Warum kommen die Alternativen Medien nicht vom Fleck?

Vor zweieinhalb Jahren habe ich drei Monate lang die Zugriffszahlen der Alternativen Medien verfolgt und sie verglichen mit jenen zu den Mainstream Medien (Siehe mein alter Blog 1,2,3). Damals sah es eine Weile tatsächlich so aus, als seien die Alternativen im digitalen Raum auf dem Weg, zu den etablierten Anbietern aufzuschließen.

Gründe für einen Wechsel beim Medienkonsums gab es damals wie heute genügend. 2018 standen noch immer die Auswirkungen der Migrationskrise ganz oben auf der Agenda (z.B. „Hetzjagden“), wobei die Zahl der Unterdrückten Nachrichten und ignorierten Krisenmomenten nicht gerade weniger wurde. Die Leute hatten nicht weniger als heute sehr gute Gründe, sich auch jenseits der Nachrichtenautobahnen umzusehen.

Inzwischen kam bekanntlich Corona hinzu, das bei etlichen zu einem Ausklinken aus dem gesellschaftlichen Mainstream führte, die zuvor noch fest im Konsumsattel saßen. Dies hätte sich eigentlich auf die Mediensphäre auswirken müssen. Doch weit gefehlt, der Mainstream wächst beständig, während die Alternativen in den letzten Jahren sogar leicht an Publikum einbüßen mussten.

 

Die deutschen Mainstream Medien

 

Hier die von Similarweb entnommenen Werte (jeweils Mio. Zugriffe):

 

 

Ungeachtet dessen, dass sich eventuell die Zählmethode bei Similarweb verändert haben könnte, sieht man klar, dass quasi alle der aufgeführten Mainstream Medien Anbieter deutlich hinzugewonnen haben. In Anbetracht des stetig wachsenden Internetmarkts und dem Verlust klassischer Printprodukte ist das kaum eine Überraschung. So wuchsen die meisten der MSM Angebote relativ nahe am Durchschnitt von 37% mit, wobei nur der Merkur und N-TV größere Ausreißer darstellen.

Verloren in dem Spiel haben nur zwei Angebote: Der Stern und Heise. Während beim Stern wohl endlich die Beliebtheit mit der Qualität gleichgezogen ist, stellt Heise eine Auffälligkeit dar, die dem größeren Bild zu entsprechen scheint.

Mit dem Unterangebot Telepolis hat politische Teil bei Heise vor allem einen linken (ok, einen teils sehr linken) Einschlag, bewegt sich dabei allerdings oft außerhalb des üblichen. Insbesondere in Verbindung mit ihrem überaus beliebten Nutzerforum, das ein erstaunlich breites Meinungsspektrum zulässt, sehe ich in dem Zusammenhang als relevant. Das stetige Wachstum der Dissidentengemeinde im deutschen Sprachraum müsste sich eigentlich früher oder später auch in den Zugriffszahlen bei Telepolis niederschlagen. Doch offenbar ist das Gegenteil der Fall. Heise konnte gerade einmal jene Leser halten, die es auch vor einigen Jahren schon hatte.

Mit Blick auf die weiter unten aufgeschlüsselten Alternativen Medien muss man sich fragen, wo das wachsende Heer an Menschen, die mit allem unzufrieden sind, hingewandert sind. Zur FAZ gegangen sind sie wohl kaum, für das es mit Tichys Einblick inzwischen mindestens eine veritable Alternative gibt.

Besonders erstaunlich für mich ist das Wachstum von Sueddeutschen und Zeit Online, deren Wachstum fast dem Durchschnitt entspricht. Die Frage ist. Wer braucht diese beiden linksgrünen Verlautbarungsorgane? Kamen im Land in den letzten Jahren wirklich so viele Merkel- und Habeckfans hinzu? Der deutsche Medienkonsument ist und bleibt für mich eine Enigma.

 

Die mit bekannten großen unter den deutschen Alternativen Medien

 

 

Die Alternativen Medien kommen nicht aus ihrem Loch raus. Das lässt sich klar schlussfolgern, auch wenn ein paar wenige starke Zuwächse über die Zeit verbuchen konnten. Denn ihre absoluten Werte sind nach wie vor als Nische zu bezeichnen, die beispielsweise selbst vom gänzlich wertlosen Internetangebot der Frankfurter Rundschau in den Schatten gestellt werden.

Man kommt nicht umhin, als den medialen Dissens Deutschlands als gescheitert zu bezeichnen und das mit klaren Konsequenzen. Für eine gesellschaftliche und politische Richtungsänderung ist eine gewisse mediale Deutungshoheit notwendig, was strukturell offenbar nicht erreicht werden kann.

Die Frage nach den Ursachen müssen sich die Anbieter „alternativer Wahrheiten“, wie es manchmal abschätzig bezeichnet werden auch an die eigene Nase fassen. Einige Angebote sind in ihrer Qualität stagniert oder gar zurückgefallen. Andere wiederum bringen zwar Qualität, allerdings nur sporadisch.

Nichtsdestotrotz gibt es auch Angebote, die wie vor zweieinhalb Jahren weiterhin konstant liefern und eigentlich ein wachsendes Publikum verzeichnen müssten. Genannt seien hier die Epoch Times, Tichys Einblick, die Achse des Guten und MMNews, die ich persönlich als qualitativ ansprechend erachte. Doch fast alle dieser vier verlieren strukturell an Lesern. Nur, warum ist dem so, sie machen doch alles richtig?

 

Vier mögliche Gründe, einer allerdings nicht

 

Bei der Ursachenforschung bin ich auf drei Gründe gekommen, weshalb die mediale Situation im Land so düster ist. Keiner davon ist die mainstreammediale Verteufelung alternativer Medienangebote, da so etwas nur eine Weile funktioniert. Irgendwann klickt man dann doch einmal dorthin – und sei es nur aus Neugierde – und liest sich das vermeintliche Nazimachwerk durch.

Verstärkt wird diese Hornhautbildung gegenüber abfälligen Bezeichnungen für alternative Angebote durch die oben erwähnten Krisen, die stets wachsen, was dazu führt, dass immer mehr Konsumenten selbst in das Fadenkreuz des Nazivorwurfs geraten. Wem das passiert, der wird gleichzeitig zum Blick durch das Feuer der ideologischen Brandmauer gezwungen, was sich zwangsläufig auf die generelle Sichtweise auf derartige Attribute auswirkt.

 

1. Der Konsum verlagert sich zu englischsprachigen „Westmedien“

 

Dank der immer besser werdenden Englischkenntnisse in der Bevölkerung wandern viele Enttäuschte direkt ab zu den „Westmedien“ aus Großbritannien oder den USA. Ich selbst frequentiere schon seit über einem Jahrzehnt regelmäßig alles von Spectator bis zur New York Post und nehme an, dass ich bei den politikaffinen Menschen unter 40 nicht der einzige bin.

Aufgrund der schieren Größe des englischen Medienmarkts (ich schätze ihn auf das 20-fache des deutschsprachigen), gibt es auf Englisch alles, was das Herz begehrt. Vom klassischen Konservativismus bis hin zur tagesaktuellen Verschwörungstheorie ist alles dabei und das in mitunter sehr hoher Qualität. Deutsche Medien braucht man da beinahe nicht mehr, da die Welt heute so sehr miteinander verzahnt ist, dass von der Synchronizität nicht nur der Ereignisse gesprochen werden kann, sondern auch der politischen und gesellschaftlichen Reaktion darauf.

Bei Similarweb wird unter anderem angegeben, welche die fünf bedeutendsten Länder bei den Zugriffen auf die jeweilige Seite sind. Die New York Post, Fox News, ZeroHedge, Breitbart und die englisiche Version Russia Today als sehr große nicht-linke Nachrichtenportale kommen zusammen auf circa 10 Millionen Zugriffe aus Deutschland. Wer sich aus Deutschland dort durch die Nachrichten klickt, der klickt sich nicht durch die alternativen Nachrichten deutschsprachiger Portale. Alleine ohne diese Komponente wäre der Alternative Medienmarkt mindestens um 25% größer als er ist.

 

2. Kommentarspalten und Kleinstblogs saugen Leser ab

 

Mannikos Blog ist ein sehr kleines Angebot und genießt kaum so viel Aufmerksamkeit als ein zum richtigen Zeitpunkt platzierter Leserkommentar unter einem Artikel eines großen Onlineangebots. Dennoch bin ich stets dabei, bringe täglich Texte und habe mir ein kleines aber feines Publikum erarbeitet, das sich meine Ergüsse antut (Vielen Dank dafür!).

Mein kleiner Blog ist dabei bei weitem nicht der einzige, vielmehr entscheiden sich immer mehr vorige Leser, sich über ihren eigenen Kanal bemerkbar zu machen. Wer sich meine Quellen anschaut, der wird dort ein halbes Dutzend Blogs finden, die kaum größer sind als meiner. Mit jedem Klick dorthin entziehe ich den großen Anbietern unter den Alternativen Aufmerksamkeit, wie auch ich die Aufmerksamkeit Dritter von dort ablenke, indem ich noch einen Eintrag veröffentliche.

Ich kann es kaum beziffern, würde aber sagen, dass es heute eine mindestens dreistellige Anzahl an Angeboten des Typus Mannikos Blog gibt. Hinzu kommen zahlreiche Leser, die sich vor Jahren schon in den Kommentarspalten großer Mainstream Medien, aber auch einiger alternativer Medien eingenistet haben. Auch sie betreiben mehr oder weniger ihre eigenen Blogs, mit denen die Aufmerksamkeit von anderen abgelenkt wird.

Die Markenbildung in einem gesättigten Markt ist teuer und langwierig. Daraus abgeleitet ergibt sich, dass es wesentlich einfacher ist, über das Abgeben von ein Dutzend Kommentaren bei einem bestehenden Portal (oder bei Facebook) schneller sein Publikum zu finden, als über eine eigenständige Seite. Die Folge daraus ist klar: Alternative Medien mit ähnlichen Meinungen treten in den Hintergrund, da die abweichende Meinung (wenn sie denn durch die Zensur kommt) schon unter den Mainstream Text gesetzt wurde und damit für den reinen Konsumenten alles gesagt ist.

 

3. Videokommentare ersetzen zunehmend das Lesen von Primärquellen

 

Ein weiterer Malus für Alternative Medien in Form einer klassischen Nachrichtenseite sind Videoportale. Auch mein Medienkonsum verschob sich in den letzten Jahren immer mehr zum Hören von Videokommentaren, da man diese im Hintergrund hören kann. Kommt dann etwas interessantes, dann kann man immer noch kurz anhalten und den Sachverhalt selbst weiter recherchieren.

In der alternativen Szene Deutschlands entstanden in den letzten Jahren sehr viele neue Kanäle, die genau diese Funktion übernehmen. Drei von mir unter anderem frequentierte sind Oli redet, Caroline Matthie und die Weltwoche. Deren 30-90 Minuten lange Videos ersetzen eine ganze Stunde eigene Recherche auf den verschiedensten Alternativen Nachrichtenseiten, während man wie gesagt nebenher etwas im Haushalt machen kann.

Zusammen werden die teils täglich neuen Videos der drei genannten von über 100.000 Nutzern angesehen. Hochgerechnet auf einen Monat sind das circa 3 Millionen Nutzer und damit umgerechnet einmal ein digitales Printangebot in der Größe der Jungen Freiheit. Dabei gibt es nicht nur die drei genannten und sie sind wahrscheinlich nicht einmal die größten.

Insgesamt zehren Videoangebote mit Kommentaren zum Tagesgeschehen aus dissidentischer Perspektive sehr stark an der Reichweite der Alternativen Medien. Das soll keine Kritik daran sein, sondern lediglich die Beschreibung einer Entwicklung, die zusammenfiel mit der Gesamtentwicklung Alternativer Angebote in den letzten Jahren.

 

4. Das Silicon Valley hat ein Quasimonopol bei der Verbreitung von Nachrichten

 

Im Informationszeitalter wird die Selektion von Informationen immer bedeutender. Die oben genannten Videokommentare sind Handarbeit, da die Macher der Videos selbst auswählen, was sie ihrem Publikum anbieten möchten. Es gibt aber auch die überaus bedeutende Vorselektion von Nachrichten durch automatische Algorithmen von Google und Co.

Vor allem bei den absolut dominanten Smartphones sind Nachrichtenapps die Regel, die einem „das Wichtigste“ ganz oben präsentieren, damit man stets informiert ist, ohne das Internet wirklich bedienen zu müssen. Bekanntlich handelt es sich dabei um eine gigantische informationelle Sicherheitslücke, da die Anbieter der Apps quasi ein Monopol darüber haben, wo sie ihre Millionen Nutzer hinschicken.

Ich selbst vermeide Smartphones und derartige Apps wo es nur geht. Als Ersatz schaue ich gelegentlich bei Google News vorbei, da dort das vermutlich selbe Selektionsmuster angewandt wird wie bei den mobilen Geräten mit Android System. Wer sich Google News einmal die Mühe macht, verschiedene Zeiträume miteinander zu vergleichen, der wird schnell feststellen, dass themenabhängig immer die selben Nachrichtenanbieter zum Zuge kommen.

Ganz so, als gäbe es auf der Welt nur ein Dutzend deutschsprachiger Nachrichtenportale, wird man bei den verschiedensten Themen quasi nur zu GEZ-Angeboten oder zu den größten privaten Mainstream Medien. Erstaunlich ist auch, dass es sehr oft zur Deutschen Welle geht, einem Angebot, das unmittelbar aus dem Bundeshaushalt finanziert wird und Russia Today oder Al Jazera in puncto Regierungsnähe in nichts nachsteht.

Die Abwesenheit jeglicher Natürlichkeit oder auch Selektionsqualität bei dieser Art der Informationsaufbereitung wird genau dann deutlich, wenn es um sehr technische und komplexe Themen etwa die Energiewende oder um Fragen zum Geldsystem geht. Obwohl in diesen Bereichen die Informationsqualität zwischen Fachleuten und angelesenen Laien in den Redaktionsstuben ganz besonders bedeutend ist, bekommen die Konsumenten dennoch in fast ausschließlicher Weise das laue Gesäusel von WDR oder Tagesspiegel präsentiert, und nicht etwa einen passenden Blogbeitrag eines Ingenieurs oder Finanzmarktspezialisten.

Wer hier keine Absicht sieht, der ist entweder naiv, oder weiß nicht, wie rekursive Bedeutungsketten funktionieren, auf denen heutige Suchmaschinen basieren. Dabei kann jeder sehr einfach feststellen, dass bei politischen oder politnahen Themen extrem manipuliert wird. Hierfür muss man einfach nur nach einem Thema suchen, das keinen politischen Bezug hat, etwa „Fleckenentfernung vom Sofa“. Sowohl bei der normalen Suche als auch bei den News erhält man unter den ersten zehn Treffern (den mit Abstand bedeutendsten) konsistent völlig andere Angebote als bei den einschlägigen Stichworten mit politischer Sprengkraft.

Die Chefs bei Google haben nach der Wahl von Donald Trump 2016 bei verschiedenen Gelegenheiten klar gemacht, dass sie so eine „Panne“ kein zweites Mal zulassen werden. Anerkannte Experten haben in der Zwischenzeit auch ans Tageslicht bringen können, wie sehr wir von den Technologiekonzernen im Silicon Valley abhängig sind. Seit einigen Tagen ist nun auch klar, dass den Herren über die Digitale Welt völlig klar ist, was sie für eine Macht haben und diese auch zu ihren Gunsten nutzen.

Ob sie sich dabei mitunter wegen Doppelmoral lächerlich machen, kann ihnen egal sein. Denn sie haben die volle Macht über unser kollektives Bewusstsein. So lange dieses Monopol existiert, werden die Alternativen Medien zumindest in Deutschland weiterhin ein bedeutungsloses Schattendasein führen. Damit sich das ändern kann, müsste erst etwas sehr großes passieren.

Früher hieß es, dass die Redefreiheit ein Privileg jener 200 Reichsten ist, die sich eine Zeitung leisten können. Heute ist die Redefreiheit nur noch ein Privileg für all jene, die sich einen Internetkonzern samt angeschlossener Hardwareproduktion leisten können. Doch davon sind wir jedoch sehr weit entfernt und wir entfernen uns täglich etwas weiter davon.