Die asexuelle Revolution: Mit Only Fans, jungfräulichen Männern und Sexrobotern in Richtung Ende der Zukunft

Die asexuelle Revolution: Mit Only Fans, jungfräulichen Männern und Sexrobotern in Richtung Ende der Zukunft

Wer sich gelegentlich durch die Mainstream Medien klickt, dem wurde sicherich schon einmal die Erotikplattform OnlyFans schmackhaft gemacht. Der Speichel etwa verriet vor einem halben Jahr, wie man dort Geld verdienen kann, während der Locus erklärt, welche Nischen ganz besonders gewinnträchtig sind. Bei Zeitverschwendung Online hält man das Angebot sogar für eine „Revolution“, während selbst bei DDR 2 offen bleibt, ob das Angebot Ausbeutung betreibt, oder dem Feminismus dient.

Kurzum, es wird überall schamlos dafür geworben, dass jungen Frauen (aber nicht nur ihnen) das schnelle Geld winkt, wenn sie im Netz die Hüllen fallen lassen. Über die ethische Fragwürdigkeit dieser wie ich vermute bezahlten Werbetexte braucht es keine weitere Diskussion. Alleine der Verweis auf die Empörung im Fall Brüderle vor einigen Jahren oder davor noch das Gekreische um Silivio Berlusconis Tipp an junge Frauen, sich einen reichen Mann zu angeln, genügt für die Einordnung der Anpreisungen dieser Erotikseite.

 

Billige Abstraktionen für eine billige Gesellschaft

 

In meinen Augen steht die offene Werbung für OnlyFans (nicht nur in Deutschland, auch in den englischsprachigen Medien) prototypisch dafür, wo die Reise für die westliche Gesellschaft hingehen wird. Die weiche Prostitution wird normalisiert, wie auch das Bezahlen für den physischen Teil gegenseitiger Zuneigung. Ebenso bekommt die klassische Partnersuche noch einmal einen heftigen Schlag ins Genick, da sich junge Männer fortan nicht mehr überwinden müssen beim Ansprechen der hübschen Nachbarin. Vielmehr kann er sie sich für einen Groschen im Netz kaufen und beide haben etwas davon.

Diese ach so feministisch-einträgliche Dienstleistung jedoch ist bei näherem Hinsehen nicht das, worum es bei der Ottonormalsexualität eigentlich geht oder gehen sollte. Es ist eine billige Ersatzhandlung für einen Komplex, bei dem weit mehr auf dem Spiel steht als nur die reine Sexualität. Empathie, Kommunikation, Koordination und das Durchleiden aller emotionalen Zustände fallen weg in diesem Geschäft. Auch in der Vergangenheit war es zwar da, weil es das musste. Doch war den Beteiligten mit wenigen Ausnahmen stets klar, worum es geht und was nicht mit im Preis inbegriffen war.

Mit OnlFany könnte sich das fundamental verändern und noch einmal das dank der Coronakrise blühende Geschäft der Onlinepornos um eine Facette erweitern, von der sich die davon durchtränkte Gesellschaft nicht mehr erholen wird. Denn Pornos haftet noch immer das Stigma des Anrüchigen an. OnlyFans dagegen will den Porno und die bezahlte Freizügigkeit als Alltagsprodukt zu jedem nach Hause bringen, und das auf beiden Seiten der Kamera.

 

Pornografie, so verheerend wie Krieg

 

Es ist der geringe Schmerz, der dieser Methode ihre Durchschlagskraft verleiht. Begleitet von medialer Propaganda auf allen Kanälen senkt OnlyFans die Einstiegshürde in die Prostitution von Verzweiflung, Hunger oder Sucht ab auf das Niveau der Lust auf paar neue Schuhe. Denn wozu noch anstrengen oder arbeiten gehen, wenn auch das Vorzeigen der Nippel ausreicht?

Mit der Schmerzlosigkeit in der Prostitution verhält es sich ein wenig wie mit der heutigen Kriegsindustrie. Dank der Technik mit Drohnen, Propaganda und anderen Innovationen werden Kriege zunehmend weniger schmerzhaft oder sichtbar. Die Verluste verschwinden und so sinkt auch die Hürde, einen Krieg zu beginnen, oder diesen ewig zu führen. Am Ende dieses Krieges – oder mittendrin – steht dann eine fundamental kaputte Gesellschaft, da es schlichtweg niemandem mehr auffällt, bis es passiert ist.

Nicht anders wird es mit OnlyFans laufen und sicherlich weiteren Innovationen in diesem Bereich. Unbemerkt und sogar krisenmedial befördert schlittert die Gesellschaft in einen Zustand hinein, in dem sie am Ende überrascht auf Ruinen blicken wird. Physische Ruinen werden es nicht sein, aber soziale und emotionale Ruinen und es wird jedes Haus in dieser Hinsicht zerbomt sein. Möglicherweise wird es auch analog enden zu in den endlosen Kriegsarenen dieser Welt. Irgendwann könnte der Zustand so normal auf uns wirken, dass wir nichts mehr anderes kennen, erwarten oder gar wollen als das.

 

Die asexuelle Revolution

 

Bei jungen Männern sieht man die Auswirkungen heute bereits. Man muss kein Warner vor „Incels“ sein, oder sich eine „MIGTOW“-Attitüde zulegen, um den rapiden und fundamentalen Wandel in den Schlafzimmern unserer Gesellschaft mit Sorge zu sehen. Ein Drittel aller jungen Männer in den USA hat kaum oder gar kein Sex mehr. In Japan sieht es nicht besser aus, wobei dort auch Frauen in der selben Weise betroffen sind. Auch Europa schwimmt mit im Trend und lässt über „junge Männer mit tiefem Einkommen“ eine asexuelle Revolution schwappen.

Wundern braucht man sich nicht über diese Entwicklung. Weltweit gibt es einen Männerüberschuss, der aufgrund der höheren Lebenserwartung für Frauen umso deutlicher ausfällt, je jünger es wird. Hinzu kommen kulturelle Eigenheiten, die das ganze in der ein oder anderen Weise beeinflussen, und Frauen dem Markt noch einmal stärker entziehen. Das heizt den Wettbewerb vor allem unter jenen noch einmal an, die sich jenseits des Triebs im Leben noch nichts aneignen konnten.

Auch die ehemals aufgeklärte Kultur des Westens ist nicht verschont davon. Paare mit großem Altersunterschied beispielsweise sind normal und kommen häufig vor mit älterem Mann. Während es aber normal gilt, wenn einer der beiden Partner 26 ist und der andere 20, so verhält es sich deutlich anders, wenn der ältere 20 ist und der jüngere mit 14 Jahren noch ein Kind. Das ist kein Aufruf zur Legalisierung von Pädophilie, soll aber verdeutlichen, dass es weit mehr gibt unter den kulturellen Faktoren als Burka und Erbrecht.

Zu dieser Ausgangslage hinzu kommt im aktuellen Zeitgeist das allzu penetrante Propagieren sexueller Experimente, für die Frauen empfänglicher sind als Männer, und die weitere Prozente junge Damen aus der Vorauswahl nehmen. Jenseits davon schaffen digitale Marktplätze für die klassische Partnersuche einen Wettbewerbsdruck, den es früher nicht gab. Denn trotz der Unkenrufe bestimmen noch immer klassische Marker über die Partnerwahl, von denen das im Vergleich zu Männern immer höher steigende Einkommen bei Frauen jüngeren Alters einen weiteren Ausschlussgrund bilet. Und nicht zuletzt gibt es den Sexismus, der auch den Arbeitsplatz größtenteils von der Liste für Orte tilgte, wo potenziellen Partnerinnen imponiert werden kann.

Es gibt mit Sicherheit noch weitere Aspekte, die in relevante Weise jungen Männern die Frauen entziehen. Oben drauf kommt aktuell die nicht endend wollende Pandemie, in der die meisten Balzgelegenheiten wie Vereinsheime ohne zögern und Wiedereöffnungstermin geschlossen wurden. Die Zahlen der sexlosen Männer ist sicherlich noch einmal deutlich angestiegen seit März letzten Jahres. Fraglos hat das bei allen den Druck noch einmal ansteigen lassen, was aber nur die Mutigsten zugeben würden.

 

Von der Ersatzhandlung Porno zur Ersatzpartnerin Roboter

 

Man sollte stets vorsichtig sein bei der linearen Extrapolation und auch bedenken, dass es notwendige evolutionäre Gleichgewichte gibt. Insofern werden sicherlich nicht alle jungen Männer dem Sex und der Liebe jenseits davon abschwören. Doch die Marschroute der gegenwärtigen Entwicklung scheint klar. Heute schon gibt es zu viele junge Männer aber auch Frauen, die sich wohl nie jene Fähigkeiten aneignen werden, die es benötigt für eine stabile Beziehung. Selbst wenn sie wollten, werden sie es nie mehr schaffen im Leben.

Die Stressimpfung vor Streit, das sich aneinander gewöhnen und die Berücksichtigung der gegenseitigen Bedürfnisse, wie auch das sich emotionale Stützen wird für die meisten eine unüberwindbare Hürde bleiben. Denn wer erst einmal eingeigelt ist, der ist nach der Gewöhnung meist froh um die Einsamkeit um sich herum, und nicht weniger gilt das für die Ersatzhandlung für die sexuelle Komponente in jeder Beziehung.

Dank Pornos ist die Flucht vor der Bewusstwerdung der körperlichen Einsamkeit nur noch einen Klick weit entfernt. Hinzu kommen neue Angebote wie OnlyFans und die Werbung dafür, was den Markt auf beiden Seiten der Dienstleistung nur noch einmal aufblähen wird. Die leuchtenden Augen der meisten der jungen Mädchen, wenn sie einsteigen ins Geschäft, werden bald der Nüchternheit weichen. Denn wer Märkte kennt, der weiß, dass die Preise bei einem parallelen Wachstum von Angebot und Nachfrage nicht steigen, sondern das Gegenteil eintreten wird. Doch dann sind sie schon drin und die Rechnungen wollen weiter bezahlt werden.

Auf der anderen Seite wiederum steht der Kunde, der sein bevorzugtes Angebot irgendwann findet und dann von diesem mit Zufriedenheit bedient wird. Die totale Kapitalisierung von Sex und dem Anschein der Nähe in Verbindung mit den Umständen um uns herum, wird noch manchen Menschen ohne Wiederkehr in diesen scheinsexuellen Eskapismus hineinziehen.

Doch all das wird mit Sicherheit nicht den Endpunkt bilden. Autonome Sexroboter sind gleich der nächste Schritt. Diese werden früher oder später den letzten Traum von schnellen Geld bei OnlyFans platzen lassen. Danach wird der Markt für abstrahierte Liebe als ganzes im Gleichschritt mit der Perfektionierung der Sexrobotik zu einer übermächtigen und bald auch unabdingbaren Institution in der Neuen Gesellschaft anwachsen.

Seit einigen Jahren schon bringen Sexroboter überecht in physischer Weise all das in die Schlafzimmer der entwickelten Welt, was die besten Pornos nur projizieren. Mit Sprach-KI, geschickten Händen und selbstreinigend werden Sexroboter absehbar in wenigen Jahren sogar das beste Prozent unter den echten Frauen mit Leichtigkeit schlagen. Die Koch- und Putz-KI gibt es dann im Abo dazu.

 

Wir brauen eine zweite sexuelle Revolution

 

Frauen, oder Beziehungen oder OnlyFans braucht dann niemand mehr. Selbiges gilt für die Zukunft der Menschheit an sich. Daher besteht das paradoxe Fazit dieser Betrachtung auch darin, dass wir knapp drei Generationen nach der ersten sexuellen Revolution eine weitere brauchen. Denn aus der ersten wurde ein Abdriften in das asexuelle Pflichtprogramm, das wohl kaum jemand von damals erwartete.

Die Natur lässt eben nicht mit sich spaßen. Wer die knappen Faktoren auf einem Markt in einer so fundamentalen Weise verändert, wie es mit Pille, Promiskuität und sexueller Beliebigkeit in wenigen Jahren getan wurde, der wird diesen Markt am Ende nicht dorthin bewegen, wo er es gerne hätte. Vielmehr bewegt sich das Gleichgewicht dann genau zu jenem Punkt, wo der geringste Widerstand zwischen Angebot und Nachfrage die größte Preisleistung erzielt.

So musste es denn auch fast kommen, dass sich der Markt für Sexualität genau so entwickelte wie er es tat. Denn wir liegen heute auch lieber auf dem Sofa oder fahren eine kurze Strecke mit dem Auto, obwohl der Stuhl oder der Spaziergang wesentlich gesünder wäre. Genau dieses menschliche Kalkül bestehend aus Bequemlichkeit und Opportunismus hat schließlich auch den Markt für die den physischen Aspekt Liebe zuverlässig dahin befördert, wo es am bequemsten ist und am einfachsten geht.

Ob es einen Weg zurück davon gibt, kann bezweifelt werden. Das zeigen andere einst gehaltvolle Institutionen des gesellschaftlichen Lebens, wie Weihnachten beispielsweise, das heute nur noch aus Kommerz und Konsum besteht und zwischen den Jahren an der Rückgabetheke endet.

Manche Märkte verfügen leider über kein evolutionäres Gleichgewicht. Sie rennen sich ab einem bestimmten Punkt unweigerlich tot. Vielleicht ist das auch auf dem Markt der Liebe der Fall, eventuell auch nicht. Fest zu stehen scheint nur, dass es noch lange dauern wird, bis eine Trendumkehr in den Bereich des Möglichen rückt, während bis dahin noch viele Mitglieder in der Gesellschaft dank der billigen Befriedigung ganz ohne Schmerz oder Skrupel auf Nimmerwiedersehen aus dieser verabschiedet werden.

Dennoch, wollte man etwas ändern, die Devise wäre klar: Zurück zur Natur müsste sie lauten. Weg vom Tittytainment der passiven Befriedigung und der reduzierten Mechanik der Triebe und wieder hin zur Ganzheitlichkeit menschlicher Nähe und Intimität. Eine sexuelle Revolution buchstäblich zum Anfassen bräuchte es, vielleicht ließe sich dann noch etwas retten von dem vergessenen menschlichen Zweck. Wäre ich ein wertkonservativer Politiker, ich würde genau darauf pochen.

Quelle Titelbild

Bloggerei.de