Sieht so ein Aufstand aus? Der „Sturm“ auf das Kapitol in Washington DC als touristisches Ereignis

Die politische Lawine rollt und das in der gesamten ehemals freien Welt. Losgetreten wurde sie von der außer Kontrolle geratenen pro-Trump Demonstration in Washington DC. Wie angekündigt packten Politik, Mainstream Medien und Soziale Plattformen umgehend ihre Guillotinen aus und setzten einen finalen Strich unter die letzten 300 Jahre bürgerlicher Gesellschaftsordnung.

Doch es gibt ein paar Anzeichen, dass der Kampf noch nicht ganz vorüber sein könnte. Trotz der Keulung von bedeutenden Meinungsmachern jenseits des Mainstreams sickerte in den letzten beiden Tagen rasch die Erkenntnis durch, dass der Sturm auf das Kapitol sehr viel weniger dramatisch war, als es in offiziellen Kanälen hingestellt wird. Noch befinden sich viele Fehl- und Desinformation unter den Erkenntnissen und Meinungen. Hinzu kommen die vier (oder fünf?) Toten, was der Sache einen sehr negativen Beigeschmack gibt.

Jedoch muss man sich ernsthaft die Fragen stellen, ob der Zwischenfall A) nicht von Insidern im Polizeidienst vor Ort befördert worden sein könnte und wenn ja von wem, ob B) auf Seiten der über die Stränge schlagenden Demonstranten womöglich Agent provocateure eingesetzt wurden, vor allem aber ob C) die Demonstranten wirklich auf einen Umsturz aus waren, oder ob es sich zum aller größten Teil nur um „Touristen“ ohne Manieren handelte.

Carl Benjamin hat in einem Video einen Artikel über den Sturm auf das Kapitol besprochen, den ich im folgenden gekürzt übersetzt habe. Die Art und Weise des Ablaufs im Gebäude, das Verhalten der beteiligten Personen und die unmittelbare Reaktion der Polizisten auf die Bedrohung erzeugen nicht gerade den Eindruck eines Aufstands.

Geradezu witzig ist das Video, welches Trump Junior vor dem Sturm aus dem Kontrollraum der Trumps veröffentlichte. Darin sieht man, wie die Trumps auf den Monitoren den Zug der Demonstranten in der Stadt anschauten, während im Hintergrund in voller Lautstärke „Gloria“ von Laura Braningan gespielt wurde. Man stelle ich das nur einmal im Führerbunker vor.

Bemerkenswert ist, dass ich bei der Suche nach dem Video bei YouTube zunächst nur eine Version von CNBC finden konnte. CNBC hat den Ton weggelassen, was doch sehr verwundern muss. Passt das Lied etwa nicht in den Narrativ für den Nachmittag? Zum Glück hat mit dem englischen Telegraph noch eine zweite „autoritative Quelle“ das Video veröffentlicht, wie es gerne heißt, und zwar mit Ton.

 

 

Business Insider: Beamte posierten ruhig für Selfies und schienen Tore für Demonstranten während des Wahnsinns des Aufstandes im Kapitol zu öffnen

 

Die Polizei des US-Kapitols steht unter Druck für die Art und Weise, wie sie mit dem Aufstand am Mittwoch auf dem Capitol Hill umgegangen sind, nachdem Beamte dabei gefilmt wurden, wie sie Selfies mit Randalierern machten und ihnen anscheinend sogar dabei halfen, Barrikaden zurückzuschieben und Türen zu öffnen.

 

 

Den Demonstranten war es offenbar wichtig, ihren Aufstand zu dokumentieren. sie machten Selfies mit Polizisten und luden die Bilder in den sozialen Medien hoch.

In einem Video ist ein Polizist zu sehen, der für Selfies mit Mitgliedern des Mobs posiert und mit ihnen in sympathischer Weise interagiert.

 

 

Viele Bilder und Videos zeigen Mitglieder der Protestierer für Trump, wie sie sich in guter Laune zu Fuß durch das Kapitol machen, für Fotos posieren und in einigen Fällen Gegenstände entwenden.

 

Capitol protest

 

Die Behörden schienen von der überwältigenden Zahl der Aufständischen überrascht worden zu sein, obwohl die Aktion seit Wochen in den sozialen Medien diskutiert wurde.

Auf die Frage, warum die Polizei Demonstranten nicht verhaftet hat, nachdem sie in das Büro der Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi eindrangen, meinte ein Beamter laut New York Times: „Wir müssen sie einfach ihr Nummer durchziehen lassen“.

CNN sprach mit einem der Eindringlinge, der eine Gruppe von Demonstranten beschrieb, die in einem der Räume des Kapitols zu kiffen begannen. Laut ihm war die Polizei „sehr entspannt in der Art von habt eine gute Zeit.“

 

US Capitol riots aftermath

 

Laut NYT lief eine Gruppe von Trump-Anhängern durch das Gebäude auf der Suche nach Senator Chuck Schumers Büro. Als sie es nicht finden konnten, zeigte ihnen einer der Polizisten im Kapitol freundlich den Weg.

Nach der unzureichenden Reaktion auf die Eindringlinge trat Steven Sund als der Leiter der Kapitolspolizei zurück.

Die relative Ruhe und Leichtigkeit, mit der die Behörden mit dem gestrigen Aufstand umgegangen sind steht in starkem Kontrast zur Art und Weise, wie die Polizei in jüngerer Zeit mit Black Lives Matter Protesten umgegangen sind.

 

GettyImages trump supporters capitol hill

 

Michelle Obama hat stellvertretend für viele weitere in einem Kommentar zu den Ereignissen auf die relative Ruhe hingewiesen, mit der die Polizei mit dem Mob umgegangen ist und diese mit der Behandlung von Black Lives Matter Demonstranten durch die Polizei verglichen.

„Nicht weniger als Sie beobachtete auch ich, wie eine Bande – organisiert, gewalttätig, und wütend über die Wahlniederlage – das Kapitol der Vereinigten Staaten belagerte,“ schrieb in einer Erklärung auf Twitter. „Sie stellten Galgen auf. Sie tragen stolz die Verräterflagge der Südstaaten durch die Hallen. Sie entweihten das Zentrum des amerikanischen Staates.“

„Es gibt eine Frage, die ich einfach nicht loswerde: Was wäre, wenn diese Randalierer wie jene Menschen ausgesehen hätten, die jeden Sonntag in die Ebenezer Baptist Church gehen [eine Schwarzenkriche]? Was wäre dann anders gewesen?“, fuhr sie fort. „Ich denke, wir alle kennen die Antwort.“

 

Noch eine weitere, erheblich beunruhigendere Perspektive…

 

Da die Ereignisse und ihre Analyse gerade viel zu schnell ablaufen, kann es passieren, dass man etwas schreibt, nur um nach dem letzten Satz feststellen zu müssen, dass es doch ganz anders hätte sein können.

In diesem Faden bei Twitter wird ein Foto aus dem Plenarsaal des Kapitols analysiert mit durchaus beunruhigenden Implikationen. So wie es aussieht war zumindest eine kleine Gruppe an Demonstranten, die in das Innere des Kapitols eingedrungen sind auf Blut aus.

 

 

Momentan ist unklar, ob der Mann seine eigenen Kabelbinder dabei hatte, oder er (und andere, siehe die übrigen Fotos) von der Kapitolspolizei entwendet hat. Bei der Waffe im Holster handelt es sich offenbar um einen Taser.

Die Ausrüstung des Mannes und circa einem halben Dutzend weiterer deutet auf eine (semi-)professionelle Vorbereitung hin inklusive Helmen, Schutzwesten und anderem paramilitärischen Geschirr.

Es scheint, als hätten sie sich für den Tag tatsächlich einiges vorgenommen. Die Betonung liegt dabei auf dem Konjunktiv, da vieles völlig unklar ist. Die kommenden Stunden werden zeigen, aus welcher Richtung der Wind dieser Gruppe weht. Vom Gefühl her handelt es sich bei ihnen um tatsächliche Rechtsextremisten, die wohl auch auf die Demonstration insgesamt bezogen eher als Außenseiterrandgruppe wahrgenommen würde.

Allzu professionell vorbereitet war die Gruppe aber definitiv nicht auf ihre Putschversuch. Es scheint sich eher um ein paar Hinterwäldler zu handeln, die gerne mal zum Krieg spielen in den Wald gehen. Die Demonstration ist wohl als (gefährliche!) Abwechslung von dieser Regel zu verstehen.

Dieses Video soll die Gruppe nach dem Sturm des Kapitols zeigen und ist eindeutig in seiner Aussage. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass sich die Mainstream Medien auf die Gruppe in Kürze auf die Gruppe und ihr Treiben stürzen wird (und als Argument nimmt für den endgültigen Abschuss von Donald Trump und weiteren Repressalien für den Rest von uns).

Quelle Titelbild, Artikelfotos