Der Ölpreis als Ableitung der Preise für Photovoltaik

Der Ölpreis als Ableitung der Preise für Photovoltaik

Bei MMNews gibt es gerade eine Kaufempfehlung für Uran und Öl. Bei Uran stimme ich zu, der Rohstoff erlebt gerade eine zwangsweise Renaissance. Zwangsweise ist die deshalb, weil Deutschland bekanntlich aus der Stromproduktion aussteigt und unsere Nachbarn den wegfallenden Kraftwerkspark ersetzen müssen. Gleichzeitig wird ihnen und dem Rest der Welt auf moralischer Ebene der Weg verstellt für weniger explosive Brennstoffe, so dass weltweit vermutlich bald mehr Atommeiler als Kohlekraftwerke existieren dürften.

Für Öl dagegen sehe ich eine andere Zukunft nahen. Denn es gibt da einen Faktor, der wie ich vermute dem schwarzen Gold schon seit einiger Zeit so weit die Spitze nimmt, sie dass er sich bereits jetzt als der bestimmende Preisfaktor bezeichnet werden lässt. Es geht um Solarzellen, die vor Jahren bereits das Preisniveau von Wegwerfartikeln erreicht haben.

 

Photovoltaik + Dieselgeneratoren

 

Wer wissen will, wie viel etwas kostet ohne Arbeitssicherheit, ohne Umweltauflagen, ohne Ausgaben für F&E und ohne rechtsstaatliche Zwänge, der schaue zu Alibaba. Das ist der große Billigheimer aus China, wo buchstäblich alles angeboten wird, was im roten Riesenreich produziert wird. So gibt es auch zahllose Angebote für Solarzellen, wobei die billigsten Modelle in der Großabnahme für unter 70 US-Dollar pro 2m² Paneele zu haben sind.

Die Leistungsspanne der Paneele liegt abhängig von der Sonneneinstrahlung zwischen 200 und 400 Watt. Das verlinkte Modell kommt überdies mit einer Garantie von 25 Jahren, wobei die meisten Anbieter eine 10 Jahresgarantie auf 90% der angegebenen Leistung geben und weitere 10 Jahre mit 80% der Leistung.

Aus diesen Eckdaten lässt sich unter Berücksichtigung der klimatischen Bedingungen recht gut berechnen, wie teuer die daraus produzierte Kilowattstunde ist. Der Kostenpreis ist dabei umso niedriger, je mehr Sonne auch im Winter scheint. Wie sich jeder denken kann, lohnt sich ein Umstieg daher insbesondere in südlichen Gefilden. Nimmt man eine durchschnittliche Sonnenscheindauer von 4 Stunden pro Tag auch im Winter an (das Beispiel ist Manila), dann lassen sich mit dem verlinkten Modell im Verlauf seiner Lebenszeit durchschnittlich 11MWh Strom erzeugen.

Teilt man die großzügig bemessenen Anschaffungskosten von circa 200 Dollar durch diese Produktionsmenge, dann kostet eine Kilowattstunde mickrige 1,8 US-Cent. In Barrel Öl umgerechnet entspricht dies einem Preis von etwa 10 Dollar. Das ist sehr wenig und führt dazu, dass in den warmen Regionen der Welt immer öfters die heute schon bestehenden Dieselgeneratoren ergänzt werden durch große Photovoltaikanlagen. Diesel wird dann nur noch abends verbrannt, nachdem die Sonne untergegangen ist.

Bestes Beispiel für diese Entwicklung ist die größte Shopping Mall der Philippinen in Manila, bzw. deren Parkplatz. Dieser ist circa ein Hektar groß und wird in Gänze überdacht von einer Photovoltaikanlage. Da die Philippinen keine Grünen haben und daher auch kein EEG, kann man davon ausgehen, dass die Investoren der Anlage nicht auf Subventionen aus waren, sondern ein gutes Geschäft sahen.

 

 

Die globale Ölnachfrage steht kurz vor dem Scheitelpunkt

 

Nicht anders läuft es in anderen Ländern Südostasiens – und sicherlich nicht nur in den Städten. Auf den vielen für die Großregion typischen kleineren Inseln lohne es sich kaum, Großkraftwerke zu betreiben. Dort dominieren kleine, autonom betriebene Dieselgeneratoren. Diese wiederum eignen sich perfekt für eine Kombination mit Photovoltaikanlagen.

Im Ergebnis sinkt in der gesamten Region das Nachfragewachstum für Öl (Indonesien, Malaysia, Philippinen). Es ist stark davon auszugehen, dass trotz der weiter wachsenden Bevölkerung und des ebenso wachsenden Energiehungers der Scheitelpunkt in Kürze überschritten sein wird.

Es gibt zwar noch Afrika mit einem sehr großen Aufholbedarf im Bereich der Energieversorgung. Dort allerdings ist lässt sich erwarten, dass der selbe Weg wie Südostasien gegangen wird. Sollte sich die Entwicklung noch eine Weile verzögern, dann könnte bis in einem Jahrzehnt die Kombination aus Photovoltaik und Dieselgeneratoren gänzlich übersprungen werden und anstelle der Generatoren große Akkus Verwendung finden.

In beiden Fällen sind das strukturell keine guten Entwicklungen für den Ölpreis. Kurzfristig sind zwar noch immer Preisschocks aufgrund von externen Ereignissen möglich, wie etwa der Angriff auf saudische Raffinerieanlagen am 14. September 2019. In anderen Jahren hätte dieser Zwischenfall wie auch weitere Angriffe auf die Ölinfrastruktur am arabischen Golf zu heftigen und bleibenden Preisreaktionen geführt. Das war bei dem fraglichen Angriff aber nicht der Fall. Mehr als einen kleinen Blip gab es nicht, einem klaren Zeichen für die Zeitenwende am Energiemarkt.

 

 

Photovoltaikkunden kommen nicht wieder zurück

 

Für die Ölkonsumenten der Welt sind das erstklassige Nachrichten. Der Weltmarkt ist so sehr gesättigt, dass nicht einmal sehr schlechte Nachrichten den Preis nicht mehr nach oben treiben können. Auf der anderen Seite wiederum hat der globale Schock Mitte diesen Jahres zu der absurden Situation geführt, dass Öl zeitweise einen negativen Marktpreis annahm.

Der Preis erholte sich danach zwar wieder auf das Gleichgewichtsniveau der vergangenen sechs Jahre, wird strukturell jedoch nie wieder höher steigen als aktuell. Denn jedes Mal, wenn der Ölpreis zu sehr steigt, wird es in weiteren Regionen der Welt profitabel, die ölbasierte Stromversorgung durch Photovoltaik zu ergänzen.

Für die ölproduzierenden Länder ist das ein Problem, da Photovoltaikkunden nicht wieder zurückkommen, sobald sich der Preis wieder eingependelt hat. Die Paneele liegen auf dem Dach, die Technik ist installiert und so sinkt die Nachfrage Stück für Stück, ohne wieder zurückzukommen.

Für Produzenten wird es daher zum wichtigsten Kalkül, den Ölpreis möglichst konstant zu halten. Kurze Preisschocks nach unten sind dabei als weniger kritisch zu erachten, auch wenn sie durchaus ein Loch in die Kasse reißen können. Viel schlimmer ist es, einen Kunden ganz zu verlieren, als ihm zu wenig abzuverlangen, so dass die Kapazitäten am Markt stets höher sein müssen als die Nachfrage.

Dieses Spiel wird so lange fortdauern, bis die gesamte öl- und danach erdgasbasierte Stromversorgung mit Hilfe von Photovoltaik hybridisiert wurde.

 

Photovoltaik als Preisbarometer für Öl

 

Mit den entsprechenden Informationen über Sonneneinstrahlung, der technischen Entwicklung im Photovoltaiksektor, deren Preisabsatzfunktion und der Nachfrage nach Öl für die Stromproduktion ließe sich theoretisch sehr exakt berechnen, wann der Ölpreis das nächste mal einen strukturellen Bruch erleben wird, und bis auf welches Niveau der Gleichgewichtspreis absacken wird.

Die vergangenen sechs Jahre lag der Gleichgewichtspreis für Öl der Marke WTI bei circa 55 Dollar, davor lag er ebenso für ein halbes Jahrzehnt circa 95 Dollar. Unter Berücksichtung der beschriebenen Kalküle und Mechanismen ist nicht abwegig, dass für Öl das nächste Stündlein fast schon wieder geschlagen hat. Bis in einem Jahr könnte ein Fass des Rohstoffs dauerhaft für nur noch 30 Dollar zu haben sein. Daher Finger weg – es sei denn Sie brauchen billigen Sprit.

Quelle Titelbild, Satellitenfoto, Chart

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