In Syrien kehrt das totale Kriegschaos zurück

In Syrien kehrt das totale Kriegschaos zurück

Man merkt, dass in den USA die Fraktion der Psychopathen wieder am Ruder ist. Überall brodelt es und werden eingefrorene Konflikte aufgetaut. Die Ukraine gehört genauso dazu wie das ewige Afghanistan und so muss einen nicht wundern, dass es auch in Syrien wieder losgeht. Bereiten Sie sich vor auf weinende Kinderaugen im TV und neue Gehirnchirurgen, die zu tausenden enthusiastisch über unsere Grenzen stürmen.

 

Moon of Alabama: Nach einer kurzen Kampfpause scheint der seit 10 Jahren dauernde Krieg in Syrien an mehreren Fronten wieder aufzuflammen

 

Letzte Woche veröffentlichte Bloomberg eine Kolumne des türkischen Präsidenten Erdogan, die einem Bettelbrief um „westliche“ Hilfe gleichkam:

Jetzt, wo das Gerede von Demokratie, Freiheit und Menschenrechten wieder en vogue ist, werden die Taten der Menschheit in Syrien der ultimative Maßstab für unsere Aufrichtigkeit sein. Ich glaube, dass die Wiederherstellung von Frieden und Stabilität in der Region von einer echten und starken Unterstützung des Westens für die Türkei abhängt. [..]

Leider sind die gemäßigten Rebellen als unsere Partner vor Ort trotz ihrer Mühen und Opfer im Kampf gegen den IS und die PKK als eine weitere Terrororganisation zum Ziel einer koordinierten Verleumdungskampagne geworden.

Die von der Türkei in Zusammenarbeit mit ihren lokalen Partnern geschaffenen sicheren Zonen sind ein Beweis für unseren Einsatz für die Zukunft Syriens. Diese Gebiete sind zu Inseln des Friedens und der Stabilität geworden, in denen sich selbst erhaltende Ökosysteme entwickeln konnten.“

 

Die türkische Besatzung ist teuer

 

Diese „Inseln des Friedens“ im türkisch besetzten Idlib und entlang der türkischen Grenze waren Schauplatz vieler interner Kämpfe zwischen der zu Al-Kaida Hayat Tahrir al Sham (HTS) und „gemäßigten Rebellen“ verschiedener islamistischer Couleur. Die HTS hat sich größtenteils durchgesetzt und beherrscht das Gebiet in Kooperation mit den türkischen Besatzungstruppen. Doch die Kontrolle des Gebietes ist kostenintensiv und die Türkei ist derzeit knapp bei Kasse. Dazu führte Erdogans kürzliche Entlassung des Zentralbankchefs zu einem weiteren Absturz der türkischen Wirtschaft:

Der Dollar stieg gegenüber der türkischen Lira um bis zu 15 %, während der Börsenindex BIST-100 um 10 % niedriger notierte, nachdem Präsident Recep Tayyip Erdogan beschlossen hatte, den Gouverneur Naci Agbal durch Sahap Kavcioglu zu ersetzen – es war der dritte Wechsel an der Spitze der türkischen Zentralbank (CBRT) innerhalb von nur zwei Jahren.“

Das ist der Grund, warum Erdogan um Geld bettelt, während er gleichzeitig damit droht, weitere Flüchtlingsströme nach Europa zu treiben:

Die dritte und vernünftigste Option [des Westens] besteht darin, sich hinter die Türkei zu stellen und zu einem Teil der Lösung in Syrien zu werden, und das zu minimalen Kosten und mit maximaler Wirkung.

Unsere konkreten Erwartungen sind offensichtlich. In erster Linie erwarten wir, dass der Westen eine klare Position gegen den syrischen Ableger der PKK, die YPG, einnimmt, da sie die sicheren Zonen angreift und dem Regime in die Hände spielt. Stattdessen muss eine angemessene Unterstützung der legitimen syrischen Opposition als Investition in Frieden und Stabilität erfolgen.

Darüber hinaus fordern wir die westlichen Nationen auf, ihrer Verantwortung für die Beendigung der humanitären Krise gerecht zu werden, da es zu neuen Migrationswellen in Richtung Europa führen kann, falls sich der Westen weiterhin weigert, der Türkei einen Teil er dadurch entstehenden Lasten abzunehmen.

Nicht zuletzt fordern wir, dass der Westen in sichere Zonen innerhalb Syriens investiert und dieses Friedensprojekt unmissverständlich befürwortet. Wir müssen der Welt zeigen, dass es eine demokratische und wohlhabende Alternative für die Zukunft Syriens gibt.“

 

Groß- und Regionalmachtspiele

 

Am Freitag errichtete die Türkei einen neuen militärischen Außenposten in Syrien in der Nähe des Grenzübergangs Bab al-Hawa zur Türkei. Es handelt sich dabei um einen direkten Verstoß gegen die Vereinbarung mit Russland.

Es gab mehrere Scharmützel zwischen türkischen Truppen und den von ihnen unterstützten Rebellen mit kurdischen SDF-Einheiten, welche den Nordosten Syriens beherrschen und die Unterstützung der USA genießen.

Trotz der Feindseligkeiten betreiben die von den USA unterstützten Kurden dennoch Geschäfte mit den von der Türkei unterstützten Dschihadisten. Die Kurden verkaufen ihr aus syrischen Quellen stammendes Öl an die „Rebellen“ in Idlib, die es dann in die Türkei exportieren.

Dieser Ölexport ist kürzlich zum Ziel des russischen Militärs geworden. Am 7. März schlug eine Rakete in der Nähe von al-Bab ein und zerstörte 180 Öltransporter. Am 14. März zerstörte ein weiterer Angriff die von der HTS kontrollierte Ölinfrastruktur in Idlib. Daraufhin feuerten die „Rebellen“ Raketen auf die von der Regierung gehaltene Stadt Aleppo, woraufhin ein weiterer Angriff eine Erdgasanlage nahe der türkischen Grenze traf:

In der Provinz Idlib nahe der Stadt Sarmada wurde eine Gasanlage getroffen. Bei diesem beim jüngsten Angriff auf Anlagen zur Treibstoffherstellung wurden auf einem Parkplatz in der Nähe des Grenzübergangs Bab al Hawa Dutzende Anhänger mit Waren in Brand gesetzt, welche die wirtschaftliche Lebensader für eine Region darstellen, in der mehr als vier Millionen Menschen leben.

Laut westlichen Geheimdienstquellen soll Russland Anfang des Monats hinter auch für einen Raketenangriff verantwortlich gewesen sein, bei dem Dutzende lokaler Ölraffinerien in der Nähe der Städte al-Bab und Jarablus in einem von Rebellen gehaltenen Gebiet in Brand gesetzt wurden, in dem die Türkei das Sagen hat und über eine bedeutende Militärpräsenz verfügt.“

Im Nordosten hält die mit den USA verbündete SDF noch immer mehrere tausend ehemalige IS-Kämpfer gefangen. Alle paar Wochen werden einige Dutzend von ihnen entlassen. Sie werden in die südöstliche Wüste gebracht, wo sie in al-Tanf am syrisch-irakisch-jordanischen Dreiländereck vermutlich von US-Truppen ausgebildet und ausgerüstet werden. Anschließend greifen sie syrische Regierungstruppen an. Da die unwegsame Wüste den Kampf am Boden erschwert, erneuerte Russland eine Luftangriffe gegen diese IS-Überreste:

Bei den russischen Luftangriffen wurden mehrere Ziele verfolgt. Vor allem geht es darum, die Straßen in der Badia-Region (der syrischen Wüste) zu sichern, die Operationen und militärischen Fähigkeiten des IS einzuschränken und die Ausbreitung der Organisation in der Badia zu bremsen, die sich über die Provinzen Raqqa, Hama, Homs, Deir Ez-Zor und Aleppo erstreckt.“

 

Türken vs Kurden

 

Währenddessen flammt auch der Konflikt zwischen den Kurden und der Türkei im Nordosten Syriens wieder auf:

In der Umgebung von Raqqa meldete die SDF, dass ihre Kämpfer zwei Angriffe von türkischen Verbündeten zurückgeschlagen hätten. Der erste richtete sich gegen das Dorf Saida westlich von Ain Issa. Der zweite Angriff richtete sich gegen die Stadt Mu’alk im Osten.

Genaue Opferzahlen wurden nicht bekannt gegeben.

Die Gegend um Ain Issa ist seit einiger Zeit unruhig, da die Türkei und ihre Verbündeten immer wieder die Außenbezirke der Stadt angreifen. Ein Plan Ankaras, die Stadt zu stürmen und einzunehmen, wird seit Monaten erwartet.

Der Beschuss mit zwei Raketen aus Richtung Syrien auf die südtürkische Stadt Kilis war wahrscheinlich eine Reaktion darauf. Nach syrischen Angaben wurden die beiden Raketen aus der Nähe der Stadt Tell Rifaat im Norden von Aleppo abgefeuert. Die Stellungen gehören zu den Volksschutzeinheiten (YPG), die Ankara als terroristisch einstuft. Die YPG ist auch der Kern der syrisch-kurdischen SDF.

Die türkische Armee beschoss als Reaktion auf den Angriff ein Dutzend Städte und Dörfer. Schwere Zusammenstöße wurden auch zwischen kurdischen Kämpfern und der von der Türkei unterstützten Syrischen Nationalarmee westlich der von der Türkei besetzten Stadt al-Bab gemeldet.“

Unterdessen ist Syriens Wirtschaft aufgrund der Sanktionen, fehlenden Öleinnahmen und infolge des Zusammenbruchs des libanesischen Bankensystems stark unter Druck. Ein Krieg des Hungers hat den Krieg der Waffen ersetzt.

 

Kein Kriegsende geplant

 

Mit dem zehnten Jahrestag des Krieges scheinen viele vergessen zu haben, dass die USA ursächlich für die Katastrophe verantwortlich waren und den Krieg angeheizt haben, wobei sie noch immer nicht wissen, wie sich der Konflikt beenden ließe:

Das Traurige an der gemeinsamen Erklärung den USA und den europäischen Verbündeten des Landes ist nicht nur, dass sie damit die Geschichte umschreiben und Unwahrheiten verbreiten, sondern auch ein Gefühl der Verzweiflung vermitteln, dass es im Syrien-Konflikt in keiner erdenklichen Zukunft eine Hoffnung auf Licht am Ende des Tunnels gibt.

Die US-Politik in Syrien ist undurchsichtig. Sie schwankt zwischen dem Ziel, ein Wiederaufleben des IS zu verhindern, den Iran zu konfrontieren, Russland zurückzudrängen, humanitäre Hilfe zu leisten und sogar Israel zu schützen, während der Kern der Sache darin besteht, dass mehrere US-Regierungen hintereinander es versäumt haben, eine klare Strategie und Begründung für die amerikanische Militärpräsenz in Syrien zu formulieren.“

Diese Woche wird US-Außenminister Anthony Blinken Gespräche mit dem türkischen Außenminister Mevlut Cavusoglu führen.

Eine Erklärung der Biden-Administration war heute recht freundlich:

[Pressesprecherin] Jen Psaki fügte hinzu: ‚Die Türkei ist ein langjähriger und geschätzter NATO-Verbündeter. Wir haben ein gemeinsames Interesse am Kampf gegen den Terrorismus, bei der Beendigung des Konflikts in Syrien und bei der Unterbindung von bösartigem Einfluss in der Region.‘“

Es ist durchaus möglich, dass die Biden-Administration hat Pläne, die aktuelle Pattsituation in Syrien durch ein Bündnis mit der Türkei für neue Push gegen Damaskus zurückgesetzt.

Quelle Titelbild

Bloggerei.de