Gibt es auch Coronatests, die nicht aus China stammen und einem auch nicht das Gehirn penetrieren?

Ja und nein, so die kurze Antwort nach einer einstündigen Reise durch Medizinshops und chinesische Biotechfirmenportraits. Zur Suche animiert hat mich eine Bitte, diesen beiden Fragen nachzugehen und auch meine Neugierde, ob wir tatsächlich hoffnungslos von Chinas Produktionskapazitäten und damit deren Qualitätsstandards abhängen. Ich bin nämlich noch immer der Überzeugung, dass die Fäden in den Coronateststäbchen auf die mangelnde Qualität der Rohstoffe und Mängel in der Herstellung zurückzuführen sind. Das damit einhergehende Vertrauensproblem gäbe es vermutlich nicht, würden die Tests an einem Ort hergestellt werden, wo es grundlegende Qualitätsstandards gibt, die nicht nur Sonntags gelten, sondern täglich und auf jeder Prozessstufe.

 

Ein Treffer mit Schönheitsfehler

 

Begonnen hat meine kleine Reise mit einer kleinen Stichprobe bei Google, da das der Ort ist, wo heute die meisten Anfragen beginnen. Unter dem Stichwort „corona test made in germany“ bekam ich tatsächlich unter den ersten sechs angezeigten Verkaufsangeboten einen Volltreffer. Auf dem Vorschaubild für das Produkt von AESKU wird sogar ausdrücklich mit „Made in Germany“ geworben.

Der kleine Schönheitsfehler daran leider ist, dass ich mit dem Firefox Browser alle Anzeigenlinks öffnen kann, nur diesen einen nicht, der beim Herstellungsland aus der Reihe tanzt. Ein Schlem, wer böses dabei denkt. Mit einem anderen Browser ging es dann doch und so konnte ich den Test ebenso kurz in die Reihe aufnehmen.

 

Hotgen flutet den Markt

 


Als zweiter Schönheitsfehler lässt sich an dem Bildschirmfoto ablesen, dass es sich gleich bei vier der sechs angezeigten Tests um das selbe Produkt in unterschiedlichen Packungsgrößen handelt. Es stammt von dem Unternehmen Hotgen aus China und muss verdammt billig sein, wenn so viel Geld für die Werbung übrig bleibt. Nicht zuletzt handelt es sich um einen sehr heißen Markt mit entsprechend geringen Margen.

Hotgen selbst beschäftigt sich in erster Linie mit Antikörper-Diagnosetests für Leberkrebs und gibt laut Webseite einiges auf ihre patentgestützte Expertise. Das spricht zunächst einmal für das Unternehmen, das den Coronatest vermutlich selbst entwickelt hat und das Produkt eventuell sogar intern herstellt. Gegen Hotgen spricht, dass man etwas darauf gibt, „im Rahmen des ‚Dreizehnten Fünfjahresplans‘ eine führende Einheit bei wichtigen Wissenschafts- und Technologieprojekten “ zu sein.

 

Clongene und Herbert Zhong vom TÜV Rheinland

 

Das zweite Produkt außer dem deutschen stammt von Clongene aus Hangzhou. Deren Coronatest wurde beim TÜV Rheinland von einem Herbert Zhong für Deutschland zertifiziert, dem dortigen Experten für die medizinische Qualitätsnorm „EN ISO 13485:2016“.

Nachdem ich der reinen Vollständigkeit halber einmal nach Herrn Zhou gesucht habe, musste ich erstaunt feststellen, dass quasi alle Ergebnisse etwas mit Zertifikatsbetrug zu tun hatten. Beispielsweise diese Schwarzliste des TÜV Rheinland, bei dem der Begriff „Zhong“ allzu oft vorkommt. Einen Herbert konnte ich darunter allerdings nicht finden, wobei selbiges für eine direkte Bestätigung gilt, dass der Mann überhaupt existiert. Der Vergleich verschiedener Zertifikate mit seiner Unterschrift deuten aber auf seine Existenz hin (siehe diese verglichen mit jenem oder dem da).

Clongene selbst ist spezialisiert auf die Herstellung von Antikörpern und anderen Vorprodukten für die Herstellung von Diagnosetests, entwickelt für die verschiedensten Bereiche aber auch eigene Testverfahren. Daraus lässt sich schließen, dass sie vom Fach sind und wissen, wie man einen brauchbaren Coronatest entwickelt, wobei es nicht danach aussieht, als hätten sie auf ihrem Firmengelände eine eigene Produktion. Vermutlich kaufen sie die Produktionskapazitäten irgendwo ein.

 

Made in Germany ist preislich durchaus konkurrenzfähig

 

Mit 9,98 Euro pro Test kann der im schönen Wendelsheim produzierte AESKU Schnelltest für Laien mit den anderen durchaus mithalten. Die Preise bei Hotgen variieren sehr stark, wobei der Stückpreis im Fünferpack für Endkunden bei 9 Euro beginnt. Gewerbekunden mit einer Abnahmemenge im mindestens dreistelligen Bereich können mit 4-6 Euro pro Test rechnen. Das wäre aber mit Sicherheit auch bei AESKU möglich. (Nachtrag: Ich sehe gerade, dass Aldi Nord eine 5-er Packung für 24,99 Euro anbietet.)

Es ist also keineswegs so, dass wir in diesem Bereich von China abhängig sind und uns auf deren unmöglich nachvollziehbarer Qualitätsstandards verlassen müssen. Österreich hätte auch gut und gerne bei AESKU bestellen können, wobei ich nicht ausschließen möchte, dass auch in der Ostmark Produktionsbetriebe gibt, die in der Lage wären, Coronatests herzustellen.

 

AESKU: Minimal invasiver Nasenabstrich bei 2.5 cm Tiefe??!

 

Ich hatte mich schon bei meiner Preisanalyse für den an Österreichs Schulen verwendeten Schund gewundert, dass der Hersteller des Produkts auch einen zweiten und noch viel günstigeren Test anbietet. Bei diesem muss das Wattestäbchen nicht einmal bis tief in die Nase eingeführt werden, sondern beruht auf einem Bluttest.

Aus eigener Erfahrung aus einem anderen Bereich weiß ich, dass diese Art von Test wesentlich weniger belastend ist. Insbesondere bei Kindern wäre es vermutlich die bessere Wahl, ihnen täglich einen kleinen, kaum spürbaren Piekser in jeweils einen anderen Finger zu geben, als so ein Stabmonster in den Kinderkopf zu rammen.

Insbesondere auch, da Corona angeblich so leicht übertragbar ist, muss man sich fragen, warum ein einfaches Spucken für den Nachweis nicht ausreichen soll. Da das Testergebnis ohnehin nur einen groben Richtwert darstellt, war mir das invasive Vorgehen schleierhaft (und nicht zu sprechen von der Demütigung amerikanischer Diplomaten durch erzwungene Analabstriche in China).

Auf der Produktseite bei AESKU steht, dass der Nasenabstrich „minimal invasiv“ sein soll. Die angegebenen 2,5cm scheinen mir aber genau dem zu entsprechen, was jeder als „maximal invasiv“ bezeichnen würde. Vor allem bei Kindern wird diese Tiefe hoffentlich an die Kopfgröße angepasst auf einen Zentimeter oder weniger.

 

Gar nicht teuer: Spucktests & Bluttests

 

Die „minimal invasiven“ 2,5cm sind das größte Manko des AESKU Tests. Leider war man auch dort nicht in der Lage, den wohl erniedrigsten Teil des öffentlich zur Schau gestellten Gesslerhuts zu umgehen.

Wie der Bluttest aus China zeigt, wären alternative Verfahren durchaus möglich und sie sind nicht einmal teuer. Da man ihn auch in Euro bezahlen kann, gehe ich stark davon aus, dass es eine Zulassung dafür gibt. Dennoch konnte ich keine weiteren Bluttests für Corona finden, die nicht auf die Zwischenstufe im Labor angewiesen sind. Preislich liegen sie daher mindestens um den Faktor 20 über dem chinesischen Schnelltest.

Vermutlich hängt es an der mangelnden Versicherungsabgeckung, wenn nicht-medizinisches Personal an eine andere Person absichtlich schneidet, damit diese zu bluten beginnt. Theoretisch gäbe es noch normale Spucktests, die für einen Nachweis prinzipiell ausreichen müssten.

Seit einem Monat gibt es in Deutschland tatsächlich auch Spucktests auf dem Markt, der einzeln 8,49 Euro kostet und ab 25 Exemplaren zum Stückpreis von 7,40 Euro zu haben ist. Über den Hersteller konnte ich nichts erfahren, vermute aber, dass er genauso wie Joinstar, deren Spucktest noch einmal günstiger ist, in China sitzt.

Demnächst wird es in Deutschland zusätzlich einen dritten Anbieter für Spucktests geben. Es handelt sich um niemand geringeren als Hotgen. Deren Spucktest kostet pro Stück 8,49 Euro, wird jedoch erst ungefähr ab der Kalenderwoche 15 bei uns erhältlich sein und jetzt schon ausverkauft.

 

Joinstar gewinnt

 

Bei Joinstar kann man noch immer zugreifen und das sogar zu einem unschlagbaren Preis von 4,95 Euro pro Test (nicht einmal Aldi kann da mithalten). Da beim Spucken überdies keine Morgellon- oder andere Hygienegefahren bestehen und mir das Ergebnis egal ist, so lange es negativ ausfällt, würde ich vermutlich entweder dort oder beim leicht teureren Rapidfor zugreifen, bis AESKU endlich nachzieht und ebenso einen Spucktest auf den Markt bringt.

Bis dahin aber vermute ich – nein, hege ich die leise Hoffnung – könnte die Pandemie schon längst wieder vorbei sein.

 

PCR-, Antigen- und Antikörpertests

 

Wie das so ist mit Amateuren, die sich in kurzer Zeit etwas anlesen, habe ich bei den drei Tests völlig vernachlässigt, dass es bedeutende Unterschiede zwischen den verschiedenen Testtypen gibt. Laut Netdoctor eignen sich Antikörpertests lediglich dafür, hinterher festzustellen, ob der Körper bereits mit der Infektion zu kämpfen hatte. Antigentests dagegen suchen ähnlich wie PCR-Tests nach Schnipseln des Virus selbst, sind allerdings nicht ganz so zuverlässig.

Bei dem AESKU Test handelt es sich um einen klassischen PCR-Test, während die anderen beiden Antigentests sind. Insofern würde es meines Erachtens sehr viel Sinn machen, immer zuerst einen Antigentest zu machen. Erst dann, wenn dieser positiv anschlägt, eignet sich dann eine Zweittestung mit dem PCR-Test. Außerhalb von Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und sonstigen sensiblen Bereichen sollte das eigentlich ausreichen.

Jenseits der reinen Testerei frage ich mich überdies, warum man nicht einmal zumindest als statistisch zuverlässige Stichprobe einmal das ganze Land den Antikörpertest machen lässt. Über die daraus gewonnene Information ließe ich recht gut rückschließen, wie weit die Durchseuchung schon fortgeschritten ist. Dabei wäre es nicht einmal wirklich teuer. Testet man einmal im Monat 4 Millionen Personen für diesen Überblick, dann kämen auf ein Jahr gerechnet 240 Millionen Euro an Kosten heraus. Das ist zwar erst einmal viel, jedoch stehen die Chancen gut, dass die Beschränkungen pünktlich und frühzeitig abgebrochen werden könnten. Alle Opportunitäten dazu wären bei weitem teurer.

Am Ende zeigt sich auch bei diesem Detail ein massives Versagen der Politik, das kaum mehr auf Zufall oder schiere Inkompetenz zurückgeführt werden kann.

Quelle Titelbild Bildschirmfotos 1, 2, 3 & 4