Kulturmarxisten setzen an zur Zersetzung der harten MINT-Fächer

Wem das Geblubber weiter unten zu lange dauert, hier die Zusammenfassung: Kritische Theorie ist auch in Mathe wichtig, weil Korrelation = Kausalität; und natürlich Orange Man Bad. MAA steht übrigens für Mathematikergesellschaft Amerikas. Interessant ist auch die Liste jener Mathematiker ganz am Ende des Textes, die den offenen Brief für die Einführung der Kritischen Theorie in der Mathematik unterzeichnet haben. Wir lernen daraus: Bei der professionellen Vereinshuberei scheint es sich um ein weiteres Spezialgebiet der Mathematik zu handeln.

 

Math Values: Über wissenschaftsfeindliche Politik und die Unterdrückung der Debatte über Rasse und Rassismus: Eine Erklärung des MAA-Ausschusses zur Frage der Beteiligung von Minderheiten in der Mathematik

 

Wir befinden uns mitten in einem Jahr des Wandels. Seit langem erleben wir breite Veränderungen in der tertiären Bildungslandschaft, wobei das Jahr 2020 überdies gekennzeichnet ist durch die COVID-19-Pandemie, infolgedessen die Hochschulen Notfallpläne aufbauen mussten, in denen der Fernunterricht eingeführt wurde. Diese neuen Herausforderungen für die Hochschullandschaft ergaben sich parallel jener Umwälzung im System, bei der die Verbesserung der Leben von Schwarzen im Zentrum steht. Die Zahlen dazu sprechen eine eindeutige Sprache: Die genannten Themenkomplexe sind untrennbar miteinander verbunden. Schwarze, Latinx und Indigene sind sowohl beim Unrecht durch die Polizei, als auch im Gesundheitswesen und in der Bildungspolitik am stärksten negativ betroffen.

Die Politik muss sich bei ihren Maßnahmen auf Fakten und Wissenschaft stützen. Dank der Wissenschaft und der Mathematik wissen wir heute, dass Masken, soziale Distanzierung, häufige, schnelle und Massentests sowie die Ermittlung von Kontaktpersonen von grundlegender Bedeutung sind, um unsere Gesellschaft während der COVID-19-Pandemie sicherer zu machen. Doch die Politik auf Bundesebene hat diese Tatsachen nicht konsequent in die Praxis umgesetzt; so hatte zum Beispiel die Entscheidung in den USA gegen die Maskenpflicht schwerwiegende Folgen.

Wie Michael Dorff und Michael Pearson kürzlich in einem Beitrag bei Math Values erklärten: „Wir ermutigen die MAA-Mitglieder, unabhängig von ihrer politischen Überzeugung für die Werte der Wissenschaft und der Mathematik einzutreten und die Verantwortlichen in unserem Bereich zur Rechenschaft zu ziehen, damit sie bei politischen Entscheidungen die bestmöglichen wissenschaftlichen Erkenntnisse als Grundlage verwenden.“ Die Sozialwissenschaften sind Teil dieser Gemeinschaft und helfen uns zu verstehen, wie wir diese Praktiken den Menschen wirksam vermitteln können, während es uns gleichzeitig ermöglicht, unsere Praktiken und politischen Maßnahmen mit kritischem Blick zu analysieren.

Die kritische Rassentheorie, auf die sich der Präsident der Vereinigten Staaten in seinen aktuellen Exekutivanordnungen bezieht, ist eine etablierte sozialwissenschaftliche Herangehensweise, die sich auf jahrzehntelange wissenschaftliche Erkenntnisse stützt. Es ist bestenfalls irreführend, diese Theorie auf die Rassenschuld der Weißen zu verengen, und sie mitsamt der sich daraus ergebenden Diskussion über systemischen Rassismus als „spalterisches Konzept“ zu definieren. Darüber hinaus stellt ein Verbot von Ausbildungsprogrammen an Bundesbehörden, in denen diese Perspektive zur Bewusstseinsbildung gelehrt wird, einen Eingriff in die Freiheit von Forschung und Wissenschaft dar. Bei der ersten Präsidentschaftsdebatte in diesem Jahr dienen die Weigerung von Präsident Trump, den weißen Nationalismus zu verleugnen, und seine Ermutigung von Gruppen, die das FBI als die größte Bedrohung durch den inländischen Terrorismus identifiziert hat, nur dazu, das Gefühl zu verstärken, dass seine Regierung versucht, jahrzehntelange Fortschritte bei den Bürgerrechten für alle rückgängig zu machen. Diese Maßnahmen bilden den Rahmen für eine gegenwärtige Regierung der Vereinigten Staaten, die konsequent eine Politik betreibt, die in direkter Opposition zu den statistischen Zahlen und wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen steht.

 

MINT-Fächer sind politisch, weil sie von Politik umgeben sind

 

Obwohl in der Mathematik wie auch in den Naturwissenschaften und in der Hochschulbildung generell faktenbasierte Theorien und Praktiken entwickelt werden, die der Politik als Grundlage dienen sollten, sind sie auch deshalb politisch, weil sie in einem hoch politisierten System existieren. Die Anerkennung der Tatsache, wonach es in den Vereinigten Staaten eine ernstzunehmende systemische Diskriminierung gibt, hat sich irgendwie gewandelt von einem allgemein politischen zu einem parteiischen Thema. Noch alarmierender ist, dass wir eine Reihe von Äußerungen zur Kenntnis nehmen müssen, die offensichtlich darauf abzielen, die Debatte und den Aktivismus zum Thema Rasse und Rassismus in den Vereinigten Staaten zu unterdrücken. Die American Educational Research Association hat vor kurzem eine Erklärung veröffentlicht, in der dieses beunruhigende Muster der bundesstaatlichen Reaktion auf Unruhen in der Rassenjustiz in den USA klar angesprochen wird, wobei die angestoßene Debatte über Rasse und Rassismus als „unamerikanisch“ abgetan wird. In letzter Zeit gab es eine ganze Reihe von Maßnahmen durch die US-Bundesregierung, die explizit in diese Kerbe schlagen:

In einer Exekutivanordnung vom 4. September an alle Regierungsbehörden heißt es, dass „alle Behörden angewiesen sind, damit zu beginnen, alle behördlichen Verträge und Ausgaben zu identifizieren, die mit irgendeiner Schulung über ‚kritische Rassentheorie‘, ‚weißes Privileg‘ oder irgendeiner anderen Schulungs- oder Propagandaanstrengung zusammenhängen, die entweder (1) lehren oder suggerieren, dass die Vereinigten Staaten ein von Natur aus rassistisches oder böses Land sind, oder (2) dass irgendeine Rasse oder ethnische Zugehörigkeit von Natur aus rassistisch oder böse ist. Darüber hinaus sollten alle Behörden damit beginnen, alle im Rahmen des Gesetzes verfügbaren Möglichkeiten zu ermitteln, um solche Verträge zu kündigen und/oder Bundesgelder von diesen unamerikanischen Propaganda-Schulungen abzuziehen“.

Am 6. September twitterte Präsident Trump, dass das Bildungsministerium Bildungseinrichtungen identifizieren lässt, die in ihrem Curriculum das „Projekt 1619“ behandeln – ein mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnetes Projekt, das dazu beitragen soll, eine Lücke in der US-Geschichte der Mitte des 20. Jahrhunderts zu füllen, indem es Unterrichtsmaterial über die Sklaverei zur Verfügung stellt – und dass diesen Einrichtungen die Finanzierung durch den Bund entzogen werden soll.

Bei Ermittlungen des Bildungsministeriums gegen die Universität Princeton wurde am 16. September Anstoß an einem kürzlich erschienenen Brief des Universitätspräsidenten genommen, in dem Princetons Bemühungen beschrieben werden, als Reaktion auf die Verbindungen der Universität zur Sklaverei in der Vergangenheit, innere Strukturreformen vorzunehmen. Das Ministerium schrieb in kritischer Weise darüber: „Am 2. September 2020 gaben Sie zu, dass die Studiengänge in Princeton rassistisch seien und dies seit Jahrzehnten der Fall ist. Unter anderem sagten Sie: ‚Rassismus und der Schaden, den er farbigen Menschen zufügt, bestehen in Princeton fort …‘ und „rassistische Annahmen … bleiben in den Strukturen der Universität selbst verankert‘.

Der Exekutivanordnung vom 22. September wurde die Präambel vorangesetzt, wonach die Würde von weißen Männer verletzt wird, wenn ihnen pauschal die Schuld am Rassismus in den USA gegeben wird, was als Anlass für das Verbot genommen wurde, nicht nur an Behörden Schulungen zur Rassengleichheit zu verbieten, sondern das Verbot effektiv zu erweitern auf alle, die von der Bundesregierung Geld erhalten. Die Anordnung enthält auch eine Definitionsliste darüber, was „spalterische Konzepte“ ausmacht. Unter anderem wird die Vorstellung dazu gezählt, wonach die Leistungsgesellschaft „rassistisch oder sexistisch ist oder von einer bestimmten Rasse geschaffen wurde, um eine andere Rasse zu unterdrücken“, wie auch Neologismen wie „Rassen- und Geschlechterstereotypisierung“ und „Rasse- und Geschlechtersündenbock“, die laut der Anordnung darauf abzielen, das Konzept der „weißen Fragilität“ als Rassismus gegen Weiße darzustellen.

Eine weitere Exekutivanordnung vom 28. September weist das Finanzministerium an, „alle Programme zu identifizieren, für das Ministerium bei den Empfängern von Bundesgeldern als Bedingung für eine weitere Finanzierung die Bestätigung verlangen kann, wonach die Bundesmittel nicht zur Förderung von Programmen verwendet werden, die Inhalte lehren, wie sie in der oben genannten Exekutivverordnung gelistet sind“.

Als Mathematiker suchen wir nach Mustern – es ist das, was uns im Kern beigebracht wird. Wir machen unsere Kollegen in der Mathematik aus mehreren Gründen auf die oben genannten Maßnahmen der Regierung aufmerksam: Wir sehen, wie die Wissenschaft ignoriert wird, und wir nehmen ein Muster der Gewalt wahr gegen all jene unserer Kollegen, die Rasse und Rassismus zur Sprache bringen. Wir müssen gegen diese Muster kämpfen. Als Pädagogen erkennen wir auch das bedrohliche Muster des Verbots von Bildung und des Entzugs von Bildungsgeldern, um die Debatte über Rasse und Rassismus zu unterdrücken, und zwar von der Grundschule bis zu tertiären Bildungseinrichtungen, und von Arbeitsplätzen bis zum Forschungsbereich.

Es ist an der Zeit, dass alle Mitglieder unseres Berufsstandes anerkennen, dass die Mathematik ein Produkt der menschlichen Schaffenskraft ist und sie daher von Natur aus menschliche Vorurteile in sich trägt. Solange dieser Schritt zur Selbsterkenntnis jedoch nicht erfolgt, können unsere Gemeinschaft und unsere Studenten ihr volles Potenzial nicht ausschöpfen. Die Ausschöpfung dieses Potenzials in der Mathematik wiederum hängt davon ab, dass sich die Wissenschaft allgemein und die Hochschulbildung konkret mit kritischen, herausfordernden, manchmal unbequemen Gesprächen über die nachteiligen Auswirkungen von Rasse und Rassismus auf unsere Gemeinschaft beteiligen. Die Zeit ist gekommen, Mathematik und Bildung im Streben nach Gerechtigkeit voranzubringen.

 

Unterzeichnet von Mitgliedern der Mathematikergesellschaft:

 

– Carrie Diaz Eaton, Vorsitzende des Ausschuss für die Beteiligung von Minderheiten in Mathematik
– Francesca Bernardi, Ausschussmitglied für die Beteiligung von Minderheiten in der Mathematik
– Christopher Goff, Ausschussmitglied für die Beteiligung von Minderheiten in der Mathematik
– Kamuela Yong, Ausschussmitglied für die Beteiligung von Minderheiten in Mathematik
– Margaret Reese, Ausschussmitglied für die Beteiligung von Minderheiten in Mathematik
– Michael Pearson, Geschäftsführender Direktor, MAA
– Michael Dorff, Präsident des MAA
– Deirdre Longacher Smeltzer, Leitende Direktorin für Programme, MAA
– Victor Piercey, Vorsitzender der MAA in Michigan
– Jenna Carpenter, stellvertretende Vorsitzende im Gemeinsamen Ausschuss für Frauen in den mathematischen Wissenschaften
– Nancy Sattler, Mitglied AMATYC, MAA, TPSE, & Gemeinsamer Ausschuss für Frauen in den mathematischen Wissenschaften
– Kathryn Kozak, AMATYC-Präsident
– Anne Dudley, Geschäftsführerin von AMATYC
– Yun Kang, AMS-Vertreterin für den Gemeinsamen Ausschuss für Frauen in den mathematischen Wissenschaften
– Omayra Ortega, Chefredakteurin des NAM-Newsletters und Vertreterin des NAM für den Gemeinsamen Ausschuss für Frauen in den mathematischen Wissenschaften
– Jennifer Quinn, designierte Präsidentin des MAA
– James A. M. Álvarez, MAA-Vorstand & MAA-Kongressbeauftragter für Minderheiteninteressen
– Marilyn Elaine Mays, Gemeinsamer Ausschuss für Frauen in den mathematischen Wissenschaften

Quelle Titelbild