zone kommen.

 

Frühe Erfahrungen mit digitalem Geld

 

Über seine Geschichte mit Bitcoin erzählt Keiser, dass er sich in den 1990er Jahren im Aufbau einer eigenen digitalen Währung versucht hat. Sein Konzept damals, in Konkurrenz mit den Zentralbanken der Welt zu treten ist zwar gescheitert, doch er konnte einige wertvolle Lektionen daraus lernen.

Als er schließlich von Bitcoin hörte, war er sofort hellauf begeistert, da ihm klar war, dass es der große Wurf sei. Bitcoin sei komplett dezentral und würde aufgrund der in die Block eingearbeiteten spieltheoretischen Zwänge auch dezentral bleiben. Für ihn traf Bitcoin ein spieltheoretisches Optimum zwischen jenen, die neue Bitcoin berechnen („Miners“), jenen die Serverknoten für den Handel und die Abrechnung mit Bitcoin betreiben und den Entwicklern, die das System weiterentwickeln.

Er hält deswegen so viel auf Bitcoin – und rein gar nichts von den meisten anderen Blockchainprojekten – da die meisten davon tatsächlich zentralisiert seien. Der aktuell vor allem von Elon Musk beworbene Dogecoin etwa sei zentralisiert und viel zu volatil, weswegen er ihn als „Douche“-Coin (Deppenmünze) bezeichnet. Auch Ripple ist für ihn lediglich eine zentralisierte Betrugsmasche, die eigentlich schon hätte implodieren müssen und nur dank viel Marketing, guter Anwälte und weil die Handelsaufsicht gutes Geld mit den Strafzahlungen verdient, immer noch existieren darf.

Selbst das hochgelobte Ethereum ist für Kauser keine Option. Als Gründe verweist er darauf, dass niemand weiß, wie viele Münzen es gibt, zumal dessen Code voller Fehler sei. Des weiteren weist es ebenfalls zentralisierte Aspekte auf, wobei in der Vergangenheit sogar schon bestimmte Transaktionen rückgängig gemacht wurden. Für Eigentümer, die auf eine sichere dezentrale Währung setzen, sei das alles andere als vielversprechend.

 

Preisziel 250.000 Dollar für Bitcoin

 

Egal, wie man zu diesen Ansichten steht, für Max Keiser ist die Reise bereits vorgesteckt. Laut ihm wird Bitcoin weiter das Rennen machen, wobei er für die nächste Halbierung bei der Erzeugung neuer Münzen Ende eine Preissteigerung auf eine Viertel Million Dollar erwartet.

Bis dahin sieht er eine große Wahrscheinlichkeit, dass die bestehenden Probleme und Nachteile von Bitcoin bis dahin gelöst sein werden. Insbesondere betreffen diese die für kleine Beträge hohen Transaktionegebühren sowie die Privatsphäre, wie Martin Armstrong gerade erst bemängelte.

Abhilfe für beides soll das Lightning Netzwerk schaffen, das sowohl anonyme als auch günstige Transaktionen gewährleisten soll und ebenfalls dezentral funktioniert. Keiser spricht es nur indirekt an, aber Bitcoin könnte von den Entwicklungen beim Derivat Bitcoin Cash profitieren. Dort versucht man sich ebenfalls in der Praktikabelmachung des Konzepts für die tägliche Nutzung, wobei der heute in Neuseeland lebende Hacker Kim Schmitz/Dot Com eine wichtige Rolle bei der Entwicklung spielen soll.

Eventuell befruchten sich die beiden Projekte gegenseitig, so dass die aktuell im Entwicklerumfeld von Ethereum herrschende Euphorie möglicherweise überschwappt, sobald die Projekte reif für den Markt für Endverbraucher sind.

Insgesamt erachtet Max Keiser Bitcoin nicht deswegen als der goldene Weg in die monetäre Zukunft, weil es Reichtum, Privatsphäre, grenzenlose Transaktionen oder sonst etwas verspricht. Vielmehr sieht er es als eine reelle Chance, analog zu „Kirche und Staat“ endlich auch „Geld und Staat“ trennen zu können, so dass politische Interesenten endlich nicht mehr in der Lage sind, den Wirtschaftskreislauf nicht mehr an ihren Interessen auszurichten und damit zu verzerren.

Diese Trennung von Geld und Staat sei in der Vergangenheit zwar annhäherungsweise auch immer wieder mit Gold möglich gewesen, jedoch blieben die Goldminen und das Recht auf die Münzprägung stets in staatlicher Hand. Bitcoin dagegen verändert laut Keiser diese Gleichung fundamental.

 

Ein paar allgemeine Tipps

 

In ihren Ausführungen gaben Keiser und seine Frau immer wieder einige allgemeine Tipps weiter. So hält er beispielsweise Immobilien für einen Klotz am Bein, sollte die Krise so heftig werden, dass eine Flucht notwendig werden sollte. Mit einer Immobilie in der richtigen Lage kann man sich zwar schützen, sollte die Krise sich jedoch in kurzer Zeit stark zuspitzen, würde man einen Großteil seines Vermögens verlieren.

Ein Tipp, an den ich mich selbst schon zwei Mal nicht gehalten habe, ist das Verwenden von gefundenen USB-Sticks. Zum Glück bin ich unbedeutend, jedoch sei es für private wie staatliche Hacker Usus, im Einzugsbereich bedeutender Institutionen wie etwa Banken mit Trojanern versehene USB-Sticks auf den Boden zu legen. Das Kalkül besteht darin, dass Angestellte die Sticks finden und bei der Arbeit in den Rechner stecken, um den Besitzer ausfindig zu machen, oder einfach nur, um den Stick selbst zu verwenden. Sobald das geschehen ist, sind die Hacker drin.

Für die persönliche Passwortsicherheit hatte die Frau von Keiser einen Tipp in petto. Sie empfahl die Seite von Jameson Lopp, bei dem es sich im englischsprachigen Raum im Zusammenhang mit der sicheren Speicherung Bitcoin um den Experten schlechthin handeln soll.

Des weiteren sprach er sich deutlich gegen den kreditfinanzierten Aufbau von Vermögen auf. Dies sei stets mit versteckten (Lebens-)Risiken behaftet und sollte Profis überlassen werden, die wissen, wie sich Risiken begrenzen lassen. Keine Rendite rechtfertigt eine Verschuldung ohne Not, man sollte lieber klein anfangen und dafür stetig wachsen.

Zunächst vergesen hatte ich den Hinweis von Keiser, vom Ausleihen von Kryptos abzusehen. Viele Handelsseiten bieten das an, wodurch man sich ohne Zutun die gehaltenen Coins verzinsen lassen kann. Keiser rät davon ab, da man seine Passwortschlüssel dafür hergeben muss. Der Markt ist noch nicht reif genug und noch zu unreguliert, als dass diese Praxis als sicher erachtet werden könnte.

 

Swanbitcoin

 

Schließlich durften die beiden auch Werbung für etwas machen. Mehrmals erzählte Keiser von den Vorzügen von Swan Bitcoin, das sich unter anderem an regelmäßige Kleinsparer richtet, die sich Bitcoin ansparen möchten, aber nicht an der Zockerei teilnehmen möchten und von den üblichen Handelsseiten abgeschreckt werden. Bei Swan Bitcoin kann man regelmäßig einen kleinen Betrag einzahlen, der dann in Bitcoin umgewandelt wird, die man sich auf sein eigenes Konto gutschrieben lassen kann. Das Angebot ist ausschließlich auf Bitcoin ausgerichtet und sehr einfach gestaltet.

Max Keiser ist an dem Angebot beteiligt fungiert dort in beratender Funktion. Ich vermute, deren Geschäftsmodell beruht darauf, für Keiser und andere Wale (=Personen mit vielen Kryptos) als Geldauszahlungsstelle zu dienen, indem sie dem Angebot ihre Ersparnisse zum Weiterverkauf zur Verfügung stellen und von den im Vergleich niedrigeren Transaktionsgebühren profitieren, die sie bei Drittanbietern zahlen müssten.

Da Keiser mit seinem Namen etwas zu verlieren hat, gehe ich davon aus, dass es sich um ein solides Angebot handelt. Daher habe mich auch dazu entschlossen, es selbst auszuprobieren und werde noch einen Affiliate Link einrichten, bei dem ich wie auch jeder, der sich anmeldet eine Prämie von 10 Dollar erhält.

Wer Englisch beherrscht, mehr über die Welt von Bitcoin und die globale Krise der Fiatwähruengen lernen will und sich nicht an Keisers manchmal überschwänglichem Temperament stört, der kann ihm und seiner tendenziell analytischer daher kommenden Ehefrau am Besten über ihren Podcast Orange Pill folgen.

Quelle Titelbild

Bloggerei.de
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