Risikoforscher erklärt, warum sich so wenige Ärzte gegen den Coronairrsinn wehren – Ihnen mangelt es am statistischen Verständnis

Risikoforscher erklärt, warum sich so wenige Ärzte gegen den Coronairrsinn wehren – Ihnen mangelt es am statistischen Verständnis

Professor Gigerenzer erklärte bereits vor sechs Jahren auf Basis seiner Arbeit als Risikoforscher, warum sich derzeit nur so wenige Ärzte gegen den politisch gesteuerten Coronairrsinn wehren. Den meisten von ihnen mangelt es schlichtweg an Bildung über Statistik, so dass die große Mehrheit von ihnen nicht nur Testergebnisse fehlinterpretiert, sondern auch eine “defensive Medizin” betreiben, die ihnen selbst am meisten nützt, nicht aber ihren Patienten.

Risikoforscher Professor Gigerenzer über Entscheidungen unter Unsicherheit

Vor kurzem habe ich mir zur persönlichen Weiterbildung die Audioaufnahme eines Vortrags von Professor Gerd Gigerenzer aus dem Jahr 2014 angehört, einem Psychologen und Risikoforscher mit imposantem Lebenslauf.

Laut Überschrift geht es im Vortrag um die Frage, wie man unter Risiko die richtige Entscheidung trifft. Dabei handelt es sich nicht immer um eine einfache Sache, was vor allem dann gilt, wenn es wichtig wird und viele Unbekannte im Spiel sind. Was Professor Gigerenzers Ausführungen im Kontext der aktuellen Coronakrise so interessant machen ist, dass er mehrmals auf ärztliche Entscheidungsprobleme eingeht, ein Thema zu dem er geforscht hat und sich also auskennt.

Bei ärztlichen Entscheidungskompetenzen handelt es sich eindeutig um eine Angelegenheit, die zu Gigerenzers Forschungsthema passt. Ärzte müssen quasi täglich Entscheidungen treffen, in denen es um Leben oder Tod geht, und die aufgrund der Komplexität der menschlichen Biologie eigentlich immer auch mit einer großen Unsicherheit einhergehen. Fachlich hat der Mann also alles richtig gemacht, da es sich um eine prototypische Situation für Entscheiden unter Unsicherheit handelt.

Was mich aber insbesondere aufhorchen ließ, waren seine Ausführungen im Kontext der gegenwärtigen Coronakrise. Denn nicht Politiker sind die Protagonisten der Pandemie, sondern Ärzte. Zumindest sollte das so sein. Gleichzeitig geht es bei Corona sehr viel um statistische Werte: Sensibilität, Spezifität, den R-Wert, Mortalitäten und so weiter. 

Gigerenzer geht explizit darauf ein, dass viele Ärzte unfähig sind, derartige statistische Werte korrekt zu interpretieren. Es zeigt anhand mehrerer Beispiele, warum sich trotz der zunehmend substanzlosen Begründungen noch immer nur eine kleine Minderheit an Ärzten gegen die überflüssigen politischen Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronapandemie zur Wehr setzen. Hinzu kommen Interessen der Pharmaindustrie, die kein Interesse hat an entscheidungskompetenten Ärzten.

Prof. Gigerenzer: 80 Prozent aller Ärzte sind statistische Analphabeten

Der gesamte Vortrag ist durchsetzt mit Aussagen, die im Kontext der Coronakrise regelrechten Ausrufezeichen gleichkommen. Gigerenzer verweist auf die heute zahlreichen prä- und postnatalen Tests wie etwa jener auf das Down-Syndrom oder die Mammografie. Über ärztliche Fähigkeit zur Einschätzung der Wahrscheinlichkeiten und Zuverlässigkeit dieser Tests sagt er:

„Studien zeigen, dass die meisten Ärzte das nicht verstehen, wenn sie sie fragen, was die Wahrscheinlichkeit ist, dass diese Frauen wirklich ein Down-Syndrom Kind hat, dann finden sie Antworten die zwischen 1 Prozent und 90 Prozent variieren… Fragen sie einmal ihren Arzt, was daraus folgt. Vielleicht haben sie Glück, dass sie ein Arzt haben, der das versteht.“

Aus diesem Verständnismangel folgen teils weitreichende Folgen. Gigerenzer: 

„Ich zeige mal wie die Realität ausschaut mit einem anderen Problem, dem Mammgraphie-Screening. Ich wähle jetzt Technologien, die schon so alt sind, dass man meinen würde, dass man das nun schon verstanden hat. Und bei den genetischen Tests ist es ja so, dass wir jetzt immer mehr Möglichkeiten haben, pränatal und postnatal dutzende von Tests zu machen. 

Weiter: „Und wenn Ärzte wie die meisten hier die Wahrscheinlichkeit nicht sehen, also [dass] die meisten falsch positiv sind, dann wird es zu großen Ängsten bei den Eltern führen bevor der Fehlalarm klar wird und möglicherweise auch bis hin zu unnötigen Abtreibungen.“

Er führt fort, dass er im Rahmen seiner Tätigkeiten spezielle Programme für Ärzte und Medizinstudenten entwickelt hat, um diesen die Feinheiten statistischer Kennzahlen näher zu bringen. Dies sei erfolgreich verlaufen, dann jedoch schnitt sich das Programm mit pharma-industriellen Interessen:

„Dann wurde das Programm abgesetzt, nachdem Bayer Schering übernommen hatte. Bayer hat kein Interesse mehr an – ich sags mal so locker – risikokompetenten Ärzten.“ Und in Bezug auf die Konsequenzen statistischer Ärztelaien: „Dann sehen sie, wie das medizinische System versagt.“

„Es ist ein Bildungsproblem. Medizin und Gesundheitssystem haben zum großen Teil ein Bildungsproblem. Die Ärzte wissen nicht Bescheid und die Patienten wissen nicht Bescheid.“

Abschließend fasst Gigerenzer seine Ausführungen zusammen mit einem Verweis auf eigene Studien mit Ärzten aus Deutschland und den USA. Er sagt:

„Nach meinen eigenen Arbeiten zum Beispiel mit Ärzten verstehen etwa 80 Prozent der amerikanischen und deutschen Ärzte, die wir untersucht haben, nicht, was ihre Tests bedeuten. Wie können sie manipulieren und irre führen.“

Aufgrund dieses eklatanten Mangels an Souveränität in Risikosituationen, in denen Ärzte unter großer Unsicherheit eine weitreichende Entscheidung treffen müssen, eine „defensive Medizin betreiben“. Dies äußere sich in der Form, als dass Ärzte ihren Patienten „zu zweit oder drittklassigen Optionen“ raten, „die den Arzt schützen vor einer möglichen Klage“ eines falsch behandelten Patienten.  Ausnahmeärzte, die das Risiko bereit zu tragen sind, seien überaus selten. Das Problem ist besonders ausgeprägt in den USA, wo 93 Prozent aller Ärzte diesen beruflichen Selbstschutz betreiben. Es scheint aber auch in Deutschland eine Relevanz zu haben. Gigerenzer betont dazu, dass es sich bei dieser Zahl sehr wahrscheinlich noch um eine Untertreibung handelt, da von manchen Ärzten ausgegangen werden muss, dass sie es nicht zugeben.

Nicht nur Ärzten mangelt es, sondern der gesamten Gesellschaft

Als Grund für diese Verhaltensfehlstellung im Zusammenhang mit dem Eingehen von Risiken verweist Gigerenzer auf die negative Fehlerkultur, die voraussetzt, dass Fehler nicht passieren dürfen. Das lädt Ärzte zur Übervorsicht ein verglichen mit einer positiven Fehlerkultur, in der Fehler passieren dürfen, und in der es zentral um die Aufarbeitung der Ursachen für die Fehler geht, damit diese nicht ein weiteres Mal passieren.

In Krankenhäusern herrscht laut Gigerenzer vor allem eine negative Fehlerkultur. Prüflisten oder ein medizinisches Controlling zur Qualitätssicherung existieren kaum. Die meisten Ärzte sind voll auf sich selbst gestellt und im Zweifel einem so großen beruflichen und rechtlichen Druck ausgesetzt, dass sich eine Kultur der Übervorsicht etablieren konnte.

Für Giegenzer ist das Verhalten in Anbetracht einer negativen Fehlerkultur Teil einer größeren gesellschaftlichen Entwicklung. Das Streben nach Sicherheit überwiegt, was insgesamt zu einer verringerten Innovationsfähigkeit führt. Dies gilt sowohl im Bereich akuter Entscheidungsengpässe, als auch strukturell bei der Erarbeitung neuer Potentiale.

Als eine große Ursache hinter all dem sieht er den Fehler in der quasi gänzlichen Abwesenheit des Risikodenkens in der schulischen Didaktik. Statistik, Abschätzungen, Fehleranalysen, das Einüben von Entscheidungen unter Unsicherheit werden jungen Menschen kaum beigebracht. Dabei haben diese, wie Tests zeigen, ein natürliches Talent für statistische Abschätzungen und schlagen dabei sogar Erwachsene.

So, wie es derzeit ist, ohne dedizierte Ausbildung und mit industriellen Interessen, die gegen die Ausbildung der Kompetenz stehe, ist es in der Konsequenz keine Überraschung, dass eine Gesellschaft, die das kontrollierte Riskieren nicht gelernt hat, Risiken generell zu scheuen beginnt. Eine fehleranfällige Sicherheitskultur entsteht, die zu mindestens genauso vielen Problemen führt, wie ein übertriebenes Risikoverhalten.

In Anbetracht dessen, was wir aktuell im Zusammenhang mit der – weitgehend politischen – Coronakrise erleben, bestätigen sich Professor Gigerenzers vor sechs Jahren geäußerte Ansichten zum Thema zu 100% inklusive all der damit einhergehenden dramatischen Folgen.

Quelle Titelbild

Bloggerei.de