Das beste Argument für den Kapitalismus ist eine gute Ehe

Das beste Argument für den Kapitalismus ist eine gute Ehe

Der Titel mag etwas seltsam daherkommen, hat aber einen Grund. Vor einiger Zeit bin ich über eine Statistik gestolpert, die nämlich genau das aussagt. Die Zahlen sind so eindeutig in ihrer Aussage, dass ich mich sehr darüber wundere, warum sie nicht zum Einmaleins der Kapitalismusverteidigung gehören – und genauso, warum es nicht zum Einmaleins gehört, wenn es gilt, die dröge alte Institution der Ehe zu verteidigen. Die Aussage besteht darin, dass der Kapitalismus sehr wohl dazu in der Lage ist, allen Gesellschaftsschichten zu Wohlstand zu verhelfen. Einzige Bedingung dafür: Funktionierende Ehen, die nicht geschieden werden.

 

Vermögenswerte laut US-Zensus von 2016

 

Die Grundlage meiner Betrachtung bilden die Zahlen und Grafiken auf dieser Seite. Sie wurden im Zusammenhang mit dem US-Zensus erhoben und können daher als zuverlässig angenommen werden. Auf der Seite wird in verschiedener Weise aufgeschlüsselt, wie sich in unterschiedlichen Haushaltskonstellationen und Altersklassen die durchschnittlichen Vermögenswerte entwickeln.

Da die USA gerne als „erzkapitalistisch“ gelten, auch wenn sie das nicht mehr wirklich sind, bieten die Erkenntnisse aus den Zahlen eine erstklassige Grundlage für die Frage, ob sich unser Wirtschaftssystem für mehr Wohlstand eher in Richtung USA bewegen sollte oder in Richtung Kuba. Die Antwort darauf ist zwar nicht eindeutig, allerdings implizieren die Zahlen klare Bedingungen, wo die Reise hingehen wird, je nachdem welcher Weg gewählt wird.

 

Tendenzen und Werte

 

In der Tendenz folgen die Zahlen der Erwartung. Ältere Personen sind im Schnitt wohlhabender als jüngere. Das gilt sowohl für Paare als auch Einzelpersonen beiden Geschlechts, sowie in allen Vermögensklassen. Der Höchststand beim Vermögen wird bei allen mit dem Renteneintritt erreicht und sinkt danach wieder. Angehende Rentner haben dabei mit über 200.000 Dollar durchschnittlich das zwanzigfache an Vermögen von unter 35-jährigen.

All das ist wenig überraschend. Je älter man wird, desto mehr hat man bereits (gesehen), desto weniger Fehler sind noch übrig, die es zu begehen gilt, und desto besser weiß man was man braucht und vor allem, was man nicht braucht. Hinzu kommen ein eventuell abgezahltes Eigenheim und die zunehmend relevanteren Zinseszinsen, wenn ein Aktienportfolio vorhanden ist, was bei circa der Hälfte der Amerikaner der Fall ist.

Mit Deutschland ist das nur bedingt vergleichbar, da bei uns wesentlich weniger Menschen ein Eigenheim oder Aktien besitzen. Doch darum geht es hier nicht. Vielmehr soll ein Argument aufgezeigt werden, warum auch uns eventuell etwas mehr marktwirtschaftliches Denken gut tun würde.

 

Je älter, desto sozialistischer; je weiblicher, desto ärmer

 

Auf den Punkt gebracht lässt sich aus den Zahlen herauslesen, dass je älter die Menschen werden, desto „sozialistischer“ geht es zu. Damit meine ich, dass mit zunehmendem Alter die in jungen Jahren stark ausgeprägten Vermögensunterschiede immer stärker verschwinden und gleichzeitig selbst das unterste Vermögensquintil mit einigen tausend Dollar über ein nennenswertes Vermögen verfügt.

Es gibt dafür allerdings eine Bedingung. Dieser sozialistische Gesellschaftszustand tritt nur unter verheirateten Paaren ein. Ein Fünftel der Alten unter den alleinstehenden bleibt besitzlos, während das zweitunterste Quintil nicht mehr Vermögen sein Eigen nennen kann, als das unterste Quintil bei den Verheirateten.

 

 

Am schlimmsten trifft es alleinstehende Frauen. Auf der einen Seite gibt es bei diesen zwar eine geringere Vermögensungleichheit, jedoch endet selbst das oberste Vermögensquintil mit nur etwas mehr als der Hälfte der Männer.

 

 

Schlimmer noch ist, dass ein merklicher Anteil alleinstehender Frauen bis zum Renteneintritt Schulden hat, so dass sogar im großen Durchschnitt das unterste Quintil der Frauen in den Miesen liegt und nicht nur eine Alterskohorte. Bei alleinstehenden Männern ist das teilweise auch der Fall, jedoch wesentich schwächer ausgeprägt. Verheiratete Paare dagegen haben nur in jungen Jahren Schulden, die im Gros bis spätestens bis zur Lebensmitte abgezahlt sind.

 

 

Erbschaften wiederum spielen langfristig kaum eine Rolle – also bei Verheirateten. Bei den unter 35-jährigen Paaren vereint das oberste Quintil noch circa 80 Prozent aller Vermögen auf sich. Bei den Rentnern sind es dann aber nur noch circa zwei Drittel. Extrapoliert man diese Entwicklung, dann müsste irgendwann ab dem 90. Lebensjahr die Parität zwischen dem obersten und den anderen Quintilen erreicht sein, jenseits der 100 Jahre dürfte es schließlich zu einer kompletten Gleichverteilung kommen.

Ganz anders sieht es bei Einzelpersonen aus. Zwar gibt es auch bei diesen eine Konvergenz, jedoch läuft sie wesentlich langsamer ab. Auf der einen Seite dürfte das zu erklären sein mit dem relativ zum Einkommen bedeutenderen Erbschaftspolster, während bei jenen, die leer ausgegangen sind, weniger angespart und damit gewinnträchtig investiert werden kann.

Im großen Mittel verfügen beide Partner in einer Ehe über circa das Dreifache an Vermögen als alleinstehende Männer. Männer wiederum sind um 25 Prozent wohlhabender als Frauen. Paare haben knapp Viermal mehr zur Verfügung als alleinstehende Frauen. Sie verlieren mit Abstand am meisten, wenn sie ehelos bleiben.

 

Schlussfolgerung

 

Das erstaunliche Fazit lautet, dass der Kapitalismus durchaus funktioniert und zwar selbst in der heutigen Ausprägung in den USA, dieser jedoch für eine gesellschaftlich vorteilhafte Funktionsweise die Ehe voraussetzt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass eine Scheidung (oder schlechte Ehe) das wohl teuerste ist, was man sich in einer freien Marktwirtschaft antun kann.

Ebenso bedeutet es, dass eine Marktwirtschaft mit vielen Alleinstehenden und hoher Scheidungsrate kaum funktionieren kann. Es kommt offenbar zwangsläufig zu einer Verarmung, die logischerweise in Forderungen nach mehr Umverteilung, sprich, Armut für alle münden. Dabei muss davon ausgegangen werden, dass auch Männer den Weg der Frauen gehen und irgendwann strukturell in den Miesen stehen – und dazu eventuell noch einer schärferen Ungleichverteilung der Vermögen als beim anderen Geschlecht.

In Anbetracht der eindeutigen Zahlen müsste es zum Kern linker Forderungen gehören, Ehen zu fördern und jungen Menschen gleichzeitig beizubringen, wie man einen passenden Ehepartner findet und eine gute Ehe führt. Folgt man den Zahlen – sie implizieren eine nahezu 100% Erfolgsquote – dann könnte darüber die Altersarmut gänzlich ausgerottet werden, wie auch den Zustand zu vieler Menschen als ewige Schuldner, die dem Leben stets hinterher hecheln.

Sollte der gegenwärtige Kurs jedoch beibehalten werden, dann muss alleine aufgrund der Werte für Ehen und Scheidungen mit einer sukzessiven Verarmung der Gesellschaft gerechnet werden. Die Folgen könnten dramatisch sein, vor allem da bereits heute eine merkliche Minderheit nicht mehr aus den Schulden rauskommt und im generationellen Vergleich immer weniger junge Menschen heiraten, während die Scheidungsrate konstant hoch ist.

Quelle Titelbild, Grafiken

Bloggerei.de
Consent Management Platform von Real Cookie Banner