Die Gegenkultur beginnt ihre eigenen Geschichten zu erzählen

Es ist sehr schwer heute, sich aus der Zwangsjacke unserer auf links gedrehten Gesellschaft zu befreien. Doch es gibt Hoffnung. Ganz langsam erreicht die erste Generation digitaler Dissidenten das Erwachsenenalter, nachdem sie sich vor knapp einem Jahrzehnt zu formieren begannen. Der Amerikaner Ben Shapiro gibt den Pfad vor, nachdem er im vergangenen Jahr einen selbst produzierten Spielfilm auf den Markt brachte, der nicht im linken Zeitgeist getränkt war. Andere wie Tim Pool oder der Autor dieser Zeilen folgen und wollen auf der Welle aus Frust über die ideologische Gängelung bei selbst der seichtesten popkulturellen Unterhaltung endlich damit beginnen, ihre eigenen Geschichten jenseits des linksideologischen Formats zu erzählen.

 

Die Hegemonie des linken Denkens

 

Kein Film, keine Serie, kein Computerspiel und auch kein gesellschaftliches Ereignis kommt heute mehr ohne eine Ehrerbietung an den kulturlinken Zeitgeist aus. Die Penetranz ist so groß, dass selbst skeptische Zeitgenossen kaum mehr wissen, welche ihre eigenen Programmpunkte sind oder auch nur, worin ihre eigenen Begriffe bestehen. Wir konsumieren linke Denkmuster, wir kommunizieren in linker Sprache, so dass unser Denken fest in den Bahnen linker Gesinnung verhaftet ist. Selbst die reine Unterhaltung wurde vom Establishment erobert und wird unabhängig des angerichteten Schadens filetiert, umgedeutet und dem noch weitgehend wehrlosen Publikum auf der Suche nach Eskapismus als ideologische Übung verabreicht.

Der Libertäre Andrew Breitbart wusste, warum dies geschieht: Politik ist immer eine Ableitung der jeweiligen Kultur. In dieser Erkenntnis enthalten ist nicht nur eine altbekannte Tatsache, sondern sie öffnet auch das Tor, das heraus aus der Falle führt, in der wir sitzen. Als Vorbild dient dabei mit der 68er Generation ausgerechnet jene Bewegung, deren maximaler Indoktrination auf allen Kanälen etwas entgegengesetzt werden soll. In zwei aufeinanderfolgenden Generationen schafften sie es, von der Kultur über Bildung und Sport bis hin zur Religion sämtliche kulturell prägenden gesellschaftlichen Institution zu infiltrieren, und konnten dort als Verantwortliche deren Wirken nach ihren Vorstellungen in fundamentaler Weise umgestalten.

Im Ergebnis kann die linke Ideologie heute politisch nach Belieben in die kulturelle Kodierung gedrückt werden. Ein ideologisch linker oder grüner Programmpunkt nach dem anderen findet seinen Weg in die Umsetzung, während im Gegenzug nichts mehr Realität werden kann, das sich auch nur im Ansatz dagegen richtet. Die totale Hegemonie linker Programmatik verdrängte sämtliche ideologische Opposition in kleine Nischen und bekämpft sie weiterhin mit einer Vehemenz, als hätte der Kampf um die Deutungshoheit in den Köpfen gerade erst begonnen.

 

Gehirnwäsche in industriellem Maßstab

 

Dieser industriell geführte Kampf um die Köpfe ist kein neues Phänomen. Geht man noch einmal weiter zurück zum Beginn des 20. Jahrhunderts, dann sieht man, dass zu dieser Zeit bereits ebenso mit dem Mittel der künstlerischen Deutungshoheit versucht wurde, eine bestimmte politische Haltung zu verbinden und dieser zum Sieg zu verhelfen.

In Italien stand vor dem Faschismus Mussolinis der Futurismus, dessen Vertreter politisch eindeutige Absichten hegten. In Deutschland und Frankreich war es die abstrakte Kunst des Expressionismus, welche die künstlerische Postmoderne einleitete, und in der nicht mehr auf Altem aufgebaut wurde, sondern die Dekonstruktion als Werkzeug ihre erste Verwendung fand. Auch in der frühen Sowjetunion wurden erst einmal die Ikonen des zaristischen Russland getilgt und durch den Konstruktivismus ersetzt als etwas völlig anderem, das die neue Ära einläuten sollte.

In allen drei historischen Fällen führte der Umweg über die Kultur zum Sieg. In Italien auf Anhieb, in der Sowjetunion am nachdrücklichsten und in Deutschland über den vorübergehenden Gang in die diametrale Gegenrichtung, bevor auch bei uns der im Postmodernismus mitschwingende linke Zeitgeist unser kollektives und zumeist auch individuelles Denken von Grund auf neu strukturieren konnte.

 

Ein Weg heraus, zwei in die Sackgasse

 

Wer das erste Mal ausgebrochen ist aus diesem Gefängnis des Denkens – oder neoklassisch: Wer die rote Pille geschluckt hat – der kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das Attribut des Verschwörungstheoretikers folgt fast schon automatisch, wenn sich die gesellschaftlich und politisch gelebte Kultur im Außenblick zu einem Großen Ganzen zusammenfügt. Die einzelnen Themenstränge liegen dann nicht mehr lose und auf vermeintlich rationale Überlegungen gebettet in der Landschaft, sondern bilden von Asyl bis Rassismus und von Gerechtigkeit bis Klima ein undurchdringliches und interdependentes Knäuel.

Zum Glück, muss man sagen, fällt die Maske der Herrschaft zusehends, so dass dem ungläubigen Staunen über die Verrücktheit des durch diesen Blick neu entstandenen Denkens, bald wieder eine Normalisierung folgt. Dennoch ist mit dieser neuen Klarsicht auf die Welt noch niemand über den Berg. Zwei Fallen lauern noch, von denen die eine in Rache besteht und sich in einer Spiegelung der Methoden bis hin zum Hass und dessen materieller Folgen ausdrückt. Wer die inzwischen 100 Jahre alten verbotenen Werke faschistischen Denkens kennt, der weiß auch ohne ein Vergleichsbild zwischen SA und Antifa, dass die heutige Linke deren geistige Nachfolge angetreten haben. Anstelle von zu heiß ist es heute ganz einfach nur zu kalt. Leider ist es zu einfach, in dieser Falle zu landen und sich „zu heiß“ auf die Fahnen zu schreiben, die schließlich in genau der gleichen Sackgasse der gegenseitigen Ausrottung münden würde wie in Fällen zuvor.

Aber auch wer seinen Rachegelüsten widerstehen kann, ist noch lange nicht gefeit. Denn gleich jenseits von Rache wartet die innere Verhärtung. Denn die Linke kann in ihrem permanenten Kampf gegen konkurrierende Gesinnungen zwar siegen, jedoch niemals absolut. Mit jeder Erhöhung der Dosis lassen sich zwar weitere feindliche Denkmuster abtöten, doch dies erschafft gleichzeitig eine stärkere Resilienz der Verbliebenen. Es ist eine Selektion des Fittesten, deren Nadelöhr für das Überleben so eng ist, dass nur all jene durchkommen, die trotz allem und gegen alles überleben können.

Ab irgendeinem Punkt sind dann nur noch solche Gesinnungsfeinde übrig, die sich nicht mehr anpassen gegenüber neuen Angriffswinkeln, sondern die dank dieser Angriffe geradezu aufleben. Sie trotzdem der Häme, halten immer enger zusammen, pflegen ihren eigenen unverwüstlichen Kodex und pflanzen sich unaufhörlich fort. Spätestens beim Islam tschetschenischer Prägung endet die linke Hoheit, das wusste schon Solschenizyn. Noch lange vor dieser Nische gibt es genügend andere, die ein erfolgreiches Überleben dann sichern, wenn man sich dem inneren Exil ergibt und sich darin einigelt. Dies mag in vielen Fällen das Überleben sichern. Doch es führt selten zu einem neuen Frühling und wer weiß schon, welche Wege sich der Status Quo als nächstes ausdenken wird, um die Indifferenz aus dem Exilanten zu einer neuen Meinung zu machen.

Der Weg heraus führt nur über die Kreativität und die eigene Schaffenskraft. Der eigene Schutz wie auch das Zurückschlagen muss intellektuell erfolgen, so dass die Schläge nicht physisch einschlagen, sondern einen Riss im Mauersystem des Mentalitätsdogmas hinterlassen. Ziel darf kein Reduit sein mit hohen Mauern und Burggraben, sondern es muss in einem Angebot bestehen, das jedes Produkt des Dogmas inhärent herausfordert und es in seiner Aussagekraft hinterfragt, mindestens aber alleine und ohne Rückgriff auf dessen Inertialsystem bestehen kann. Geistiges Judo mit seiner Hebelkraft ist angesagt anstelle von Boxschlägen, die nur selten ihre Wucht entfalten. Erst dann, aber genau dann wird es möglich sein, das ideologische System unserer Kultur so weit aufzuweichen, dass es seine Dominanz über unser Denken verliert und der Zeitgeist in eine neue Phase eintreten kann.

 

Lange Schlangen treffen auf leere Verkaufsregale

 

Zu Beginn diesen Jahres habe ich versucht, einige positive Punkte für das laufende Jahr aufzuführen. Als letzten davon habe ich auf die Gegenkultur verwiesen, die inzwischen steht und für viel Unruhe sorgen wird. Mein Bezug beschränkte sich auf die Politik und das Gefühl, wonach die Debatte beginnt, breiter zu werden und immer öfters auf die Straßen überschwappt. Inzwischen hat sich dieses Gefühl bei mir bestärkt. Ich würde es sogar verallgemeinern auf den gesellschaftlichen Austausch insgesamt, wie auch die Themen der auf dem Marktplatz gehandelten Informationen, wobei diese Entwicklung nicht nur auf Deutschland beschränkt ist.

Längst suchen die Menschen nicht mehr nur nach „alternative Wahrheiten“ zum präsentierten Einerlei, zu denen sie von den politischen Umstände getrieben werden. Vielmehr kommt es auch regelmäßig vor, dass alte Muster der unpolitischen Unterhaltung mit Häme abgelehnt werden, die zuvor noch zuverlässig funktioniert hatten. Die aktuelle Werbekampagne für Coronaimpfungen mit den überkommenen Stars des alten Deutschland ist ein Beispiel dafür. Die Widerworte gegen ihre leere Autorität werden lauter, ihr Glanz ist gemeinsam mit der besseren Zeit verblichen, für die sie noch stehen.

Stärker ist im Vergleich nur die Ablehnung gegenüber neuen Unterhaltungsprodukte, die ausschließlich aus Dogma bestehen. Aus den USA etwa geht das gut informierte Gerücht um, wonach ein neuer TV-Aufguss der einstmals über jedem Zweifel erhabenen Superhelden ausgerechnet in dem Augenblick zum teuren Flop mutierte, als den Zuschauern inmitten der Erzählung wenig verklausuliert einige Stichpunkte der linken Agenda verabreicht bekommen sollten. Dank digitaler Analysetechniken, so der anonym gehaltene Bericht darüber, konnten die Verantwortlichen nachvollziehen, dass die Zuschauer unmittelbar nach dieser Indoktrinationszene in Scharen davon liefen. Sie schalteten ab, kündigten ihr Abo und es prasselte geradezu negative Kritiken.

Diese Konsumenten hätten gerne bezahlt. Wir wissen es, weil sie bereits bezahlt hatten, es dann aber fallen ließen wie eine heiße Kartoffel, als ihnen Ideologiedosis verabreicht wurde. Genau das passiert immer öfters, wobei immer öfters der Rückgriff auf altbekanntes zu beobachten ist und von der versprochenen Zukunft im Star Trek der 1990er Jahre mindestens die selbe Attraktivität ausgeht wie von ihrem aktuellen Aufguss, wie die Zugriffsstatistiken bei Wikipedia implizieren.

 

Ist das Kunst oder kann das weg?

 

Die gegenwärtigen Umstände mit einer merklichen Lücke im Bereich adäquat unterhaltender Kulturprodukte macht eine Gegenreaktion bestechend einfach. Denn die Erzeugnisse der Gegenkultur müssen nichts neues erzählen, sondern lediglich da anknüpfen, wo in den letzten Jahrzehnten der bisher gegangene Pfad verlassen wurde. Mehr als eine spannende Geschichte erzählen muss man nicht, um für sie einen potenten Markt zu finden. Wer die Ideologie beiseite lässt und das Leben erzählt wie es ist oder sein könnte, der hat heute tatsächlich gute Chancen auf einen Erfolg.

Lediglich die offene Unterdrückung ist dann noch möglich, wie es etwa der dezidiert in das politische gehenden Dokumentation The Red Pill ergangen ist. Wer allerdings ausschließlich Kultur und gerne Populärkultur betreibt, der wird von den Proponenten des Dogma zwar die üblichen Zuschreibungen ernten. Allerdings wird das der finanziellen Seite des Produkts alleine schon aufgrund des schieren Nachfrageüberhangs in keinster Weise abträglich sein. Und der finanzielle Erfolg, das wissen wir alle, bildet die Basis für den weiteren Erfolg.

Genau das zeigt Ben Shapiro, der nach dem Achtungserfolg mit seinem ersten Film weitere Projekte plant und auf dem Weg zu deren Realisierung jene Stars aufsammelt, die vom System ausgespuckt wurden, weil sie von der Linie abwichen. Ihm werden weitere folgen, zu denen der oben genannte Tim Pool gehört, der die Lücke mit eigenen kommerziellen Unterhaltungsprogrammen füllen möchte. Hinzu kommen wenige Veteranen wie der Komiker Tim Allen, der mit einem Lächeln im Gesicht dem Gegenwind über die Jahre stets trotzte.

Auch wenn das alles US-amerikanische Beispiele sind, so wäre selbiges ohne weiteres auch in Deutschland möglich. Ich bin mir sicher, es gibt reichlich Potenzial in unserem Land, das mit Kreativität, Witz, Schlagfertigkeit und kluger Erzählkraft die Fundamente des linken Zeitgeist so weit unterhöhlen kann, dass dieser irgendwann weggeschwemmt wird. Mit Wasserscheiden und meinem eigenen Versuch eines Romans sind mir bereits mindestens zwei Produkte bekannt, die ich in diese Kategorie einordnen würde. Ich bin mir sicher, es werden noch viele weiter folgen. Alles, was sie noch brauchen ist, dass die vielen stillen Dissidenten im Land darauf aufmerksam werden und das Bewusstsein entsteht, dass hier tatsächlich eine heimliche Marktlücke existiert. Die Entzauberung der Stasimentalität in unserem Land und ihre politische Entmachtung wären nachfolgend nur noch eine Frage der Zeit.

Quelle Titelbild