30 Jahre alter Artikel beweist: Pakistan war damals schon heillos überbevölkert

Wenn es heute um die menschengemachten Katastrophen in aller Welt geht, da verweisen gutmenschliche Kreise und ihre Freunde aus der leninistisch-marxistischen Ecke gerne auf den bösen Kapitalismus, mit dem der ebenso böse weiße Mann die Welt malträtiert.

Schaut man sich aber die Sache aber im Detail an, dann ergibt sich ein anderes Bild. Eines, das geprägt ist von örtlicher Inkompetenz gepaart mit Überheblichkeit und Ideologie. So auch im Falle Pakistans und dessen multipler Strukturkrise.

Zufällig bin ich letztens über einen alten Artikel dazu gestolpert. Er handelt von Pakistans massivem Bevölkerungsdruck – und er stammt aus dem Jahr 1989.

 

Schon vor 30 Jahren bot Pakistan ein Bild des Schreckens

 

Mit „Plan or Perish“ war im Jahr 1989 ein Leitartikel betitelt, der im säkularen pakistanischen Viewpoint Magazin erschien, das heute leider nicht mehr existiert. Übersetzen lässt sich der Titel sinngemäß in etwa mit „Vorausplanen oder die Konsequenzen tragen“. Darin wird beschrieben, dass Pakistan seit seiner Staatsgründung 42 Jahre davor ein nie dagewesenes Bevölkerungswachstum erlebt. Zwar fielen die Zahlen relativ, absolut aber drängten damals mehr Menschen denn je vom Land in die Städte, während die Landbevölkerung noch immer jenseits der landwirtschaftlichen Kapazitäten wuchs.

Laut Artikel hätte die Infrastruktur jedes Jahr um mindestens 3,2 Prozent wachsen müssen, um mit dem Bevölkerungswachstum hinterher zu kommen. Krankenhäuser, Schulen, Straßen, Elektrizität, all das konnte der pakistanische Staat damals bereits nicht mehr allen Bürgern zur Verfügung stellen.

In Karatschi, einer Millionenmetropole im Süden des Landes an der Indusmündung seien soziale und ethnische Spannungen an der Tagesordnung, wobei der Hauptgrund für die Ausschreitungen vor allem in der für alle sichtbaren wirtschaftlichen Misere begründet lag.

Dies wohlgemerkt, als die Stadt sieben Millionen Einwohner hatte. 1951 hatte lebte dort noch eine Million Menschen, während sie zur Zeit der letzten Volkszählung 2017 bereits 15 Millionen Einwohner zählte.

 

 

Der Artikel warnt vor einem „Szenario wie bei Malthus“

 

Doch selbst Karatschi war damals schon lediglich die Spitze eines viel größeren Eisbergs. „Das ganze Land droht zu explodieren, sollten unsere Wirtschaftsplaner angesichts der gigantischen bevölkerungsbedingten Probleme nicht bald aufwachen,“ so der Artikel. Gefordert wird eine sofortige Halbierung des jährlichen Bevölkerungswachstums von 3,1% und das nur, um die schlimmsten Engpässe in der öffentlichen Versorgung zu überwinden.

Wie sehr der Artikel richtig lag in seiner Einschätzung ist seine Prognose von 150 Millionen Einwohnern für Pakistan um das Jahr 2000 herum. Tatsächlich weist Google für Pakistan eine Bevölkerungszahl von 144 Millionen aus, nachdem das Land 1989 noch etwa 108 Millionen Einwohner hatte.

Laut den damaligen Wirtschaftsplanern stellten diese 144 Millionen Einwohner die maximale Bevölkerungsgröße dar, die das Land ernähren kann. Im Artikel wird bezweifelt, dass dies auch so kommen wird und stellt die Frage, wie man effektiv das Wachstum eindämmen will.

Tatsächlich wächst Pakistan heute mit seinen 170 Millionen Einwohnern noch immer und beherbergt damit mindestens 20% mehr Menschen, als es dauerhaft versorgen kann.

 

Es wird eine Bevölkerungskontrolle gefordert „egal was die Fundamentalisten sagen“

 

Der Artikel fordert für „die nächste Planungsperiode“ – offenbar war im damaligen Pakistan die Zentralverwaltungswirtschaft in Mode – eine Priorisierung der Bevölkerungskontrolle. Gelder sollen zur Verfügung gestellt werden für Prämien und Bildungsprogramme, damit Menschen freiwillig die Zahl ihrer Kinder begrenzen, und damit das Land nicht mehr weiter unkontrolliert über seine Kapazitäten hinauswächst.

Explizit erwähnt werden die Fundamentalisten des Landes, die damals noch eine säkulare Opposition vorfanden. Mittlerweile haben letztere größtenteils das Land verlassen, oder sie wurden eingeschüchtert, oder ermordet, oder mit der schieren Bevölkerungsübermacht marginalisiert.
Dazu wird auch das heute noch bestehende Bildungsproblem Pakistans verwiesen. Anstelle vieler Kinder fordert der Leitartikel des Viewpoint Magazins weniger Kinder, denen dafür eine gute Bildung ermöglicht werden kann. Auch hier lässt sich heute urteilen, dass der Artikel definitiv kein Echo fand. Seit einem Jahrzehnt stagniert die Alphabetisierungsrate Pakistans bei erschreckenden 55%.

Anstelle von Lesen und Schreiben werden zu viele junge Pakistaner in kostenlose islamische Schulen, sogenannte „Madras“ geschickt. Doch während den Eltern mitgeteilt wird, dass ihre Kinder dort etwas lernen, so besteht der Unterrichtsstoff am Ende in zu vielen Fällen aus nicht viel mehr als dem Auswendiglernen des Korans und dem Einimpfen von Hass gegen alles vermeintlich unislamische. Ein Phänomen, das auch bei in Europa lebenden Pakistanern beobachtet werden kann.

Interessant aus der Perspektive des deutschen Ökowahns ist der Verweis auf das Argument, wonach immer mehr Menschen immer mehr Ressourcen verbrauchen und die Luft verpesten. „Alle fünf Sinne“ waren schon vor 30 Jahren betroffen vom Smog der Stadt, wie der Artikel mitteilt. Die Augen gereizt, die Nase verstopft, der Lärm unaufhörlich und auf der Zunge ein fader Geschmack von Ruß.

Wären die links-grünen Utopisten wirklich an der Rettung der Welt interessiert, sie hätten bereits damals auf die Forderungen im Artikel gehört und spätestens mit dem Antritt der links-grünen Regierung 1998 mit der Umsetzung begonnen. Die Probleme der Dritten Welt, sie könnten heute alle gelöst sein.

 

 

Ein Leserbrief, der eigentlich alles sagt

 

Der Artikel endet mit einem ernüchternden Fazit. Pakistan droht mit Problemen in das 21. Jahrhundert zu stolpern, die es heute (also 1989) nicht bereit zu lösen ist, die es bald schon aber nicht mehr beherrschen kann. Wie die Geschichte im weiteren Verlauf leider gezeigt hat war der Artikel keine Schwarzmalerei, sondern traf voll in die Mitte.

Wie sehr das säkulare und vernunftbegabte Bürgertum des damaligen Pakistan bereits verloren hatte zeigt ein Leserbrief zu dem Artikel. Eine verheiratete Frau aus der Mittelschicht mit zwei Kindern schrieb, dass sie und ihr Mann beschlossen, ihre Familie sei groß genug, weshalb sie sich sterilisieren lassen wollte.

Sie ging daher zur zuständigen Gesundheitsbehörde, die in solchen Fällen berät und Operationen vermittelt. Neben der Überraschung darüber, dass die Behörde kaum existent war und es sie fast nur auf dem Papier gab, wurde ihr von den Ärztinnen der Behörde geraten, noch einmal über ihre Entscheidung nachzudenken und wollten sie zunächst nicht vermitteln. Erst als sie vehement auf die Operation bestand wurde sie an ein Krankenhaus überwiesen.

Im Krankenhaus weigerte sich die zuständige Frauenärztin offen dagegen, bei ihr die Operation durchzuführen. Als Grund gab sie an, dass sie als Angehörige der Mittelschicht ruhig noch ein paar Kinder mehr in die Welt setzen könne (Plural!) und die Familie im Gegenzug eben „auf ein paar Annehmlichkeiten verzichten soll“. Die zwei Kinder der Frau würden laut der Ärztin keine Operation rechtfertigen. Ob die Frau am Ende ihre Operation bekam ist unbekannt.

An dem Leserbrief zeigt sich, dass die pakistanische Politik nach außen vielleicht ein paar Versprechungen und Zugeständnisse in die Richtung der Bevölkerungskontrolle machte und so tat, als würde sie das Problem erkennen und es auch als Problem erachten.

Intern aber war die Marschroute aber offenbar klar. Neben dem „Mitwachsen“ mit dem großen Erzrivalen Indien, das etwa acht Mal so viele Einwohner hat, waren auch die islamistischen Strukturen bereits fest installiert.

Zu Beginn seiner Existenz machte Pakistan dank seines Staatsgründers Muhammad Ali Jinnah noch einen vielversprechenden Eindruck, zumal das Industal im British Empire eine sehr wohlhabende Region war.

Die religiösen Extremisten aber schafften es innerhalb von nur zwei Generationen, dank Geburtenüberschuss – hier ein selten lesenswerter Artikel vom SPON dazu – die säkularen und freiheitlichen Werte im Land so weit abzuschleifen, dass das Land am Ende unregierbar wurde. Den finalen Schlag versetzte dem Land Mohammed Zia-ul-Haq, der das Land zwischen 1977 und 1988 als Diktator (und mit freundlicher Hilfe der CIA) unwiderruflich auf einen islamistischen Kurs brachte.

Es wundert daher nicht, dass der Hilferuf des Viewpoint Magazins aus dem Jahr 1989 nicht nur bei uns ungehört verhallte, sondern auch in Pakistan selbst. Die Probleme Pakistan von damals aber, sie sie wuchsen so sehr, dass sie heute auch ein Problem sind für uns am anderen Ende der Welt.

 

Ebenfalls in der Ausgabe: Eine Werbeanzeige des pakistanischen Finanzamts: „Bitte zahlt doch eure Einkommensteuer“ 🙂

 

Quelle Titelbild