Ein Nachruf auf das Tohuwabohu in Washington DC

Alle werden mitbekommen haben, was gestern in den USA los war. Die finale Stimmauszählung der Präsidentschaftswahl stand an. Dann kam es zu einem Proteststurm auf das Kapitol, woraufhin die Auszählung unterbrochen werden musste. Auf wilde Szenen mit vier Toten folgte ein kollektiver Aufschrei, dem sich niemand entziehen konnte und wollte. Am Ende wurde Joe Biden zum Präsidenten ernannt. Trump musste seine Niederlage eingestehen.

Oberflächlich gesehen ist damit wieder alles gut, die Institution hat gewonnen. Trump dagegen blamierte sich mitsamt seiner verschwörungstheoretischen Anhängerschaft bis auf die Knochen. Das Momentum ist völlig weg, sie werden in den Orkus verschwinden. Selbst viele seiner Sympathisanten fragen sich nun, ob es das gewesen sein soll mit „Trust the Plan“. Ein erbärmlicheres Schauspiel, wie es gestern präsentiert wurde, war kaum möglich. Aus dem imaginierten Klimax mit “Kraken” wurde eine Klippe, die, hätte sich die Posse im privaten Umfeld abgespielt vermutlich mit einer Einweisung in die Psychiatrie quittiert worden wäre.

 

Sieg auf allen Ebenen

 

Die gestrigen Ereignisse waren in ihrem Ausgang an Eindeutigkeit kaum zu übertreffen. Selbst die eingehendste Analyse vermeintlicher Ungereimtheiten im Zusammenhang mit dem Sturm auf das Kapitol wird kaum ein größeres Echo mehr finden. Dies, weil sich die große Mehrheit der Moderaten unter den Trump Anhängern und Protestierern in Washington verwundert abwenden wird, um sich neue Wege des vernunftorientierten Dissens zu suchen. Womöglich ist selbst Trump als Person so sehr angeschlagen, dass sich sein öffentliches Bild davon nicht wieder davon erholen wird (man denke dabei nur an seine Anwälte Sidney Powell und Linn Wood).

Hinzu kommt, dass die politische Linke auf Bundesebene in den USA für die kommenden zwei Jahre über eine absolute Mehrheit verfügen wird. Lediglich der Oberste Gerichtshof ist noch konservativ. Doch auch dort werden sie genau beobachtet haben, wie das Lager von Trump versuchte, über eine extreme Schmierkampagne Einfluss auszuüben. Ob etwas an den Vorwürfen dran ist oder nicht wird keine Rolle spielen. In Anbetracht der dieser Umstände werden sie dem schon kurz nach der Wahl im November angekündigten Rachefeldzug der Globalisten wohl keine Steine mehr in den Weg legen.

Ein weitere unmittelbare Konsequenz wird darin bestehen, die Sozialen Medienkanäle noch stärker zu zensieren. Absehbar ist sogar vorstellbar, dass die inzwischen etablierten Alternativen zu Twitter, Facebook und YouTube sogar so weit zerstört werden, dass darüber kaum noch ein Publikum mit Inhalten jenseits des offiziellen Narrativs erreicht werden kann. Die US-Sicherheitsbehörden wiederum werden nicht anders als auch in Deutschland oder Großbritannien systematisch eingeschärft werden auf Meinungsunregelmäßigkeiten und Verdächtige bei Bedarf „zu einem Tee bitten“, wie es in Rotchina genannt wird. Die Säuberungen in den Apparaten intern wird wohl noch um einiges gründlicher ausfallen als außerhalb davon.

 

Ungereimtheiten, die kaum ziehen werden

 

Eventuelle Ungereimtheiten an den Ereignissen auf dem Kapitolshügel werden bald noch mehr in kleinen Debattentirkeln am Rande der Aufmerksamkeit verschwinden. Dort wird man grübeln über das Verhalten eines Teils der Polizei, die ähnlich wie in Berlin im August am Rande der Querdenkerdemo teilweise in zu kleiner Zahl eingesetzt wurde und sich ohne möglichen Widerstand überrennen ließ. Hinzu kommt in mindestens einem Fall eine seltsame Konzilianz gegenüber Demonstranten, für die einfach ein Gitter geöffnet wurde.

Weitere Ungereimtheiten drehen sich um die vor dem Tag geäußerte Befürchtung, wonach Trumps Marsch auf Washington von der Antifa unterwandert worden sein könnte. Zahlreiche Fotos zeigen bestens vorbereitete und mit Helm ausgestattete Demonstranten, wie sie in organisierter Weise randalieren konnten. Von Trumps Anhängern war das bislang nicht bekannt. Es gibt mit den Proud Boys zwar eine Gruppe, die sich auf die Fahnen schrieb, „zurückzuschlagen“ gegen aggressiv auftretenden Antifa-Gruppen. Doch jenseits von MAGA-Mütze und USA-Flagge erinnerten die gewalttätigen Protestierer in Washington kaum an jene Klientel, die bei anderen Gelegenheiten für Trump auf die Straße gingen.

In den Sozialen Medien zirkulieren zahlreiche Fotovergleiche mit Protestierern, die in das Kapitolsgebäude hineingelangt sind und Antifa-Mitgliedern von anderen Demonstrationen. Erstaunlicherweise zeigt die Mehrheit der „Protraits“ mit den am verrücktesten auftretenden Kapitolsstürmern offenbar Personen, die sich zuvor als Anhänger von BLM/Antifa zu erkennen gaben. Darunter der Pultdieb und der Hörnermann, während diese beiden Bärtigen offenbar nur von der Antifa erfasst wurden, da sie einer Nazigruppierung angehören. (Aktualisierung: Offenbar ist der Hörnermann kein Antifa-Sympathisant, sondern eher dem Q-Anon Umfeld zuzuordnen.)

 

 

Trump wird zwar gerne nachgesagt, dass er Nazis anziehen würde. Das aber stimmt so keineswegs. Die echten unter den weiße Rassisten wie etwa Richard Spencer als einer der Führungsfiguren haben sich bei der Wahl für Joe Biden ausgesprochen. Er und seine Gesinnungsgenossen sind auf einen Rassenkrieg aus und dafür benötigen sie die maximale Polarisierung. Trump als wirtschaftlicher Gleichmacher der Rassen passt nicht in ihr Konzept – ein vom linken Mainstream in die Verzweiflung getriebener konservativer Populismus dagegen schon.

Es ist nicht übertrieben zu befürchten, dass sich deren Plan der wirklichen Rechtsextremisten zumindest in Teilen bald schon erfüllen könnte. Denn über all die Ungereimtheiten wird man im Internet künftig kaum noch offen diskutieren können. Auf den großen Plattformen werden Diskussionen darüber sehr schnell unterdrückt werden. Schon jetzt, nur Stunden nach den Ereignissen ist es beispielsweise schwer, die oben gezeigten Fotos zu finden.

Wer nicht schon vor längerem gelernt hat, die Zensurmechnismen zu umgehen und quasi mit ihnen mitgewachsen ist, der wird künftig kaum noch eine Chance haben, auf derartige Fragezeichen zu stoßen. Und von diesen Fragezeichen werden in den kommenden Tagen im Zusammenhang mit dem Sturm auf das Kapitol noch viele weitere aufkommen. Für jüngere unter den Dissidenten wird es absehbar kaum mehr einen Echoraum geben, der sie von einem Abrutschen in den Extremismus abhalten kann.

 

Wie wird es weitergehen?

 

Schon vor Wochen war klar, dass der 6. Januar eine Wegscheide bringen würde. Entweder Trump kann sich über den Nachweis von systematischen Wahlmanipulationen behaupten, oder aber die Gegenseite bekommt freie Fahrt, um den von ihm angerichteten „Schaden“ in kürzester Zeit wieder wettzumachen. Das heißt: Rache nehmen, wie es unter anderem der linke Ökonom Robert Reich forderte und sicherzustellen, dass derartiges nie wieder vorkommt, wie es bei Google hieß.

Was heute erschwerend dazu kommt, und mit dem kaum jemand gerechnet hatte, ist die Art und Weise wie alles ablief. Zur politischen und medialen Niederlage des Lagers von Trump kommt die oben beschriebene Erbärmlichkeit, die wohl in keinem politischen Lehrbuch künftig mehr fehlen wird. Ob die Version mit der gewalttätigen Erbärmlichkeit dabei der Wahrheit entsprechen wird oder nicht spielt keine Rolle. Der Sieger schreibt die Geschichte und so wird es eine kollektive Hysterie gewesen sein, die in einem psychotischen Höhepunkt endete, bevor sie wie alle Psychosen wie ein Souffle in sich zusammenfiel.

In etwa das wird der Narrativ sein. Alles in allem entspricht es einem Freifahrtschein nicht nur für die bislang ans Tageslicht gekommenen Rechtsbrüche – man denke an manipulierbare Wahlmaschinen, die Monopolisierung von Medien und Internetplattformen oder die Korruption der Bidenfamilie – die wohl alle in kürze unter den Teppich gekehrt sein werden.

Überdies wurde mit den Ereignissen am 6. Januar auch grünes Licht gegeben für die deutlich sinisteren unter den Vorhaben des (nicht nur) linken Establishments. Darunter: Der Abriss der Grenzmauer zu Mexiko mit nachfolgender Masseneinwanderung, die Neudefinition bürgerrechtlicher Begrifflichkeiten im Zusammenhang mit der kritischen Rassentheorie, der „Green New Deal“ als Großprojekt zum etatistischen Umbau des Wirtschaftssystems, die umfassende Entwaffnung der allgemeinen Bevölkerung, die Einführung eines Totalüberwachungdigitalgeldes und schließlich alles, was im Zusammenhang mit der Coronakrise noch nicht auf Lockdown-Linie ist.

Und sollte doch einmal etwas scheitern, etwa am Obersten Gerichtshof, der eins der linken Projekte doch nicht einfach so durchwinken kann, dann bleibt immer noch das „court packing“ als dem Ernennen weiterer Ideologen in Richterrobe, bis die gewollte Mehrheit steht. Absehbar wird auf institutioneller Ebene in den USA rein gar nichts mehr gegen einen Durchmarsch in Richtung globalistischer Herrschaft stehen. Die Auswirkungen auf den Rest der Welt – und vor allem auf uns, die wir auf allen Ebenen eng mit den USA verflochten sind – werden absolut profund sein. Die Chancen stehen gut, dass wir uns wenigen Jahren selbst nicht mehr wiedererkennen werden.

Schließlich wird in den kommenden Jahren jeder, der auch nur gegen eines der Projekte seinen Mund aufmachen wird, und sei es nur eine Detailkritik, der wird unter Bezug auf die Trump-Psychose stande pede wieder auf seinen Platz verwiesen. Gegebenenfalls gepaart mit einem Strafzettel, Maulkorb oder Aufenthalt in einer Besserungsanstalt. So schlimm wird es werden.

PS: Das ging wirklich schnell.

Quelle Titelbild, Foto1, Foto2, Foto3, Foto4