Der Wetterbericht ist kaputt

Earth, Wind and Fire

 

Immer wieder in den letzten Jahren kam in mir das komische Gefühl auf, dass der Wetterbericht viel zu oft daneben liegt. Das gilt für Dreitagesprognosen genauso wie für jene, bei der man den auf dem Bildschirm die Prognose sieht und dann im Fenster direkt nebendran etwas völlig anderes.

Meist fiel der Regen aus. Heute dagegen, als das Gefühl erneut in mir aufkam, regnete wie aus Kübeln und das, obwohl für den Tag eine Pfurztrockenheit mit Null Prozent Regenwahrscheinlichkeit angekündigt war. Das besondere an heute ist, dass ich an drei ziemlich weit entfernten Orten war und jeweils etwas draußen zu erledigen hatte. Etwas mehr als 300 Kilometer waren es und in allen drei Fällen enttäuschte mich die Wetterprognose mit dem exakten Gegenteil des vor Ort eingetroffenen.
Zugegeben, ich weiß nicht ob die Echtzeitprognose für heute gepasst hat. Dafür hatte ich schlichtweg nicht die Zeit und auch nicht Muße, das Smartphone in der Hetzerei mit Regen zu beträufeln. Die schiefe Ansage für den heutigen Tag allerdings stammte von gestern, vorgestern und vorvorgestern. Über mehrere Tage habe ich die Entwicklung an den drei Orten verfolgt und freudig festgestellt, dass sich nichts tat an der Prognose mit der Null Prozent Regenwahrscheinlichkeit.

Geholfen hat es wenig, nachdem ich mich ein weiteres Mal gegen mein Bauchgefühl entschied und dem Wetterfrosch Glauben geschenkt hatte. Doch das ist ab sofort passe. Der Wetterbericht ist kaputt und zwar gründlich. Verlässlichkeit war gestern, gefühlt sogar vorgestern.

Dabei kann ich mich noch gut an das gegenteilige Gefühl erinnern. Die Wetterabteilung im Internet war schon eine Zeitlang erfunden und so schaute ich regelmäßig vorbei, um mich darüber zu informieren, wie es kommen könnte. Die Betonung liegt auf dem Konjunktiv am Ende des Satzes, da tief in meinem zu der Zeit noch jungen Gehirn verankert war, dass es meist anders kommt als es uns der Mann – oder hübsche Frau, je nach TV-Sender – alltäglich mitteilt.

Das Verfolgen des Wetterberichts als Kind vor dem Fernseher und als Jugendlicher im Internet war mehr eine Art Wettsport als ein Konsum von wichtiger Alltagsinformation. Die Korrektheit der Prognose war bedeutend weniger wichtig als das kurze Raunen, wenn mal wieder etwas unwahrscheinliches wie Hagel tatsächlich auch so eintraf.

Irgendwann jedoch ergriff mich jedes Mal, wenn ich die Kapriolen des Wetters an meine Haut ließ, dieses Gefühl, dass die Prognose erneut korrekt gewesen ist. Wo zu Beginn noch Erstaunen herrschte über den Lauf der korrekten Vorhersagen und die Skepsis darüber, für wie lange dieser noch anhalten wird, da setzte bald schon die entspannte Gewohnheit ein, dass man sich auf die Ansage verlassen konnte. Wenn es regnen solle, dann regnete es; wenn die Sonne brennen sollte, dann brannte diese; und wenn vor Rutschgefahr gewarnt wurde, da bin ich meist auch hingefallen.
Das galt nicht nur für die Tagesprognosen, sondern auch für die Dreitägigen. Selbst die längeren, die nur noch mit Klimamodellen ausgewürfelt werden können, waren meinem Gefühl nach tauglich genug, um sich bei größeren Vorhaben darauf verlassen zu können.

Was bei mir dabei stets im Hinterkopf haften blieb war der Respekt vor dieser geradezu epochalen Errungenschaft an Zuverlässigkeit. Nach zehntausenden Jahren voller Angst vor Blitz und Donner, von panischen Fluchtreaktionen in Richtung der Wohnhöhle und der immersteten Angst der Bauern, sich beim Erntetag mit dramatischen Folgen verspekuliert zu haben, kehrte endlich Ruhe ein.

Die zivilisatorische Leistung zuverlässiger Wetterprognosen ist ein Aspekt in unserer Evolution als nacktes biologisches Wesen, der von allzu vielen völlig unterschätzt wird. Doch wie ich feststellen muss scheint diese diese Errungenschaft in jüngster Zeit wieder verloren gegangen zu sein.

 

Woran liegt das?

 

Nun, vielleicht liegt es an mir und meinem Gefühl, das mir in seiner launischen Subjektivität schon einige dramatische Fehlschlüsse im Leben gebracht hat, wie es bei vermutlich allen so ist. Möglicherweise liegt es auch nur daran, dass die fast schon einzigartige Siegesserie des Wetterfroschs schlichtweg als eine natürliche Konsequenz des Zufalls zu Ende gehen musste.

Mein Gefühl aber drängt mir etwas anderes auf. Es teilt mir einmal mit, dass der Wetterfrosch eigentlich nach wie vor gute Ergebnisse bringen müsste. Die Überwachungssysteme aus Satelliten, Bodenstationen und Rechenzentren werden immer besser. Entsprechend müsste sich das in der Ergebnisqualität niederschlagen. Zwar wäre durchaus vorstellbar, ein zu komplexes System zu bauen, das am Ende volatil wird und beginnt, beliebig in alle Richtungen auszuschlagen. Das aber ist unwahrscheinlich. Denn schließlich gibt es nicht nur einen Wetterfrosch, sondern mindestens ein halbes Dutzend im Geschäft, die man alle ernst nehmen muss. Sie stehen im Wettbewerb zueinander, einer bekanntlich überaus befruchtenden Konstellation, wenn es um Qualität der Ergebnisse geht.

Wenn aber die Wetterfrösche noch immer das beste herausholen aus und die gegebene Datenbasis und ihre Analyse immer besser wird, das Ergebnis allerdings nicht mehr passt, dann, so mein Gefühl, muss etwas anderes im Argen liegen.

 

Meine Verschwörungstheorie: Die Windräder sinds!

 

Also eigentlich nicht. Windräder ja, Verschwörungstheorie allerdings eher nein. Denn eine Verschwörungstheorie geht von Absicht aus, was hier vermutlich nicht vorliegt. Viel mehr muss man von Mutwilligkeit ausgehen, mit der die Schäden von industriellen Windkraftanlagen an Mensch, Natur und Klima (ja, Klima) in Kauf genommen werden. Also eher eine indirekte Folge einer Verschwörung, bei der sich ausgiebige Netzwerke von Windkraftinteressenhaltern grüber Couleur treffen, denen die negativen Externalitäten mehr oder weniger egal ist. Sei das aus Gewinnstreben oder politischer Ideologisierung.

Eine dieser in Kauf genommenen Mutwilligkeiten durch das grüne Besserbürgertum, so drängt mir mein Gefühl auf, besteht darin, dass die Windräder den Wetterbericht kaputt machen. Starkwinde werden abgebremst und das just an den entscheidenden Stellen für den Luftaustausch über dem Land. Denn wer baut schon einen Windpark dahin, wo nur laue Lüftchen wehen? Gleichzeitig wirbeln kilometerlange Schleppen die lokalen Luftdichtenverhältnisse durcheinander – und zwar buchstäblich – so dass in Folge der komplexen Wechselwirkungen der verschiedenen, wetterbestimmenden Faktoren nichts mehr hinter dem Windpark so herauskommt, wie es hineingeweht ist.

Verwunderung ist also keineswegs angesagt, drängt es sich mir auf, über das heute ähnlich wie bis vor zwanzig Jahren völlig erratische Verhältnis zwischen Prognose und Wetter. Wollte man den Wetterbericht reparieren, man müsste die Berechnungsalgorithmen ergänzen um das, was die Windräder zwischen Messpunkt A und Messpunkt B verzerren. Das aber ist wie erwähnt komplex und wird daher selbst von den besten nur rudimentär verstanden. Denkt man sich hierzu die fast 30.000 Windkraftanlagen, die vor allem Nord- und Ostdeutschland zuspargeln, dann wird die Wetterprognose erneut wie es früher schon war zu einem Dreh am Roulettetisch mit der implizit eingebauten Aufforderung, heute trotzdem einen Schirm mitzunehmen.

 

Grüne Risikotechnologie

 

Was mich an der Sache vielmehr erstaunt ist, wie dezidiert toxisch die Windkraft doch eigentlich ist. Schon die Liste der eindeutig nachweisbaren „negativen Externalitäten“ der Geräte, um es freundlich auszudrücken, ist zu lange, als dass man sie alle in eine Twitternachricht packen könnte.

bendrein kommen immer mehr Fragezeichen, die mitnichten nur von Amateuren und Verschwörungsmystikern stammen, sondern von Fachleuten mit teils jahrzehntelanger Erfahrung in Physik oder im Geschäft der professionellen Wetterprognosen geäußert werden. Könnte die gemessene Erwärmung im Land am Ende gar ausschließlich von der Windkraft herrühren? Das ist ein anderes Thema, aber es ist definitiv eines, das mich beim Anblick einer Windkraftanlage genauso mit allerlei Assoziationen beglückt wie das Nachsehen des Wetterberichts.

Als Fazit in der Sache bleiben stehen jede Menge ungute Gefühle. Aber auch die Hoffnung, dass die Windkraft sich bald wieder im Museum wiederfinden wird. Sei es wegen Corona, oder wegen eines Blackouts, oder von mir aus auch wegen Elon Musks Batterien, die sich wesentlich besser eignen zur Stromversorgung in Kombination mit der inzwischen spottbilligen Photovoltaik. Vielleicht, so meine Hoffnung, wird das letzte Windrad im Land bald schon in Sinsheim die technikaffinen Besucher des dortigen Museums erfreuen.

Ich jedenfalls will wieder meinen Wetterbericht zurück.

Quelle Titelbild