Warum kann Google Fake News erkennen, aber keine Betrugsmaschen herausfiltern?

Warum kann Google Fake News erkennen, aber keine Betrugsmaschen herausfiltern?

Ich meide Amazon wie die Pest. Generell versuche ich, vor allem bei kleinen Anbietern zu bestellen, was sich in den letzten sechs Monaten coronabedingt deutlich verstärkt hat. Das große Problem dabei ist, dass Betrüger noch immer gute Chancen haben, arglosen Kunden auf der Suche nach einem Produkt das Geld aus der Tasche zu ziehen. Obwohl ich eigentlich vorsichtig bin, wäre es mir kürzlich bei etwas größerem beinahe selbst passiert.

Die einfache Lösung für das Vermeiden von Betrugsmaschen im Internet lautet, nur noch bei etablierten Großanbietern zu bestellen, und das heißt vor allem bei Amazon. Der kleine Nachfrager am Markt dreht sich damit einmal im Kreis, verliert dabei viel Geld und Vertrauen und wird am Ende per schlechter Erfahrung dahin „genudgt“, wo er nicht hinwollte. Genau dieses Kalkül sehe ich aktuell bei den großen Internetdienstleistern im Hintergrund arbeiten. Denn es sollte kaum schwerer sein, per KI Betrugsmaschen zu identifizieren wie derzeit per KI geplant ist, Fake News und herauszufiltern. Jedoch wird nur letzteres intensiv betrieben.

 

Für Konsumenten kaum erkennbar, für KIs leichtes Spiel

 

Sehr wahrscheinlich wäre es wohl erheblich leichter, systematisch Betrugsmaschen aus dem Verkehr zu ziehen – oder zumindest aus dem Index zu löschen – als nach sprachlichen Feinheiten politischer Sprache Ausschau zu halten. Denn einmal gibt es erheblich weniger Onlineshops als Nutzer mit politischen Äußerungen im Netz und dann sind die Einkaufsmöglichkeiten auch eindeutig mit einem Warenkorb gekennzeichnet, während manch eine Schmähung nur satirisch gemeint ist.

Liefern kann ich zwei Beispiele mit Betrugsmaschen, in die ich nach einer einfachen Googlesuche hineingeraten bin, da sie jeweils in den ersten fünf Suchergebnissen auftauchten. Einmal ging es um eine Waschmaschine, die ein Shop namens HomeSweeetHome.de anbot (man beachte die drei e‘s). Gefunden habe ich das Angebot über eine Suche nach „Waschmaschine günstig kaufen“. Der Reiz der dort angebotenen Geräte war, dass sie preislich circa 20% unter der Konkurrenz lagen und so etwas lässt man sich bekanntlich nicht entgehen.

Die Seite selbst hatte eine professionelle Aufmachung, es gab zahlreiche Bewertungen, der Händler hatte eine Adresse in Deutschland und es gab ein „Trusted Shop“ Zertifikat (auf das man sich offenbar auch nicht mehr verlassen kann). Einziges Manko war die spanische Bankverbindung, die mich jedoch weniger stutzig machte, als sie es vielleicht hätte tun sollen. Denn wozu gibt es einen EU-Binnenmarkt, dachte ich mir, wenn nicht genau für solche Einkäufe?

Was mir am Ende den Verlust der 250 Euro ersparte war, dass bereits vor mir jemand auf den Betrug hereingefallen ist, so dass der Geldbetrag wieder zu mir zurückkam. Wenigstens Europol scheint noch zu funktionieren, so die gute Nachricht an der Geschichte. Inzwischen wird die Seite auch beim Verbraucherschutz gelistet, während der echte Shop mit 2 e‘s eine Warnung auf die Seite gestellt hat, jedoch ebenso abgeschaltet wurde, weil wohl zu viele Beschwerden reinkamen und der Ruf aller Wahrscheinlichkeit nach unrettbar wurde.

Mir verriet schließlich erst der Blick ins Archiv, dass die Betrugsseite nur für einen kurzen Zeitraum existierte. In Anbetracht der vielen Internetbestellungen aktuell waren die paar Tage oder Wochen, in denen die Seite im Netz stand, für die Betrüger wohl ziemlich einträglich.

 

Das Vertrauen ist weg

 

Von einem ahnungslosen Endkonsumenten, der für einen solchen Kauf noch immer lieber persönlich im Elektroladen vorbeigehen würde, ist es völlig illusorisch, einen solchen Hürdenlauf abzuverlangen beim Abklopfen von Onlineshops auf Betrug. Die direkte Konsequenz habe ich oben beschrieben: Es geht direkt zu Amazon oder vielleicht noch zur Internetpräsenz von Lidl.

Doch so schnell wollte ich nicht aufgeben. Da ich gerne Clementinen esse und mich der Mut noch nicht ganz verlassen hatte, dachte ich mir nach dem Waschmaschinendebakel, dass ich zur Abwechslung auch einmal Clementinen in der Großpackung im Internet bestellen könnte. Ich tippte also die Suchbegriffe „Clementinen online kaufen“ ein und bekam als erstes Ergebnis in der Liste: Naranjass.com

 

 

Wer sich das Angebot anschaut, der wird gleich sehen, dass es recht aufgeräumt ist und professionell daherkommt. Dazu sind deren Clementinen ziemlich günstig im Vergleich zu dem, was sie aktuell im Supermarkt oder bei der Konkurrenz im Internet kosten. Ganze 29 Euro kosten 15kg und das sogar inklusive Versandkosten aus Spanien und „Geld zurück Garantie“. Dazu kommen drei 5-Sterne-Bewertungen mit „verifiziertem Kauf“ und bezahlen kann man mit allem von Visa bis PayPal.

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