Die Geldpolitik wirkt: Zahl der Milliardäre stieg während der Pandemie um 30%

Die Geldpolitik wirkt: Zahl der Milliardäre stieg während der Pandemie um 30%

Ein Gutteil der Welt befindet sich weiterhin fest im Griff der Coronapandemie. Insbesondere in den beiden großen Währungsräumen Nordamerikas (FED) und Europas (EZB) will die Politik das Gleis nicht verlassen, auf dem zum Preis des wirtschaftlichen Totalschadens der letzte vor Corona geschützt werden soll. Im Ergebnis kommt es zu zahlreichen Insolvenzen mit ganzen Branchen, die einfach so wegsterben. Gegensteuern will die Politik mit einer nie dagewesenen Geldflut. Doch diese hat Nebenwirkungen, von denen eine darin besteht, dass die Reichen immer reicher werden.

 

Stärken & Schwächender Forbes Liste

 

Forbes hat gerade eine neue Rangliste veröffentlicht, in denen alle Milliardäre der Welt verzeichnet sind, die am Stichtag des 5. März ein zehnstelliges Vermögen aufwiesen. Die Werte selbst sind wie üblich nur unzureichend, da sie nur eine Momentaufnahme wiedergeben und in den wenigsten Fällen private Vermögenswerte wie etwa Gemälde enthalten. Das Hauptaugenmerk der Liste liegt auf den Aktienpaketen im Portfolio der gelisteten Personen, so dass von einem noch einmal erheblich höheren Verkehrswert ausgegangen werden kann, wobei selbstverständlich kaum die Preise erzielt werden würden, falls das Vermögen von hier auf jetzt liquidiert würde.

Aufgrund dieser unzureichenden Vermögensauflistung fallen zahlreiche wohlhabende Familien heraus wie etwa die Rothschilds, Al Thanis oder die Haniels. Neben der kaum bewertbaren Vermögenswerte dieser Familien muss auch bedacht werden, dass diese nicht aus Einzelpersonen bestehen, sondern ausgewachsene Clans darstellen. Die zahlreichen Köpfe, denen ein Leben an der Sonne gesichert werden muss, senken den pro Kopf Anteil am Gesamtvermögen signifikant.

Trotz ihrer Mängel ist die Liste dennoch überaus aufschlussreich. Insbesondere wenn man sie in Relation setzt zur Krise, in der wir uns gerade befinden, zeigt sie auf, wie groß die politischen Maßnahmen sind und welchen Schaden alleine die Geldpolitik anrichtet.

 

Bezos, Musk und Arnault

 

Reichster Planetenbewohner ist noch immer der Amerikaner Jeff Bezos mit einem Vermögen von 177 Milliarden Dollar. Der Amazongründer ist heute um mehr als 50 Milliarden Dollar reicher als noch vor einem Jahr. Hinter ihm folgt Elon Musk, dessen Vermögen im vergangenen Jahr den wohl größten Sprung machte und von 24,6 auf 151 Milliarden Milliarden Dollar angeschwollen ist. An dritter Stelle liegt der Franzose Bernard Arnault und Familie, der dank seines Luxusmarkenimperiums auf 150 Milliarden Dollar kommt. Auch er machte im letzten Jahr einen massiven Sprung und konnte sein Vermögen mehr als verdoppeln.

Während der Zuwachs bei Bezos aufgrund von Amazon, das in der Pandemie eine Lieferlücke schließen konnte, noch relativ nachvollziehbar ist, muss man bei Musk konstatieren, dass die Euphorie um seine Person manische Züge angenommen hat. Neuartige Produkte brachte er in der Zwischenzeit keine auf den Markt, während eine neue seiner Raketen explodierte und das hochgelobte Transportprojekt vom Düsenjet zum Eselskarren mutierte. Bei Arnault wiederum stellt sich die Frage, was er im vergangenen Jahr richtiger gemacht hat als noch zu vor, da der persönliche (und gerne zur Schau gestellte) Luxus aufgrund der Pandemie eher in den Hintergrund gerückt sein sollte.

 

660 mehr Milliardäre als vor einem Jahr

 

Auf den Rängen dahinter tummeln sich weitere der üblichen Verdächtigen, wobei reich gewordene Technologieinnovatoren von Google bis Microsoft überwiegen. Zwischendrin jedoch tauchen immer wieder Personen auf, die man dort pandemiebedingt nicht erwarten würde. Der Spanier Amanico Ortega als der Gründer der Modekette Zara beispielsweise war bis 2020 auf dem absteigenden Ast, konnte im letzten Jahr aber 25% zulegen und ist nun 77 Milliarden Dollar schwer.

Eine weitere Personalie mit fragwürdiger Vermögensentwicklung ist US-Amerikaner Michael Bloomberg, der heute 59 Milliarden Dollar wert ist. Der Medienunternehmer spielt zwar schon lange mit im Planschbecken der Superreichen, allerdings kann er auch auf auf eine sündhaft teure und gescheiterte Präsidentschaftskandidatur zurückblicken, zumal er im nicht gerade blühenden Mediengeschäft unterwegs ist. All das ficht ihn nicht an und so erlebte sein Vermögen im letzten Jahr eine Wertsteigerung um gut 10%.

Trotz aller Umstände erlebt die Welt gerade eine nie dagewesene Milliardärsschwemme. Um 660 ist ihre Zahl im Vergleich zum letzten Jahr angewachsen, was einer Steigerung von fast einem Drittel entspricht. Die meisten von jenen, die schon einmal gelistet waren, aber wieder unter die magische Grenze gerutscht sind, haben diesmal sogar mehr auf ihrem virtuellen Sparbuch als beim letzten Mal. Unter den Superreichen der Welt muss geradezu eine Goldgräberstimmung herrschen über die unerwarteten Auswirkungen der Pandemie auf ihre Portfolios.

 

Analoge Entwicklung bei Wertpapieren allgemein

 

Die gemessenen Vermögenszuwächse der Reichsten unter den Reichen sind kaum ein Ausdruck ihrer Leistung. Der Wettbewerb auf den meisten Märkten und auch mit Nicht-Milliardären ist viel zu hart, als dass überproportionale Ausreißer die Regel sein könnten, wie es die Liste impliziert. Dennoch kommen laut MSN alleine in den USA die 400 reichsten Bürger des Landes heute auf 18% des BIPs, während es vor zehn Jahren nur 10% waren. Die Schere geht auf und sie geht immer schneller auf und das bei weitem nicht nur in den USA.

Schaut man sich etwa in Deutschland die Entwicklung von DAX, MDAX und SDAX an, dann sieht man, dass auch bei uns die Preise an den Wertpapiermärkten durch die Bank in nur einem Jahr um 40-50% angestiegen sind. Nicht in jedem Fall war dem so, aber als ganzes geht es nur nach oben. Es sind also längst nicht nur die Milliardäre, die von den Märkten als „immer besser“ erachtet werden, sondern generell Wertpapiere.

Die Gründe dafür werden umso unverständlicher unter Berücksichtigung der Pandemiebedingungen, denen wir aktuell ausgeliefert sind. Wie oben erwähnt sterben ganze Gewerbezweige ab, es kommt zu massiven Problemen bei den Lieferketten, die Kurzarbeit grassiert und das BIP ist letztes Jahr in zahlreichen entwickelten Ländern massiv gesunken. Das wären alles triftige Gründe, dass mit wenigen Ausnahmen sowohl die Aktienindizes sinken müssten, wie auch die Vermögensportfolios der Superreichen.

 

 

Geldpolitisch beförderte Vermögenskonzentration

 

Irgendetwas muss es da geben, das die Großunternehmen und ihre Eigentümer vom Rest trennt, der um seinen Arbeitsplatz bangt und immer öfters die Ersparnisse angreifen muss, um über die Runden zu kommen, wie eine Umfrage aus Kanada unter Beweis stellt. Die Antwort – oder zumindest der Hauptgrund für die Spreizung – liegt in etwas anderem.

Es ist das unablässige Aufpumpen der Geldmenge durch die Zentralbanken. Nachdem es im letzten Jahrzehnt zu einer graduellen Ausweitung der „geldpolitischen Maßnahmen“ kam, gingen die Zentralbanker im letzten Jahr in die Vollen und pumpten in nur einem Jahr noch einmal fast die selbe Geldmenge in den Geldkreislauf, wie in dem Jahrzehnt davor. FED wie EZB jagen sich dabei geradezu, wobei auch die Bank of Japan gut mithalten kann.

Immer öfters wählen die Zentralbanken als Weg, das neue Geld in den Markt zu drücken, den Ankauf von Anleihen, die von Privatunternehmen ausgegeben werden. Dabei emittieren Großunternehmen viel öfters Anleihen auf dem Markt als kleine und mittelgroße Unternehmen, wobei überdies ein offizielles Rating einer Ratingagentur vorliegen muss, um für einen Ankauf der Anleihe durch die Zentralbank in Frage zu kommen. Diese kosten extra Geld, so dass sich ein Rating fast ausschließlich für sehr große Kreditsummen lohnt.

Das dadurch entstehende Ungleichgewicht bei den Refinanzierungskosten bevorteilt Großunternehmen, die trotz abwesender Wettbewerbsfähigkeit nach und nach kleinere Unternehmen entweder verdrängen, oder diese mit dem billigen Zentralbankkredit aufkaufen können, um noch einmal stärker ihre Marktmacht ausspielen zu können.

Hinzu kommen andere Effekte, wie etwa in den USA die per „401k“ steuerfreie Spekulation durch Kleinanleger. Zahlreiche vor allem jüngere Personen haben dort in Abwesenheit eines normalen Lebensalltags die Wertpapierspekulation für sich entdeckt und versenken einen Konjunkturscheck nach dem anderen in den Wertpapiermärkten.

Jenseits davon gibt es den Druck hin zu sicheren Häfen, da privaten wie professionellen Investoren zunehmend klar ist, dass ein „Ausdrucken“ der Krise irgendwann ein Ende haben wird. An einem Punkt wird es zu einem Bruch kommen, in dessen Folge die Staaten und ihre Geldsysteme ihre Glaubwürdigkeit verlieren. Für diesen Fall werden Großunternehmen, erfolgreiche Multimilliardäre und Länder mit historisch starken Rechtsstandards als sicherer Ort erachtet, um die eigenen Ersparnisse für die Zeit der Krise in Sicherheit bringen zu können.

All das beflügelt die Vermögenskonzentration in immer weniger Händen. Manche wie Elon Musk nutzen dies für die kreative Zerstörung mittels Innovation. Andere wie Bill Gates, dessen Vermögen im letzten Jahr um 25% gestiegen ist, drücken mit den neuen Mitteln der Welt ihre persönliche Idealpolitik auf.

 

Die Explosion des Gini-Index

 

Insgesamt wirken sich die geldpolitisch gesteuerten Fehlallokationen verheerend aus. Sowohl das Vertrauen in die Politik und in die positive Macht der Staatswesen schwindet, wie auch der notwendige Unterbau bestehend aus einer breiten Mittelschicht. Aufschluss gibt hier der Gini-Index für die Vermögensverteilung in der Welt. In nur vier unter den 30 pro Kopf durchschnittlich wohlhabendsten Ländern der Welt ging die Vermögensschere in den letzten 20 Jahren wieder zu: Der Schweiz, Belgien, Malta und Frankreich.

Frankreich erlebt seit längerem einen massiven Exodus an Reichen, so dass die zugehende Schere einer Anpassung nach unten gleichkommt, während die Schweiz noch immer ein beliebter Fluchtort für Reiche aus aller Welt ist.

Die Tendenz des Gini-Index aber ist eindeutig. Die Vermögensschere geht massiv auseinander. In Anbetracht der EZB-Politik der letzten Jahre verwundert daher nicht, dass sich mit Irland, Deutschland, Finnland, Spanien und Österreich gleich fünf Euroländer unter den ersten zehn Ländern der schärften Spreizung der Vermögen befinden. Um über 20% hat sich die Schere dort in den letzten 20 Jahren geöffnet. Selbst das von einer langjährigen expansiven Geldpolitik heimgesuchte Japan liegt mit 15% deutlich dahinter, wie auch die USA mit einer Spreizung von 5%, obwohl dort eine ganz ähnliche Geldpolitik betrieben wird.

Man muss kein Prophet sein, um diese Entwicklung als potenziell verheerend für den individuellen Wohlstand, die Freiheitsmöglichkeiten, die gesellschaftliche Kohäsion zu sehen und in direkter Ableitung daraus auch für die politische Stabilität. Die Politik betreibt global ein konsistentes und nachhaltiges System der Vermögensspreizung, das in einer Weise überzeugend funktioniert, dass man meinen könnte, sie lechzen geradezu nach einer Systemkrise.

Quelle Titelbild 1, 2, Grafik

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