Leseprobe: „Nach dem Ende der Zukunft“

Leseprobe: „Nach dem Ende der Zukunft“

Ideenreichtum, Neugierde und ein eiserner Wille kommen immer genau dann zur vollen Entfaltung, wenn einer Person das gewohnte Leben entzogen wird, und vor ihren Augen die vorbestimmte Zukunft unwiederbringlich in tausend Teile zersplittert. Als Meister darin erweist sich ein junger Schmied, der ungewollt eine ihm unbekannte neue Welt betritt, die ihm zuvor nicht einmal als Phantasie möglich erschien. Mit viel Geschick und auch etwas Glück passt er sich an und überspringt dabei Hürden, die selbst den meisten der alten Bewohner zu hoch wären. Mit jeder Herausforderung wächst seine Erfahrung und lernt er neues hinzu. Dennoch bleibt er stets ein Vertriebener aus einer anderen Welt, der um seinen angestammten Platz betrogen seine Nische im neuen Leben erst noch entdecken muss.

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Nach dem Ende der Zukunft

 

Kapitel 1

Es war einmal ein Morgen, der versprach ein sonniger Tag zu werden. Die Erntezeit stand an und sämtliche Einwohner des Dorfes machten sich auf zu den Feldern, um die Früchte aus der Erde zu holen.

Bald schon stand die Luft voller Staub, als die Menschen mit dem Umgraben der Erde begannen. Die Sonne war nur noch als Schimmer zu erkennen und selbst die Surraben, die stets weit über den Menschen ihre Kreise zogen, waren kaum noch zu sehen im trockenen Dunst, der über den Feldern waberte.

Nur der Jungschmied blieb zurück. Er hatte etwas vorbereitet und heute sollte der große Tag dafür werden.

Lange tüftelte er in einer Ecke seiner Schmiede daran, es müssen mehrere Jahre gewesen sein. Die Idee dazu kam ihm bereits als Kind. Denn unüblich, wie es im Dorf und im ganzen Tal eigentlich war, wurde er Schmied und nicht wie sein Vater ein Bauer. Die Arbeit auf den Feldern war ihm aber dennoch bekannt und auch, wie mühselig und kraftraubend sie war. Oftmals bereute er, stets jene Zeit des Jahres mit intensiver Arbeit verbringen zu müssen, die er immer als die schönste empfand.

Sein Glück war, dass der Hof seiner Familie sich direkt neben der Schmiede des Dorfes befand. Da der Dorfschmied keine Frau und keine Kinder hatte, bestellte dieser sein Essen stets auf dem Hof, das ihm der Jungschmied im Tausch für Schmiedewaren vorbei brachte. Bald ging der Junge auch dann zur Schmiede, wenn ihm die Zeit dafür reichte.

Der Dorfschmied machte ihn gerne zu seinem Schüler und lehrte er dem wissbegierigen Jungen alles über das Handwerk, bevor er eines Winters zu früh verstarb. So kam es, dass er in jungen Jahren schon die Schmiede übernahm und fortan im Dorf und jenseits davon als der Jungschmied bekannt war.

Seine Arbeit tat er sehr gerne. Sie war heiß und schwer. Doch sie war auch stets von Belohnung gekrönt, wenn ein Hammer geschmiedet oder ein Kessel geflickt war. Die Menschen im Dorf anerkannten die Qualität seiner Produkte und so war er bald im ganzen Tal für sein Handwerk bekannt. Was noch fehlte in seinem Leben war eine gute Frau, und sein Lebensglück hätte ihm sicherlich bis in das höchste Alter verholfen.

Doch er wollte stets mehr. Nicht für sich und seinen Vorteil. Vielmehr war ihm eine praktische Phantasie gegeben, wie es sie nur selten gibt.

So dachte er sich, könnte er helfen und die schönste Zeit des Jahres etwas schöner gestalten mit dem, was ihm als Schmied gegeben war. Lange darüber grübeln musste er nicht. Eine Maschine sollte es sein, die mehr Kraft gibt als ein erwachsener Mann und sie sollte all jene Arbeiten verrichten, die mühselig und zeitraubend waren.

Diese Maschine, sie stand nun endlich vor ihm. Groß und schwer war sie und stand bereit für ihren ersten Einsatz auf dem Feld. Ausprobiert hatte er sie noch nicht. Doch er war sich gewiss, sie würde genau das machen, wozu er sie schuf.

Unter den Augen der Neugierigen brachte er sie auf das Feld. So eine Maschine in dieser Art und in Größe hatte bisher noch keiner gesehen. Der große Kessel und die vielen Hebel und Räder waren ein völlig neuer Anblick für sie.

Der Jungschmied begann er sie zu beheizen und spannte ein Seil auf, das seine Maschine mitsamt eines Pflugs daran gleich einziehen sollte. Die Zuschauer ahnten, was er damit bezweckte. Jedoch fehlte ihnen die Phantasie, um sich vorstellen zu können, dass eine Maschine auch tatsächlich so etwas vollbringen konnte.

Der Mittag brach an, als der Jungschmied beschloss, dass der Aufbau der Maschine komplett sei. Die Menschen auf den Feldern legten eine Pause ein und versammelten sich tuschelnd um die Maschine herum. Der Jungschmied wartete derweil geduldig, bis sich der vom Ernten aufgewirbelte Staub auf dem Feld endlich gelegt hatte.

Dann war es so weit. Gespannt schauten alle zu ihm und seiner Maschine. Selbst die Surraben bemerkten das Treiben und versammelten sich über der Maschine, wo sie diese mit Argwohn beäugten.

Selten sahen die Menschen des Dorfes die Surraben jemals so tief über sich fliegen. Knapp über den Wipfeln der Bäume kreisten sie nun, diese seltsamen, pechschwarzen Vögel. Noch nie konnte jemand die scheuen Tiere mit den stechenden Augen von Nahem sehen oder gar eins davon fangen.

Plötzlich kam ein lautes Pfeifen vom Kessel, was einige der Zuschauer verschreckte. Für den Jungschmied war es das Zeichen, dass der Moment nun gekommen war. Unter den Augen der Anwesenden stieg er auf die Maschine und brachte sie das erste Mal in Gang. Mit festem Griff umfasste er einen der Hebel an der Maschine und zog ihn nach unten. Es war ein Kommando, die Maschine sollte ziehen.

Ein Raunen ging durch die Runde. Niemand rührte sich. Alle blickten gebannt auf die Schneise des Pflugs. Mit offenen Mund beobachteten die Anwesenden, wie die Maschine laut schnaufend damit begann, den Pflug am Seil hängend zu sich zu ziehen.

Auch die Surraben waren jetzt endgültig gefesselt vom Treiben da unten. Noch nie flogen sie so nahe über den Köpfen der Menschen. Nicht weniger als die Menschen schien auch sie die Maschine in ihren Bann gezogen zu haben. Ihre Formation wurde immer enger und mit jedem gezogenen Kreis flogen sie etwas tiefer. Sogar zu Zwitschern begannen die Surraben. Etwas, das noch nie jemand von einem der Vögel vernommen hatte, die bislang nur bekannt waren für ihr gleichmäßiges Surren in der Art eines Insekts.

Doch niemand auf dem Feld bemerkte das unübliche Verhalten der Surraben. Sie alle waren zu sehr fokussiert auf des Jungschmieds Maschine.

Dann plötzlich kreischten die Surraben laut auf und stürzten sich herunter auf die Köpfe der Menschen. Gierig griffen sie mit ihren Krallen nach allem, was sie zu fassen bekamen und quetschten das Leben schneller aus den Leibern heraus, als die Opfer die Zeit hatten zu schreien.

Manch einer schaffte es noch, den Sturzflug des ersten Surraben von sich abzuwehren. Doch da kam schon der zweite und griff nach dem Arm. Dutzende Menschen sterben sofort, manche begannen panisch zu rennen. Aber auch sie kamen nicht weit. Einen nach dem anderen schnappten sich die Surraben und zerquetschten sie noch auf der Stelle.

Es dauerte einen Augenblick, bis auch der Jungschmied das plötzliche Chaos bemerkte. Er lag gerade gebückt unter der Maschine und hatte nur diese im Blick. Nach dem ersten Todesschrei erst blickte er auf und begriff zu seinem Glück sofort, was ihm ebenso drohte.

In einem Reflex griff er nach einen der Kessel mit frischem Wasser neben sich und zog ihn über den Kopf. So scheiterte der erste Surrabe an ihm, den er, den großen Schraubenschlüssel zur Hilfe nehmend in größter Not wegschlagen konnte.

Schnell weg hier, war sein letzter Gedanke, und so rannte auch der Jungschmied ziellos und in Panik davon.

Kapitel 2

Ein Dutzend der Surraben flog sofort hinter ihm her. Mit dem Schraubenschlüssel konnte er sie zwar mehrmals abwehren, doch sie wollten nicht ablassen von ihm.

Der Jungschmied rannte weiter in Richtung der Eisenadern im Wald. Dort hoffte er, dass ihm die Bäume und Büsche etwas Schutz geben würden vor den fliegenden Monstern. Vor allem aber war es die Panik, die ihn dorthin trieb und weniger ein Plan.

Auch im Wald trachteten die Vögel nach ihm und versuchten immer wieder, sich seine Arme zu packen. Mal um Mal schwang der Jungschmied das eiserne Werkzeug und traf sogar einen davon. Tod war der Surrabe nicht, doch er litt genug, so dass er die Verfolgung abbrechen musste.

Seine Flucht in den Wald kostete ihn die Kraft von Stunden, obwohl es nur Minuten dauerte, bis er diesen erreichte. Sofort orientierte er sich in Richtung der Eisenadern. Er kannte sie gut und so kannte er auch das große Gebüsch am unteren Ende des Tals, von dem er sich ausreichend Schutz versprach.

Er sollte recht behalten mit seiner panisch beschlossenen Entscheidung. Je dichter der Bewuchs um ihn herum wurde, desto weniger konnten ihn die Surraben von mehreren Seiten gleichzeitig angreifen. Das gab ihm den entscheidenden Vorteil, um die Hütte zu erreichen, die in der Nähe der Stelle für den Eisenabbau stand.

Aber auch die Hütte verschaffte ihm nur eine kurze Verschnaufpause. Sofort begannen die Surraben damit, an der Verschalung der Holzhütte zu kratzen.

Zumindest eine Weile würden die Wände den Krallen standhalten, dachte sich der schwer atmende Jungschmied, und nahm seinen eisernen Helm vom Kopf.

Was war nur geschehen, fragte er sich, und versuchte die Kontrolle über seinen zutiefst geschockten Verstand zurückzuerlangen. Mit jedem Atemzug in der Hütte ebbte der Fluchtreflex etwas ab, doch die Gedanken begannen zu rasen.

Warum griffen die Surraben an? Werden sie wieder von mir ablassen? Was ist mit den anderen?

Sind alle tot?

Das Geschehene schlug so plötzlich und brutal über ihm ein, dass er nicht in der Lage war, all das einzuordnen, was sich in den Minuten davor überhaupt ereignet hatte.

Doch da war es auch schon zu spät. Unter dem Kratzen der Surraben begann das erste Wandbrett zu knacken.

Gleich sind sie drin, war dem Jungschmied bewusst. Schnell griff er sich seine beiden Abwehrmittel und bereitete sich vor auf den nächsten Kampf mit den Tieren.

Das Brett gab immer mehr nach und der erste Surrabe zwängte sich durch die entstandene Ritze im Holz. Mit aller Gewalt schlug der Jungschmied auf den Vogel ein, so dass dessen Surren einen Moment lang ins Stocken geriet.

Direkt dahinter kam der nächste und auch dieser bekam einen Hieb. Als dann aber der dritte seinen Weg in die Hütte fand, begriff er mit einem Mal die Falle, in der er jetzt saß. Ein letztes Mal schlug er um sich und ergriff erneut rennend die Flucht.

Weiter ging es für ihn entlang der Eisenadern immer tiefer in den Wald hinein. Oft war er hier nicht. Der alte Schmied erzählte ihm einst, wie er den Adern einmal bis zum Ende des Tals folgte, dort allerdings nichts fand außer Geröll und Gebüsch.

Eine Handvoll der Surraben verfolgten ihn weiter. Er war sich nicht sicher über die Zahl, und so rannte er so schnell er konnte entlang der Eisenadern direkt hinein in das dichte Gestrüpp.

Was er genau wollte am Ende des Tals war ihm selbst noch nicht klar. Das drohende Surren aber wollte nicht aufhören und so sah er keinen anderen Weg, als sich weiter in diese Richtung zu bewegen. Hektisch arbeitete er sich vorwärts und riss die dicht stehenden Ranken und Äste auseinander und zwang seinen Körper hindurch. Dornen hinterließen tiefe Schnittwunden in seinem Fleisch, doch die Panik war zu groß, als dass er sie spürte.

Eine Endlichkeit später erreichte er das Ende des Tals. Große und mit dicken Wurzeln umranke Geröllbrocken versperrten ihm von hier an den Weg. Direkt dahinter stieg die Wand des Tals fast senkrecht nach oben.

Aber noch bevor er einen klaren Gedanken fassen konnte, konnte er hören, wie sich die Surraben mit ihren scharfen Krallen von oben durch den dichten Bewuchs zu schneiden begannen.

Ein neuer Schub voller Panik ergriff den Jungschmied, der mit der Kraft der Verzweiflung begann, sich seitlich voran zu bewegen, nachdem vor ihm nur noch die Felswand lag.

Plötzlich nahm er einen kalten Luftzug unter sich wahr. Er wollte sich schon weiterkämpfen durch das vor ihm liegende Dickicht. Doch etwas ließ ihn noch einmal die Kühle erfühlen, die da zwischen den Ritzen zu ihm hervortrat.

Was das nur ist?

Er war sich nicht sicher und es war kaum der Wahrnehmung wert.

Dennoch hielt er inne und zerrte mit verzweifelter Hoffnung er den ersten Stein von der Stelle. Da öffnete sich ein Spalt mit einem dunklen Loch dahinter, wo eigentlich Felswand sein sollte. Ein kalter Luftzug drang nach oben zu ihm.

Ohne über den Fund nachzudenken, riss er noch einmal energischer die Ranken vom nächstliegenden Stein, um auch diesen zur Seite schieben zu können.

Tatsächlich, freute er sich beinahe hysterisch, da war eine Öffnung.

Noch war sie zu klein für ihn und so musste er noch einen dritten Stein bewegen. Seine Kraft jedoch versagte. Zu anstrengend war die Flucht bis an diesen Punkt, zu kräftezehrend die Abwehr der Surraben und zu sehr schmerzte sein Körper.

Der Jungschmied ließ für einen Augenblick ab und drehte sich um. Da sah er, wie die Surraben unter dem vollen Einsatz ihrer Krallen noch einmal energischer in seine Richtung drängten. Ganz so, als hätten sie gesehen, wie er eine rettende Öffnung am freilegen war.

Der Schock vom Anblick der Surraben entfesselte sofort neue Kräfte. Vom Gefühl für Schmerzen befreit machte er sich an den dritten Stein und schob ihn das entscheidende Stück zur Seite.

Das muss genügen, urteilte der Jungschmied, und zwängte sich ohne zu zögern kopfüber hinein in das kalte Loch unter sich.

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