Wird die Bitcoin-Blase zu Weihnachten platzen? Eine etwas längere Analyse…

Wird die Bitcoin-Blase zu Weihnachten platzen? Eine etwas längere Analyse…

Bitcoin steuert wieder einmal zügig in Richtung eines Höchststands zu. Das lässt nicht nur Bitcoinbesitzer jubeln, sondern auch Experten zur Thematik, die endlich wieder einmal recht haben werden. Das Publikum wiederum nimmt die Kauf- oder „hodl-“ Empfehlungen gerne an und greift zu, wenn es das nicht schon hat.

Doch es gibt auch einige, die dem Hype skeptisch gegenüberstehen, darunter der Autor dieser Zeilen. Neben grundsätzlichen und praktischen Einwänden steht da nämlich auch die Erfahrung von vor drei Jahren, als das erste Mal das Fieberthermometer für Bitcoin zu kochen begann, nur um dann innerhalb von kürzester Zeit zum Gefrierpunkt abzusinken. Die Frage ist: Wird es dieses Mal erneut geschehen?

 

Welche Blockchain-Projekte taugen etwas?

 

Sein bisheriges Allzeithoch erreichte Bitcoin am 17. Dezember 2017 mit knapp über 20.000 Dollar. Der damalige Preis entsprach einer Vervierfachung in nur zwei Wochen. Wiederum zwei Wochen nach diesem Datum stand der Preis bereits um ein Viertel unter dem Maximum und ging im Verlauf eines halben Jahres wieder zurück auf den Stand von Anfang Dezember 2017.

Es war eine Blase, die angeheizt wurde von allerlei Phantasien, wie es gerne heißt. Übersetzt bedeutet das nichts anderes als die Gier auf schnelles Geld. Ich selbst war damals relativ mittendrin und habe mich intensiv mit den unterschiedlichen Blockchainsystemen auseinandergesetzt. Vieles wurde zu dieser Zeit ausprobiert und – noch einmal – mit allerlei Phantasie umgeben. Das trieb die meisten Preise in irreale Höhen, ohne dass sie mit wirklichen Werten im Sinne von tragfähigen Konzepten unterlegt waren.

Von der Vielzahl an „Token“ konnte ich kaum ein halbes Dutzend ausmachen, bei denen die Systematik auf eine vielversprechende Zukunft hindeutete. Und unter jenen, die wirklich nach etwas aussahen gab es massive Probleme in Form von Streit unter den Entwicklerngab es massive Probleme in Form von Streit unter den Entwicklern. Genannt seien hier Steem als der Basis eines „Social Media Token“, sowie Bitshares* als frühe blockchainbasierte Handelsplattform. Ein anderes Projekt einiger der Entwickler von Bitshares war EOS, einem vor wenigen Jahren noch hochgelobten Konzept, das bislang jedoch in keinster Weise die Erwartungen erfüllen konnte.

Auf den Punkt gebracht war schon lange vor dem Allzeithoch von Bitcoin und den meisten anderen Blockchain Projekten zum Jahreswechsel 2017/2018 absehbar, dass jenseits von Bitcoin und Ethereum nur all jene eine Zukunft haben würden, die jenseits einer funktionierenden Entwicklergemeinde einen spezifischen Zweck für ihren Token haben, oder die von der Großindustrie unterstützt werden.

Für den kleinen Anleger ist beides kaum erreichbar, da man zur Abschätzung der Kompetenz hinter den Kulissen über Spezialwissen und Kontakte verfügen muss. Analog zu erfolgsversprechenden Start-Ups erhalten Normalsterbliche jedoch kaum einen frühen Zugang zu Finanzierungsrunden, wenn die wirkliche Post abgeht.

Abgesehen von Ripple als „Industrietoken“ und Monero als dezidiert anonymes Zahlungssystem ist mir bislang jedoch nicht viel in positiver Weise aufgefallen, wobei selbst hinter diesen beiden ein Fragezeichen steht. Nicht einmal in der sonst technisch ganz vorne mitspielenden Pornoindustrie konnte bislang ein Standard etablieren. Dabei hat sogar (sic!) Forbes einmal über einen gewissen WankCoin – zu deutsch „Wichsmünze“ – berichtet, aus dem am Ende nichts wurde. Das will was heißen.

 

Was ist zum Jahreswechsel 2017/2018 passiert?

 

Trotz aller Warnsignale ließen sich zu Beginn der Manie dennoch sehr viele Zocker, private Investoren und Computerinteressierte auf den Wahnsinn ein, der sich abzuspielen begann. So ließ auch ich mich anstecken von der Euphorie. Richtiges Geld habe ich allerdings nie eingesetzt, sondern lediglich mein „Wallet“ (Geldbeutel) mit Hilfe verschiedener Spielarten des digitalen Geldverdienens aufgefüllt.

Wie auch ich haben sich die meisten, die zuvor schon länger mit dabei waren, in erster Linie gefreut über die rasante Verbreitung der „digitalen Zukunft“ in Form eines dezentralen Finanzsystems. Vielen war dabei klar, dass es sich um eine Blase handelt. Doch der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel – und wer wollte schon der Miesepeter sein just in dem Moment, in dem das ganze Projekt abheben würde. Nebenbei konnte jeder, der schon eine Weile dabei war, dank der über die zahlreich aufpoppenden Werbebanner hinzu strömenden Profitjäger, sein Vermögensportfolio ordentlich vergolden, oder zumindest versilbern. So blieben kritische Stimmen meist kleinlaut, oder wurden schlichtweg nicht gehört.

Befeuert wurde das ganze von sogenannten „Walen“ wie sie in der Szene genannt werden. Dabei handelt es sich um Großanleger, die über ein massives Portfolio verfügen, das sie sich entweder zu Beginn einer „IPO“ (= Erstemission einer Münze) billig eingekauft hatten, oder das sie sich über das „Schürfen“ verdient hatten (= Erschaffen neuer Münzen mit Hilfe des zugehörigen Computerausrüstung).

Sie haben die Manie befeuert, indem sie sich in hinter den Kulissen in Netzwerken organisiert den Preis nach oben trieben. Ihr Startkapital bestand in den bereits erworbenen Token und all jenen Projekten, denen zwar von Anfang an ein leichter Geruch nach Betrugs anhaftete, den zu viele jedoch ignorierten in der festen Erwartung, dass der gesamte Markt nach oben geht. Die klassische Denkweise bestand darin, dass wer sich bei 100 beliebigen Tokens einkauft, der muss nur bei einem davon richtig liegen, der nicht pleite geht, sondern dessen Wert sich mindestens um den Faktor 101 steigert. Das nutzten jene mit Fachwissen und zogen eine Totgeburt nach der anderen aus dem Hut.

Von diesen hastig zusammengezimmerten Scheinprojekten gab es sehr viele in den Jahren vor 2018 und das füllte die Kriegskasse all jener, die sich auskannten und denen es nichts ausmachte, den Dummen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Jedenfalls war mehr als genug Kapital vorhanden, mit dem die Manie erzeugt werden konnte. Dafür brauchte es nicht einmal alle, die in dem Bereich unterwegs waren. Das Gesamtmarkt war mit mehreren Dutzend Milliarden groß genug, dass einige Dutzend Spieler bzw. Wale so eine Nummer stemmen konnte, ohne dabei allzu groß in Vorleistung gehen zu müssen.

Ende 2017 so weit, als die verschiedenen Faktoren in einer Weise gerichtet waren, dass sich die Blase füllen konnte. Kurz vor Weihnachten wurde dann die Spitze erreicht, woraufhin sich die Wale wieder ausklinkten und sukzessive die Gewinne mitnahmen.

Der Gedanke dahinter war, dass um Weihnachten herum sehr viele Geldgeschenke den Besitzer wechseln würden, was den Markt noch einmal antreiben würde. Gleichzeitig war auch die Befürchtung vorhanden, dass der Sache zu früh die Luft ausgeht. So war es besser, die 20.000er Marke zu nutzen und sich aus der Bonanza zu verabschieden. Entsprechend rauschte der Preis schnell wieder nach unten und sehr viele blieben auf ihrem Einsatz sitzen.

 

Bitcoin Gold & meine Erfahrung mit Bitcoin Insidern

 

Während mir einzelne Informationsfetzen bereits bekannt waren, vor und während alles ablief, wurde mir die Bedeutung das ganzen erst eine Weile hinterher klar, als es um Bitcoin Gold ging, einem der frühen Derivate von Bitcoin. Dieses wurde genau auf dem Höhepunkt von Bitcoin emittiert, wobei ich zu der Zeit Kontakte mit einem Mitglied eines der Wal-Netzwerke hatte.

Dieser hat sich damals für viel Geld in eines der Netzwerke eingekauft und als Day-Trader betätigt. Über ihn bekam ich einige überaus interessante Informationen gesteckt über die Art und Weise, wie es hinter den Kulissen zugeht. Etwa, dass es sich viele auf ihren Jachten irgendwo im tropischen Teil des Indopazifik gut gehen lassen, was ihnen gegönnt sei.

Auch etliche wertbezogene Informationen waren dabei, die sich zunächst sehr oft als goldrichtig erwiesen hatten. Dann allerdings machten in kurzer Zeit von verschiedenen Seiten Informationen die Runde, wonach Bitcoin ausgedient hätte. Der Grund sei in der Hochfinanz zu finden, wo man sich anstrengte, die Blockchain zu übernehmen und den Handel zu zentralisieren. Tatsächlich finden sich sogar einige Artikel in den Mainstream Medien über dieses Vorhaben, wie etwa diesen in der New York Times.

Als Lösung gegen diese „feindliche Übernahme“ des dezentralen Digitalgoldes durch zentralisierte Finanzinstitutionen wurde damals Bitcoin Gold propagiert. Mein Kontakt stimmte dem voll zu, wobei das auch in seinem Netzwerk als Antwort auf den Zentralisierungsversuch gehandelt würde. Darüber hinaus schrieb er eine längliche Analyse, weshalb Bitcoin definitiv abstürzen wird und jeder mit gesundem Menschenverstand sofort zu Bitcoin Gold wechseln müsse.

Die Ausführungen waren überaus überzeugend. Ich bin dem Rat zwar nicht gefolgt, aus Interesse aber habe ich die Sache weiter genau verfolgt und auf den großen Knall gewartet. Wer den Link zum Bitcoin Gold Diagramm folgt, der wird sehen, dass der Knall dann auch kam und zwar pünktlich auf den Tag, den mir mein Kontakt mitgeteilt hatte. Der Knall jedoch ging in die exakt gegenteilige Richtung: Nach unten und nicht wie propagiert nach oben.

Bitcoin selbst hat sich kaum geregt als es zu der „Übernahme“ kam, Bitcoin Gold dagegen stürzte auf den angekündigten Tag genau in gnadenloser Weise ab und hat sich seitdem nicht mehr erholt. Bitcoin Gold ist seitdem genauso tot wie viele andere Token, die zunächst vom großen Strom mitgetragen wurden, dann aber vom ersten Realitätstest überfahren wurden. Hätte ich damals auf meinen Kontakt gehört und wäre All-In gegangen, hinterher wäre bei mir nicht viel übrig geblieben.

 

Die Annahme von Manipulation als Prinzip

 

Für mich war diese exakt gegenteilige Reaktion auf diese Analyse und Ankündigung so verblüffend, dass ich fortan immer hellhörig wurde, wenn in der Szene ein Gerücht die Runde machte. Das vor allem dann, wenn es in die Medienwelt jenseits davon schwappte. Fast wie ein Uhrwerk funktionierte dabei meine auf der Erfahrung mit Bitcoin Gold beruhende Hypothese, wonach stets exakt das Gegenteil dessen passiert, was allgemein angenommen wird. Die Hypothese hat mich bis heute nicht enttäuscht.

Eine weitere Lektion, die ich daraus gelernt habe ist, dass der Markt für Blockchain-Token massiv manipuliert wird. Neben dem bekannten und bei regulierten Wertpapieren illegale „Pump and Dump“ Spielchen, bei dem gezielt Preise nach oben gedrückt werden, um im richtigen Moment die Reisleine zu ziehen, gibt es offenbar einige Kreise mit ausreichend Kapital im Rücken, die den Markt im größeren Stil bewegen können.

Das beste Beispiel dafür ist der oben verlinkte New York Times Artikel, bei dem ich nicht ausschließen würde, dass dieser mit dem Ziel eingekauft wurde, der Bitcoin Gold Geschichte das Gewicht einer „offiziellen Meldung“ zu verschaffen. Neben dem direkten Einkauf von Artikeln (was nicht einmal so teuer ist, irgendwo habe ich von 5.000$ für einen Daily Mail Artikel gelesen), gibt es auch vermeintliche Expertenmeinungen, mit denen Zeitungen billig ihre Spalten füllen können.

Schließlich gibt es noch die gute alte Werbung, die im digitalen Zeitalter genauso funktioniert wie im analogen. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass Werbung einmal dank der quasi unendlichen Werbefläche immer billiger wird und dann noch dank der algorithmusgestützten Zielgruppenforschung wesentlich zielgerichteter ist als jemals zuvor. Wenige Spieler versetzt das in die Lage, mit begrenzten Mitteln die Aufmerksamkeit und damit letztlich die Preise in die Höhe treiben. Sie müssen dafür nicht einmal Werbung für ihr eigenes Produkt machen.

 

Hodl – jetzt erst recht!

 

All das ist damals geschehen, als sich die Blase gefüllt hat, und es hat die leicht zu entfachende Euphorie so weit gesteigert, dass binnen kürzester Zeit quasi jeder aufgesprungen ist. Als Tüpfelchen auf dem i erinnere ich mich, wie kurz nach Überschreiten des Höhepunkts bei Bitcoin und dem nachfolgenden Absacken Durchhaltegrafiken die Runde machten, in denen gezeigt wurde, dass Bitcoin in jedem neuen Jahr das selbe Schicksal ereilen würde und man einfach nur „hodln“ (= halten) muss, um den verpassten Ausstieg zum Jahresende wieder wettzumachen.

Diese Grafiken sind heute verschwunden und das aus gutem Grund. Bitcoin hat sich im Jahr 2018 nicht mehr erholt, sondern ist vielmehr lange Zeit bei einem Sechstel seines Höchststandes herumgedümpelt. All jene, die Bitcoin davor noch in den Himmel schrien und mit glasigen Augen ihre Ersparnisse verzockt hatten, schrieben Krypto ab und wechselten zum nächstbesten Ding. Für die meisten war das die klassische Handelsplattform RobinHood, deren Neuerung in einem Kostenlosmodell lag, das Zockern mit geringem Budget entgegen kommt, die davor von den Kryptowalen abgemolken wurden.

 

Was spricht für ein Platzen der Blase, was dagegen?

 

Die während und kurz nach der Manie 2017/2018 gewonnene Erfahrung hat mich vorsichtig gemacht. Sehr vorsichtig sogar. Die derzeitige Lage bei Bitcoin ähnelt meines Erachtens viel zu sehr jener im vierten Quartal 2017, so dass ich seit einigen Wochen schon fest eingepreist habe, dass es um Weihnachten herum an der Zeit sein wird, mich von einem Großteil meiner wenigen Bitcoinkrümelchen zu trennen. Das selbstverständlich, falls es nicht davor schon abstürzt.

Setzt man die derzeitige Entwicklung bei Bitcoin gleich zu jener Ende 2017, dann lässt sich daraus ein neues Allzeithoch im knapp sechsstelligen Dollarbereich ableiten. Dieses würde kurz vor oder während Weihnachten erreicht werden, um in den Wochen danach wieder zurück auf 15-20.000 Dollar zu gehen (genau genommen wäre es sogar erst in sechs Wochen ab heute, mit dem Allzeithoch am 10. Januar).

Weiter runter fallen würde der Wert nicht mehr, dafür sorgen die volkswirtschaftlichen Umfeldvariablen. Allen voran ist hier die unbegrenzte Geldmengenausweitung zu nennen, die einen völlig logischen Ausgang haben wird. So lange Bitcoin existieren darf, wird der Token aufgrund seiner Struktur und des Rufs als Fluchtziel für Liquidität dienen. Sollte er dagegen verboten werden, dann würde er sehr schnell wieder verschwinden, da die Schürfkosten stetig steigen und daher der erzielbare Verkaufspreis analog steigen muss, während ein Verbot die Transaktionskosten zusätzlich nach oben treiben würde.

 

Horst Lüning

 

Ob Bitcoin bald verboten wird kann ich nicht beurteilen. Bei Horst Lüning aber habe ich kürzlich ein überaus stechendes Argument vernommen: Wohlhabende Personen mit Politiknähe, von denen es bekanntlich einige gibt, steigen zunehmend bei Bitcoin und erachten es als ein legitimes Mittel zur Werttransaktion und -aufbewahrung. Diese haben aller Wahrscheinlichkeit im eigenen Interesse bei der Politik lobbyiert – und das mit Erfolg – so dass Bitcoin laut Lüning von der politischen Streichliste für unerwünschte Finanzinstrumente heruntergenommen wurde.

Kurzer Exkurs: Bei der Suche nach Lünings Bitcoinargument fiel mir ein anderes Video von ihm auf, in dem es um einen Leserbrief zum Thema XRP/Ripple geht. Als ich mir das angehört habe, gingen bei mir sofort die Alarmglocken an. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass jemand mit einer gefälligen Analyse die doch recht potente Lüningsche Plattform dazu nutzen wollte, um dem Token etwas Auftrieb zu verleihen. Für mich war das Video ein eindeutiges Verkaufszeichen.

 

Jamie Dimon

 

Was sich definitiv sagen lässt ist, dass Bitcoin als Anlageinstrument inzwischen die Nische verlassen hat. Immer mehr Anlageberater empfehlen Bitcoin, es werden Futures dafür gehandelt, Jamie Dimon von JPMorgan hat seine Meinung zum Thema geändert und große Fonds wie auch ETFs haben Bitcoin fest bei sich eingebaut.

Doch spricht das gegen den nächsten Preissturz? Nicht wirklich. Man klicke dafür nur einmal den Link zu Jamie Dimons Meinungsumschwung und achte auf das Datum: Es ist der 9. Januar 2018 und damit ausgerechnet der Zeitpunkt, an dem die bislang größte Bitcoinblase kurz vor dem endgültigen Platzen stand.

Generell sollte man JPMorgan und dessen CEO mit etwas Vorsicht begegnen. Die bislang in der Ägide Dimon angefallenen Strafzahlungen für Marktmanipulationen sind Legende und lassen das BIP so einiger afrikanischer Länder blass dastehen. Vermutlich wollte Dimon mit seiner öffentlich transportierten Aussage einfach nur den letzten Tropfen aus der Zitrone herausquetschen.

 

Die Institutionalisierung von Bitcoin

 

Auch die Aufnahme von Bitcoins bei ETFs und Fonds ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite fließt dadurch zwar stets Kapital in Richtung Bitcoin, was aufgrund von dessen Knappheit in struktureller Weise den Preis nach oben drückt. Doch es kann auch anders herum laufen. Denn sobald Anleger kurzfristige Liquidität benötigen, dann verkaufen sie zunächst alles, was sich schnell zu Geld machen lässt.

Das Problem für Bitcoin ist dabei, dass es noch mehr als Gold einen sehr schnell liquidierbaren Wert darstellt, so dass es bei vielen Investoren in dieser Hinsicht noch vor Gold rangieren dürfte. Der Aktienabsturz im März hat gezeigt, wie schnell das ablaufen kann. Just in dem Augenblick, als alle dachten, der Zeitpunkt für die „Goldrakete“ sei gekommen, stürzte das Edelmetall gemeinsam mit dem Markt ab.

Genau für derartige Situationen ist Bitcoin noch mehr anfällig als Gold. Tatsächlich könnte Bitcoin in dem Sinne zum neuen Gold werden, als dass es Gold bei der Beschaffung kurzfristiger Liquidität ersetzt. Sollte wie von vielen befürchtet im Zuge weiterer Coronamaßnahmen der Aktienmarkt einbrechen, dann könnte das für das Platzen der sich gerade füllenden Bitcoinblase verantwortlich sein.

Alles in allem sehe ich sehr viele Argumente für ein baldiges Platzen der Blase bei Bitcoin und nur wenige, die dagegen sprechen. Das bedeutet nicht, dass Bitcoin unter die kritische Schürfgrenze fallen wird oder als Fluchtziel gegen die Währungsinflation ausfällt. Ich sehe lediglich sehr viele relevante Faktoren, die für eine zumindest vorübergehende Kontraktion sprechen, während kein Argument dagegen spricht. Jedenfalls nicht kurzfristig.

 

Das Metcalvesche Gesetz als potenter Preisindikator für Bitcoin

 

Abschließend möchte ich noch auf den einzigen Indikator eingehen, der bislang jedes Mal richtig lag. Es geht um das Metcalvsche Gesetz, bei dem es sich um eine empirisch abgeleitete Regel für Netzwerke handelt. Im Unterschied etwa zu Straßennetzen, die mit zunehmender Nutzung immer stärker verstopfen, so dass sich der Nutzen für den Einzelnen verringert, gibt es auch Netze, bei denen das Gegenteil der Fall ist. Sie bieten dem Einzelnen einen umso größeren Nutzen, je mehr dabei mitmachen.

Ursprünglich wurde das Gesetz bei Telefonnetzen entdeckt, die für den einzelnen Teilnehmer umso nützlicher werden, je mehr andere daran teilnehmen, da immer mehr Personen darüber erreichbar sind. Nicht anders läuft es mit dem Internet und so kamen einige auf die Idee, das Prinzip auch auf Bitcoin zu übertragen. Denn auch hier steigert sich der potenzielle Nutzen für jeden Einzelnen mit der zunehmenden Zahl an möglichen Zahlungsempfängern oder Interessierten an Wertaufbewahrung.

Der Nutzen steigt dabei nicht gleichbleibend, sondern wächst zu Beginn mit jedem Teilnehmer mehr stärker an als später, wenn sich bereits viele daran beteiligen. Auf mathematischer Ebene entspricht das einer logarithmischen Kurve, die bei Bitcoin naheliegenderweise dessen Preis entspricht.

Die Hypothese dazu lautet, dass der Preis von Bitcoin langfristig stets dessen logarithmischen Trend folgt. Kurzfristig kann es dabei am Markt relativ zum logarithmischen Soll zu Über- oder Unterbewertungen kommen. Tritt jedoch einer der beiden Zustände ein, dann pendelt sich der Preis bald wieder auf den Durchschnittswert ein, den Bitcoin laut dessen logarithmischer Trendkurve haben sollte.

Bislang trat diese Hypothese jedes Mal ein, wobei unbekannt ist, ob es sich dabei um ein ex-post feststellbares Phänomen handelt, bei dem sich die Marktteilnehmer über die „unsichtbare Hand des Marktes“ immer wieder an den Sollpreis annähern und es sich damit um ein natürliches Phänomen handelt. Oder ob es sich dabei um wissentliche Antizipation handelt, bei dem die Marktteilnehmer das Metcalvesche Gesetz als gegeben annehmen und sich mit ihren Handelsaktionen auf eine entsprechende Preisbereinigung vorbereiten.

Vermutlich gilt wie so oft, dass beides eine Rolle spielen dürfte. Wichtig ist lediglich, dass es sich bei dem Gesetz um ein sehr wichtiges – und meines Erachtens um das einzig zuverlässige – Instrument handelt, mit dem sich die Preisentwicklung von Bitcoin antizipieren lässt.

 

 

Der Bitcoinpreis in den kommenden Wochen

 

Schaut man sich den aktuellen Bitcoinpreis unter diesem Gesichtspunkt an, wie ich es in der Grafik getan habe, dann lässt sich klar feststellen, dass der Preis zu hoch ist. Die blaue Kurve ist die logarithmische mit der Skala links, die rote folgt der linearen Darstellung mit der Skala rechts. Auffällig ist, dass obwohl der Ausschlag der roten Skala vom linearen Trend schon jetzt sehr groß ist, der logarithmische sich bislang kaum vom Erwartungswert weg bewegt hat.

Vergleicht man die aktuelle Preisüberbewertung mit den beiden dunkelgrün markierten vorigen Blasen, die bald darauf wieder geplatzt sind, dann ähnelt die Situation vor jener im Sommer 2019, wenn man nur die logarithmische Kurve betrachtet. Damals blieb der logarithmische Ausschlag schwach, während der Preis linear gesehen zwar in kurzer Zeit verhältnismäßig stark nach oben ging, allerdings wesentlich weniger stark als es derzeit der Fall ist.

Berücksichtigt man dagegen beide Kurven, dann sieht die jetzige Situation viel stärker aus wie das, was zum Jahresende 2017 abgelaufen ist. Damals stieg der Preis linear betrachtet ähnlich stark an, während die logarithmische Abweichung zunächst wie auch jetzt maßvoll anzusteigen, nur um dann noch einmal in die Senkrechte zu gehen.

Der hellgrüne Kreis in der Grafik markiert jene Stelle, an der wir uns meines Erachtens derzeit wieder befinden. Sollte das zutreffen, dann wird der Preis von Bitcoin in den kommenden Tagen und Wochen massiv abheben. Auf allzu viel mehr als 100.000 Dollar pro Bitcoin dürfte der Preis allerdings nicht steigen, sofern das Metcalvesche Gesetz nicht brechen sollte. Tatsächlich sehe ich kurzfristig eher einen maximalen Preisbereich von 80-100.000 Dollar, der sich dann aber wie oben beschrieben auf einen Preis leicht unterhalb des aktuellen normalisieren dürfte.

Alles in allem sehe ich beim Thema Bitcoin weder einen Grund, den Euphorikern zu glauben, noch den Wirtschaftspessimisten. Beide haben strukturell stichhaltige Argumente. Doch in den kommenden Tagen und Wochen erwarte ich, dass sie in ihrer Einschätzung über den Bitcoin nacheinander alle daneben liegen werden. Was ich natürlich nicht ausschließen kann ist, dass genauso gut auch ich mit meiner Einschätzung knackig daneben liegen könnte.

*Zunächst stand hier Bitconnect, das war aber eine ganz andere Geschichte.

Quelle Titelbild

Bloggerei.de