Über passive Indexfonds, ihre niedrigen Verwaltungskosten und die überraschenden Konsequenzen für den Markt

Über passive Indexfonds, ihre niedrigen Verwaltungskosten und die überraschenden Konsequenzen für den Markt

George Gammon hat wieder einmal ein sehr interessantes Interview zum Thema Aktienmärkte geführt. Gesprächspartner war Mike Green, mit dem er über passive Indexfonds sprach und dabei ein überaus unerwartetes, aber folgenreiches Detail über diese Anlagenform erwähnte.

Passive Indexfonds sind Fonds, die nicht von aktiven Managern geführt werden, und bei denen auf Basis von Marktanalysten gekauft und verkauft werden, sondern die immer nur einem Index folgen und unabhängig vom Preis in der Relation des Index dessen Werte kaufen. Dabei muss es nicht zwingend ein Index wie der DAX sein, vielmehr kann es auch um ein branchenspezifisches Portfolio handeln, bei dem alle Zementkonzerne zusammengefasst sind, und das sich in der Zusammensetzung nicht verändert.

Gekauft und Verkauft wird bei dieser Art Fonds nur dann, wenn ein neuer Kunde hinzukommt, der sein Geld in dem Fonds anlegt, oder wenn jemand sein Geld wieder abzieht. Die Haupteigenschaft derartiger Fonds besteht darin, dass es für die Betreiber des Fonds im Prinzip egal sein kann, wie sich die einzelnen Preise entwickeln, da sie nur eine fixe Marge von unter einem Prozent erhalten. Wichtig ist nur, dass Kunden reinkommen, was nicht allzu schwer ist, wenn der Fonds am offenen Markt agiert.

Diese Form der Geldanlage bringt einige Vorteile mit sich. Für die Manager ist es die (fast) sichere Marge, wenngleich diese nur klein ist. Für Anleger wiederum sind derartige Fonds sehr einfach und bieten eine breite Diversifikation, ohne dass man allzu aktiv werden muss. Gleichzeitig profitieren auch Kunden von den niedrigen Verwaltungskosten.

 

Passive Fonds verwässern die Preisinformation

 

Neben diesen Vorteilen gibt es auch einige Nachteile, von denen der bedeutendste nicht die Akteure selbst betrifft, sondern den Markt an sich. An dieser Stelle habe ich schon einmal etwas darüber geschrieben, wobei es im Kern um das Problem geht, dass mit der passiven Anlage die Preisinformation verloren geht.

Märkte und deren Preise sollen Anbietern und Nachfragern stets eine Information über die Knappheit und indirekt über die Qualität eines Produkts oder einer Dienstleistung liefern. Dies geschieht über die vielen Transaktionen, bei denen ein Preis entsteht, und an dem sich weitere Marktteilnehmer orientieren können. Diesen Transaktionen geht dabei stets eine Analyse voraus, aus der sich der für beide Handelsseiten optimale Preis ergibt.

Ignorieren jedoch immer mehr Marktteilnehmer dieses Grundprinzip, dann entsteht eine Unschärfe auf dem Markt, der diesen in einen Zitronenmarkt verwandeln kann, auf dem immer mehr für immer weniger bezahlt werden muss, obwohl sich Angebot und Nachfrage eigentlich in einem Gleichgewicht befinden.

In der Realität der Finanzmärkte kommt es zunehmend zu dieser Entwicklung, wobei große Anleger wie Black Rock oder die Vanguard Group sogar pauschal alles in ihr Portfolio aufnehmen, um ihren Kunden den Markt in Gänze anbieten zu können. Green, der unter anderem Black Rock berät, weiß um dieses Problem aus der Innenansicht.

Weit mehr als ein Drittel aller Anlagegelder werden mittlerweile in der beschriebenen passiven Weise angelegt. Kleine Händler und ihre Marktanalysten, die das Feld in der Vergangenheit dominiert haben, drohen zu einer Minderheit zu werden mit der Folge, dass die Preise an den Wertpapiermärkten an Unschärfe gewinnen und ihren Informationswert für Anleger verlieren.

 

Passive Fonds sind Preistreiber

 

Neben diesem Unschärfeproblem tritt zudem ein weiteres auf, das sich ebenfalls aus der Anlagesystematik ergibt. Aktive von Managern geführte Fonds sind erheblich teurer als die passiven – wenn auch nicht erfolgreicher, was Indexfonds überhaupt erst so beliebt gemacht hat.

Green spricht von bis zu fünf Prozent verglichen mit 0,5 Prozent bei passiven Anlageformen ohne Manager. Dieses eingesparte Geld wird von den Kunden nicht etwa zurückgehalten oder verkonsumiert, sondern ebenso in den Markt gepumpt, da diese im Budget für die persönliche Vermögensbildung vorgesehen waren.

Da auf dem Markt zumindest in kurzer Frist ein konstantes Angebot herrscht, führen diese freien Anlagegelder notwendigerweise dazu, dass die Preise steigen müssen. Machen diese Verwaltungskosten nur ein Prozent des Gesamtmarkts aus, dann steigen die Preise am Markt jährlich um ein Prozent stärker, als es im langfristigen Durchschnitt der Fall wäre.

Mehr noch, da die passiven Fonds keine freien Gelder benötigen, damit neue Aktien gekauft werden können, oder wenn bei einer Umschichtung alte abgestoßen werden müssen, werden weitere Gelder frei, die ebenfalls unweigerlich ihren Weg in den Markt finden. Green spricht dabei von bis zu zehn Prozent der Anlagesumme, die ein aktiv geführter Fonds in liquiden Mitteln vorgehalten werden müssen.

Bei passiven Fonds auf der anderen Seite entfällt dieser Posten komplett, da wie oben beschrieben, nur dann gehandelt wird, wenn sich die Kunden ihr Geld ein- oder auszahlen lassen. Auch hier muss mit einer signifikanten Preiswirkung gerechnet werden, die jene der Verwaltungskosten deutlich übersteigen dürfte.

 

Fazit: Positiv, negativ, je nachdem

 

Passive Anlagefonds sind einerseits vorteilhaft für Manager wie auch für Kunden. Die Vorteile liegen mit deutlich niedrigen Kosten bei gleicher durchschnittlicher Profitabilität auf der Hand. Als Nachteil ergibt sich wiederum, dass der Markt aufgrund des schwindenden Einflusses von Marktanalysen auf die realisierten Preise, an Zuverlässigkeit verliert hinsichtlich der Informationsqualität der Preise.

Als indirekte Folge wiederum führen die deutlich niedrigen Kosten bei passiven Fonds zu höheren Marktpreisen insgesamt, da die in signifikanter Höhe frei werdenden Gelder sehr wahrscheinlich zum größten Teil ebenso in Finanzprodukten angelegt werden. Aufgrund des relativen Angebots an Aktientiteln wiederum steigen mit der höheren Nachfrage die Preise.

Die eingesparten Summen aus der passiven Verwaltung sind dabei so hoch, dass sie zu einem dominierenden Faktor bei der Marktpreisentwicklung werden könnten. Das wird so lange anhalten, bis der Trend zu passiven Anlageformen abgeschlossen ist.

Ob diese Preiswirkung positiv oder negativ zu bewerten ist, darf jeder auf Basis seines bestehenden Aktienportfolios selbst entscheiden.

Quelle Titelbild

Bloggerei.de