Zum ersten Mal seit Generationen droht dem Westen der Entzug des gewohnten Komforts – es könnte zu dramatischen Konsequenzen führen

Mehrere Generationen lang genoss der sog. “Westen” bestehend aus Westeuropa, Nordamerika und Australien einen nie dagewesenen Wohlstand. Dieser Wohlstand hat die Gesellschaften des Blocks befriedet und gesättigt zu einem Grad, dass eine Abhängigkeit zum leichten Leben entstand. Infolge der Covid-Maßnahmen wird dieser gewohnte Komfort absehbar jedoch wegfallen. Die Entzugserscheinungen daraus könnten gemeinsam mit den derzeit schwelenden Problemen eine dramatische Mischung ergeben.

 

Strategic Culture Foundation: Das Pulverfass des amerikanischen Populismus steht bereit, doch wird es auch explodieren?

 

In der Vergangenheit wurden unzählige alarmistische Artikel verfasst, die allesamt ignoriert wurden. Sie wurden deshalb ignoriert, weil sie uns davor warnten, dass „es dieses Mal anders sein wird“, und dass die jeweilige Krise des Augenblicks „diejenige“ sei, die zu großen Veränderungen führen würde. Sie lagen in großer Regelmäßigkeit daneben. Menschen sind fehlbar und neigen dazu, ihnen gefällige Informationen übermäßig aufzublasen, um daraus eine spannende revolutionäre Erzählung abzuleiten. Wir sollten uns daher immer davor hüten, überhastet in die Alarmismusfalle zu tappen. Nun aber, da sich das Jahr 2020 dem Ende zuneigt, gibt es einige wirklich einzigartige Entwicklungen im Westen, und hier vor allem in den USA, die nicht übergangen werden können. Die Covid-19-Pandemie, oder sollte ich sagen, die seltsamen Abwehrmaßnahmen quasi aller Regierungen dagegen, haben in hoher Geschwindigkeit eine der wichtigsten Säulen der westlichen Stabilität ausgehöhlt, die nur selten wahrgenommen wird: Das Leben im Westen wird endlich ungemütlich. Ob das eine „gute Nachricht“ ist, darüber lässt sich streiten, doch es ist sicherlich eine gute Voraussetzung für das Vorantreiben eines größeren politischen Wandels.

 

Die unsichtbarste Form der Unterdrückung ist die vielleicht effektivste

 

In der Betrachtung der letzten Jahrzehnte ist wichtig anzuerkennen, dass eines der Hauptmittel zur Steuerung der Bevölkerung in jedem Land aus deren Komfort bestand. In der gesamten Menschheitsgeschichte seit Beginn der neolithischen Revolution musste es zur Aufrechterhaltung des jeweiligen Gesellschaftssystems irgendeine Form von Unterdrückung und Zwang geben. Die Leibeigenen mussten Frondienst leisten, die Ritter waren zum Kampf verpflichtet, die Händler zahlten Zölle und über ihnen stand die Elite, die das alles zu überwachen hatte. Das ist eines der Paradoxa der Demokratie: Wir haben ein System geschaffen, laut dem die Menschen das Sagen haben und die Freiheit genießen, zu tun und zu lassen, was sie möchten. In Wahrheit jedoch existiert unser Gesellschaftssystem nur deswegen in dieser Form, weil die Menschen genau nicht tun und lassen können, was sie wollen und sie mit Hilfe des Systems lediglich an dessen Sturz gehindert werden.

Lehrbücher sprechen von Zwang im Zusammenhang mit der Bereitschaft von Individuen, sich der Gesellschaft zu unterwerfen. Wenig überraschend kommt einem im Zusammenhang mit diesem Zwang vor allem die Polizei in den Sinn, was aber nur einen kleinen Teil der Sache ausmacht. In den meisten Ländern gibt es eine Armee für äußere Bedrohungen. Die Polizei hat die gleiche Hierarchie, man trägt schicke Uniformen und Waffen, nur der Feind ist ein anderer: Es sind Sie. Die gute Nachricht ist, dass niemand Sie töten möchte. Sie sollen lediglich zu genügend Gehorsam gezwungen werden, damit die Gesellschaft funktioniert. Gleich nach der Polizei kommt vielen beim Zwang zum gesellschaftlichen Leben die Religion oder die Medien in den Sinn als den großen Unterdrückern der Menschen. Beide formen zweifellos viele unserer Ansichten und Meinungen. Es ist nicht zu leugnen, dass sie unsere Denkweise prägen, woraus Zwang entstehen kann, was auch oft genug geschieht. Der Komfort als Zwangsmittel hingegen wird in der Regel nirgends erwähnt, obwohl sie die wohl mächtigste Form der Unterdrückung ist, die wir je gesehen haben. Die Ignoranz ihr gegenüber ist allerdings kaum verwunderlich.

Noch einmal sollte klar gemacht werden, dass die genannten Zwänge nicht als großes Übel verstanden werden sollten. Tatsächlich könnten komplexe Gesellschaften mit ihren vielen Vorteilen nicht existieren. Kaum einer möchte auf sich alleine gestellt in einer Höhle leben. Dabei ist es genau diese Tatsache, wonach nur sehr wenige Menschen bereit sind „vom Land zu leben“, was dem Komfort als Mittel der Kontrolle so viel Macht verleiht. Der allgemeine globale Migrationstrend geht dahin, dass diejenigen, die Armen der Welt zunehmend in wohlhabende Länder drängen, um damit ihr Konsumniveau zu erhöhen. Die Migranten sprechen es dabei nicht laut aus, doch wie alle Geschöpfe unter der Sonne neigen sie dazu, den einfachen Weg zu wählen. Waschbären bevorzugen den Müllcontainer hinter dem McDonalds Restaurant als Nahrungsquelle, weil sich dieser nicht wehren kann und immer verfügbar ist. Das hat wahrscheinlich keine gute Auswirkungen auf ihre Gesundheit, aber es ist nun einmal die komfortabelste Option. Sie werden regelrecht abhängig von dem Müllcontainer und würden wahrscheinlich vor Angst schreien, sollte das Restaurant einmal schließen und sie zwingen, sich wieder mit Nahrung zu beschäftigen, die weglaufen kann. Es ist genau diese Art von Situation, in die der dekadente Westen hinein geraten ist.

Wir konnten beobachten, wie das glorreiche, triumphierende und kerngesunde Europa von heldenhaft und felsenfest zu Beginn des 20. Jahrhunderts in eine erbärmliche, verrottende Farce seiner selbst zu Beginn des neuen Jahrtausends verkommen ist. Der Westen stirbt demographisch aus, die Ethik und Moral des Christentums sind verschwunden, die Höhe der Schulden hat den Ereignishorizont überschritten, und es scheint, dass der durchschnittliche Mensch europäischer Abstammung nichts mehr hat, worauf er sich freuen kann, außer Tabletten, Schnaps, Marihuana und das Ansparen für eine Playstation. Das ist keineswegs eine schockierende Erkenntnis, Millionen von Menschen sehen es. Nur, warum wird nichts dagegen unternommen? Als Antwort lässt sich auf den Komfort verweisen – der Westen hat nach den letzten Schüssen des Zweiten Weltkriegs zu lange zu gut gelebt.

Wenn man viel zu verlieren hat – ein komfortables Zuhauses, ein stabiles Einkommen und die volle Abdeckung der unteren beiden Stufen der Maslowschen Pyramide, plus ein Lebensstil, von dem die Könige der alten Zeit nur träumen konnten – ist es völlig verständlich, dass niemand das Risiko eingehen will, alles wieder zu verlieren.

Die Angst vor der Staatsverschuldung, die Migrantionskrise, der Verfall der Moral usw. – egal was, es liegt alles gerade so weit in der Zukunft, dass es sich nicht lohnt, die komfortable Gegenwart dafür zu riskieren. Nun jedoch hat die Covid-19-Pandemie dem Komfort und der Aussicht auf mehr des Westens so sehr den Boden unter den Füßen weggezogen, dass wir erst jetzt, aber genau jetzt mit großen Veränderungen in den Nationen der Aufklärung erwarten müssen. Ab dem Moment, in dem der angenehme bürgerliche Lebensstil nicht mehr erreichbar ist, könnte alles ins Rutschen kommen.

 

Die Covid-19-Maßnahmen haben den Komfort entmachtet

 

Die Pandemie hat einen „großen wirtschaftlichen Schock“ bei amerikanische Kleinunternehmen verursacht, da Pandemiemaßnahmen den „kleinen Mann“ am meisten getroffen haben, während die großen Konsumkonzerne Walmart, Amazon und andere große Spieler ihre Geschäfte weiter betreiben konnten. Der Vorteil für bestimmte internationale Großkonzerne hat deren Gewinne während einer Krise enorm in die Höhe getrieben. Dahinter standen jedoch keinesweg brillante Manager, sondern alleine der politische Druck, dem sämtliche kleineren Wettbewerber ausgesetzt waren.

Dieser umfassende Wohlstandstransfer wäre wohl nicht genug gewesen, um die Zahl der Menschen im Westen, die „wenig oder nichts zu verlieren haben“, zu einer kritischen Masse anwachsen zu lassen. Doch die Zahl der Proteste gegen die Covid-19-Maßnahmen, die von den Mainstream Medien derzeit offenbar nicht manipuliert werden können, wird immer grßer und vor allem werden sie immer populistischer. Die Proteste haben auch viele Überschneidungen zu den Protestbewegungen gegen die US-Präsidentschaftswahl und jener der Gelbwesten. Mit US-Amerikanern, die von den Covid-19-Maßnahmen frustriert sind und verarmen, während gleichzeitig ein offener Machtkampf über eine eklatant manipulierte US-Präsidentschaftswahl 2020 stattfindet, sieht es so aus, als ob das Pulverfass bereitsteht ist und für seine Zündung auf den entscheidenden Funken wartet.

Das Hauptproblem der jüngeren Geschichte besteht im Komfort, der als Herrschaftsmittel Menschen auf der ganzen Welt und ganz besonders jene im Westen dazu gebracht hat, den Status quo zu akzeptieren. Jetzt aber im Angesicht des „Großen Neustarts“ scheint es, als sei für die Elite der Faden abgerissen. Der Komfort geht zurück und das Raunen von einer für den großen Durchschnitt nicht allzu vielversprechenden „vierten industriellen Revolution“, ist nicht gut dazu geeignet, die Massen anzulocken.

 

Komfort und Kommunismus

 

Wir konnten die Macht des Komforts als Zwangsmittel beobachten, als der Oberste Gerichtshof der USA im Jahr 2000 die Präsidentschaft an George W. Bush vergab und nicht an Al Gore. Viele Menschen empfanden die Entscheidung damals als kriminell. Sie hielten das Ende der Demokratie für kommen und sahen einen Grund für eine Revolution. Einige Leute trugen eine Weile ein paar Schilder herum, blieben bald aber wieder zu Hause. Als die Regierung in Texas mit militärischen Mitteln eine Sekte geradezu niedermetzelte, gab es eine vergleichbare Stimmung, wonach dieses Verbrechen gegen das Volk mit einer Revolution bestraft werden müsste. Das Gleiche gilt für die verschiedenen Unruhen in Los Angeles oder in Ferguson. Am Ende jedoch geschah nie etwas. Selbst die grundlegenden Ungerechtigkeiten werden toleriert, so lange die meisten Menschen die das Erhalten des eigenen Komfort wichtiger ist als Gerechtigkeit oder andere moralische Ideale. Einer der Gründe etwa, warum die Sowjetunion den Kalten Krieg verloren hat bestand darin, dass auch die kommunistische Elite den Komfort des Westens wollte. „Blue Jeans und Hot Dogs“ erwiesen sich als viel mächtiger als marxistische Parolen. In den Randregionen des sowjetischen Herrschaftsbereich konnten die Massen im Fernsehehen dabei zusehen, dass es auf der anderen Seite mehr gibt und die Menschen dort „besser“ leben. In Amerika geben sich Historiker der Illusion hin, dass die Menschen hinter dem Eisernen Vorhang die amerikanische Freiheit wollten, während sie in Wirklichkeit lediglich auf amerikanische Konsumgüter aus waren. Der wahre Wettlauf im Kalten Krieg könnte um den höchsten Komfort für die Massen gegangen sein.

 

Fazit

 

Wir erleben gerade einen einzigartigen Moment in der Geschichte, in dem es nicht nur eine eklatant gestohlene amerikanische Wahl gibt, immer mehr populistische Bewegungen im Westen entstehen und die Öffentlichkeit empört ist angesichts der staatlichen Covid-19-Maßnahmen und der in der Angelegenheit zur Schau gestellten Inkompetenz der Regierungen. Noch wichtiger aber ist: Das Leben wird endgültig unkomfortabel werden. So unkomfortabel, dass viele bald schon nichts mehr zu verlieren haben werden. Genau das ist die entscheidende Zutat für populistische Politiker, um den notwendigen Wandel herbeizuführen, um den Westen am Leben zu erhalten.

Einer der Hauptgründe, warum die schweigende Mehrheit im Westen noch immer zu Hause sitzt und die Straße den Radikalen überlässt, ist der Komfort. Im kommenden Jahr aber, wenn dieser zunehmend wegbrechen wird, lässt sich erwarten, dass die aus ihrem Komfort gefallene schweigende Mehrheit mit Lautstärke melden wird.

Eine hochfunktionale Gesellschaft braucht ausreichend Komfort, da auf diesem die notwendige Stabilität beruht. Gleichzeitig sollte sie aber stets darauf achten, dass es nicht zu viel wird, denn nur dann wird das Volk noch bereit sein, notwendige Risiken einzugehen.

Quelle Titelbild