Eine Warnung vor dem kleinen, miesen und pedantischen Arschloch Klaus W.

Eben hatte ich ein wirklich tolles Erlebnis mit einem gewissen Klaus W.* aus Gläserzell neben Fulda. Laut Internet betätigt sich der Mann als Bauingenieur und ich kann nur jedem davon abraten, ihn für einen Auftrag zu engagieren. Dieser Mann ist ein kleines, mieses und pedantisches Arschloch und er ist nicht einmal gut darin. Er gehört zu jener Sorte Mensch, von der es zwar wohlwollend heißt, dass man auch solche Charaktere in seinem Werkzeugkasten benötigt, allerdings nicht in der Weise, wie er sich mir gegenüber aufgespielt hat. Der Typ ist ein absoluter Totalausfall.

 

Aus drei Euro mach Null mit Klaus W.

 

Das Erlebnis mit Klaus W. begann mit der Erkenntnis bei mir, dass ich ein paar neue Ordner benötige, um der unaufhörlichen Papierflut weiterhin Herr werden zu können. Da gleichzeitig immer jemand Ordner wegwirft, habe ich mich bei ebay unter den Kleinanzeigen umgesehen und wurde prompt fündig. Ein gewisser Klaus Weinberger aus dem Großraum Fulda verkaufte sechs Ordner, die laut Foto den Eindruck machten, als seien sie noch in einem guten Zustand.

Ich schrieb ihn an mit dem Angebot, sie für zwei Euro zu nehmen.

Von ihm kam zurück: „Hallo, ja okay. Eigentlich wollte ich bei 3 Euro bleiben aber egal. Gerne können die Ordner in Gläserzell ab 18.30 Uhr abgeholt werden.“

Das Verkaufssignal war gegeben, ich war zufrieden. Es ging weiter mit den Formalitäten und ich fragte ihn, ob ich tags darauf irgendwann am Nachmittag vorbeikommen könnte. Der Plan war, das Abholen der Ordner in eine größere Runde einzubauen. Leider hatte er so früh keine Zeit, doch ich war bereit, mich entsprechend einzurichten.

Als er mir dann seine Adresse gab, stellte ich mit Freude (inzwischen mit einem ungutem Gefühl) fest, dass er Luftlinie gerade einmal 1,3 Kilometer von mir entfernt wohnt. Daher beschloss ich mich spontan, die Abholung der Ordner in meinen Abendspaziergang einzubauen.

Um 19:25 schrieb ich ihm: „Ach, das ist so nahe, dass ich das nachher auf meinem Abendspaziergang abholen kann. Wäre nachher ~20 Uhr in Ordnung?“

Er war einverstanden und ich machte mich wenige Minuten danach auf den Weg. Eine halbe Stunde sollte dicke reichen, dachte ich mir, auch wenn ich dort noch nicht vorbeigekommen war, seitdem ich im Ort wohne. Zur Sicherheit bin ich nicht gelaufen, sondern habe das Fahrrad genommen und mich extra an die Wegbeschreibung des üblichen Routenplaners gehalten.

Was ich da noch ignoriert habe ist, dass mich der Routenplaner einen kleinen Umweg hat fahren lassen, der circa 150m länger war als die mir schon bekannte Strecke auf dem Weg zu ihm. Es ging um 700m vs 850m, einer ziemlichen Leistung für einen digitalen Kartendienst. Unterwegs hatte ich das noch nicht bemerkt, wobei ich das flaue Gefühl, wonach etwas nicht stimmte, beflissentlich ignoriert habe, da ich mich nicht verirren wollte.

Aus dem Ruder lief mein kleiner Abstecher nach Gläserzell, als ich circa 75% des Weges hinter mir hatte. Eine Abzweigung, die ich laut Routenplaner hätte nehmen müssen, bestand in einem kaum einsehbaren Fahrradweg, auf dem überdies eine Baustelle war. Ich habe ihn übersehen und bin die nächste Abzweigung rechts gefahren.

Nach einigen hundert Metern abschüssigen Fahrens ist mir dann aufgefallen, dass die nächste Abzweigung nicht kommt. Ich hielt an und fragte mich, was mit der Karte nicht in Ordnung war und versuchte, die Karte so zu interpretieren, dass die vorgegebene Route wieder passte.

Beinahe hätte sie auch gepasst, allerdings weiß ich das erst jetzt. Mehrere Male bin ich auf der Suche nach der richtigen Abzweigung die Straßen eines kleineren Wohngebiet abgefahren und einmal sogar in Richtung eines anderen Viertels gefahren.

Sämtliche Abzweigungen aber, die auf mich den Eindruck machten, als würden sie mich in die richtige Richtung bringen, waren entweder wegen Bauarbeiten gesperrt, oder aber sie gingen an einem bestimmten Punkt in einen Weg über, der direkt in einen Wald mit steilem Abschuss führte, und der auf mich wirkte, als handele es sich um einen ungeteerten Waldweg, an dessen Ende tief im Wald eine Sackgasse auf mich warten würde.

Inzwischen weiß ich, dass auch das eine falsche Einschätzung war. Ich hätte die eine Abzweigung in den Wald nehmen müssen.

Nachdem ich schließlich sämtliche Straßen und Wege in der Nähe mehrmals abgefahren hatte, waren die 20 Uhr schon überschritten und ich überlegte mir, die Suche nach dem richtigen Weg abzubrechen. Allerdings ärgerte ich mich auch über die Situation und wollte den Klaus nicht im Regen stehen lassen. Nicht zuletzt war ich kaum 500m von der Stelle entfernt, wo sich sein Haus befinden sollte.

Daher entschloss ich mich zu einer Runde Risiko und begab ich an der falschen Straße auf einen kaum sichtbaren Pfad ins Unterholz. Ich traf die Entscheidung, da sich in einiger Entfernung dahinter und mit kleinem Tal dazwischen eine Häusersiedlung befand, bei der es sich beim Abgleich mit der Karte nur um das Ziel handeln konnte. (Nein, auf die Idee, ihn kurz anzurufen kam ich in diesem Moment nicht. Ich gebe zu, eventuell hätte es die Situation dadurch entschieden entspannt.)

Nach einer abenteuerlichen Runde Querfeldein, die mich unter anderem einen idealen Schlittenhang herunterführte, kam ich tatsächlich auf einem gepflasterten Weg heraus, der so aussah, als würde er in die fragliche Siedlung führen. Weiter ging es ein paar hundert Meter bergab, bis ich zu einer Treppe kam, die zur Siedlung führte.

Ich hievte das Fahrrad die Stufen hoch und befand mich nun endlich in der Siedlung. Noch wusste ich nicht, ob es Gläserzell war. Kurz danach fand ich aber ein Straßenschild. Es bestätigte mir, dass ich mich eine Straße unterhalb jener Straße befand, auf der auch das Haus vom Klaus stand. Genau genommen bin ich zu diesem Zeitpunkt sogar direkt vor seinem Haus gestanden. Allerdings wusste ich das nicht, zumal der Eingang oben an der anderen Straße liegt.

Noch einmal ging es 300m weiter, dann um die Ecke, einen kurzen Stich hoch und wieder 300m zurück. Endlich war ich angekommen. Es war 20:45 und ich hatte ein wahnsinnig schlechtes Gewissen.

Noch schwer am atmen betätigte ich die Klingel. Nach wenigen Momenten öffnete sich die Tür.

„Hallo“, kam es vom Klaus entgegen.

„Es tut mir sehr leid, dass ich so spät dran bin“, platzte es atemlos aus mir heraus und ich wollte schon einen Scherz machen über die tückische Topografie um Fulda herum, die mir schön des öfteren einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte.

„Na… dann kostet es drei Euro“, druckste es unvermittelt aus ihm heraus.

Der gute Klaus hatte sich offenbar vorbereitet in Anbetracht dieser unerhörten Verspätung. Was fällt mir nur ein!

Noch völlig neben mir gab ich ihm direkt zurück: „Was bist du denn für ein Arschloch!“

Da war das Geschäft gelaufen. Er beendete die Unterhaltung und schloss die Tür.

Ich setzte mich erst einmal einen Moment lang auf die Bank vor seinem Haus, bis ich mich ausgekeucht hatte. Um mich über die Szene aufzuregen war ich in dem Augenblick viel zu sehr außer Atem.

Nach einer Minute des Beruhigens fiel mir dann ein, dass ich mich auf dem Hinweg völlig verirrt hatte und ich kaum den selben Weg zurück nehmen könnte. Da ich nicht das Risiko eingehen wollte, noch einmal eine Stunde lang durch die Gegend zu irren, rang ich mich dazu durch und klingelte ein zweites Mal, um ihn um eine kurze Wegbeschreibung zu bitten.

Pflichtbewusst machte er noch einmal mal auf und ich trug ihm mein Anliegen vor.

„Nein“, kam es direkt zurück, „weil Sie mich als Arschloch bezeichnet haben.“

Sofort ging die Tür wieder zu.

Was für ein Arschloch!

Meine Menschenkenntnis lässt mich wirklich nur selten im Stich. Leider.

Da saß ich nun, ohne Ordner und am Arsch der Welt, dazu wurde es dunkel und es zog wie Fischsuppe.

Ich dachte noch kurz darüber nach, ob ich ihm nicht vielleicht die Begonien vom Fensterbrett klauen sollte, entschied mich aber dagegen. Ein Arschloch pro Begegnung reicht.

Ungewiss, wo es lang geht, machte ich mich wieder von Dannen und begab mich in Richtung der Sackgasse. An deren Ende fand ich versteckt tatsächlich einen Gehweg, der mich zurück zum Pflasterweg führte. Dort ging es dann einen Stich nach oben, bis ich irgendwann wieder an jener Stelle stand, wo ich eine Dreiviertel Stunde zuvor aufgeben wollte.

Was ist nun die Moral von dieser kleinen Geschichte?

Einen Mann, der wegen einem einzigen Euro pedantisch wird und der das Ungefährzeichen (~) als punktgenau interpretiert, sollte man unbedingt im Auge behalten. Privat sollte man so jemanden definitiv auf Distanz halten. Im beruflichen Umfeld jedoch erweist sich diese Art von Mensch oft genug als wertvoll an der Grenze zur Unverzichtbarkeit. Da kann man sogar über Unfreundlichkeiten im persönlichen Umgang hinwegsehen.

Wenn eine solche Person aber, wie es Klaus W. getan hat, unmittelbar danach sein Angebot löscht – also drei Euro verlangt und am Ende Null nimmt – dann sollte man ihn auch beruflich auf Distanz halten und sich lieber nach jemand anderem umsehen.

Oder denkt etwa jemand, er konnte in der Zwischenzeit (circa 60 Minuten) einen anderen Käufer für seine sechs kümmligen Ordner finden?

Eben. Vor allem nicht auf einem Markt, auf dem es ein anderes Angebot mit 300 Ordnern gibt, die kostenlos abzugeben sind.

Die Abwesenheit menschlicher Größe kann ich Klaus W. verzeihen, auch wenn die finale Unfreundlichkeit der Verweigerung einer Auskunft über den Weg deutlich zu tief angesetzt war. Letztlich ging es zwischen uns aber um Geld, wenn auch um denkbar wenig. Dass er dann am Ende aber aus einem nichtigen Trotz heraus die beleidigte Leberwurst spielt und die Dinger lieber in den Müll wirft, als seinen gespielten Stolz herunterzuschlucken?

Nein, das geht absolut gar nicht.

Daher: Finger weg von Klaus W.!

*Zunächst hatte ich seinen vollen Namen dastehen inklusive Link zu seinem professionellen Profil. Ich habe es abgeändert, damit die arme Wurst nicht noch einen Herzinfarkt bekommt, wenn er das liest.

Quelle Bildschirmfoto 1,2