Neue Säuberungswelle bei YouTube: Es geht ans Eingemachte

Neue Säuberungswelle bei YouTube: Es geht ans Eingemachte

Mit dem physischen Lockdown geht auch der digitale Lockdown in eine neue Runde. Grade meldete meldete der Dilbert Karikaturist Scott Adams bei Twitter, dass YouTube ein Video von ihm gelöscht hat, weil es nicht deren Richtlinien für Inhalte entsprach. Offiziell fallen darunter „Spam, Täuschung und Betrug“. Weniger offiziell ist allen klar, dass der Trump Unterstützer mit großer Fangemeinde eine unliebsame Stimme hat, die dem Establishment missfällt. Adams ist nicht der einzige, dem die Zensur derzeit zu Leibe rückt. Er ist lediglich der bekannteste, den die neue Säuberungswelle im Begriff ist, wegzuspülen.

 

Youtubes neue Verbotspolitik

 

Noch haben sie nur eines seiner Videos gelöscht, von dem Adams meint, dass es nichts unübliches enthielt und gemessen daran auch die meisten seiner anderen Videos gelöscht werden müssten. Es kann gut sein, dass genau das noch folgen wird und man ihm mit der einen Löschung einen letzten Schuss vor den Bug geben wollte, bevor er von der Zensurabteilung endgültig in den digitalen Okus geschnippt wird.

Zu vermuten ist, dass er gegen die neueste Version von YouTube Richtlinien verstoßen hat. Diese wurden vor zwei Tagen auf dem offiziellen Blog der Videoplattform bekannt gegeben und drehen sich voll und ganz um die US-Präsidentschaftswahlen 2020.

Seit Implementierung dieser neuen Richtlinien wird bei YouTube jedes Video gelöscht, das nicht den Wahlsieg von Joe Biden anerkennt, sondern andeutet, dass es zu Wahlbetrug kam und Donald Trump der eigentliche Gewinner sei. Was klingt wie ein schlechter Scherz aus einem dystopischen Roman, ist tatsächlich trauriger Ernst bei Youtube. In den letzten Tagen wurden auf der Plattform 8.000 überwiegend kleine Kanäle entfernt. Niemand darf mehr darüber berichten, sonst muss derjenige mit scharfen Konsequenzen rechnen.

 

Bestrafe einen, erziehe Hundert

 

Scott Adams Kanal bei YouTube hat zwar nur knapp 90.000 Abonnenten, allerdings ist er auch jenseits der digitalen Sphäre bekannt und erreicht entsprechend ein weitaus größeres Publikum als nur bei YouTube. Daher lässt es sich als ernstzunehmender Warnschuss verstehen für andere YouTuber mit weit größeren Zuschauerzahlen, die viel stärker am Einnahmentropf der Plattform hängen und sich womöglich sicher fühlen.

Bislang kam es zwar auch in der Vergangenheit immer wieder vor, dass größere Kanäle gelöscht werden, wie etwa jener des Klimaskeptikers Tony Heller. Doch dank der Salamitaktik kam es noch nicht zu einem teilweisen Massenexodus wie beispielsweise im Fall von Twitter, das stark bluten musste in Richtung Gab und neuerdings Parler.

Da die meisten vor allem politischen Kanäle jedoch den Braten schon länger gerochen haben, bauen sich auch im circa 20x so großen englischen Internetvideomarkt immer mehr YouTuber Zweitexistenzen auf. Noch immer führen diese zwar ein Schattendasein, was sich in letzter Zeit aber änderte ist, dass die meisten Publizisten dort regelmäßig und zeitnah ihre Inhalte hochladen, damit sie im Fall der Fälle reibungslos überwechseln können.

Sargon of Akkard aka Carl Benjamin startete kürzlich die Plattform Lotus Eaters, die sich aktuell zwar noch auf YouTube stützt, allerdings auch gänzlich unabhängig davon operieren können soll. Tony Heller wiederum findet sich gemeinsam mit zahlreichen weiteren Nischenanbietern bei NewTube, während die Q-Anon Gemeinde (Redpill87, TruReporting) Rumble bevorzugen. Schließlich gibt es noch Podcastdienste wie Spotify, wo der größte US-Talker Joe Rogen unterkam, die Streaming-Plattform Twitch und die Videoplattform Bitchute als beliebte Alternative zu YouTube.

 

Hüben wie drüben das selbe Muster

 

Wer sich im deutschsprachigen Internet umschaut, der wird eine ganz ähnliche Entwicklung beobachten können. Die Rolle der Kontroverse um die Präsidentschaftswahl in den USA nimmt bei uns die Frage nach dem Sinn oder Unsinn der Coronamaßnahmen ein. Carolin Matthie war vor wenigen Tagen das erste Opfer der neuen Säuberungswelle, gerade gestern wurde dann auch der Kanal des Deutschland-Kurier gelöscht, hinter dem die (sic!) CDU-nahe Werteunion steht.

In beiden Fällen wurden vermeintliche Unwahrheiten zur Coronapandemie verbreitet, wobei unter anderem der genauso von YouTube zensierte Medizinprofessor Sucharit Bhakdi in den fraglichen Videos zitiert wurde. Die Stoßrichtung ist entsprechend eindeutig. In den USA darf nicht mehr nach Wahlbetrug gefragt werden, in Deutschland nicht mehr nach dem Sinn verschiedener Maßnahmen der Politik. (In den USA übrigens sind die Coronamaßnahmen nicht weniger kontrovers als bei uns. Die Präsidentschaftswahlquerelen allerdings überschatten derzeit alles.)

Wir dürfen gespannt sein, wann das nächste Thema auftaucht, gegen das man keine „Unwahrheiten“ gegen das System ausdrücken darf. Was außer Zweifel steht ist, dass es sicherlich ein nächstes Mal geben wird und auf diese Weise jeder Kanal und jede Äußerung aus den großen Sozialen Mediensystemen herausgefiltert werden wird, die nicht dem offiziellen Narrativ entspricht.

 

Das Zementieren der Spaltung und das Erdrücken von Dissens

 

Wohin das führen wird ist klar. Es wird die digitale Sphäre spalten nach Ansichten, die man vertreten darf. Zumindest bei politischen und gesellschaftlichen Themen sind die Zeiten vorbei, in denen sich die Anbieter und Nutzer freundlich ignorieren konnten, wenn unterschiedliche Ansichten vorlagen. Künftig wird man sich sein argumentatives Umfeld danach aussuchen müssen, was man sagen dürfen will und wird im Zweifel von den Plattformen in seine ideologische Ecke gelöscht.

Sobald das dann abgeschlossen ist und sich Gegenplattformen formiert haben, wird es ein leichtes sein, mit (un-)rechtsstaatlichen Mitteln gegen diese vorzugehen. Das Argument der Behörden dafür wird ein herzlich einfaches sein: Dort treiben sich Verfassungsfeinde herum, wie etwa die Querdenker. Daher ist ein Abschalten gerechtfertigt.

Ein Beispiel für dieses Vorgehen gibt es sogar bereits mit der ehemaligen Diskussionsplattform Dissenter. Nach dem verheerenden Anschlag in Christchurch wurde das frisch Furore machende Add-On in Neuseeland sofort verboten und von Google und Apple aus ihren Webstores verbannt.

Das Endspiel wird so verlaufen, dass sich entweder sehr bald die politische Windrichtung ändert, oder aber dissidente Informationen übertragen werden, wie in den 1990er Jahren Pornos unter Mittelstufenschülern Verbreitung fanden: Per USB Stick oder CD. Das selbstverständlich auch nur so lange, bis sie das ebenso verbieten.

Quelle Titelbild

Bloggerei.de