Wirkt sich das Quantitive Easing der Federal Reserve inflationär aus oder doch eher deflationär? Eine Analyse.

Seit einiger Zeit verfolge ich bei YouTube die Videos von George Gammon zu den Themen Investieren und Finanztheorie aus libertärer Perspektive. Wer des Englischen mächtig ist und etwas vom Thema versteht und mehr wissen will, dem kann ich den Kanal nur wärmstens empfehlen. Die Erklärungen und Interviews sind wirklich erstklassig. Das Niveau entspricht mittlerweile einem Seminar zum Thema Finanztheorie, wobei nicht die notwendige Ironie vergessen wird, die bei einem derartig komplexen Sachverhalt dringend notwendig ist, während nach wie vor alles verhältnismäßig eingängig ist.

Dennoch, selbst als jemand mit gewissen Vorkenntnissen stoße ich regelmäßig an meine Grenzen ob des präsentierten Wahnsinns. Gerade erst wurde dem ganzen eine weitere Krone aufgesetzt – und das sogar buchstäblich – als Gammon ein längeres Interview mit dem Anleihenexperten Steven van Metre führt. Van Metre betreibt seinen eigenen Kanal bei YouTube, wo er sich gerne mit einer Krone auf dem Kopf in Makroanalyse ergeht.

Im Interview präsentierte van Metre dabei eine Perspektive, die für Gammon wie auch mich und vermutlich die meisten von uns eine äußert harte Nuss darstellt, da es überhaupt nicht in die gängigen Muster dessen passt, was über die gegenwärtige Geld(druck)politik behauptet wird. Laut ihm wirkt das als Quantitive Easing (QE) bezeichnete Gelddrucken der Federal Reserve (FED) nicht inflationär aus, sondern deflationär. Das ist so ziemlich das Gegenteil dessen, was in der libertären Ecke und weit darüber hinaus in der Regel vertreten wird.

Die im Interview vertretene Hypothese war so verquer und wurde aber dennoch überzeugend vorgetragen, dass Gammon die nachfolgenden beiden Erklärvideos dieser Frage widmete. In diesen zwanzig Minuten versucht er die Position von van Metre und jene der Gegenseite aufzudröseln, während er sich in diesen über zwanzig Minuten eine Zusammenfassung dessen versucht, was das zu bedeuten hat.

Ich habe mir die Videos jeweils ein paar Mal angesehen und musste eine Nacht darüber schlafen, um den Brocken sacken zu lassen. Das folgende enthält den Versuch einer Erklärung mit meinen eigenen Worten und welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind.

 

Der Marktmechanismus und seine Preiswirkung

 

Beginnt eine Zentralbank mit dem Drucken von Geld und bringt dies in Umlauf, dann steigt die Geldmenge an, und wenn die Menge steigt, dann sinkt der Preis. Das entspricht in grob einem Kernsatz der ökonomischen Lehre vom Markt.

Die Zentralbanken der Welt – und längst nicht alleine die FED – machen genau dies. Sie schöpfen immer mehr Geld aus dem Nichts und kaufen sich davon auf dem offenen Markt die unterschiedlichsten Wertpapiere. Dadurch gelangen immer mehr Währungseinheiten auf den Markt, so dass in der Folge deren Preis sinkt oder sinken sollte.

Was die FED insbesondere kauft sind US-Bundesanleihen, die von der Trump Regierung herausgegeben werden. Sobald diese von der FED aufgekauft werden, bekommt Trump das frische Geld und die Anleihe findet ihren Weg in die Bankbilanz der FED.

Für die meisten Ökonomen und allgemein Personen mit Hausverstand folgt daraus, dass der so entstehende Überschuss an liquiden Mitteln zu einer gewissen Entwertung des Geldes führen muss.

Dies ist auch korrekt, die Inflation des US-Dollar liegt stets etwas über Null. Allerdings liegt die Inflation insbesondere bei Alltagsgütern weit unter jenem Wert, den man im Angesicht von frisch geschöpften Milliardensummen erwarten würde.

Viele würden jetzt auf die Vermögenspreisinflation verweisen wie etwa bei Immobilien, bestimmten Aktien oder seit kurzem bei Edelmetall und Bitcoin. Das ist nicht falsch. Allerdings bleibt auch bei dieser Erklärung ein gewisser Restzweifel übrig, was sich in der Debatte anderer Ursachen manifestiert, wie etwa kostenlose Handelsplattformen in Verbindung mit den wegen der Coronakrise ausbezahlten Geldern an die allgemeine Öffentlichkeit.

Dennoch steht für die allermeisten und auch für mich fest, dass die Tendenz der Entwicklung gesetzt ist. Der Trend zur Hyperinflation des US-Dollar und quasi aller anderen Fiatwährungen weltweit kann nicht mehr verhindert werden, sondern nur noch zeitlich aufgehalten und das nicht mehr lange.

 

Wie kommt es, dass jemand QE für deflationär halten kann?

 

Für van Metre jedoch sieht die Sache etwas anders aus. Mit Blick auf die Art und Weise, wie die FED ihr Geld schöpft und „in Umlauf bringt“ führt er aus, dass QE stets mit einer deflationären Wirkung für die Preise einhergeht.

Jedes Mal, so van Metre, wenn die FED weitere US-Anleihen kauft und diese wiederum selbst dem Markt zuführt, dann sinkt die Geldmenge auf dem Markt. Auch für ihn greift also der Marktmechanismus, doch es geht in die exakt entgegengesetzte Richtung.

Für diesen so gerichteten Effekt gibt es zwei Ursachen. Einmal handelt es sich vor allem bei den häufigsten US-Anleihen, den kurz laufenden sog. „T-Bills“, um eine besondere Anlageklasse. Einmal gelten sie als besonders liquide, weshalb sie im Interbankengeschäft und in der Beziehung zwischen Zentral- und Geschäftsbank die eigentliche Währung darstellen. Dann gelten sie auch als besonders sicher, da mit ihnen bestimmte rechtliche Bedingungen verknüpft sind. Deswegen eignen sie sich für die Geschäftsbanken bestens als Sicherheit, wenn sie selbst Kredite an Geschäfts- und Privatkunden vergeben.

Hinzu kommt die dritte Eigenschaft, wonach die T-Bills als Anleihen einen Zins abwerfen. Dieser mag zwar sehr klein sein, allerdings ist das noch immer größer als Null, wie es bei US-Dollar der Fall ist. Bedenkt man überdies, dass sogar die digitale Lagerung von Geld etwas Geld kostet, dann wird das Eintauschen der Geldnoten gegen Anleihen umso vorteilhafter.

Banken benötigen für ihr Geschäft des Kreditgebens also permanent einen Nachschub dieser T-Bills und sie nehmen diese sehr gerne in ihre Bilanz auf. Sie kaufen die T-Bills bei der FED, die sie zuvor mit dem bodenlosen Scheckbuch von der US-Regierung erworben hat, und sie bezahlen diese mit US-Dollar, die sie über ihren normalen Geschäftsbetrieb eingenommen haben. Das Geld der Banken lagert nun fortan bei der FED, so dass sich als logische Folge daraus ergibt, dass die Geldmenge im Kreislauf sinkt und eine Preisbewegung in Richtung Deflation einsetzt.

Als zweite Ursache für diese deflationäre Wirkung von QE nennt van Metre den internationalen Dollarmarkt. Bekanntlich handelt es sich beim US-Dollar um die „Weltreservewährung“, mit der man im Zweifel global einkaufen kann. Selbiges gilt in Ableitung für den Markt für US-Anleihen, da sie mit den oben genannten Eigenschaften versehen sind und aus Perspektive der Welt unterlegt sind mit der unbestrittenen geopolitischen Macht der Vereinigten Staaten.

Es gibt daher immer einen Markt für US-Anleihen und US-Dollar. Dieser ist so bedeutend, dass es eine überaus seltsame Konstruktion gibt: Den Eurodollar. Dabei handelt es sich nicht um eine eigene Währung, sondern um die oben genannten T-Bills, die jedoch im Unterschied zu normalen T-Bills von Banken nicht als Sicherheit verwendet werden können, während sie gleichzeitig aber zur Geldmenge gezählt werden, sprich, in die Berechnung der Geldwertentwicklung (Inflation/Deflation) mit einbezogen werden.

Aufgrund dieses Mix an Eigenschaften des Eurodollar (und generell von US-Dollar außerhalb der Vereinigten Staaten) existiert ein aktiver Markt zwischen Haltern von Eurodollar und US-Dollar außerhalb der USA und der FED. Verkauft die FED also neue T-Bills, die ihr zuvor vom US-Finanzministerium verkauft wurden, an internationale Kunden, dann reduziert sich die Geldmenge und ein deflationärer Druck entsteht.

Befeuert wird die internationale Nachfrage dabei vor allem von der allgemeinen wirtschaftlichen Unsicherheit. Die USA und deren Geldsystem mögen zwar nicht allzu viel Sicherheit versprechen, im Vergleich zu quasi allen anderen Ländern weltweit, wird es von vielen staatlichen wie privaten Investoren allerdings noch immer als erheblich sicherer und stabiler erachtet als der große Rest.

Beide Effekte zusammengenommen sind laut van Metre so stark, dass sie bestimmend wirken für die Preisentwicklung des US-Dollar und indirekt auch für den Preis von US-Anleihen. In beiden Fällen entfaltet sich aktuell ein deflationärer Druck zur Wertsteigerung. Einmal, weil die FED über den Verkauf von T-Bills an US-Banken aktiv Geld aus dem Kreislauf nimmt. Und einmal, weil ein internationaler Markt für T-Bills existiert, die in einem weltweit volatilen Marktumfeld als höherwertig erachtet werden als beispielsweise Eurodollar.

 

Was meint George Gammon dazu?

 

In seinem zweiten Video zu van Metres Einwänden gegen die gängige Sichtweise einer inflationären Wirkung von QE geht Gammon auf die unterschiedlichen Ebenen ein, auf denen die FED, die Geschäftsbanken und Endkunden miteinander verzahnt sind.

Die erste Ebene, auf der sich van Metre als Makroanalyst bewegt, ist jene zwischen FED, den Banken und den internationalen privaten und staatlichen institutionellen Investoren. Hier greift auch laut Gammon das, was van Metre als Haupttriebfeder der Geldwertentwicklung bezeichnet, da die US-Banken in den USA zur Hinterlegung von Sicherheiten verpflichtet sind. Bei diesen handelt es sich wie oben erklärt um T-Bills, die zuerst mit US-Dollar aus dem laufenden Geschäft gekauft werden müssen.

Es findet also tatsächlich keine Expansion der Bilanzen statt, die sich auf den Geldkreislauf auswirken würde, da die Gelder alle in der Bilanz der FED verschwinden und dort gebunden bleiben. Lediglich im Aufkauf neuer T-Bills von der US-Regierung gibt es hier einen inflationären Druck. Dieser aber bleibt linear, da das Finanzministerium nicht über das Recht zur Geldschöpfung verfügt.

Auf der zweiten Ebene dagegen, wo sich Geschäftsbanken auf dem Kreditmarkt mit privaten und professionellen Endkunden treffen, kann es durchaus zu einer inflationären Entwicklung kommen. Denn mit der vorteilhaften Aufnahme von zusätzlichen T-Bills in die Bilanzen der Geschäftsbanken unter Abgabe ihrer US-Währungsreserven, expandiert die Möglichkeit zur Kreditvergabe immer weiter.

Zwar muss dies effektiv nicht zur Kreditvergabe an interessierte Kunden führen, allerdings sind quasi-Nullzinskredite überaus verlockend sowohl für all jene, die ihre alten Kredite umschulden wollen, als auch für Investoren, deren Augen zu leuchten beginnen, wenn ihnen festverzinsliche Kredite zu 2% mit einer Laufzeit von 30 Jahren angeboten werden. Bestes Beispiel dafür ist eines der vorhergehenden Interviews mit dem Immobilienexperten Jason Hartmann.

Insgesamt führt eine größere Möglichkeit von Banken zur Kreditvergabe tendenziell immer zu einer verstärkten Vergabe von Krediten, da das Kalkül stets darin besteht, das optimale Risiko-Rendite-Verhältnis zu erreichen. Hierzu gehört auch die Diversifikation des Risikos, was unmittelbar mit der Verbreiterung des Spektrums an Kundentypen zusammenhängt. Daher würde eine Bank den für sie möglichen optimalen Punkt verpassen, wenn sie auf eine weitere Kreditvergabe verzichtet.
So schließt Gammon sein zweites Video ab mit der Frage, was wohl größer ist: Die deflationäre Wirkung aus dem Verkauf von T-Bills, oder die inflationäre Wirkung aus der expandierenden Möglichkeit zur Kreditvergabe.

Sollte ersteres überwiegen ,wie es für van Metre feststeht, dann sorgt das QE für steigende Preise bei US-Dollar und T-Bills. Sollte dagegen im Einzugsbereich der FED die Kreditvergabe zu verlockend sein, etwa weil nach dem Dämpfer durch die Coronakrise die Konjunktur wieder anspringt, dann könnte es bei den beiden Wertmitteln zu einer inflationären Entwicklung kommen.

 

Kein ob, sondern ein wann

 

Ob bewusst oder nicht, lässt Gammon in seinem Video eine meines Erachtens entscheidende Komponente außen vor. Es geht um die internationale Verflechtung der US-Währung und im besonderen den Eurodollar, wie er explizit von van Metre genannt wird.

In Bezug auf die gegenwärtige Situation an den internationalen Finanzmärkten scheint festzustehen, dass so lange Eurodollar existieren und das internationale Umfeld gleichzeitig den Nimbus der USA als globalen sicheren Hafen akzeptiert, kann die FED (fast) von der US-Regierung beliebig viele T-Bills aufkaufen, um sie dann auf dem Heimatmarkt und international zu verkaufen, ohne dass es zur Inflation beiträgt. Denn wie erwähnt ist der lineare Effekt durch die Verwendung von frischen US-Dollar durch die Regierung begrenzt, während der Wiederverkauf der T-Bills an den internationalen Markt nicht zur Ausweitung der US-Bankbilanzen führt.

Vielmehr landen diese Anleihen im Zweifel als allgemeine Sicherheit in ausländischen Zentralbankbilanzen – werden also ebenso dem Markt völlig entzogen, während die im Gegenzug eingenommenen US-Dollar und Eurodollar bei der FED in der Bilanz verschwinden.

Es kommt also alles auf die Größe des bestehenden externen Marktes für US-Papiere an plus den allgemeinen Durst nach ihnen, sprich den Drang zur internationalen Risikoabsicherung über den Einkauf in den US-Geldmarkt. Bedenkt man die steigende Volatilität weltweit mit der US-Wirtschaft als eine Art Auge des Orkans, dann kann man sich vorstellen, dass der Sog nach amerikanischen Papieren in naher Zukunft noch um einiges stärker werden könnte.

Selbst eine noch einmal intensivierte Bilanzexpansion der auf den US-Markt aktiven Geschäftsbanken (plus der zunehmenden Kreditfinanzierung des US-Bundeshaushalts) könnte nicht ausreichen, um diesen Sog verebben zu lassen. Unabhängig von diesem von van Metre herausgestellten Mechanismus lautet die entscheidende Frage letztlich aber nicht, ob das System in die Knie gehen wird – sondern wann.

 

Fragen über Fragen

 

Verdenken kann ich es Gammon nicht, dass er die entscheidende Komponente in seinem letzten Video außen vor ließ. Denn mit dem Status des Eurodollar in der internationalen Finanzwirtschaft öffnet sich ein Fass, bei dem es sich in etwa so verhält wie bei einem Tardis aus der Serie Dr Who: Es ist innen größer als außen.

Was ist mit der Deutschen Bank?

Die von Henry Paulsen 2008 ausgegebene Parole des „Too big to fail“ scheint zum Systemprinzip geworden zu sein in der Form, als dass die Großbanken in quasi unbegrenzter Weise über die FED ihre Kreditvergabemöglichkeiten ausdehenen können. Die Frage hierzu lautet: Was ist mit der Deutschen Bank in diesem Zusammenhang? Sie gehört zu den Mitgliedsbanken der New York FED als der mit Abstand bedeutendsten Regionalbank des FED-Systems, ist also auch für die USA systemkritisch. Bedeutet dies, dass sie nicht fallen kann und zwar nicht weil die Bundesregierung oder die EZB einspringen, sondern die FED im Zweifel zulassen wird, dass sie ihre Bilanz unbegrenzt erweitern kann?

Gilt Systemrelevanz auch für ausländische Banken?

Könnten europäische Länder versucht sein (oder es bereits getan haben), ihre Banken durch die FED als systemkritisch einstufen zu lassen? Nicht nur die Deutsche Bank gehört zu dein Eigentümern der New York FED, eine ganze Reihe EU-ropäischer Großbanken gehören dazu, von denen viele über weit größere Bilanzsummen verfügen als die DB. Ebenso ist bekannt, dass sich deren Risikostruktur in einem kritischen Bereich befindet. Könnte das Spiel in einer Weise enden, dass sämtliche Banken der Eurozone quasi zu US-Banken werden und vom Umfallen gerettet werden, indem sie von der FED einen präferierten Zugang zu T-Bills erhalten? Für die Finanzpolitik innerhalb der Eurozone könnte sich eine derartige Konstellation als bedeutender Fehlanreiz mit deutlich überproportionalen Risiken erweisen, da sie die Kosten eines geschäftlichen Scheiterns externalieren könnten. Die Wirkung wäre in diesem Fall deflationär für den US-Dollar, da die internationale Nachfrage noch einmal steigen würde. Ein Ende hätte das Spiel in dem Fall jedoch ebenfalls und zwar zu dem Zeitpunkt, wenn der Euro gegenüber dem Dollar so viel Wert verliert, dass die bilanzielle Risikoexpansion nicht mehr mit frischen T-Bills gegenfinanziert werden kann. In dem Fall bliebe als letzter Ausweg nur noch der Rückgriff auf Gold.

Dimensionen des Eurodollarkomplex

Wie viele Eurodollar gibt es und woraus speisen sie sich? Der Eurodollar spielt bei der gegenwärtigen Entwicklung die offenbar bedeutendste Rolle. Der geldpolitische Wirbelsturm der FED kann genau so lange ohne inflationäre Konsequenzen gefüttert werden, wie es Eurodollar gibt, die in den „sicheren Hafen“ des amerikanischen Finanzsystems verschoben werden können. Ebbt dieser Strom jedoch irgendwann ab, dann muss sich bei sonst konstanten Bedingungen (was sehr wahrscheinlich ist) auf dem US-Markt ein Angebotsüberhang sowohl für US-Dollar als auch T-Bills entwickeln. Entweder die FED und die Regierung ziehen dann die Zügel an und es kommt zu einem Wirtschaftseinbruch mit der Folge eines Vertrauensverlusts und der Folge der befürchteten Hyperinflation, oder aber die Politik bleibt unverändert und die Hyperinflation bricht sich wegen des strukturellen Angebotsüberhangs Bahn.

Ist die EZB Koch oder Kellner?

Welche Rolle spielt die EZB in der Sache? Viele bemängeln schon lange die Konstruktionsfehler des EZB-Systems, da es keine gemeinsamen Anleihen gibt, die ähnlich wie T-Bills die Grundlage bilden können für ein in sich geschlossenes Finanzsystem. Könnten die sog. „Coronabonds“ diese Aufgabe erfüllen und würde über diese „Heimholung“ der kurzfristigen Anlagepapiere der FED die Kundschaft gestohlen? Falls dem so wäre und Coronabonds vom Markt als Äquivalent akzeptiert würden, dann käme es ebenfalls zu einem Angebotsüberhang auf dem amerikanischen Markt.

 

Wer könnte mehr wissen?

 

Die eigentlich relativ simple Frage darüber, ob und wann sich das fortgesetzte „Geddrucken“ als inflationär oder deflationär auswirkt, ist aufgrund der mitunter ziemlich komplexen rechtlichen und politischen Details, sowie aufgrund der allgemeinen Geheimniskrämerei im Geschäft nur noch für ganz wenige Insider beantwortbar. In Deutschland lassen sich die außerhalb des Systems stehenden Insider an einer Hand abzählen. Unter den bekannten Persönlichkeiten fallen mir ein: Dirk Müller, Peter Boehringer und vor allem Markus Krall.

Insbesondere Krall dürfte über die notwendige Expertise in der Frage verfügen. Jedoch hat auch er sich meines Wissens noch nicht öffentlich zu Fragen rund um den Eurodollar und der Verzahnung der Deutschen Bank im Federal Reserve System geäußert. Seine Wette steht, für ihn sind die entscheidenden Dominosteine bereits im Fallen begriffen. Er steht damit aller Wahrscheinlichkeit auf der Gegenseite von van Metre.

 

Wo steuern wir hin?

 

Die Zusammenhänge, wie sie sich mir präsentieren, deuten für mich auf einen allgemeinen Paradigmenwechsel hin und zwar im internationalen Finanzsystem, aber auch weit jenseits darüber hinaus. Das alleine dürfte für die wenigsten eine Neuigkeit sein, pfeifen die Spatzen doch seit längerem bereits vom Dach, dass wir vor dem Übergang einer monopolaren Welt mit den USA als alleiniger Supermacht hin zu einer multipolaren Konstellation stehen, wie wir sie das letzte Mal im 19. Jahrhundert erlebt hatten.

Was sich mir in dieser Perspektive aber vor allem aufdrängt, dass einige der entscheidenden Verantwortlichen im Unterschied zum letzten Mal versuchen, diesen von allerlei Friktionen verursachten Übergang ohne massiven Bruch mit Leid und Tod für Millionen über die Bühne zu bringen. Das letzte mal, als die post-napoleonische Ordnung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Kalten Krieg mündete, lässt sich ohne Übertreibung als der ultimative Schlimmstfall bezeichnen. Sollte dies verhindert werden, dann wäre das eine gute Sache, wobei selbst die reine Absicht, den Pfad minimaler Friktionen zu wählen, kann als positiv erachtet werden.

Das ist ein Lob für die Mächtigen unter den Finanzeliten (zumindest einiger aktueller US-amerikanischer), auch wenn mein finales Urteil darüber noch lange nicht feststeht. Es ist lediglich ein Eindruck, den ich beim Nachdenken über die dargelegten Zusammenhänge gewann.

Gestützt wird dieser Eindruck vor allem von der allzu oft übersehenen Finanzmarktkomponente des Eurodollar. Ich frage mich, ob es nicht vielleicht ein Kernbestandteil der US-Geldpolitik darstellen könnte, die Existenz des Eurodollar zu beenden, indem man diese ganz bewusst in der beschriebenen Weise aus dem Verkehr zieht. Diese Vermutung ist konditional, da mir nicht genau die Beziehung zwischen Eurodollar und T-Bills bekannt ist. Sollten sich diese unterscheiden, dann lässt sich klar schließen, dass eine direkte und bedeutende Folge von QE darin besteht, den Markt für Eurodollar auszutrocknen.

Dies würde in vollem Einklang stehen mit dem erklärten Willen der Trump Regierung, die internationale Verflechtung und damit die Abhängigkeit der amerikanischen Volkswirtschaft zu verringern. So lange es den Eurodollar gibt, ist dies immer nur bedingt möglich, da die Geldpolitik der FED, die für das Fundament des reibungslosen arbeitsteiligen Wirtschaftens in den USA verantwortlich ist, immer nur bedingt optimal für die US-Volkswirtschaft ausgerichtet werden kann. Sie muss stets berücksichtigen, was auf den viel größeren internationalen Finanzmärkten passiert und auf Rückkopplungen mit dem eigenen Land achten.

Fällt der Eurodollar als Hauptvehikel weg, dann ist der Weg geebnet, die Währungspolitik in dominanter Weise an den internen Notwendigkeiten auszurichten. Nichts anderes gilt für andere Währungsräume, wobei die EZB und ihre Brüssler Bürokratur dem Eindruck nach an vergleichbarem arbeiten, ohne dabei aber selbst den Takt bestimmen zu können, da die gesetzlichen Grundlagen dürftig sind und der geldpolitische Markt zu sehr fraktioniert ist.

Auch hinsichtlich der Notwendigkeiten der Geldpolitik wirkt der eingeschlagene Weg schlüssig auf mich. Die vermutlich bedeutendste Notwendigkeit wiederum besteht darin, staatliche Aktivitäten auf ein nachhaltiges Niveau zu bringen. Darunter befindet sich auch die Verschuldung öffentlicher Haushalte, was im Zusammenhang mit der immer intensiveren Staatsverschuldung wie ein Widerspruch wirkt und zu einem Teil auch ist.

Da sich die Entflechtung des US-Geldsystems von seiner internationalen Abhängigkeit aber als Prozess darstellt, bei dem zumindest vorübergehend weitere Schulden von Nöten sind, um ein Abgleiten in eine wirtschaftliche Depression oder gar einen Krieg zu verhindern wie es das letzte Mal der Fall war, kann QE als notwendiger Teil der größeren Strategie erachtet werden.

Wie es hinterher weitergeht – ob ein Digitaldollar kommt, oder eine Konsolidierung der öffentlichen Haushalte, oder ein kompletter Umstieg auf die Schuldenfinanzierung öffentlicher Ausgaben anstelle von Steuern, oder ob ein zweigleisiges Währungssystem eingeführt wird mit US-Dollar und T-Bill-Dollar, oder gar ein goldgedeckter Dollar das Ziel darstellt – steht in den Sternen, bzw. in Strategiepapieren, zu denen wohl nur eine Handvoll Menschen Zugang hat.

 

Wird es wehtun?

 

Beantwortet ist für mich die Frage, ob die Mächtigen bei der FED einfach nur dumm sind oder intelligenter, als man ihnen zutraut. Ich denke, es ist letzteres und zumindest für die aktuelle Führungsetage würde ich auch behaupten, dass sie mit benevolenten Absichten handelt.

Von allen anderen dagegen – darunter die EZB und ihre globalistischen Freunde in der Finanzindustrie – bin ich mir nicht ganz so sicher. Denn als Platzhirsch auf dem globalen Geldmarkt können die USA ihre Interessen mit einer aktiven Politik betreiben, was auch geschieht. Am Ende könnten die USA mit einem blauen Auge aus der Sache heraus- und in das neue Paradigma der multipolaren Geldordnung hineinkommen.

Alle anderen müssen sich jedoch daran orientieren und ihr Vorgehen deutet nicht darauf hin, dass sie in der Lage oder Willens sind, das Richtige zu unternehmen und das in der richtigen Weise, sprich, wenigstens gemäß geltender Gesetze. Der Pfad der EZB müsste analog zu Russland oder China in einer selbstbewusst transportierten Absicht zur Entflechtung bestehen und von konkreten Maßnahmen untermauert werden. Dies geschieht wenn überhaupt nur mittels der erwähnten rechtlich und im Sinne der Integrität dubiosen Schritte.

Für die EZB und ihre Freunde tickt die Uhr, bis sich das Fenster der Möglichkeiten geschlossen haben wird. Viel Zeit bleibt nicht mehr, um ihre eigene Geldpolitik auf „multipolar“ auszurichten. Das Fenster wird sich mit dem finalen Austrocknen des Eurodollar endgültig schließen. Sollten bis dahin nicht alle Fundamente gelegt und trocken sein, dann könnte der offen sichtbare Umbauprozess für die Länder der EZB äußerst schmerzhaft werden.

Der Zeitpunkt, wann dies geschehen wird ist nun bekannt: Es ist der Tag, an dem der letzte Eurodollar von Europa in Richtung Nordamerika überwiesen wird. Die Gretchenfrage dazu aber lautet: Wann genau wird es so weit sein?

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