Mit der Niederlage im „Krieg gegen den Coronavirus“ wird Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zur tragischen Figur

Groß verkündete Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den Krieg gegen den Coronavirus. Wie zu oft in Frankreichs Geschichte dauerte es jedoch keine sechs Wochen, bis das Land die Waffen strecken musste. Macron trat an, in die Fußstapfen der ganz großen zu treten, aber scheint es nicht einmal zu schaffen, darin zu schwimmen. So hustet sich Frankreich wie es scheint in seinen endgültigen Niedergang.

 

The Spectator: Macron hat den Coronavirus-Krieg verloren

 

Frankreich wird bis zum 11. Mai und möglicherweise sogar noch länger unter Quarantäne stehen. Ob jedoch die Glaubwürdigkeit der Präsidentschaft von Emmanuel Macron noch so lange überleben wird, ist fraglich.

Im Vorfeld einer weiteren großen Fernsehübertragung einer Rede Macrons am Montagabend wurde diese als „im Geiste Churchills“ angekündigt, allerdings konnte der Präsident dann kaum überzeugen. Die Botschaft seiner Ansprache war defensiv und grimmig, teilweise grenzte sie an Inkohärenz. Selbst die sonst gegenüber ihm gefälligen französischen Experten äußerten sich in vernichtender Weise darüber.

Macrons Versprechen, Frankreichs völlig überlasteten Krankenhäusern mehr Hilfe zukommen zu lassen wurde von Krankenschwestern, die unmittelbar nach der Sendung interviewt wurden, als „zu spät“ angeprangert. Patrick Bouet, Präsident des Nationalen Ärzterats, erklärte die Aufhebung der Quarantäne für verfrüht und potenziell katastrophal. (Mediziner verabscheuen Macron, nachdem er letzte Woche in einem Krankenhaus aufgetaucht war und sich mit einer Krankenschwester anlegte, die den Mangel an persönlicher Schutzausrüstung anprangerte. Sie bekam von ihren Kollegen dafür lautstarken Applaus. Macron weigerte sich dabei jedoch, die Verantwortung für den Mangel zu übernehmen).

Macrons Neuigkeiten waren nicht gut. Die touristische Sommersaison wird nun endgültig abgesagt. Sport ist gestrichen. Fabriken und Märkte bleiben geschlossen. Die Ausbreitung der Krankheit scheint nicht unter Kontrolle gebracht werden zu können. Die Grenzen bleiben geschlossen. Restaurants, Hotels, Kinos, Theater und Cafes bleiben geschlossen. Der Tourismus hat für die französische Wirtschaft einen Wert von 200 Milliarden Euro (7,2% am BIP) und stellt über drei Millionen Arbeitsplätze im Land. Gesichtsmasken, von denen erst behauptet wurde, sie seien völlig nutzlos, sollen nun allen zur Verfügung gestellt werden – aber erst in einem Monat.

Mitte Mai werde die Schulen wieder geöffnet, was den Eltern die Rückkehr an ihren Arbeitsplatz ermöglichen soll. Allerdings ist es eine andere Frage, ob sie dann auch wieder eine Arbeit haben werden. Die Wirtschaft befindet sich in einem Zustand des Zusammenbruchs. Nicht weniger auffällig war, was Macron in der Ansprache nicht sagte. Sein Reformprojekt für die Wirtschaft ließ er unerwähnt, er hat es offensichtlich aufgegeben.

Auch den Europäismus und Globalismus warf Macrons über Bord. Für die kontinentale Solidarität gab es lediglich Lippenbekenntnisse und eine Anerkennung, dass seine geliebte EU in dieser Krise im Wesentlichen nutzlos war. Anstatt dessen sprach er von nationaler Selbstabhängigkeit.
Mit flüchtigem Blick nahm er das Versagen des Staates zur Kenntnis. War Frankreich darauf vorbereitet? Offensichtlich nicht, gab er zu. Es habe an medizinischer Schutzausrüstung gefehlt. Aber kein Versprechen, wann er dies zu beheben gedenkt.

Im letzten Monat brach die Popularität Macrons in sich zusammen, innerhalb von zehn Tagen sank sie um 17 Punkte, wobei kaum mehr als ein Drittel des Landes dem Präsidenten oder seiner Regierung beim Bewältigen der Krise das Vertrauen aussprach.

Der Mann, der anlässlich seiner großen nationalen Debatte infolge des Aufstands der Gelbwesten im Jahr 2018 sich ganze 92 Stunden lang praktisch ununterbrochen an die Öffentlichkeit wandte, hat kein Talent für Kürze. Seine gestrige Vorstellung dauerte triste 30 Minuten, und am Ende war es schwer vorstellbar, dass seine Wiederwahl noch garantiert werden kann. Macron kann nicht gewinnen. Wenn er die Quarantäne aufhebt riskiert er eine zweite, noch tödlichere Infektionswelle. Sollte er die Quarantäne jedoch beibehalten, dann wird die Wirtschaft völlig zusammenbrechen. 

Die Ereignisse meinen es nicht gut mit Macron. Seine Unfähigkeit zu kommunizieren verleiht ihm zusätzlich Toxizität. Eine Präsidentschaft, die einst mit dem Versprechen eines Neuanfangs für Frankreich begann, befindet sich jetzt in einer Phase der Schmach.

Quelle Titelbild

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